Mobbing

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Tom
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Mobbing

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 22:02

  • Mobbing

    Was ist Mobbing ?
    Mobbing ist nicht neu, hat in den vergangenen Jahren allerdings deutlich zugenommen.
    Mobbing ist zum Dauerthema geworden. Warum ?
    Mobbing ist kein Einzelschicksal, sondern spiegelt die Alltagsrealität im Arbeitsleben wieder. Internationale Studien belegen, dass eine Vielzahl von Beschäftigten darunter leidet.
    Mobbing verursacht nicht nur erhebliche gesundheitliche Schäden für die Betroffenen, sondern auch hohe betriebswirtschaftliche Kosten.
    Mobbing ist nicht nur ein Thema für die Führungsetage und die sozialwissenschaftliche Forschung, sondern auch für den betrieblichen und staatlichen Arbeitsschutz.

    Definition und Merkmale
    "To Mob" bedeutet so viel wie anpöbeln, schikanieren, attackieren, angreifen, drangsalieren. Für tyrannisierendes Verhalten von Vorgesetzten werden mittlerweile die Bezeichnungen "Bullying" oder "Bossing" verwandt. "Mobbing", Ende der 80er Jahre von dem schwedischen Arbeitspsychologen Heinz Leymann eingeführt, bezeichnet schikanöses Verhalten am Arbeitsplatz.

    "Mobbing beinhaltet, dass jemand am Arbeitsplatz von Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder beispielsweise mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der oder die Mobbingbetroffene unterlegen ist. Wenn man etwas als Mobbing bezeichnen möchte, dann muss dies häufig und wiederholt auftreten (z.B.: mindesten einmal pro Woche) und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (mindestens ein halbes Jahr). Es handelt sich nicht um Mobbing bei einmaligen Vorfällen. Es handelt sich auch nicht um Mobbing, wenn zwei etwa gleich starke Parteien in Konflikt geraten."
    ZAPF, 1996

    Mobbing ist ...
  • ... eine ausgeprägt-feindselige Haltung gegenüber den Betroffenen, die weit über ein schlechtes Betriebsklima hinausgeht.
  • ... wenn die feindseligen Verhaltensweisen lang andauern und sich immer wiederholen.
  • ... wenn sich Angriffe und Schikanen, gezielt und nicht zufällig, auf eine bestimmte Person oder Gruppe richten. Das Ziel: Deren Würde und Integrität systematisch zu untergraben.
  • ... wenn sich die Betroffenen zunehmend ausserstande fühlen, sich dagegen zur Wehr zu setzen und das Geschehen positiv mitzubestimmen.
  • ... heimtückisch, da die einzelnen Handlungen für sich betrachtet banal erscheinen. Dies erschwert nicht nur die Beweisführung vor Gericht, sondern macht es Betroffenen auch schwer, Mobbing frühzeitig zu erkennen. Oft merken sie erst sehr spät, dass sie in einen Mobbingkonflikt verwickelt sind.
  • ... sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Sie kann durch das Beschäftigtenschutzgesetz von 1994 sanktioniert werden.

    Wie wird gemobbt ?
    Mobbing zeigt sich auf vielfältigste Weise, die je nach Ziel unterschiedlich sein können.

    Die 45 Mobbing-Handlungen

    Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen
  • Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äussern.
  • Man wird ständig unterbrochen.
  • Kollegen schränken die Möglichkeit ein, sich zu äussern.
  • Anschreien oder lautes Schimpfen.
  • Ständige Kritik an der Arbeit.
  • Ständige Kritik am Privatleben.
  • Telephonterror.
  • Mündliche Drohungen.
  • Schriftliche Drohungen.
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht.

    Angriffe auf die sozialen Beziehungen
  • Man spricht nicht mehr mit dem / der Betroffenen.
  • Man lässt sich nicht ansprechen.
  • Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen.
  • Den Arbeitskollegen wird verboten, den Betroffenen anzusprechen.
  • Man wird wie "Luft" behandelt.

