[EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

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Tom
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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:08

Kapitel XVI – Die kleine Susi

„Ich bin Würdenträger der neunten Wahrheit im dritten Grade des sechsten Winkels. Verkünder und Verfechter der dreidimensionalen Wahrheit. Gläubiger in allen Fragmenten. Tammanckabssit.“
„Kotze.“

Argonen ... eine bemitleidenswerte Spezies. Nicht nur, dass sie mit ihren zwei Augen die heilige Dreidimensionalität nicht vollkommen erfassen konnten, sie waren auch körperlich sehr weit zurückgeblieben. Besonders dieses Exemplar.

„Kotze!“

Gerade mal einen Meter groß tapste die unwürdige Kreatur einen Korridor entlang und kollidierte mit ihm, seiner Gläubigkeit, Tammanckabssit. Doch anstatt sich bei ihm zu entschuldigen, beschimpfte ihn jetzt dieses nichtswürdige Wesen.

„KOTZE!“

Diese Miniaturausgabe eines argonischen Weibchens, mit blonden Haaren und blauen Augen, oder war es ein Männchen? Tammanckabssit konnte dies bei so unterentwickelten Kreaturen nicht wirklich erkennen – was er natürlich nie zugeben würde. Auf alle Fälle war die Kreatur nervtötend. Sie zog an seinem Gewand, das ihn als Chef der Sicherheit auswies. Er, wahrhaftig Glaubender, hatte die zweifelhafte Ehre erhalten der neue Chef der Sicherheit der neu erbauten argonischen Handelsstation ‚Ehre die Toten’ der Z.Inc. in Trantor zu werden, nachdem sein argonischer Vorgänger einen abrupten Lebenswandel vollzogen hatte – man hatte ihn hinterrücks erschossen.

„KOT-ZE!“

Das argonische Wesen zerrte an seiner Uniform, was wohl darauf hindeutete, dass es wollte, dass man ihm folgte. Um endlich seine Ruhe vor dieser penetranten Kreatur zu haben, tat er ihr diesen Gefallen.
Einige Korridore und Seitengänge weiter, blieb das argonsiche Wesen stehen und zeigte auf ein zusammengekauertes Wesen in einer dunklen Ecke.

„Kotze!“

Tammanckabssit schritt vorsichtig aus und näherte sich dem Wesen behutsam Es war nicht groß. Wohl ungefähr genauso wie die argonische Kreatur. Doch bevor Tammanckabssit seine Untersuchung beginnen konnte, tauchte die argonsiche Kreatur zwischen seinen Beinen auf, lief hindurch und schlug dem Wesen auf den Kopf.

„Kotze? Kotze!“

Ein Fauchen erklang und Tammanckabssit wusste, was das Wesen war. Ein Split-Kind. Dem aggressivem Fauchen nach zu urteilen wohl männlichen Geschlechts. Dem Körperbau zu entnehmen war der Splitjunge wohl drei bis vier Jazuras alt. Aber wieso lag er so orientierungslos mitten in einem Seitengang? Jetzt war Tammanckabssits kriminalistischer Sinn geweckt worden. Doch bevor er auch nur die erste Frage stellen konnte, hörte er hinter sich eine weibliche Stimme, die einer Splitfrau gehören mochte.

„Cho t’Cee.“

Was für eine bepisste Aussprache. Obwohl Argonen die Handelssprache in das Commonwealth miteingebracht hatten, konnten sie sie nicht mal perfekt sprechen. Eine Schande für ihre Rasse. Wie so vieles.

„Ist das ihr Sohn?“ Fragte Tammanckabssit die Splitfrau.
„Hai. Er warten sollen vor Geschäft. Nicht wegrennen.“
„Dieses unwürdige Wesen“ Tammanckabssit zeigte auf das argonische etwas. „hat ihren Sohn gefunden und mich auf ihn aufmerksam gemacht.“

Die Splitfrau musterte die argonische Kreatur und schien sie zu erkennen.

„Su t’Zii.“
„Sie kennen die Kreaturen?“ Hakte Tammanckabssit nach.
„Mädchen gehören zur Familie von Arbeitskollegen.“

Ein Weibchen also! Nunja, jetzt wo die Splitfrau es gesagt hatte, fiel Tammanckabssit auf, dass es einige Indizien gab, die darauf hätten schließen lassen. Zum Beispiel die hohe Stimmlage.
Aus dem Hauptkorridor kam nun auch ein argonischer junger Mann und hatte seine liebe Not Luft zu bekommen.

„Susi! Du sollst nicht immer weglaufen!“ Erst jetzt schien er die Split und den Paraniden zu bemerken. „Oh. Hat sie wieder was angestellt?“
„Im Gegenteil.“ Antwortete Tammanckabssit. „Sie hat den Sohn von dieser Frau gefunden und mich auf ihn aufmerksam gemacht.“

Der argonische Mann versuchte das Zeichen für ‚ehrbaren Gruß’ zu machen, doch da er nur fünf Finger besaß, musste er seine zweite Hand zur Hilfe nehmen, um das Zeichen einigermaßen hinzubekommen. Dies schien die Splitfrau allerdings nicht zu stören. Sie machte nur das Fingerzeichen für ‚tolerierte Kreatur’.

„Fah t’Zii. Es ist mir eine Ehre. Ich hoffe meine Schwester hat ihnen keine Unannehmlichkeiten bereitet.“
„Zu t’Zuu sei verziehen. Su t’Zii heute haben gemacht gute Arbeit.“

Dem Argonen schien der Name nicht zu gefallen, den Fah für ihn hergenommen hatte, doch er war so klug um nicht zu widersprechen. Zwar waren Splitfrauen nicht so aggressiv wie die Männer ihrer Rasse, doch auch sie konnten recht schnell ihr Temperament zeigen.
Fah ging zu ihrem Sohn, sagte etwas auf Split das niemand verstand und der Junge erwachte aus seiner Lethargie, klammerte sich an seiner Mutter fest und fauchte alle an.

„Wenn dies nun geklärt ist, schlage ich vor, dass jeder wieder seiner Wege zieht. Doch vorher würde es mich doch interessieren, was Cho t’Cee hatte. Benötigt er medizinische Hilfe?“
„Sohn nicht Krank. Sohn gesund. Haben nur Pahuhbahehrahthaahehtha.“

Tammanckabssit brauchte nicht mal einen Bruchteil einer Sezura um das ausgesprochene Wort zu übersetzen, verglich die Bedeutung mit seinem Wissen über Split und fand die Aussage von Fah t’Zii glaubwürdig.

„Ich wünsche noch einen schönen Tazura.“

Damit ging er -ohne auf weiteres zu achten- wieder auf den Hauptkorridor, der einmal um die Stationsachse führte. Zeit sich wieder wichtigeren Dingen zu widmen ...

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:09

Kapitel XVII – Ein neuer Mitarbeiter

Tammanckabssit thronte auf seiner pyramidenförmigen Sitzgelegenheit, deren Spitze nach unten zeigte und durch Magnetfelder wenige Zentimeter über dem Boden schwebte. Seine zweigliedrigen Arme hatte er an seinen Körper angewinkelt und sah mit einem Auge nun auf den argonischen Mann hinab, der sich für die Stelle eines neuen Sicherheitsbeamten der Sektion Blau beworben hatte. Mit dem zweiten seiner drei Augen beobachtete er die Monitore seines Büros, die die wichtigsten Stationsberichte anzeigten. Sein drittes Auge las den Steckbrief und den Lebenslauf des Bewerbers.


Tarre Nettar
Argone, männlich
25 Jazuras alt
Geboren auf Waterwhirl, Drei Welten
braune Augen
lange schwarze, zu einem Pferdeschweif gebundene, Haare
gebräunte Haut
180 Zentimeter groß
schmächtig, aber trotzdem muskulös (65kg schwer)


Hat ein gutes Verhältnis zu seiner Familie und versteht sich sehr gut mit seiner Umwelt, ist aber nicht gerade erpicht darauf sich unterzuordnen. Gute Kontrolle über seine Gefühle und eine Stille Ader lassen ihn sehr schnell vertrauendwürdig erscheinen und er hat ein Talent fürs Zuhören. Durch seine Fähigkeit schnell zu analysieren und bewerten kann er sehr gut Taktiken ausarbeiten. Nichts desto trotz ist er nicht teamfähig, sondern ein Einzelgänger, der äußerst stur ist. Durch seine emotionale Kälte hält er alle Freunde fern von sich und hat auch keine festen Beziehungen, was ihn auch nicht wirklich stört.


743 n.N. / 2913 n.Chr.
* Geburt von Tarre Nettar

749 n.N. / 2919 n.Chr.
* Bei einem Test wird ein hoher IQ von 138 festgestellt.
* Eintritt in eine Qualifikations-Niederschule.

750 n.N. / 2920 n.Chr.
* Eintritt in eine Niederschule.

754 n.N. / 2924 n.Chr.
* Eintritt in eine Hochschule.

758 n.N. / 2928 n.Chr.
* Erfolgreicher Abschluss der Hochschule mit einem Wert von 5^7.

759 n.N. / 2929 n.Chr.
* Besuch einer Sprachschule wo neben der argonischen und der Handelssprache auch die Sprachen der anderen Völker gelehrt werden.

761 n.N. / 2931 n.Chr.
* Absolvent der ‚Academy for Interstellar Security’ mit dem Hochwert 6^7.

762 n.N. / 2932 n.Chr.
* Dreijazuravertrag mit der privaten Sicherheitsfirma ‚Ingani Security Corporation’, die für den Schutz von Privatgelände verantwortlich ist.

765 n.N. / 2935 n.Chr.
* Wechsel zu der offiziellen und staatlichen ‚Behörde für Sicherheit’.

767 n.N. / 2937 n.Chr.
* Unehrenhaft Entlassen wegen Gefährdung von Zivilisten, verursachen von untragbaren Kollateralschäden und Insubordination.

768 n.N. / 2938 n.Chr. (Gegenwart)
* Bewerbungen bei diversen Sicherheitsfirmen und Paramilitärischen Organisationen


Tammanckabssit wusste nicht so recht was er von diesem Argonen halten sollte. Einerseits ließen diese Daten darauf schließen, dass dieser junge Mann ein ausgezeichneter Mitarbeiter werden konnte. Andererseits ließen sich die Daten auch so interpretieren, dass dieser Mann Probleme mit Autorität hatte. Darüber konnten auch seine mehrfachen Auszeichnungen wegen Tapferkeit und Mutes nicht hinwegtäuschen. Tarre Nettar war auch wegen seiner unkonventionellen Vorgehensweise aufgefallen. Öfters positiv, aber auch negativ.

