Lügen

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Tom
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Lügen

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 22:01

  • Lügen

    Anmerkungen zum Thema "Lügen"
    Nicht einmal die Hälfte von dem, was wir sagen ist wahr.
    Diese Behauptung gilt es von einem kommunikativen Ansatz aus zu beleuchten. Wenn wir davon ausgehen, dass lediglich 40% all unserer Alltagsäusserungen wahr sind und demnach 60% gelogen wird, gilt es zu berücksichtigen:

    Bei alltäglichen Lügenverhalten geht es nicht ausschliesslich um einen böswilligen, vorsätzlichen Verstoss gegen Regeln. Oft wird gelogen aus Höflichkeit, Bescheidenheit, Angst oder nur deshalb, um sich besser darzustellen. Niemand spricht von Regelverstössen, wenn ein Arzt einen folgenschweren Befund bewusst verschweigt, wenn jemand sein Alter beschönigt oder bei einem unangenehmen Termin sich mit einer Notlüge behilft. Selbst bei der Alltagsfrage "Wie geht es ?" wird unablässig gelogen. Bei all den vielen Lügen hat kaum jemand ein schlechtes Gewissen. Viele Händler täuschen Interesse oder Desinteresse vor.
    Jede Übertreibung oder Untertreibung ist auch ein Abweichen von der Wahrheit. Beispielsweise wird ein Autoverkäufer anstatt offen zu lügen, einfach gewisse relevante Aussagen verschweigen d.h. er wird sich im Verkaufs-Gespräch hüten, einflussreiche negative Informationen zu erwähnen. Nur wenn jemand hinter der Unwahrheit Vorsätzlichkeit und Hinterlist entdeckt, sprechen wir von Lügerei.

    Es gibt Statistiken, die sagen, dass in Alltagsgesprächen sehr viel gelogen wird. Neuere Forschungen gehen übrigens davon aus, dass Frauen genau so oft lügen wie Männer, nur etwas geschickter. Ohne sich der Unwahrheit zu verpflichten, stellen wir immer wieder fest, dass die Unwahrheit oder das Verschweigen von Meinungen (das "nicht offen alles sagen") grosse VOrteile haben kann und mitunter sogar notwendig ist.

    Eignung
    Nicht jeder ist zur Lüge geboren. Wer grosse Angst hat, erwischt zu werden, sollte es bleiben lassen. Lügen klappt nur mit Leichtigkeit und Souveränität.

    Volksweisheiten wie "Kindermund tut Wahrheit kund" oder "Kinder und Narren sagen die Wahrheit" machen deutlich, dass das Lügen offenbar keine angeborene Fähigkeit ist. Statt dessen wird sie erst ab einem Alter von etwa 4 Jahren erlernt. Wichtigste Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, sich in eine anderen Menschen hineinzuversetzen. Denn erst wenn man verstanden hat, dass ein anderer Mensch etwas anderes bzw. weniger wissen kann als man selbst, kann man ihn auch hinters Licht führen.

    Unterschied
    Lüge und Betrug sind zwei grundverschiedene Dinge. So ist eine Ausrede für`s Zuspät kommen in Ordnung. Doch unter falschen Versprechungen Geld pumpen und es absichtlich nicht zurückzuzahlen ist Gaunerei im höchsten Grade.

    Einstellung
    Die Lüge ist eine "Dienstleistung" die der andere einem "abkaufen" soll. Auch hier gilt: Der Kunde ist König - und man sollte sein Gegenüber achten und mit Niveau behandeln. Wer sich ähnlich wie bei einer asiatischen Kampfsportart verhält und sich zumindest mental vor seinem Gegner verneigt, hat von Anfang an die besseren Voraussetzungen.

    Qualifikation
    Eine gute Lüge erfordert Phantasie, analytisches Denken, Kombinationsgabe, strategische Planung und ein gutes Gedächtnis. Während des eigentlichen Lügenaktes muss man sich unbedingt auf sein Gedächtnis verlassen können - denn man sollte sich sehr genau merken, was man gesagt hat, um sich nicht zu verhaspeln. Schauspielerischen Talent, atmosphärisches Feingefühl und Flexibilität sind nötig, weil es trotz perfekter Planung zu Unwägbarkeiten kommen kann. Entscheidungs- und Risikofreude sind mitzubringende und unabdingbare Eigenschaften.

    Planung
    Das Lügengebäude muss ein einfaches Grundmuster haben, darf nicht zu kompliziert sein. Die Strategie "Wenn ich nicht mehr durchblicke, schnallt es der Betroffene erst recht nicht." geht schief. Leicht nachprüfbare Tatsachen müssen auch bei der Lüge kontrollierbare Tatsachen bleiben.

    Positiver Ansatz
    Die Unwahrheit muss auf ein glaubwürdiges Fundament gesetzt werden - wenn der Chef vom Zuspätkommenden hört, dass dieser unterwegs einen möglichen Kunden getroffen hat, ist er zufrieden.