    Angriffe auf das soziale Ansehen
  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen.
  • Man verbreitet Gerüchte.
  • Man macht jemanden lächerlich.
  • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein.
  • Man will jemanden zu einer psychatrischen Untersuchung zwingen.
  • Man macht sich über eine Behinderung lustig.
  • Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
  • Man greift die politische oder religiöse Einstellung an.
  • Man macht sich über das Privatleben lustig.
  • Man macht sich über die Nationalität lustig.
  • Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die sein Selbstbewusstsein verletzen.
  • Man beurteilt den Arbeitseinsatz auf falsche und kränkende Weise.
  • Man stellt die Entscheidungen des Betroffenen in Frage.
  • Man ruft ihm obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach.
  • Sexuelle Annäherung oder verbale sexuelle Angebote.

    Angriff auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation
  • Man weist den Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
  • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
  • Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt ihm Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können.
  • Man gibt ihm ständig neue Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt ihm Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikationen übersteigen, um ihn zu diskriminieren.

    Angriffe auf die Gesundheit
  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten.
  • Androhung körperlicher Gewalt.
  • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemanden einen "Denkzettel" zu verpassen.
  • Körperliche Misshandlung.
  • Man verursacht Kosten für den Betroffenen, um ihm zu schaden.
  • Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des Betroffenen an.
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten.

    Quelle: Leymann, 1993

    Vor allem drei Ziele hat Mobbing: Die souialen Beziehungen, das soziale Ansehen und das berufliche Ansehen der betroffenen Person oder Gruppe angreifen und beschädigen.

    Wer mobbt ...
    ... attackiert die sozialen Beziehungen der Betroffenen. Mobbing zielt deshalb auf die Kommunikation untereinander: Demütiges Anschreien, herabsetzendes Beschimpfen und Beleidigen, ständige Kontaktverweigerung und abwertende nonverbale Kommunikation grenzen aus und stören damit empfindlich psychisches Wohlbefinden und Selbstvertrauen.

    ... attackiert das soziale Ansehen der Betroffenen und will ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl untergraben. Ihr soziales Ansehen, ihr Ruf werden demontiert. Sie nehmen die feindliche, doppelbödige Arbeitsatmosphäre zwar wahr, erfahren jedoch meist erst spät, dass Gerüchte über ihr Privatleben die Runde machen und hinter ihrem Rücken über sie gelästert und geklatscht wird.

    ... attackiert das berufliche Ansehen des Betroffenen, kritisiert und wertet ihre Arbeitsleistungen ab. Zuständigkeit und Kompetenz werden permanent in Frage gestellt, Informationen vorenthalten oder gar Fehlinformationen und unklare Anweisungen gegeben. Werden die Betroffenen dazu noch mit Arbeit überhäuft oder wird ihnen Arbeit entzogen, erhöht das die Fehleranfälligkeit und gibt erneut Anlass zu Kritik.

    Wo wird gemobbt ?

    Die Mobbing-Branchen
    Studien (ZAPF 1999) haben ergeben, dass Mobbing überdurchschnittlich häufig im Gesundheits- und Sozialwesen (Verhältnis 7:1) vorkommt, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (3,5:1) und vom Erziehungbereich (3:1). Beachtlich gemobbt wird auch im Finanzsektor, wogegen Verkehr und Handel, Gaststätten- und Baugewerbe, Energie und Wasser deutlich unterrepräsentiert sind. In jüngster Zeit hat es bei der Polizei und Bundeswehr zunehmend schwere Vorwürfe wegen Mobbing gegeben.

    Relativ mobbing-resistente Branchen
    Warum in manchen Branchen gemobbt wird und in anderen nicht, ist noch nicht ausreichend erforscht. Vermuten lässt sich jedoch, dass bestimmte strukturelle Bedingungen (Unternehmenskultur, Führungsstil, Personalpolitik) Mobbing begünstigen. Insgesamt betrachtet scheint Mobbing vorzugsweise ein Problem der Angestellten, Beamten und Führungskräfte zu sein. Im Produktionsbereich kommt Mobbing seltener vor.

    Wer mobbt ?
    Mobbing kommt aus drei Richtungen:

    :arrow3: Von oben nach unten
    Deutsche Stichproben (ZAPF 1999) haben ergeben, dass vor allem Vorgesetzte mobben. Sie sind mit über 70 Prozent fast immer beteiligt.