„Obwohl Ihre Akte Ihnen einen turbulenten Lebensweg bescheinigt, bin ich gewillt Ihnen eine Chance zu geben.“
„Herzlich Dank. Ich hoffe ich kann Ihnen beweisen, dass nicht alles stimmt was in meiner Akte steht.“

Tammanckabssits Auge, das bis jetzt auf dem Lebenslauf gerichtet war, beobachtete nun Tarre Nettar und dessen Gestik wie auch Mimik. Tammanckabssit war sich bewusst, dass er noch nicht viel Erfahrung mit Argonen hatte, weswegen er die Körpersprache seines Gegenübers wohl missdeuten konnte. Aber die Aussage, dass der Argone den Inhalt seiner Akte relativierte, ließ ihn aufhorchen. Tatsächlich gab es eine Gegendarstellung der damaligen Geschehnisse. Tammanckabssit las sie sich durch, damit er einen weiteren Eindruck von der Person vor ihm bekam.

„Da Sie nicht der einzige Bewerber für diesen Posten sind, werde ich Ihnen mehrere Prüfungen aufbürden.“
„Natürlich. Ich werde mein Bestes geben und hoffe, dass Sie sich für mich entscheiden werden.“

Tammanckabssit hatte nicht nur ihn beobachtet, sondern auch genau zugehört. Dieser Argone hatte eine schnelle Auffassungsgabe und durch seine schnellen, wohl formulierten Aussagen, kam der Paranide zu dem Schluss, dass er einen selbstsicheren Charakter vor sich sitzen hatte. Einen Charakter, der wusste was er wollte und sich nicht beirren ließ.


Tarre Nettar hatte ein Holobild von einem fünfjährigen argonischen Mädchen bekommen, das von ihren Eltern getrennt worden war. Diese machten sich natürlich Sorgen um ihren kleinen Sproß. Tarres Aufgabe war es nun dieses Mädchen zu finden. Er wusste nur, dass ihr Name Susi war. Den Familiennamen hatte ihm der Paranide namens Tammanckabssit nicht genannt.
Tarres erste Aufgabe hatte darin bestanden eine Stationsweite Durchsage zu veranlassen, die aber keinen Erfolg gebracht hatte - das Mädchen hatte sich nicht bei ihren Eltern gemeldet. Als nächstes hatte Tarre das Holobild in die Stationsmedien geladen und ließ das Bild alle 15 Mizuras auf jedem Monitor der Handelsstation erscheinen, mit der Aufforderung an das Mädchen zu ihren Eltern zurückzukehren oder sich bei den Sicherheitsbehörden zu melden. Auch die Besucher und Bewohner der Handelsstation waren aufgefordert worden sich zu melden, wenn sie die kleine Susi gesehen haben sollten. Es war sogar eine kleine Belohnung von 500 Credits ausgeschrieben worden.
Während Tarre auf erste Meldungen wartete, blieb er nicht untätig. Er suchte in der Datenbank der Sicherheit nach Einträgen zu dieser Susi. Wie sich recht schnell herausstellte hatte Tammanckabssit innerhalb des letzten Jazuras –so lange kamen Susi und ihre Familie bereits immer wieder auf die Handelsstation- wiederholt die kleine Susi suchen müssen, weil sie ausgebüchst war. Leider konnte Tarre kein Muster erkennen, dass es ihm erlauben würde den derzeitigen Aufenthaltsort des kleines Mädchens aufzuspüren oder wenigstens einzukreisen. Sie schien überall auf der Station unterwegs zu sein.
Während die ersten Meldungen eintrudelten und Tarre sie nach ‚wichtigtuerisch’, ‚glaubhaft’ und ‚heiße Spur’ sortierte, kam ihm plötzlich eine Erkenntnis.
Vielleicht konnte Tarre kein Aufenthaltsmuster erkennen, weil er es aus dem falschen Blickwinkel versucht hatte zu sehen. Er ließ eine dreidimensionale Blaupause der Handelsstation mitten im Raum auferstehen und dort alle bisherigen Punkte hervorheben, wo Susi aufgegriffen worden war. Nach und nach zeigte sich, dass Susi tatsächlich überall auf der ganzen Station unterwegs gewesen war. Es gab aber noch viel mehr Orte, wo sie noch nicht gewesen war und das war die Erkenntnis, die Tarre hatte. Das Mädchen wollte die Station erkunden!
Natürlich war das nur eine reine Spekulation, aber der einzige Punkt, der bis jetzt aufgetaucht war und an dem er ansetzen konnte. Also ließ er die Aufgreifpunkte durch Linien miteinander verbinden. Das Ergebnis hatte mit viel Phantasie etwas Ähnlichkeit mit einem verzerrten Ikosaeder oder Dodekaeder. Vom Ehrgeiz der Suche gepackt, vergaß Tarre die Zeit und das Universum um sich herum. Er versuchte eine Gemeinsamkeit all dieser Punkte zu finden und in der Tat gelang ihm das schon nach weniger als einer Inzura. All diese Punkte, an denen das argonische Mädchen namens Susi aufgegriffen worden war, befanden sich in der Nähe von so genannten toten Winkeln. Dies waren Orte, wo die künstliche Schwerkraft –die durch die Rotation der Station um ihre eigene Achse generiert wurde- geringer oder teilweise sogar aufgehoben war.
Jetzt griff Tarre auf die aktuellen Meldungen zu den Sichtungen zurück und fügte sie in die Darstellung ein. Während die Handelsstation als blaues Gitter dargestellt wurde und Susis Aufgriffspunkte mit grünen Kugeln eingetragen war, wurden die aktuellen Sichtungen als gelbe Pyramiden angezeigt. Dann ließ Tarre sich von dem technischen Trupp alle Punkte der toten Schwerkraftwinkel geben und ließ sie als rote Quadrate abbilden.
Tarre betrachtete das Hologramm, dass mitten im Raum schwebte, und erkannte nur wenige Sezuras später einen potentiellen Aufenthaltsort von Susi. Sofort machte sich Tarre auf den Weg, um das Mädchen aufzugreifen und hoffte, dass seine ganze Arbeit nicht umsonst war.


Tammanckabssit stand vor dem Quartier von Tarre Nettar und war im Begriff dieses zu betreten. Skrupel kannte er nicht. Er wollte wissen mit wem er es zu tun hatte und deswegen fand er es nur gerechtfertigt, wenn er sich das Quartier dieses Bewerbers ansah. Natürlich ungestört in dessen Abwesenheit.
Doch bevor er sich im Quartier umsehen konnte, musste er erst einmal hineingelangen. Normalerweise konnte Tammanckabssit eine Prioritätsschaltung auslösen, die ihm sofortigen Zugang zu einem Raum gewähren würde. Dies würde allerdings im zentralen Logbuch des Kernrechners der Station festgehalten werden und das wollte Tammanckabssit nicht. Denn der Besitzer eines Quartiers konnte seine Logs jederzeit einsehen und wurde auch von der Stations-KI automatisch darauf hingewiesen, wenn sich jemand Zugang zum Quartier verschafft hatte. Von daher musste Tammanckabssit jetzt das Autolog übergehen und den Zugangscode hacken. Es dauerte keine zwei Mizuras, bis der überlegene paranidische Intellekt die minderwertige argonische Technik überwunden hatte.
Tammanckabssit betrat das Quartier von Tarre Nettar und verschloss die Türe hinter sich wieder. Nicht, dass jemand ihn noch sehen würde und unangenehme Fragen auf ihn einströmen würden und er sich erklären musste. Als das Licht angeschaltet wurde bemerkte der Paranide, dass das Quartier ein einziger großer Raum war. Die Trennwände, die die einzelnen Bereiche voneinander trennte, waren entfernt worden. Bis auf eine. Und diese trennte den Wohnbereich vom Reinigungsbereich ab. Tammanckabssit hatte kein Interesse daran zu erfahren, wie sich die Argonen säuberten. Er wollte wissen, wie dieser eine Argone lebte. Das Quartier war in zwei Prioritäten eingeteilt worden. Die eine bestand darin sich zu entspannen. Eine große bequeme Couch aus Stoff machte fast ein Drittel des Wohnbereichs aus. Vor dieser ragte eine große Trivid-Scheibe auf, an die diverse Geräte angeschlossen worden waren. Tammanckabssit untersuchte sie und fand bald heraus, dass es Eingabegeräte waren. Sie dienten wohl dazu bei Simulationen Kontrolle über ein oder mehrere Objekte zu haben. Er fand einige Kristalle auf einem flachen Tisch liegen, der sich unscheinbar aber passend zwischen dem Trivid und der Couch befand. Die Kristalle waren in Kassetten aufbewahrt und trugen kryptische Namen wie ‚Omega: Beyond the Grave (Fantasy Wirtschafts-Simulation)’, ‚-A- wie Anarchist (Egoshooter)’ oder ‚New Worlds Rising (Echtzeit Aufbau-Strategie und Kampf-Taktik)’. Nun, Tammanckabssit wusste jetzt wie Tarre sich zu entspannen vermochte.
Etwas anderes zog die Aufmerksamkeit des Paraniden auf sich. Der Schlafbereich war der am wenigsten beanspruchte Platz des ganzen Quartiers. Tarre schien sich hier nur aufzuhalten, wenn es wirklich sein musste. Das Bett war nicht gemacht worden, lag aber auch nicht zerwühlt rum. Seine Kleidung lag zwar nicht verstreut rum, aber sie war auch nicht aufgeräumt im Schrank, sondern lag über mehrere Stühle gelegt in der Küche. Anscheinend hatte er ein sehr eigenes System, was Ordnung betraf.
Die Küche nahm den zweiten großen Bereich des Quartiers ein. Obwohl .
Tammanckabssit ging in den Entspannungsbereich zurück, an der großen Couch und dem überdimensionierten Trivid vorbeigehend, und sah sich die Wände mit den unendlich wirkenden Regalen an. Sie waren voll gestopft mit Informationsfolien und Datenpads. Bücher. Videos. Musik. Alles war hier zu finden. Obwohl es nicht sauber gestapelt aussah, musste Tammanckabssit Tarre Anerkennung zollen, denn die ganzen Datenträger waren sauber nach Kategorien getrennt worden. Physik. Musik. Fantasy. SciFi. Games. Litaratur. Diverses.
In einer vom Eingang her nicht einsehbaren Ecke hatte Tammanckabssit dann etwas ausgemacht, was sein Interesse stark steigerte. In einer mehrfach gesicherten Vitrine lag eine Klinge. Tammanckabssit rief sein eidetisches Gedächtnis ab und konnte die Klinge als Katana benennen. Eine Art Schwert. Das Besondere an ihr war, dass sie eine rote Klinge besaß und schwarz im Licht schimmerte. Das war seltsam, denn ihr Glanz sollte eigentlich weiß oder golden sein. Tammanckabssit versuchte die Sicherheitsvorkehrungen der Vitrine zu deaktivieren, hatte aber keinen Erfolg dabei. Tarre schien ein begabter Sicherheitsbeamter zu sein, wenn selbst er –seine Gläubigkeit Tammanckabssit- sie nicht knacken oder umgehen konnte. Aber die Klinge war nicht das Einzige, was dem Paraniden sein Interesse entlockte. Der Griff des Katanas bestand aus einem Material das Tammanckabssit nicht benennen konnte. Denn obwohl es schwarz zu leuchten schien, schluckte es das Licht. Die Parierstange -unterteilt in: Fuchi (Griffzwinge), Tsuba (Stichblatt), Seppa (Unterlegscheiben) und Habaki (Klingenzwinge)- hatte die Form eines sternförmigen Swastikas. Neben und hinter der Vitrine prangten ebenfalls Swastikas in den verschiedensten Formen. Tarre schien gläubig zu sein. Vielleicht gehörte das Katana zu seinem Glauben?