    Checkliste
    Steht das Gerüst der Lüge, sollte alles noch einmal geprüft werden: Stimmen Ort und Zeit, sind mögliche Zeugen berücksichtigt ? Kann irgendetwas das erfundene Gebäude zum Einsturz bringen ? Die Risiken sollten realistische eingeschätzt werden. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht im Lügengeschäft.

    Durchführung
    Jetzt ist schauspielerischers Talent gefordert - nämlich glaubhafte Darbietung ohne Übertreibung. Ständige Erfolgskontrolle: Der Belogene muss beobachtet werden, um zu sehen, ob die Lüge wirkt. Lügengeschichten dürfen auf keinen Fall auswendig gelernt und mechanisch aufgesagt werden, das wirkt unglaubwürdig.

    Nachbereitung
    Auf keinen Fall mit seinen Lügen gegenüber Dritten prahlen ! Wer weiss schon, wen er im Leben noch alles belügen muss ! Der Routinier geniesst und schweigt.

    Wenn es schiefgeht
    Wer dennoch ertappt wird, sollte sich nicht durch Unwissenheit rechtfertigen. Sokrates bereits stellte fest, dass eine ungewollt gesagte Lüge weitaus schlimmer sei als eine mit Willen gesagte, weil er das Wissen über alles achtete. Unwissenheit aber auf das Schärfste verurteilte. Wenn es schiefging, dann bleibt nur noch - charmant und aufrichtig beichten.


    Der britische Wissenschaftler Albert Vrij von der Uni Portsmouth stellte in einer Untersuchung fest, dass ein Mensch durchschnittlich zwei mal pro Tag ganz bewusst lügt. 80 Prozent der Lügen sind jedoch von der unschuldigen Art:

    Die häufigsten Lügen im Beruf:
  • "Ich bin im Stau."
  • "Ich arbeite morgen zu Hause."
  • "Er ist in einer Sitzung."
  • "Ich habe Ihnen eine Mail geschickt."
  • "Interessant, dass Sie anrufen, ich beschäftige mich gerade mit dieser Sache."
  • "Wir haben ein Computerproblem."
  • "Ich habe die Papiere gestern auf die Post gebracht."

    Die häufigsten Lügen im Privatleben:
  • "Ich komme in letzter Zeit zu nichts mehr."
  • "Du warst ständig besetzt."
  • "Wie schade, wir haben genau an diesem Abend Theaterkarten."
  • "Was für ein aufmerksames Geschenk."
  • "Wenn ich wollte, könnte ich sofort damit aufhören." (z.B.: Rauchen, Trinken)
  • "Natürlich liebe ich Dich."
  • "Ich lüge nie."
  • "Entschuldige, ich habe es wahnsinnig eilig."

    Folgende zentrale Frage beschäftigt viele Kommunikationisspezialisten aber auch Ehepartner:
  • Können wir nun aus dem Lügenmeer in der alltäglichen Kommunikationslandschaft die Wahrheit oder anderseits die Lüge erkennen ?
  • Wenn wir uns mit subtilen, intelligenteren Formen der Lüge auseinandersetzen, ist es möglich die feinen Facetten der Wahrheitsabweichung allmählich zu erkennen ?
  • Gibt es eindeutige Lügensignale ?

    "Lügen haben kurze Beine." sagt der Volksmund. Im Alltag einen Lügner zu entlarven ist schwer. Häufig versuchen wir zum Beispiel aus der gezeigten Nervosität auf den Wahrheitsgehalt zu schliessen. Diese hängt jedoch viel stärker vom Selbstbewusstsein des vermeintlichen "Lügners" ab. Ebenso ist die Intimität einer Situation oder die Intensität der emotionalen Regung kein zuverlässiger Indikator. Vielfach sind wir auch der Meinung einen Lügner an seinem Gesichtsausdruck zu erkennen. Dabei haben wir bei dieser intuitiven Methode lediglich eine Zufallstrefferquote.

    Nur wer seine Wahrnehmungsfähigkeit laufend verfeinert, registriert an sich und bei Teammitarbeitern, welche Verhaltensweisen sich beim Verschweigen von Wahrheiten oder bei krassen Falschaussagen ändern oder neu eintreten.

    Die unwahre Aussage ist in der Regel weniger farbig, weniger konkret; die Körpersprache weniger entspannt und die Lidschlagzahl erhöht sich. Das Sprechtempo beschleunigt sich ebenfalls. Sprechpausen werden kürzer. Aussagen sind weniger strukturiert oder oft viel zu langatmig.


    Interaktiver Lügentest:
    [de] http://www.quarks.de/dyn/21276.phtml
    [en] http://www.queendom.com/tests/minitests ... e_lie.html

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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