    = Von gleich zu gleich
    Zweithäufigste Form von Mobbing kommt unter Kollegen und Kolleginnen vor. Die erste schwedische Mobbingstudie machte Mobbing in erster Linie unter Kollegen/innen aus.

    :arrow4: Von unten nach oben
    Weit seltener wird "von unten nach oben" gemobbt. Geschieht es doch, sind vorwiegend neue Vorgesetzte das Ziel.

    Männer mobben anders ...
    Männer bedienen sich häufig "rationaler Methoden", die vielfach eine Machtposition voraussetzen: Sie weisen demütigende Arbeiten zu, kritisieren überzogen und ungerechtfertigt, verweigern Informationen. Männer versuchen eher, das berufliche Ansehen zu schädigen.

    ... als Frauen
    Frauen bevorzugen "emotionale Methoden": Sie setzen Gerüchte in die Welt, spielen auf Privatleben und Aussehen an, machen lächerlich und brechen Gespräche ab. Frauen versuchen eher, das soziale Ansehen zu schädigen.

    Wer wird gemobbt ?

    Frauen
    Zwei Drittel aller Mobbingopfer sind, deutsche Studien gemäss, Frauen. Die Auswertung des ver.di-Beratungstelephons seit 1993 ergab sogar, dass neun von zehn Anrufen von Frauen kamen. Dieser Befund ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren: Zum einen waren Frauen bei den Studien überproportional vertreten, zum anderen wenden sich Frauen bei Problemen, die oft aus Scham verheimlicht werden, eher nach "aussen", um sich Hilfe zu holen.

    Männer
    Studien kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass Frauen eher von Frauen und Männer von Männern gemobbt werden. Frauen werden aber auch häufig von Männern (Vorgesetzte sind überwiegend Männer) gemobbt. Dass Männer ausschliesslich von Frauen gemobbt werden, geschieht ganz selten.

    Der Verlauf und die Auswirkungen von Mobbing
    Mobbing ist ein dynamischer Prozess und vollzieht sich in Phasen. In einem typischen Mobbingverlauf spitzt sich die Situation zu, der Konflikt eskaliert - mit erheblichen Folgen für die Betroffenen und den Betrieb. Ein starres "Täter-Opfer"-Schema gibt es dabei nicht.
  • Bei Mobbing handelt es sich um einen emotionsgeladenen Konflikt, bei dem beide Parteien mitwirken. Mobbing verfügt über eine Konfliktdynamik , bei der sich beide Seiten durch ihr Verhalten wechselseitig beeinflussen. Kritisch und charakteristisch bei Mobbing ist, dass sich das Kräfteverhältnis dramatisch zu Ungunsten der einen Seite verändert. Diese Situation können Mobbingbetroffene kaum noch aus eigenen Kräften, sondern nur mit fremder Hilfe bewältigen. Eine erfolgversprechende Intervention muss diese Wechselseitigkeit reflektieren, um den Prozess wirksam zu unterbrechen bzw. zu beenden.
  • Nicht alle "Opfer" sind und fühlen sich hilflos und ausgeliefert, sondern sehr wohl in der Lage, Mobbingprozessen entschieden entgegenzutreten.

    :arrow: Das Vier-Phasen-Modell

    1.Phase: Die Suche nach dem Sündenbock (wenige Tage bis wenige Monate nach Beginn)
    Die ersten Mobbinghandlungen sind wenig spektakulär und damit in ihrer Absicht kaum zu beweisen. Verhalten, Einstellungen und Merkmale dienen als Begründung dafür, dass jemand nicht in die Gruppe passt, "Probleme" bereitet, unfähig und unkollegial ist. Wehren sich die Betroffenen, verstärken sie ihre "Aussenseiterrolle" und kommen in den Ruf, "übersensibel" zu sein. Es entwickelt sich zunehmend ein Klima der offenen und unterschwelligen Feindseligkeit, das geringe Chancen bietet, ein klärendes Gespräch zu führen. Diese gezielte Strategie der Verunsicherung und Zermürbung schwächt die Widerstandskraft der Betroffenen, die zunehmend in eine unterlegene Position geraten.
    Die Folgen:
    Das feindselige Arbeitsklima bewirkt bei den Betroffenen ein wachsendes Gefühl von Stress mit körperlichen und seelischen Belastungen: Nervosität und Angespanntheit, allgemeines Unwohlsein, Kopf- und Spannungsschmerzen, Konzentrationsprobleme, Herzrhythmus- und Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit mit depressiven Verstimmungen nehmen zu. Das kann zu Arbeitsfehlern, reduzierter Motivation, Reizbarkeit und geringerer belastbarkeit führen. Schuld- und Versagensgefühle tragen dazu bei, dass Mobbingbetroffene sich immer weniger auf die Arbeit konzentrieren können. Weitere Konflikte sind somit programmiert.