Tarre empfand die Schwerelosigkeit als angenehm. Wie beim Schwimmen fühlte er sich leicht und unbeschwert. Aber im Gegensatz zum Element Wasser gab es in der Schwerelosigkeit keinen Sog, der einen nach unten zog. Nun befand er sich in einem solchen toten Winkel, wo die künstlich erzeugte Schwerkraft der Handelsstation ‚Ehre die Toten’ nicht griff. Und von den metallenen Wänden hallten Stimmen wieder, die verzerrt, aber freudig klangen.

„Hui!“
„Split schlecht werden...“
„Kotze nicht gut?“
„Ich heißen Cho t’Zee! Endlich merken, Kreatur!“
„Ko-Tzee?“
„Ich geben auf. Dir vielleicht Nase abbeißen.“

Ein Schrei erklang und Tarre beeilte sich den Querschacht zu verlassen in dem er sich befand und zum Ursprung des Schreis zu gelangen. Keine fünf Sezuras später befand er sich in einem konisch geformten Raum zwischen den einzelnen Ebenen der Station und beobachtete, wie ein Splitjunge versuchte ein argonisches Mädchen zu fangen.

„Hey! Was macht ihr da?“

Vor Schreck verloren beide die Kontrolle über ihre Eigenbewegung und knallten unkontrolliert gegen die nächste Wand. Zuerst Susi und dann der Splitjunge. Zu Susis Pech befand sie sich genau zwischen der Wand und dem Splitjungen. So kam es, dass dieser auf sie geknallt war. Stöhnend kam der Junge schnell wieder zu sinnen und machte sich aus dem Staub. Nun trieb das argonische Mädchen besinnungslos im toten Konus-Winkel und Tarre musste sie aus dieser Lage retten.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:09

Kapitel XVIII – Glaubenskonflikt

Tammanckabssit und Tarre Nettar standen beide am Rand des Hauptkorridors, der von und zu den Andockbuchten für die kleineren Schiffe führte. Beide beobachteten den Strom vom ankommenden und abreisenden Lebewesen.
Boronen, die in ihren milchigweißen Atmosphärenanzügen wie Geister wirkten und ebenso gespenstisch über den Boden schwebten, gehalten durch Antigravitationseinheiten. Argonen, die hastig ihre Sachen zusammen kramten und dann übereilt losliefen. Split, die sich ihren Weg energisch und ohne Rücksicht durch die Masse bahnten. Paraniden, die langsam und in Würde ihrem Ziel sicher entgegen schritten. Teladi, die sich unsicher umsahen und nach etwas suchten, von dem sie selber nicht wussten, was es war.
Tammanckabssits drei Augen huschten hin und her, um alle Eindrücke aufzunehmen und zu analysieren. Vielleicht fand sich hier ein Gesicht, dass er in den Fahndungsakten von ‚Interstellar 5’ gesehen hatte. Aber in der Regel kamen hier weder Schmuggler, noch Piraten oder andere illegale Gestalten vorbei. Obwohl Trantor jetzt eigentlich kaum durch Sicherheitskräfte geschützt wurde.
Eine kleine Gruppe Split, bestehend aus drei Personen, und eine Fünfergruppe Argonen stießen zusammen, als die Argonen den sturen Split nicht ausweichen wollten. Dies veranlasste Tarre Nettar wachsamer zu werden, als er ohnehin schon war. Er wollte hier keine Handgreiflichkeiten aufkommen lassen, da dies sonst sehr schnell zu einem Tumult und damit zu einem Massenaufruhr hätte werden können.

„Split nicht schwach im Knie! Split stark im Arm!“

Tammanckabssit und Tarre Nettar griffen ein. Beleidigungen ließen Split nie lange auf sich sitzen. Vor allem, wenn es um ihre körperliche Stärke oder um die Zugehörigkeit zu ihrer Organisation ging. Schnell, und ohne auf die Beschwerden der Aufrührer zu hören, trieben sie die Zeternden auseinander. Kaum wenige Mizuras nach dem Zusammenprall der zwei Gruppen ging der Verkehr wieder seinen gewohnten Gang.

„Was haben Sie eigentlich letzte Wozura in meinem Quartier gesucht?“

Erwischt.
Tammanckabssit war von dieser Direktheit so überrascht, dass sich seine drei Augen kurzzeitig auf Tarre richteten, um sogleich wieder die Abfertigung zu beobachten.

„Ich wollte mich nur darüber informieren, wie mein neuer Untergebener lebt.“

Tarre lächelte. Dass er den Paraniden überrumpeln konnte gab ihm ein nur selten gekanntes Hochgefühl.

„Allerdings bin ich überrascht, dass Sie das mitbekommen haben, da ich doch die Sicherheitsprotokolle übergangen habe. Wie haben Sie bemerkt, dass ich in ihrem Quartier war?“
„Tja, es gibt immer jemanden, der besser ist als man selber. Ich habe in meinem Quartier ein eigenständiges Überwachungssystem installiert, dass nicht mit dem der Station verbunden ist. Sonst noch Fragen?“

In der Tat, die hatte Tammanckabssit.

„Sind Sie religiös?“

Tarre Nettar wusste nicht wie diese Frage gemeint war, gab sich dem Paraniden gegenüber aber keine Blöße. Nichts desto trotz sah er ihn für einen kleinen Moment von der Seite aus an.

„Ich weiß nicht, was Sie unter ‚religiös’ verstehen. Aber ich hänge der Zweifaltigkeits-Lehre an.“
„Ah! Von dieser habe ich bereits gehört. Ein einfacher Glaube für einfache Wesen.“
„Ich gedenke zu meinen, dass die Zweifaltigkeit mehr erklären kann als Eure Dreidimensionalität.“
„Blasphemie!“ Die drei Augen Tammanckabssit richteten sich auf Tarre Nettar. „Die heilige Dreidimensionalität ...“
„... ist nicht wirklich eure Religion. Nicht wahr?“ Tarre sah seinen Vorgesetzten schräg an. „Sie ist eher Mittel zum Zweck.“
„Wie könnt Ihr es wagen?“ Tammanckabssit plusterte sich auf.
„Ich habe recht, nicht? Wenn Ihr etwas über mich wissen wollt, dann müsst ihr auch schon etwas über euch preisgeben.“
„Dies in der Öffentlichkeit zu besprechen ...“
„... schadet Eurem Ego bestimmt nicht.“
„Ihr seid sehr direkt. Passt auf, dass Ihr nicht etwas sagt, dass Euch das Genick brechen könnte.“
„Ich habe keine Angst. Weder vor Paraniden, noch vor Split oder sonst jemanden. Ihr könnt Euch Eure Drohungen also sparen.“
„Ich drohe nicht. Ich gebe nur Fakten und Warnungen von mir.“
„Wie Ihr meint. Also, an was glauben Paraniden? Und wie steht die Dreidimensionalität dazu?“

Tammanckabssit war unruhig geworden. Seine drei Augen huschten den gewaltigen Korridor mit seinen mehrfachen Gehspuren auf und ab.

„Ihr werdet zuerst die Zweifaltigkeit erklären. Zudem möchte ich wissen wie Euer Waffenschrein dazu passt. Während dieser Zeit werde ich meine Worte so wählen müssen, dass eine niedere Kreatur wie Ihr so etwas Übermächtiges versteht.“
„Nun gut.“ Tarre lächelte. Er hatte soeben einen Paraniden in Bedrängnis gebracht. „Die Zweifaltigkeit lehrt uns die Gegensätzlichkeit und gleichzeitig auch die Einheit von Dingen. Dies ist leicht an einem Beispiel zu erklären.
Feuer ist Elementar. Es gibt uns Wärme. Das Universum wurde in Feuer geboren. Sonnen sind Feuer. Welten entstehen in Feuer. Feuer ist Leben. Feuer ist Tod. Welten sterben in Feuer. Sterne vergehen in Feuer. Lebewesen sterben in Feuer. Man verbrennt sich an Feuer.
Wasser ist Elementar. Wir trinken es um zu Leben. Wir sind zu einem teil aus Wasser. Wasser bringt Leben hervor. Wasser nimmt Leben. Lebewesen können ertrinken. Sterne erlöschen. Das Universum wird in Kälte sterben.
Feuer und Wasser sind Elementar. Feuer und Wasser löschen sich gegenseitig aus. Feuer und Wasser löschen Leben aus. Und dennoch ... Feuer und Wasser sind unabdingbar für das Leben.
Yin und Yang. Aktion und Reaktion. Die Wandlung allen Seins.“

„Gibt es eine Göttlichkeit in diesem Glauben?“
„Manche sagen ja. Manche sagen nein. Ich persönlich glaube, dass alles mehr ist als nur die Summe seiner Teile.“

Tammanckabssit dachte darüber nach und empfand etwas, dass wohl eine gewisse Richtigkeit und Daseinsberechtigung dieser Lehre darstellte.