    2.Phase: Die Suche nach Verbündeten (ca. ein halbes Jahr nach Beginn)
    In der zweiten Phase verdichten sich die Angriffe zu gezielten und systematischen Schikanen. Der ursprüngliche Konflikt ist vergessen, es geht zunehmend nur noch darum, den oder die Andere zu verletzen und zu darangsalieren. In diesem Stadium suchen sich Mobbinf-Akteure vielfach "Verbündete" zur Stärkung und Rechtfertigung ihrer Position. Das etablierte Feindbild erhält zunehmend "Bestätigung" von allen Seiten.
    Die Folgen:
    Ständiger Druck mit aufkommenden Angstzuständen verstärkt die psychosomatischen Reaktionen und stört in wachsendem Masse das seelische Gleichgewicht. Die Betroffenen werden "dünnhäutiger" und / oder reizbarer, zeigen ihrerseits aggressive Verhaltensweisen und scheinen hierdurch weitere Übergriffe zu "rechtfertigen".

    3.Phase: Die Eskalation (ca. 1 bis 2 Jahre nach Beginn)
    Der Mobbingkonflikt spitzt sich zu und eskaliert. An dieser Eskalation mit gegenseitigen Schuldzuweisungen können beide Seiten beteiligt sein. In diesem Stadium kommt es häufig zu Abmahnungen, Versetzungs- und Kündigungsandrohungen. Häufige und langandauernde Krankschreibungen verschlimmern die Situation am Arbeitsplatz, erhöhen bei den Betroffen vielfach Schuldgefühle und Versagensängste. Gleichzeitig können Gefühle der Ausweglosigkeit, aber auch der Wut und Aggressionen entstehen, was Dynamik und Bearbeitung des Konflikts ausserordentlich verschärft.
    Die Folgen:
    Anhaltende Angstzustände und Gefühle der Ohnmacht und Ausweglosigkeit verstärken die körperlichen und seelischen Beschwerden. Die Belastungen am Arbeitsplatz dominieren auch das Privatleben. Abschalten ist nicht mehr möglich, die betroffenen zermürben sich in permanentem Grübeln. Sie können sich kaum noch zur Wehr setzen.

    4.Phase: Die Stigmatisierung ist perfekt (ca. 2 bis 4 Jahre nach beginn)
    Soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung sind nahezu perfekt. Langfristige und wiederkehrende krankheitsbedingte Fehlzeiten erschweren die Bewältigung des Berufsalltags. Es kann zur Kündigung, zur Eigenkündigung bzw. Frühverrentung kommen.
    Die Folgen:
    Die ausgeprägten psychosomatischen Beschwerden können zu chronischen Erkrankungen und Zusammenbrüchen führen. In manchen Fällen sollen Alkohol und Tabletten die Beschwerden lindern. Panikattacken und Depressionen mit zwanghaften Verhalten können auftreten und bis zur sozialen Isolation und zum sozialen Abstieg führen.

    Warum wird gemobbt ?
    Mobbing hat viele Ursachen: Innerhalb einer Organisation sind sie auf allen Ebenen zu finden - in der Abteilung, der Arbeitsgruppe, in der Person des "Täters" wie auch in der Person des "Opfers".

    Mobbing-Ursachen lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen. Sie bedingen und beeinflussen sich wechselseitig, ein Ursachengefüge entsteht.

    Bei Mobbing spielen auch "Rahmenbedingungen" wie wirtschaftliche Lage, Umstrukturierungs- und Rationalisierungsprozesse, Arbeitsmarktlage eine wichtige Rolle. Mobbing hat in denjenigen Betrieben und Verwaltungen kaum Chancen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht.

    Die Ursachen von Mobbing:

    Organisation
    - Führung und Unternehmenskultur
    - Hierarchisches Denken
    - Schlechter Kommunikationsstil
    - Fehlende Gesprächsbereitschaft
    - Keine Konfliktkultur
    - Arbeitsbedingungen / Stress
    - Personalmangel
    - Über-/Unterforderung
    - Leistungsdruck
    - Leistungsverdichtung
    - Termin- und Zeitdruck
    - Arbeitsorganisation
    - Unklare Zuständigkeiten und Verantwortung
    - Geringe Handlungsspielräume
    - Unstrukturierte Arbeitsabläufe
    - Mangelnde Entscheidungstransparenz
    - Schlechter Informationsfluss
    - Rationalisierungsmassnahmen
    - Einsatz neuer Technologien
    - Umstrukturierungen
    - Outsourcing
    - Stellenabbau

    Sozialbeziehungen
    - Konkurrenz
    - Feindseligkeit
    - Neid
    - Gruppendruck
    - mangelnde Kooperation
    - geringe kollegiale Unterstützung

    Täter / Täterin
    - Persönlichkeitsstruktur

    Betroffene / Opfer
    - Persönliche Qualifikation
    - soziale Kompetenz

    Der Nährboden für Mobbing

    :arrow: In der Organisation
    Mobbing kann auftreten, wenn ...
    ... es an der Arbeitsorganisation im Unternehmen krankt. Der Wandel in der Arbeitswelt ist rasant - technisch wie organisatorisch. Arbeitsverdichtung, geringe Handlungs- und Entscheidungsräume, Personalmangel und Unterbesetzung produzieren Stress. Auf Dauer führt Stress zu Arbeitsunzufriedenheit, Resignation verschlechtert das Betriebsklima. Mangelt es an Zeit, sich mit Kollegen und Kolleginnen auszutauschen, so kann dies den kollegialen Zusammenhalt schwächen und Konkurrenz und Intrigantentum die Türen öffnen.

    ... Umorganisationen und Neustrukturierungen anstehen. Das bringt Verunsicherung und Sorge um den Arbeitsplatz mit sich und kann Mobbingtendenzen auslösen und begünstigen. Mobbing eröffnet so manchem Vorgesetzten die Chance, unliebsame Beschäftigte loszuwerden bzw. den Personalabbau zu beschleunigen. Unter Kollegen und Kolleginnen kann Mobbing auch der Versuch sein, die "eigene Haut" zu retten. In wirtschaftlichen Krisenzeiten scheint diese Ellenbogenmentalität Mobbingverhalten zu produzieren.

    ... das Führungsverhalten nicht stimmt. Führungskräfte müssen sich auch heute noch vor allem durch ihre fachliche Eignung auszeichnen. Ihre soziale Kompetenz, unabdingbare Voraussetzung für motivierte, zufriedene und produktive Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ist dagegen wenig im Blick. Führungskräfte, die Knflikten ausweichen, sie ignorieren oder als "individuelles" Problem der Beschäftigten abtun, verschärft die soziale Auseinandersetzung am Arbeitsplatz und tragen auf diese Weise dazu bei, dass sich Mobbingstrukturen herausbilden.

    :arrow: In sozialen Bereichen
    ... ein schlechtes Betriebsklima herrscht. Eine gespannte Arbeitsatmosphäre begünstigt es, für Arbeitsprobleme und Pannen einen "Sündenbock" zu suchen. Als "Sündenbock" eignen sich Personen, die auf irgendeine Weise als "anders" gelten.

    Die Person des Täters / der Täterin

    :arrow: Die Person des Täters / der Täterin

    Mobbing kann auftreten, wenn ...
    ... Männer Vorgesetzte sind. Denn auffällig ist, dass männliche Vorgesetzte überproportional in der Tätergruppe vertreten sind.