„Inwieweit gehört nun dieser Schrein zu Eurem Glauben?“
„Überhaupt nicht.“
„Das verstehe ich nicht. Dieser Schrein ...“
„Es ist kein Schrein. Es ist nur eine Vitrine.“
„Aber diese Waffe ... Ich habe noch nie eine Stich- oder Hiebwaffe mit rot-glühender Klinge gesehen.“
„Es ist ein Geschenk meines Meisters. Ich habe als Kind die Kampfkunst des Katanas gelernt. Er glaubte an die reinigende Kraft des Feuers, deswegen ist die Klinge auch rot.“
„Ahh! Ihr verbreitet das Wort der Zweifaltigkeit mit Feuer und Schwert!“
„Nein.“
„Nein?“
„Nein.“
„Was dann?“
„Ein Katana.“
„Das meinte ich nicht.“
„Es ist was es ist. Eine Waffe, mit der man kämpfen kann. Aber ich sehe es lieber als ein Kunstwerk an. Als ein Symbol das den Tod bringen kann, aber auch Leben rettet.“
„Also gehört es doch zum Zweifaltigkeitsglauben.“
„Vielleicht. In gewisser Weise.“
„Was mich noch interessiert: Was hat es mit diesen Symbolen auf sich?“
„Symbole? Ach ... Das Swastika. Es ist ein Glücksbringer. Ein Symbol das die Sonne und ihren Lauf darstellt.“

Tammanckabssit verstand nicht, wieso der Argone die Klingenwaffe nicht ganz zu seinem Glauben zählte, obwohl sie doch den Bestand des Glaubens erfüllte. Doch nun war Tammanckabssit gezwungen seine Offenbarung kund zu tun.

„Und es begab sich, dass drei Wesen mit grenzenloser Macht über ihr Reich herrschten, es bewachten und formten, ihm zu Gestalt verhalfen. Und die Drei waren eins. Sie waren die Trion. Das eine Wesen repräsentierte das Künstliche als eine Pyramide. Das andere das biologische als eine Sphäre. Das Dritte ward ein Würfel und repräsentierte die Energie.
Vor vielen Äonen war es, das setzten die Trion einen Plan in Gang, um ihr Reich zu schützen. In Dreieinigkeit schufen sie eine Sphäre absoluter Finsternis ... und erfüllten sie mit Dunkelheit – mit allem Übel, das sie in sich trugen. Sammelten es darin, hielten es von der Außenwelt fern. Für immer.
Bis auf einen winzigen Splitter. Ein Fragment des Bösen. Das durch einen Riss in der Realität in ein anderes Reich vordrang. Und hier trat der Splitter eine lange Reise an. Eine gierige Reise durch die Weite des Raums ...“


Als Tammanckabssit nicht weiter sprach reagierte Tarre.

„War’s das etwa schon? Nur weil’s drei Götter waren ist die Dreidimensionalität heilig?“
„Frevler! Lass mich fortfahren.“

Tarre hatte nicht den Wunsch dem Paraniden das Wort abzuschneiden. Er war gerade im Begriff etwas zu erfahren, was wohl noch nie jemand erfahren hatte.

„Und es begab sich, dass das Universum auf die Präsenz des Bösen reagierte und sich zur Wehr setzte. So wie ein Körper sich vor Krankheit schützt. Es formten sich drei Fragmente aus Licht und begannen eine Reise durch den unwägbaren Raum. In Erwartung einer Zeit, wo man sie finden und gegen den Eindringling einsetzen würde.“
„War das alles?“
„Nein.“
„Na dann weiter.“
„Nein.“
„Nein?“
„Nein.“
„Na gut, dann reime ich mir halt selber etwas zusammen. Es gibt also ein böses Fragment und drei Gute? Die paranidischen Götter haben Mist gebaut und ihr dürft deren Fehler nun auslöffeln. Aber um das zu können braucht ihr die drei guten Fragmente. Ich wisst aber nicht wo sie sind. Und ihr wisst auch nicht wann und wo das eine böse Fragment auftauchen wird um euch die Hölle heiß zu machen.“
„Ungläubiger!
Das eine dunkle Fragment zieht durch die Weiten des Alls und bringt Verderben all den Rassen, mit denen es in Kontakt kommt. Es bringt Tod, Leid, Vernichtung und Krieg mit sich. Eine Rasse, deren Geist noch so hell strahlen mag, wird in Augenblicken verdunkelt. Ein Schleier legt sich um sie und werden zu Dienern der Finsternis.
Die drei Fragmente aus Licht wurden ausgesandt um den Völkern eine Möglichkeit zu geben sich dieser Dunkelheit zu erwehren.
In den alten Legenden heißt es, dass eines dieser Fragmente auf unseren Heimatplaneten gestürzt sei. Doch bevor dies geschah, waren am Himmel viele verschiedene Bewegungen wahrzunehmen. Konstellationen änderten sich. Nebel bewegten sich. Sterne erloschen. Sterne entstanden. Das Fragment gab uns Zeichen auf die wir achten müssen, um dessen Gefährten zu finden. Um das dunkle Fragment zu finden.“

„Habt ihr die Fragmente gefunden?“

Tammanckabssit wurde nervös. Am Anfang hatte er diese Konservation noch als produktiv angesehen und damit prahlen wollen, wie überlegen doch das paranidische Volk war. Das es einen göttlich Auftrag hat. Das es auserwählt ist. Doch je mehr Tammanckabssit dem Argonen preis gab, desto mehr hatte er das Gefühl einen Schritt in die falsche Richtung gemacht zu haben.

„Unser Geburtsfragment ist nach wie vor in unserer Hand. Wir wissen um das zweite Fragment aus Licht. Doch wo sich das Dritte befindet ist uns nach wie vor noch ein Rätsel.“
„Wer hat das zweite Fragment?“
„Ihr!“
„Wir?“
„Die argonische Regierung.“
„Ihr Paraniden spinnt ja.“
„Nein. Wir wissen es. Doch Eure Regierung will nicht zurück geben, was rechtmäßig uns gebührt.“
„Was ist mit dem dunklen Fragment?“
„Nach vielen Jazurahunderten der Suche haben wir die dreidimensionalen Konstellationen gefunden, die uns einst das Lichtfragment gezeigt hatte. In einem Sektor, weit entfernt vom Commonwealth und heute nicht mehr erreichbar, haben wir eine dunkle Welt gefunden. Eine Welt auf der noch Leben existierte, doch deren Existenz von Dunkelheit bestimmt war.“
„Bitte sag nicht, dass das ...“
„Die Khaak! Sie waren dem Bösen anheim gefallen. Vielleicht waren sie in ihrem früheren Zustand eine heilige Rasse, doch durch die Finsternis waren sie verdorben und unheilig. Wir mussten sie reinigen.“
„Reinigen?“
„Wir haben ihre Welten mit Singularitätswaffen gesprengt.“
„Bei der Zweifaltigkeit! Deswegen greifen sie die Paraniden so vehement an!“
„Ja. Zuerst sahen die Khaak keinen Unterschied bei den Rassen des Commonwealth. Für sie waren Boronen, Argonen, Split und Teladi das Gleiche wie Paraniden. Erst durch den Kontakt mit diesem Terraner ... Kyle Brennan, wurde ihnen klar wer sie angegriffen und beinahe ausgerottet hatte.“
„Ihr.“
„Ja.“
„Na prima. Jetzt weiß ich, wem ich danken muss für diesen Krieg.“
„Dies war nicht unsere Absicht. Wir wollten das dunkle Fragment vernichten. Doch ...“
„Ihr habt versagt.“
„Ja. Es scheint gegen jede Art von Waffe resistent zu sein. Deswegen brauchen wir die drei Lichtfragmente. Dringend.“
„Was ist mit dem Nividium? Es heißt, dass Ihr die Khaak wegen des Nividiums angegriffen habt.“
„Nividium ist wertlos.“
„War wertlos. Seit man weiß, dass man daraus Superleiter oder gar Sprungtore bauen kann, ist dessen Wert um das achtzehnfache gestiegen. Ihr habt doch versucht Sprungtore zu bauen, oder nicht? Nicht lügen, die Terraner sind der Beweis!“
„Zur damaligen Zeit war für uns Nividium nicht von Wert. Erst als die Khaak uns fast überrannten erkannten wir den Wert von Nividium und dessen Möglichkeiten. Durch Hilfe von außen konnten wir nun Sprungtore bauen. Wir wollten damit ein Netzwerk im Khaak-Territorium errichten, um mit unseren Flotten –allen Flotten des Commonwealth- einen Gegenschlag zu arrangieren. Im Gegensatz zu den Khaak besitzt niemand im Commonwealth einen torlosen Sprungantrieb.“
„Hilfe von Außen?“
„Ein Zeitreisender Terraner namens Marteen Winters hat uns die Technologie gegeben, um Sprungtore zu errichten.“
„Zeitreise?“
„In gewisser Weise. Er sagte, er habe lange geschlafen. Wahrscheinlich eine Cryostasiseinheit.“

Tarre schüttelte seinen Kopf. Der Paranide hatte einen Dachschaden. Er war nicht nur so überheblich wie seine Brüder und Schwestern, er war auch noch genauso paranoid.

„Die Dreidimensionalität mag auf Anhieb ein perfektes Szenario zeichnen. Doch wenn man genauer hinsieht, dann sieht man Ecken und Kanten. Unebenheiten und Imperfektion.“
„Die heilige Dreidimensionalität ist unfehlbar!“

Über der hiesigen Abfertigung von ‚Ehre die Toten’ hing eine altmodische Tafel aus Nividium, in der die Namen der Stationen und Schiffe eingraviert worden war, die bei dem Angriff der Khaak vernichtet worden sind. Es wurde darum gebeten den Toten die Ehre zu erweisen, wenn man die Station betrat oder verließ. Beinahe jeder hielt sich an diese unausgesprochene Verhaltensweise. Nur ein Duo wollte sich nicht daran halten. Tarre Nettar trat auf den Split und den Paraniden zu, hielt sie an und wies sie auf ihr Versäumnis hin.

„Split nicht ehren ehrlose Kreaturen.“
„Unheiliges Wesen. Ich werde für niedere Kreaturen nicht mein Haupt neigen.“

Tarre ließ sich nicht von der Unwilligkeit der beiden Besucher beirren und beharrte darauf, dass sie die Toten ehrten. Denn auch andere wurden geehrt. Nicht hier. Nicht auf dieser Station oder in diesem Sektor, doch in anderen Teilen des Universums.
Der rechte Arm des Split schoss unvorhersehbarer Weise nach oben und wollte Tarre im Gesicht treffen. Doch der Argone reagierte blitzschnell und hatte den Schlag mit seiner Linken pariert. Tammanckabssit und der paranidische Begleiter des Split fixierten Tarre mit jeweils zwei ihrer drei Augen. Es war überraschend, dass ein Argone einen solchen unvorhersehbaren Angriff hatte blocken können. Tarre musste lange trainiert haben, um seine Reaktionszeit bei null halten zu können, um keine Schockzeit zu haben. Beachtlich war auch die Geschwindigkeit mit der nun Tarre dem Split mit seiner flachen Hand auf den Brustkorb schlug. Der Split torkelte einige Schritte nach hinten und sank dann, nach Atem ringend, zu boden.