    ... sich die Täter durch das Opfer gekränkt bzw. gefährdet fühlen. Das Selbstwertgefühl ist besonders dann gefährdet, wenn andere mehr leisten und / oder mehr Anerkennunf geniessen. Sie abzuwerten und zu diskreditieren scheint das eigene Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Mobbing also als Strategie der Selbstwerterhaltung.

    ... sich die Männer unfehlbar und allmächtig fühlen. Auch ein grandioses Selbstwertgefühl kann zu aggressiven Verhalten führen. Perfektionismus und Arroganz, Unfehlbarkeitsphantasien und mangelndes Einfühlungsvermögen können dazu führen, Fehler und Unzulänglichkeiten auf andere zu projizieren.

    ... die Täter faire und offene Auseinandersetzungen vermeiden. Offene Auseinandersetzungen scheinen zu riskant, besonders dann, wenn die Schikanen eigene Unsicherheit und Machtlosigkeit, also die wahren Motive, verbergen sollen.

    ... die Täter dazu neigen, Probleme zu personalisieren. Probleme werden nicht analysiert und differenziert betrachtet, sondern "Schuld" liegt immer bei den anderen. Mit der "Beseitigung" des anderen ist auch das Problem beseitigt.

    ... die Täter nicht wissen, was sie tun. Sie betrachten ihr Verhalten als "Spass", der "nicht böse" gemeint ist. Sie wundern sich darüber, dass sich jemand gemobbt fühlt und weisen jede Verantwortung hierfür ab. Hintergrund dieser "leichten" Form von Mobbing ist eine problematische Kommunikation, die häufig aus Angst bzw. geringer Einsichtigkeit nicht geklärt wird.

    Die Person des Opfers
    :arrow: Die Person des Opfers

    Mobbing kann auftreten, wenn ...

    ... jemand zu selbstbewusst ist. Oder zu wenig selbstbewusst ist. Das heisst: Es gibt kein "typisches" Mobbing-Opfer. Ein übermächtiges Selbstwertgefühl kann Mobbingattacken nach sich ziehen. Diese Mobbingbetroffenen fühlen sich, was Motivation, Leistungsorientierung und Gewissenhaftigkeit angeht, anderen häufig überlegen.

    ... jemand zu wenig selbstbewusst ist. Geringeres Selbstbewusstsein und geringe Sozialkompetenz machen anfällig für Mobbing (ZAPF 1999). Das Gefühl, in schwierigen Situationen und auf Kritik nicht angemessen und selbstsicher reagieren zu können, führt dazu, sich in Konfliktsituationen nicht behaupten und zu wehren. Studien zeigen, dass es Mobbingbetroffenen nicht leicht fällt, Kontakte zu knüpfen und auszubauen. Sie betrachten sich häufig als besonders sensible Personen.

    Teufelskreis Mobbing

    Gegenstrategien
    Die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis, aus dem sie aus eigener Kraft nicht herauskommen. Soziale Unterstützung könnte helfen, die Mobbing-Attacken besser wegzustecken. Die Mobbing-Opfer stehen jedoch unter grossenm Druck, sind stark verunsichert und verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Wer wenig Kontakt aufnimmt, unfreundlich oder mürrisch wirkt, misstrauisch reagiert und hinter jeder harmlosen Frage gleich ein Komplott vermutet, ist kein angenehmer Zeitgenosse, dessen Nähe man sucht. Die Folge: Anfänglich freundlich gesonnene oder neutrale Kollegen fühlen sich abgestossen und ziehen sich zurück, als sei Mobbing eine ansteckende Krankheit.

    Auch Freunde und Familienangehörige können irgendwann die Geschichte von den "gemeinen Kollegen" nicht mehr hören. Sie verstehen nicht, warum der Betroffene Ratschläge wie "dann wehr dich doch endlich mal" nicht befolgt. Je länger jemand sich in diesem Kreislauf befindet, desto grössere Kreise zieht das Mobbing-Geschehen. Oft ist schliesslich sogar der Weg in eine andere Abteilung oder in eine andere Firma versperrt, da die Personalchefs üblicherweise miteinander telephonieren, wenn ein Bewerber unklare Zeugnisse oder einen Auflösungsvertrag mitbringt.