„Split schwach im Arm. Split schwach auf Brust.“

Tarres Nachahmung der Sprechweise der Split ließ seinen Gegner schnell wieder auf die Beine kommen und ziel gerichtet angreifen. Doch so schnell der Split auch war, er lief ins Leere und knallte mit dem Kopf gegen das Panzerplast eines Aussichtsfensters. Er ging besinnungslos zu Boden.
Der Paranide, der den Split begleitet hatte, ging in Angriffsstellung. Während sich sein Oberschenkelgelenk nach vorne und sich sein Mittelschenkelgelenk nach hinten bog, schwollen seine Unterschenkel an, um ihm die nötige Kraft für einen Sprung oder die Standhaftigkeit für einen Kampf zu liefern. Das gleiche Gelenk- und Muskelspiel fand auch mit seinen beiden Armen statt. Nur, dass deren Unterarme nicht für die Standhaftigkeit zuständig waren, sondern für das Umschlingen oder Festhalten von Objekten.
Trotz dieser gefährlichen Drohgebärde, die den Paraniden wie ein angriffsbereites Insekt aussehen ließ, schien Tarre Nettar nicht davon beeindruckt zu sein. Tammanckabssit wusste, dass dies ein großer Fehler war. Denn auch wenn ein Paranide sehnig aussah, nicht die Masse eines Split oder Argonen hatte, war dieser doch weitaus stärker und beweglicher als man meinen konnte. Gleich würde diese unheilige Kreatur eine Lektion beigebracht bekommen, die sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr vergessen würde.
Der linke Arm des Paraniden schnellte hervor und erstaunlicher Weise konnte sich Tarre Nettar der Geschwindigkeit des Paraniden anpassen. Mehrere Schläge hintereinander ließ der Paraniden von seinen sehnigen Gelenken ausführen, doch kein einziger traf.
Tammanckabssit drei Augen ließen die Menge aus den Augen, die den Kampf nun auch interessiert verfolgten und fixierte seine Konzentration ganz auf den Kampf. Während sein linkes Auge Tarre Nettar und sein rechtes Auge den Paraniden im Auge behielt, verschaffte er sich mit dem mittleren einen Gesamtüberblick. Es war erstaunlich, dass dieser Argone seinem paraniden Gegner ausweichen konnte, obwohl dieser doch eigentlich an Agilität und Stärke überlegen sein sollte.
Tarres Gegner schien die Situation analysieren zu wollen, da er seine Klauen zurückzog und einen Sprung nach hinten machte. Doch Tarre ließ dem Paraniden keine Zeit seinen eidetischen Vorteil auszuspielen und griff seinerseits mit einer Technik an, die bis dato noch niemand gesehen hatte. Der Argone vollführte geschwungene Bewegungen, die ineinander übergingen und von Anmut, wie auch von Geschick zeugen ließen. Tarres Bewegungen stoppten kein einziges mal. Wie ein Tänzer änderte er seine Position und Körperhaltung, um auf die Aktionen seinen Gegners reagieren zu können. Schläge und Tritte wurden nicht geblockt, sondern durch ihre eigene kinetische Energie ins Leere abgelenkt. Dies verschaffte Tarre die Möglichkeit immer wieder Treffer zu landen, die für den Paraniden zwar nicht gefährlich waren, ihn doch äußerst ärgerten.
Tarre sah eine Öffnung in der Deckung des Paraniden und ließ sich diese bietende Gelegenheit nicht entgehen. Er ließ sich auf den Boden fallen, fing seinen Sturz mit beiden Armen ab und im gleichen Augenblick ließ er seinen Unterkörper, allen voran seine Beine, dem Paraniden entgegenfliegen. Der Kampf war beendet, als der Getroffene zu Boden ging und schmerzerfüllt röchelte. Er war an einer Stelle getroffen worden, an dem bei Argonen die Leber saß. Was bei den Paraniden dort saß wusste Tarre nicht, aber es schien sehr schmerzhaft zu sein, wenn man Paraniden dort traf.

„Ich denke, hiermit ist bewiesen, dass Paraniden nicht unfehlbar sind.“

An Tammanckabssits Antwort war zu erkennen, dass ihm die Argumente im knochigen Hals stecken geblieben waren.

„Ich habe niemals behauptet, dass Paraniden unfehlbar sind.“

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:09

Kapitel XIX – Zucht und Ordnung

„Der kleine Chao t’Enn hat das Kinderparadies zerstört. Seine Eltern werden gebeten ihn abzuholen.“

Das war wieder einer dieser Tazuras. Tammanckabssit fragte sich, wieso es immer wieder zu Konfrontationen mit den Split und Argonen kam. Wieso nicht mal ein Paranide oder Borone? Letztere hielten sich so gut es ging von Streitereien fern. Paraniden zogen es auch vor sich an die Gepflogenheiten von anderen Rassen zu halten; allerdings nur, solange es nicht ihre eigenen störte. Teladi waren meistens nur in kleinere Delikte involviert, meistens als Opfer von Dieben. Argonen und Split hingegen schienen Gewalt und sonstige Regelbrüche geradezu magisch anzuziehen.

Wie dem auch war, Tammanckabssit schritt weit aus und sein Umhang wallte hinter ihm auf. Auch wenn es schnell gehen musste, auf Eleganz und Ausdrucksstärke legte der Paranide immer wert.
Wer ein feines Auge besaß konnte erkennen, dass Tammanckabssit einige kleine Fehler bei seiner Choreographie unterliefen. So nahm er nicht einen Meter elf als Schrittmaß, sondern nur einen Meter. Seine Augen mochten zwar einen Radius von 240 Grad abdecken, doch heute beschränkte er sich auf die vordere Sicht um 160 Grad von Zweiäugigen.
Diese Kleinigkeiten kamen daher, dass sich Tammanckabssit auf das gestrige Ereignis konzentrierte. Wieso hatte er Tarre Nettar soviel erzählt? Etwas stimmte da nicht. Ein solcher Fehler hätte ihm nicht passieren dürfen.
Wer war dieser Argone? Tammanckabssit rief sein eidetisches Gedächtnis auf und ging alle Informationen durch, die er über diesen Mann wusste.
Tammanckabssit hatte den Argonen nicht als charismatisch eingestuft. Schon garnicht für paranidische Verhältnisse. Doch irgendwie hatte er sich hinreißen lassen Tarre alles zu erzählen was er wissen wollte. Da stimmte etwas nicht. Tammanckabssit grub tiefer in seinem Gedächtnis, holte die Ereignisse des Vortazuras wieder heraus und erlebte sie ein zweites Mal. Doch diesmal achtete er genau auf die Aktionen des Argonen. Doch nicht nur Aktionen, sondern auch andere verdächtige Sachen versuchte Tammanckabssit bei der erneuten Betrachtung seiner Erlebnisse zu finden. Vielleicht ein geruchloses Gift? Ein Lichtreflex der hypnotisierte? Nichts. Keine verdächtigen Vorkommnisse.
Was Tammanckabssit auch störte war die Beweglichkeit von Tarre Nettar. Der Argone bewegte sich tanzend, ja fließend wie Wasser. Ein Borone? Das war absurd. Doch wenn man es genau betrachtete, dann ließ die Kampfkunst darauf schließen, dass sich dieser Argone etwas von der boronischen Anmut der Schwimmbewegung abgeschaut hatte. Aber das erklärte immer noch nicht, wieso er einen Split und dazu noch einen Paraniden hatte ausbooten können.
Vielleicht war Tarre Nettar gar kein Argone. Aber was sollte er sonst sein? Ein terranischer Spion? Möglich. Das die Terraner disziplinierter waren als ihre argonische Abart, dass hatten sie mit ihrem Eintreffen im Commonwealth bewiesen. Sie waren stärker. Kein Zweifel. Und schlauer. Wenn man bedachte, dass die Terraner Sprungtore bauen konnten, ohne auf die Hilfe der Sohnen oder des Alten Volkes zurückzugreifen, dann waren sie in der Tat um einiges intelligenter als ihre Pendants in der Gemeinschaft.
Tammanckabssit hatte keine Angst, aber er fühlte sich unwohl. Durch seine Redseeligkeit hatte er vielleicht seine Tarnung gefährdet. Nun, wenn Tarre Nettar wirklich nicht das war was er vorgab zu sein, dann konnte er von Tammanckabssit nur etwas verlangen, wenn auch er seine Tarnung aufgab. Dies beruhigte Tammanckabssit etwas. Doch nichts desto trotz wollte und musste er herausfinden wer Tarre Nettar in Wirklichkeit war.

Geschrei brandete den Korridor herab und man hörte das Splittern von Glas. Ein Knirschen, dass entstand, wenn etwas brach und man darauf trat, hallte von den Wänden wider. Ein Schrei vieler Kleinkinder drangen an Tammanckabssits Hörlöcher. Das Geschrei eines Splitjungen aber übertönte alles. Als der Paranide um den Korridor bog sah er den Splitjungen, den er eben noch gehört hatte, in der Luft baumeln. Ein Bediensteter des Kinderparadieses, ein stämmiger Argone, hatte den Jungen ausgehoben und spielte mit ihm nun Raumschiff. Dass dem Split das nicht gefiel war an seinem Wutgebrüll und dem wilden Gestrampel zu merken. Der argonische Betreuer holte mit Schwung aus und ließ den Split los.

„Und Abflug!“

Der kleine Chao t’Enn segelte direkt zu Tammanckabssit und dieser fing ihn ohne große Mühen auf, drehte sich um die eigene Achse und warf den Splitjungen wieder zurück zum Betreuer, wo Chao sich übergab und dann besinnungslos liegen blieb.