    Lösungsstrategien
    Personen, die mit den Kollegen ein starkes soziales Netz geknüpft haben, sind schwer zu mobben. Ratsam ist es in jedem Fall, sich nicht zu isolieren und sich bei neutralen Kollegen Rückendeckung zu holen.
    Wer sich im Betrieb nicht mehr wohl fühlt, sollte unbedingt rechtzeitig in die Offensive gehen und klärende Gespräche suchen. Ansprechpartner ist zunächst der Vorgesetzt, anschliessend der Betriebsrat bzw. die Personalabteilung. Betroffene sollten den Eindruck weitergeben, dass ihre person bzw. Arbeit nicht mehr geschätzt wird und nachfragen, was ihnen konkret vorgeworfen wird.
    Ist keine einvernehmliche Lösung zu finden, können externe Berater eingeschaltet werden. In den meisten grösseren Städten haben sich Selbsthilfegruppen gebildet, deren Adressen über Krankenkassen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände angefordert werden können.
    Hilft dies alles nicht, sollte man laut Mobbing-Expertin Rolf dennoch nicht die Flinte ins Korn werfen und selbst die Kündigung einreichen. In schlimmen Fällen rät sie: "Suchen Sie sich einen Psychiater, machen Sie eine Therapie." Nur so lässt sich verhindern, mehrere Monate keine Unterstützung zu bekommen, wenn man sich arbeitslos meldet. Um Vorwürfe vor dem Arbeitgeber oder eventuell vor Gericht glaubhaft zu machen, ist es sinnvoll ein Mobbing-Tagebuch zu führen. "So weiss man noch nach Jahren, was genau wann vorgefallen ist", erklärt Mobbing-Beraterin Rolf. Gleichzeitig schreibe man sich die traumatischen Erlebnisse von der Seele und könne sie so besser verarbeiten.

    Mobbing aus rechtlicher Sicht
    Gegen Mobbing mit rechtlichen Mitteln vorzugehen, ist leichter gesagt als getan. Zwar stellen Beleidigungen, üble Nachrede und Verleumdung strafbare Handlungen dar. Vor Arbeitsgerichten kamen die Opfer bislang häufig jedoch garnicht zu Wort, weil sie die Vorwürfe nicht beweisen können. Ausserdem werden gegen den Betroffenen viele seiner Kollegen vor Gericht Partei ergreifen, während er meist keinen oder nur wenige Zeigen vorweisen kann.
    Ein Fortschritt für die Rechtsposition von Beschäftigten gegenüber Mobbing ergibt sich aus einem im April 2001 ergangenen Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Thüringen. Die Richter nahmen grundsätzlich Stellung zu den rechten von Mobbing-Opfern und gaben zu, dass es für Betroffene oft schwer sei, die Mobbing-Zusammenhänge nachvollziehbar darzulegen. Dies müsse berücksichtigt werden.
    Beschäftigte hätten einen Unterlassungsanspruch gegen Mobbing. Mobbing sei ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer(innen), auch in ihre physische und psychische Gesundheit. Der Arbeitgeber sei nicht nur verpflichtet, den Beschäftigten gegenüber jegliches Mobbing zu unterlassen. Er müsse sie auch aktiv davor schützen.
    Ausserdem bemühte sich das Gericht um eine eindeutige Definition von Mobbing. Zu den "fortgesetzten, aufeinander aufbauenden oder ineinander greifenden" Schikanen und Diskriminierungen, die in ihrer Gesamtheit Mobbing ausmachen, zählt das LAG:
  • ... ehrverletztende Handlung
  • ... Diskriminierung und Demütigung
  • ... Tätlichkeiten
  • ... sexuelle Belästigung
  • ... grundlose Herabwürdigung der erbrachten Arbeitsleistung
  • ... vernichtende Beurteilung
  • ... soziale Isolierung
  • ... Zuteilung nutzloser oder unlösbarer Aufgaben
  • ... Maßnahmen, denen andere Kollge(inn)en nicht ausgesetzt sind
  • ... sachlich nicht begründete häufige Arbeitskontrollen

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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