„Ich denke das reicht.“

Plötzlich wurde das weiße Standardlicht durch das gefährlich pulsierende giftgrüne Warnlicht der Teladi ersetzt. Ein Ruck ging durch Tammanckabssit, als sich der Boden unter ihm aufbäumte. Dies konnte nur eines bedeuten: Es gab eine Explosion auf der Station!
Doch was hätte explodieren können? Auf der Station wurde derzeit nichts gelagert was hätte solch eine Erschütterung verursachen hätte können. Auch der argonische Föderationsfrachter, mit Gravitationsminen an Bord, hatte bereits vor mehreren Stazuras die Handelsstation in Richtung Elenas Glück verlassen.
Blieb also nur noch mehr die Option, dass ‚Ehre die Toten’ angegriffen wurde. Und bei einer solchen Erschütterung konnte dies nur bedeuten, dass die Schilde durchdrungen wurden. Da aber die Station einen starken Generator besaß, hieß das für Tammanckabssit, dass es irgendwo Unstimmigkeiten gab. So schnell konnte man die Schilde nicht runter schießen, als dass es keinen Alarm gegeben hätte. Nicht einmal mit Spezialwaffen, wie der Ionenkanone, die extra für hohen Schildschaden entwickelt wurde. Also blieb nur noch mehr eine Schlussfolgerung übrig: Der Angriff kam von innerhalb der Station.

Sabotage?
Das war etwas, an das Tammanckabssit überhaupt nicht denken wollte. Zumal es so etwas auf seiner Station noch nie gegeben hatte. Doch leider blieb ihm nichts anderes übrig.
Er rannte Korridore und Gänge entlang. Feuer waren an vielen Stellen ausgebrochen, da es Überladungen in den Leitungen vieler Systeme gegeben hatte. Plasmalecks und geplatzte Energieleiter versperrten Wege. An manchen Stellen gab es sogar Strahlungsalarm.

Plasmafeuer schlug Tammanckabssit entgegen, als er um einen Korridor gehen wollte. Er taumelte mehrere Schritte zurück, fiel hin und sah auf, als eine Gestalt aus den Flammen trat. Sie hatte goldene Haut, über die Plasma leckte. Ihre Haare standen zu berge und waren reines Feuer, dass intensiv rot leuchtete. Aber das was einen in seinen Bann zog waren die beiden grün glühenden Augen. Ein Feuerdämon!
Tammanckabssit spürte etwas, was er selten verspürte: Angst

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:10

Kapitel XX – Ein Paranide für alle Fälle

Tammanckabssit lag bewusstlos auf einem Bett in der Krankenstation und Tarre Nettar stützte sich auf sein Schwert, um seine etwas wackligen Beine zu entlasten. Irgendwie wollten diese nicht mehr so ganz seinem Willen gehorchen, seit er sich eine Plasmavergiftung zugezogen hatte.

„Was zur Hölle tun Sie hier? Sie sollten doch im Bett liegen!“

Tarre drehte sich zur Seite und sah im schummrigen Licht des Raums die Umrisse von Mirai Jenos, der behandelnden Ärztin. Langes schwarzes Haar, braune Augen und eine sportliche Figur traten auf ihn zu.

„Erstens: Ich sehe nach meinem Vorgesetzten. Zweitens: Bis auf wacklige Beine geht es mir gut.“
„So, Ihnen geht’s gut? Letzte Nacht haben Sie beinahe das gesamte Krankendeck zusammengehustet. Ihr Röcheln war so laut, dass ich Schallblocker aktivieren musste, um die anderen Patienten nicht zu beunruhigen.“

Jenos klopfte Tarre mehrmals fest auf die Schulter, worauf dieser einen Hustenreiz verspürte, den er nicht unterdrücken konnte. Er hustete so stark, dass ihm die Beine unterm stehen wegknickten. Mirai musste Tarre etwas halt geben, damit dieser nicht wie ein nasser Sack auf dem nackten Fußboden aufschlug.

„Okay. Okay.“ Brachte Tarre hervor, nachdem er sich wieder gefangen hatte und wieder einigermaßen frei atmen konnte. „Ich werde mich wieder in meine Zelle begeben.“
„Zelle? Sein Sie froh, dass ich Sie nicht wirklich in eine solche schmeißen lasse. Vor allem weil Sie hier mit einem antiquierten Schwert rumlaufen.“
„Das ist ein Katana und kein Schwert. Zudem ist es nicht antiquiert. Aber ich frage mich: Wieso tragen die Schwestern und Pfleger hier Elektrostöcke, wenn Sie doch keine Waffen in Ihrer Krankenstation dulden?“
„Um Leute wie Sie ruhig zu stellen.“

Damit drehte sich Mirai um und schaute nach ihren anderen Patienten. Tarre sah Doktor Jenos nach. Besonders ihr Hüftschwung war nicht zu verachten.

„Ziemlich schlagfertig nicht wahr?“

Tarre drehte sich um, und sah auf das Bett von Tammanckabssit hinab.

„Seit wann sind Sie schon wach?“
„Schon seit ein paar Inzuras.“
„Und da halten Sie es nicht für nötig sich entsprechend zu geben?“
„Ich habe mich in einer regenerativen Trance gehalten, um meine Heilung zu beschleunigen.“
„Und diese Trance hält natürlich externe Einflüsse nicht davon ab Ihre Sinne zu erreichen?“
„In der Tat.“

Tarre schüttelte seinen Kopf und atmete tief aus, um sich Erleichterung zu verschaffen.

„Was ist passiert?“
„Sie wurden von einem Techniker gefunden, als dieser gerade eine geplatzte Versorgungsleitung reparieren wollte. Leider hatte dieser nicht so viel Glück wie sie.“

Tarre deutete in eine dunkle Ecke, wo Tammanckabssit eine verkohlte Leiche ausmachen konnte.

„Wie bedauerlich.“

Tarre fragte sich, ob Paraniden überhaupt Emotionen besaßen und falls ja, ob diese überhaupt so zu definieren waren wie die der Argonen oder Terraner. Er verabschiedete sich, wünschte eine gute Besserung und ging dann in die Richtung, in die zuvor auch Doktor Jenos Mirai gegangen war.

Tammanckabssit dachte an den Feuerdämon zurück und sah noch einmal auf den verbrannten Leichnam des Technikers hinüber. Das passte nicht. Der Feuerdämon kam von Vorne, aber Tarre hatte gesagt, dass der Techniker ihn gerettet hatte. Das konnte nur sein, wenn dieser von Hinten gekommen wäre. Was hatte es also mit dem Feuerdämon auf sich?

Tarre Nettar lehnte sich an die Kante von Dr. Jenos Schreibtisch, während diese eine Patientin untersuchte. Er hatte versucht mit ihr ins Gespräch zu kommen, doch auf das Thema auf das er hinauswollte, schaffte er es nicht.

„Was hat es also mit diesen Tentakeln auf sich? Zuerst davon anfangen und dann nicht weitermachen.“
„Diese Tentakel sind Extremitäten. Sie sind eine Erweiterung der Sinnesorgane der Paraniden. Zum Beispiel können Paraniden nicht nur Schall hören, sondern ihn auch fühlen. Dies wird als sechster Sinn angesehen, wobei viele dies als Präkognition missverstehen. Paraniden können nicht in die Zukunft sehen. Sie haben nur die Fähigkeit mit ihren sechs Sinnen die Umgebung zu erfassen und daraus Aktionen und Reaktionen abzuleiten. Je mehr Lebenserfahrung ein Paranide hat, desto genauer kann es Situationen abschätzen und vorausberechnen.“
„Woher kennen Sie sich so gut mit paranidischer Physiologie aus?“
„Ich habe einen IQ von 183. Das hat mir bei meinem Medizinstudium außerordentlich geholfen. Neben der paranidischen Physiologie kenne ich auch die aller anderen Spezies.“
„Ähm … ES?“
„Paraniden haben männliche wie auch weibliche Geschlechtsorgane. Es gibt keine verteilte Geschlechterrolle. Sie können sich mit jedem paaren, mit dem sie wollen.“
„Interessant.“
„Durchaus. Die Paraniden haben einen Sammelbeutel in dem sie Spermien und Eizellen ihrer Partner sammeln. So können sie sich jederzeit selbst befruchten.“

Plötzlich wurde Jenos Mirai still und schaute die Daten ihrer Patientin an. Etwas war an diesen seltsam. Noch bevor Tarre etwas sagen konnte, wurde er hinausgeschickt.

Mirai sah die junge Frau an, die gerade zu Bewusstsein gekommen war und sie freundlich anlächelte.

„Wie geht es meinen Babys?“
„Ausgezeichnet. Sie schlafend derzeit.“

Malenie Sonilca, so der Name der jungen Mutter, lächelte aus tiefsten Herzen und Mirai fiel es schwer diese Situation zu zerstören.

„Ich muss mit Ihnen reden.“
„Nur zu. Ich werde Ihnen bestimmt nicht abhauen.“
„Wie alt sind Sie?“

Malenie wurde kreidebleich. Doch sie fing sich schnell wieder und funkelte Mirai mit ihren grünen Augen, unter den wirren rotgoldenen Haaren, böse an. Doch bevor Mirai nachsetzen konnte, kam jemand anderes ins Zimmer.

Auf dem Gang traf er einen argonischen Mann, dessen Gesicht er schon einmal gesehen hatte, aber er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern.

„Guten Tazura. Mein Name ist Tarre Nettar. Ich bin hier für einige Zeit Patient. Sind Sie auch ein Patient oder besuchen Sie jemanden?“
„Oh, hallo. Joon Yemai. Ich besuche hier meine Frau. Sie hat vor ein paar Stazuras Zwillinge geboren.“
„Ja natürlich! Yemai, der Drachentöter. Ich wusste doch, dass ich Ihr Gesicht irgendwo gesehen habe. Herzlichen Glückwunsch zum Familienzuwachs!“

An Yoons Gesichtsausdruck konnte Tarre erkennen, dass dieser eher genervt als erfreut war ihn erkannt zu haben. So verabschiedete sich Tarre und ging nachdenken.

„Hallo, Frau Doktor. Wie geht’s meiner Frau und den Kindern?“
„Guten Tazura, Herr Yemai. Ihrer Frau geht es ausgezeichnet. Sie erholt sich sehr schnell. Auch den Zwillingen geht es blendend. Der Junge hat heute Nacht zwar ein bisschen gehustet, doch der ist schnell wieder weggegangen. Das Mädchen hatte Durchfall, doch auch das hat sich gelegt.“
„Das ist wunderbar! Kann ich zu meiner Frau und den Kindern?“
„Natürlich. Aber ich möchte zuerst mit Ihnen noch etwas besprechen.“
„Später.“

Mirai konnte garnicht so schnell reagieren, wie dieser Yemai weg war. Sie musste ihn unbedingt abfangen und ein Wörtchen mit ihm reden.


„Wir sind auf einem Raumschiff?“

Tammanckabssit und Tarre Nettar standen auf der Brücke der ‚Hornschrecke’, eines Korvette-Prototypen der Z.Inc. und sahen auf dem Bildschirm vor sich die brennende Raumstation ‚Ehre die Toten’. Mehrere Frachter, Transporter und Korvetten, sowie viele kleinere Schiffe flogen von großen Hospitalkreuzern hin zur Handelsstation und wieder zurück. Die Evakuierung lief auf vollen Touren.

„Weiß man schon, wer die Angreifer waren?“
„Man hat eine Leiche mit dem Abzeichen der Ehrentafel gefunden.“
„Seltsam. Diese Leute sind eigentlich nicht gewalttätig.“
„Eine terroristische Splittergruppe?“
„Nein, ich denke das es eher eine falsche Fährte ist.“
„Wer dann?“
„Dazu müsste ich wissen, was deren Ziel war.“
„Ich denke, dassss kann ich beantworten.“

Alle drehten sich zum Eingang zum. Dort stand ein Teladi mit blauer Hautfärbung und hielt ein Daten-Padd in der Hand.

„Wenn ich mich vorsssstellen darf. Mein Name isssst Hilbilisss Dessstructulusss Zuzaimei, der Erssste.“

Zuzaimei watschelte auf Tammanckabssit und Tarre Nettar zu.

„Hinter was waren diese Leute her?“
„Pläne.“
„Was für Pläne?“
„Blaupausssen von einem Firmenhauptquartier und Schiffsssprototypen.“
„Schiffsprototypen?“
„Sssie befinden sssich gerade auf einem. Diesss issst ein Prototyp einer Korvette der Zuzaimei Incorporated.“

Tammanckabssit fand die Neugierde von Tarre Nettar beunruhigend. Mit dem Verdacht, den er schon seit Wozuras hatte, handelte Tammanckabssit dementsprechend.

„Tarre Nettar. Ich verhafte Sie hiermit wegen Verdachts auf Spionage und Sabotage. Sowie terroristischer Anschläge.“
„Was? Ich glaub du dämlicher Paranide spinnst wohl ein bisschen!“
„Ich denke das reicht nun. Tammanckabssit würden Sie bitte Mister Nettar loslassen? Danke. Wenn ich schnell eine Erklärung abgeben darf: Die Angreifer waren Cyber-Piraten die aus dem terranischen Raum kamen. Sie nennen sich selber ‚Das Syndikat’.“
„Wer sind Sie eigentlich?“

Tarre sprach einen älteren Argonen an, der die ganze Zeit über in einer abgedunkelten Ecke der Brücke stand und sich bis eben ruhig verhalten hatte.

„Nennen Sie mich ...“ Der älterliche Argone lächelte verschmitzt. „... den Hausmeister.“

Just in diesem Augenblick explodierte die Handelsstation ‚Ehre die Toten’ in einer gewaltigen Explosion und nahm noch einige weitere Schiffe in der Umgebung mit sich.

„Oder Bren Tanna, wenn Ihnen das lieber ist.“

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:10

Strang Teal
Kapitel XXI – Nachrichten


Dare Ba war in seinem Zen-Modus, wie er es selbst nannte. Weder die Außen-, noch seine Innenwelt waren voneinander getrennt. Er hörte die Maschinen des Schiffes, wie sie ihm ein Lied sangen. Er hörte das Rauschen seines Blutes, wie das fließen der Kühlmittel durch ihre Leitungen. Durch die halb geöffneten Augen sah er die türkisen und magentafarbenen Anzeigen des Cockpits, ohne sich direkt auf sie zu konzentrieren.

Ich bin alles. Ich bin nichts.
Ich habe alles. Ich brauche nichts.

Das Lied der Maschinen veränderte sich und Dare glitt sanft aus seiner Zen-Meditation in die Realität zurück. Er schwebte mitten im Cockpit, aber das war für einen Boronen normal. Sie ließen sich nur selten nieder, schwammen lieber oder ließen sich von der Strömung treiben.

Dare Ba lenkte den Prototypen der neuen Mobula Generation behutsam in Richtung des Hangars eines Forschungszentrums. Die Station war geheim, trug deswegen keinen Namen, und befand sich weit außerhalb der Ekliptik von Königstal. Wie alle anderen Stationen der Boronen auch, hatte sie ein äußerst individuelles Design, dass von den anderen Völkern, allen voran den Argonen, als biologisch empfunden wurde. Die meergrüne Farbgebung, sowie die zellenförmige Maserung der Hülle war dafür verantwortlich. Aber nicht nur die Stationen der Boronen riefen diese Assoziation bei anderen Völkern hervor, auch ihre Schiffe muteten wie lebende Wesen an. In gewisser weise hatten sie sogar recht.

Langsam und vorsichtig landete der Prototyp im Hangar. Dieser wurde sogleich vom Weltraum abgeschottet und mit einer speziellen Nährflüssigkeit gefüllt, in der nicht nur das Schiff, sondern auch andere Boronen schwammen. Dare Ba stieg aus der Mobula aus und nahm erstmal einen tiefen Schluck der Nährflüssigkeit. Durch seine Rüsselfilter entnahm er der Flüssigkeit beigesetzte Konzentrate und fühlte wie sein Körper und Geist aufgefrischt wurden.

Die Korridore, durch die Dare Ba schwamm, wiesen eine grünbraune Wellenmaserung auf, die darauf abzielte den Bewohner dieser Station ihre natürliche Umgebung vorzugaukeln. Boronen fanden die Reisen im Weltraum nicht unangenehm, aber dennoch zogen sie Umgebungen vor, die ihnen heimatlich und vertraut waren.
Auf dem Weg zu seinem Quartier kam Dare Ba am Kern der Forschungsstation vorbei. Hier ragte eine dreifache Helix vom Boden zur Decke. Sie zeigte in aller Detailverliebtheit den Aufbau des boronischen Genoms. Vorbei an gut gepanzerten Aussichtsplattformen und nicht weniger beanspruchten Freizeitangeboten, erreichte Dare Ba endlich sein Ziel.

In seinem Quartier angekommen, öffnete Dare Ba zuerst die Nachrichtenverläufe, um zu sehen, was für Kontakte ihm geschrieben hatten. Doch deren Inhalte waren nicht so wichtig und Dare Ba schloss den Verlauf wieder. Von einer leichten, künstlich erzeugten, Strömung ließ er sich in die Küche treiben, wo einige Köstlichkeiten darauf warteten verspeist zu werden. Obwohl die Schwimmflüssigkeit einiges an Zusätzen enthielt, konnte man nicht auf reguläre Nahrungsaufnahme verzichten. Plankton, sowie kleine Krebstiere verschwanden in Dare Bas Schnauze, um seinen Hunger nach dieser langen Reise zu stillen. Nachdem er seinen Hunger gestillt hatte, glitt Dare Ba in den Entspannungsbereich seines Quartiers. Mit seinen unteren Tentakeln hielt er sich an einer Querstrebe fest, die quer durchs Zimmer verlief und gab sich den sanften Bewegungen des Wassers hin, die seinen Körper massierten und den Geist treiben ließen.

Nach dieser erholsamen Entspannungsstazura hatte es sich Dare Ba vor dem QuadVid gemütlich gemacht und sah sich die neusten Entwicklungen aus dem Königinnenreich an. Zuerst schaltete er auf die Königlich Republikanischen Nachrichten.

Teladi wollen Artefakte verkaufen!

Es war ein schwerer Schlag für Archäologen, als die teladianische Profitgilde diese Wozura bestätigt hat, sie habe keine Einwände gegen den Verkauf von Artefakten durch die Teladi Artefakthandel und Transport AG (TAT). Die TAT ist berüchtigt für ihre gewinnorientierte Ausbeutung von archäologischen Ausgrabungsstätten. In einer Stellungnahme gab die Profitgilde folgendes bekannt: "Die TAT leitet einen ordentlichen Geschäftsbetrieb und verstösst in keinem einzigen Punkt gegen die teladianischen Gesetze. Es gibt also überhaupt keinen Grund, weshalb wir da eingreiefen sollten."
Professor Daka Ro vom Königlich-Boronischen Archäologischen Institut in Königstal hat die Arbeitsweise der TAT aufs Schärfste verurteilt: "Diese unfreundlichen Leute sind Räuber und Scharlatane! Ihre Behauptung, im Namen der Wissenschaft zu arbeiten, ist eine dreiste Lüge! Moralisch muss man sie als Kriminelle ansehen, obwohl sie laut den lückenhaften teladianischen Gesetzen ganz legal ihrem Geschäft nachgehen. Ich kann unsere mächtige Flotte nur darum bitten, die Patrouillen zu verstärken und Schiffe mit Artefaktlieferungen zu beschlagnahmen, sobald sie unser Territorium durchqueren wollen." Das boronische Oberkommando wollte sich nicht dazu äussern, wies aber darauf hin, dass diese Angelegenheit vom Teladi-Unternehmen selbst geregelt werden müsse.

Zepa Ta, Wissenschaftskorrespondentin - KRN



Teladi! Diese Schuppenknauserer waren wirklich zu allem fähig. Dare Ba hoffte, dass die Zurianer ihren Abkömmlingen diesen Unsinn bald austreiben würden. Dare Ba schaltete weiter auf Galaxy Network.


Boronen machen Lausbubenstreiche für explodierendes BoFu verantwortlich

Boronische Behörden haben die Flut von Berichten über explodierende BoFu-Behälter als Lausbubenstreich bezeichnet. Verbraucher in mehreren Sektoren hatten sich beschwert, dass ihnen der BoFu beim Öffnen der Behälter um die Ohren geflogen sei. Ein Überschuss an BoGas, das irgendwie in die Behälter gelangt war, hatte die Explosionen beim Öffnen der Verpackungen verursacht.
Es wird darüber gerätselt, wer denn wohl der boronischen Nahrungsmittelindustrie derartige Streiche spielen könnte, aber die Vorfälle folgen dem selben Muster wie frühere Vorkommnisse ähnlicher Art. Teladianische Sonnenblumenölraffinerien hatten kürzlich mit stark kohlensäurehaltigem Nostropöl zu kämpfen, das in die Produktionsprozesse gelangt war. Das Ergebnis, "sprudelndes Nostropöl", soll vielen Teladi zu einem unfreiwilligen Bad in der Flüssigkeit verholfen haben, als sich das Öl beim Öffnen der Packung gleichmässig bis in alle Winkel des Raumes verteilt hatte. Ein Nostrop-Hersteller ging sogar so weit, dass er auf den Kopf des Verantwortlichen für diese Vorfälle eine Belohnung ausgesetzt hat.
Andernorts haben Paraniden mehrere Lieferungen von gummiartiger Sojagrütze entdeckt, während bei den Argonen Cahoona-Steaks aufgetaucht sind, die "muhen", sobald man mit der Gabel hineinsticht. Bei genaueren Untersuchungen der Steaks stieß man auf Miniatur-Soundchips. Noch liegen keine Berichte über ähnliche Vorfälle bei den Split vor, aber die Gesellschaft der Rastaröl-Hersteller kam bereits zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Daka Ra, Wirtschaftskorrespondentin - GalNet



Boronische Teladianiumnachfrage erreicht neue Rekorde

Der Teladianiumhandel mit den Boronen wirft ernsthafte Probleme auf. Abgesehen von den langen Strecken, die dabei zurückgelegt werden müssen, sind Teladianiumtransporte immer öfter das Ziel von Piratenangriffen. Anscheinend versuchen die Hersteller mit dem Anheuern von Piraten die ohnehin schon knappe Ware durch Angriffe auf die Konkurrenz zusätzlich zu verteuern. Jeder Frachterkapitän, der seine Ladung heil zum Bestimmungsort bringt, kann durch Sonderprämien und den hohen Verkaufspreis ein Vermögen machen.

Nili Ma – GalNet



Paranidischer BoGas-Handel immer umfangreicher

Der gestiegene paranidische Bedarf an BoGas führt zu Versorgungsengpässen. Abgesehen von den langen Strecken, die beim Transport zurückgelegt werden müssen, werden BoGas-Transporte immer öfter zum Ziel von Piratenangriffen. Anscheinend versuchen die Hersteller mit dem Anheuern von Piraten die ohnehin schon knappe Ware durch Angriffe auf die Konkurrenz zusätzlich zu verteuern. Jeder Frachterkapitän, der seine Ladung heil zum Bestimmungsort bringt, kann mit zusätzlichen Prämien und dem hohen Verkaufspreis ein Vermögen verdienen.

Nili Ma - GalNet



Die letzten beiden Meldungen machten Dare Ba ein wenig stutzig. Sie waren sich sehr ähnlich und das brachte ihn auf den Gedanken, dass dahinter vielleicht das organisierte Verbrechen stecken könnte. Aus dem Gedanken heraus fragte er sich, ob die Meldung über das explodierende BoFu wirklich ein Lausbubenstreich war oder auch zu einem Sabotageakt der boronischen Wirtschaft zählen konnte. Doch Dare Ba ließ diese Gedanken sehr schnell wieder mit einer Hormonwolke verschwinden. Er ließ einen Suchlauf durch die über zehn Millionen Sender des Commonwealth starten, um weitere Nachrichten aus dem Königinnenreich aufzuspüren.

Bevor Dare Ba das QuadVid ausgeschaltet hatte, hatte er sich noch eine kleine Sendung angeschaut, in der sich eine Diskussionsrunde gebildet hatte, die die Veränderungen in der boronischen Gesellschaft diskutierten. Die konservativen Mitglieder dieser Runde fanden es pervers, dass sich in den letzten Dekazuras immer mehr Paare entschlossen nur zu zweit eine Beziehung zu führen, anstatt –wie die Traditionalisten beipflichteten- zu dritt: Mann, Frau und Lar. Die Reformer und Freidenker hingegen hielten die Tatsache dagegen, dass man nicht in der Vergangenheit leben sollte und das das Geschlecht der Lar in den letzten Dekazuras erschreckend schnell geschrumpft sei. Es mache nicht mehr ein Drittel des Volksbestandes aus, sondern nur noch mehr knappe fünf bis zehn Prozent. Dazu kam, dass diese Lar größtenteils nur noch mehr in den adeligen Familien geboren wurden.

Dare Ba fand, dass Tradition ein wichtiger Teil der Kultur war, doch sollte sie den Veränderungen und dem Fortschritt eben dieser nicht in Gefahr bringen.

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:10

Kapitel XXII – Der Raumdrache

Dare Ba war von dem Raumdrachen fasziniert. Ein solches Wesen, dass im freien All überleben konnte, war eigentlich eine Seltenheit. Aber da es neben der Raumfliege nun auch dieses Exemplar gab, kam der Verdacht in den wissenschaftlichen Kreisen auf, dass solche Lebensformen doch nicht so selten waren. Auch bei den Khaak wusste man, dass diese sich für einige Stunden im kalten Vakuum des Alls, wenn auch nicht unbegrenzt, aufhalten konnten.

Die ersten Untersuchungen hatten ergeben, dass der Raumdrache keine Verwandtschaft mit einem der bekannten Lebensformen im Commonwealth aufwies. Dies wäre auch zu seltsam gewesen. Andererseits, wenn man bedachte, dass das Alte Volk bestimmte Lebewesen gemeinsam in einem Tornetzwerk versteckt hielt, dann konnte man auf die Idee kommen, dass die Raumdrachen mit Absicht in das Refugium des Commonwealth gekommen waren. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, dass sie ohne Absicht einen Weg in belebtes Gebiet gefunden hatten. Nicht alle Lebewesen nutzen die Sprungtore des Alten Volkes. So waren zum Beispiel die Khaak, eine äußerst aggressive insektoide Spezies, durch einen fehlerhaften Sprung von Melissa Banks und im Nachhinein durch unvorsichtiges Vorgehen der Paraniden, auf das Commonwealth aufmerksam geworden.
Das Problem hierbei bestand darin, dass die Khaak einen Teil-Sprungantrieb erbeuteten und diesen weiterentwickelten. Sie hätten nie mit dem Refugium des Commonwealth in Kontakt kommen dürfen, denn ihre Denkweise -Schwarmkollektiv- unterschied sich zu sehr von den Bewohnern des Commonwealth. Sodass ein Zusammenleben vollkommen unmöglich war. Aber durch die Weiterentwicklung des Teilsprungantriebes zu einem Sprungantrieb, der kein Tor mehr brauchte, hatten die Khaak nun die Möglichkeit sich überall im Universum auszubreiten. Dass das Commonwealth noch immer keinen eigenständigen torlosen Sprungantrieb besaß, war darauf zurückzuführen, dass nie ein solcher gebraucht wurde. Es hatte sich nie jemand groß die Mühe gemacht einen solchen zu erforschen, denn die vorhandenen Tore führten zu vielen unbewohnten und ressourcenreichen Sektoren.
Einzig und allein die Terraner, die Vorfahren der Argonen, hatten einen torlosen Sprungantrieb entwickelt, da die Alten vergessen hatten in ihrem Sonnensystem ein Sprungtor zu errichten. Als dann jedoch die Terraner ihren Sprungantrieb benutzten und im Commonwealth landeten, war den Alten klar geworden, dass ihre frühere Einstufung der Terraner als gefährlich vollkommen zutreffend war. Nicht ohne Grund, denn durch das einzig bekannte Sprungtor, dass in die Erdsektoren führt, hat man herausgefunden, dass die Terraner äußerst xenophob und paranoid waren. Vor allem was künstliche Intelligenzen anging. Sie nannten sie AGI – Artificial General Intelligence.
Bevor die Terraner den Sprungantrieb entwickelt hatten, hatten sie Maschinen –sogenannte Terraformer- zur Verbreitung ihrer Rasse genutzt. Die Terraformer waren in der Lage sich selbst zu reproduzieren und hatten die Aufgabe Stationen und planetare Anlagen zu bauen, wo sich die Menschen niederlassen und ihre Ressourcen verarbeiten konnten. Neben dem Bau, bestand ihre primäre Aufgabe jedoch darin Planeten und Monde zu terraformen. Diese so zu verändern, dass Menschen auf ihnen Leben konnten, ohne unter Kuppeln Schutz suchen zu müssen. Jahre, terranischer Zeitrechnung, später sandte man ein Update aus, dass fehlerhaft war und den einprogrammierten Direktiven mit der zeit zu wider liefen. Dieses fehlerhafte Update führte dazu, dass die Terraformer die besiedelten Welten der Menschheit angriffen und diese beinahe restlos vernichteten. Nur durch einen Hinterhalt konnten die fehlerhaften Maschinen aus dem Sol-System verbannt werden. Zum Leidwesen des Commonwealth, denn die Menschheit hatte vor dem Sprungantrieb bereits das Prinzip des Sprungtores entdeckt und ihr erstes auf Alpha Centauri aufgeschaltet, wo bereits vier Tore des Alten Volkes standen. Dies war das Ereignis, durch das die Alten auf die Menschheit aufmerksam wurden und als gefährlich einstuften. Sie änderten die Torrouten des Refugiums und die Menschheit war vom Rest des Universums abgeschnitten. Die Terraformer haben sich in den letzten fast tausend Jahren weiterentwickelt. Heute sind sie unter dem Namen Xenon bekannt und stehen an der Schwelle Bewusstsein zu erlangen und damit zu einer intelligenten Maschinenrasse zu werden. So wie die Sohnen, die dem Alten Volk aus Exekutive –als ausführendes Organ- dient.

Dare Ba war so sehr in Gedanken abgeglitten, dass er die Signale auf seinem Arbeitsplatz erst garnicht wahrgenommen hatte. Die Analyse der Leiche des Raumdrachen war abgeschlossen. Die Ergebnisse zeigten ein äußerst interessantes Phänomen. Die kristallene Struktur des Leichnams absorbierte die Energie aus der Umgebung und schien sie irgendwie zu speichern und transformieren. Was hatte das nur zu bedeuten? Dare Ba machte sich daran einige weitere Tests durchzuführen, um herauszufinden, ob es Energien gab, die die kristalline Struktur bevorzugt aufnahm und ob es welche gab, die ihr nicht so sehr bekam.
Stazuras später hatte Dare Ba die Auswertung seiner Tests bekommen und war verblüfft. Die Kristallstruktur mochte am liebsten die Hintergrundstrahlung des Alls. Alle anderen Arten von Strahlung nahm sie auch bereitwillig auf, doch der Speicher- und Transformationsprozess schien dadurch verlangsamt zu werden.

Dare Ba war eingeschlafen und schwebte mitten im Überwachungsraum, als er langsam aus seinem regenerativen Zustand erwachte. Er war zu lange wach geblieben, hatte es mit den Hypothesen und Tests übertrieben. Nun, wieder voller Energie, fragte er sich, wieso der Raumdrache bei seinem Tod nicht zerfaserte, sondern sich in eine kristalline Struktur verwandelte. Des Weiteren kam die Frage auf, wieso dieser untote Körper Energien absorbierte, speicherte und transformierte. In was transformierte?
Dare Ba hatte eine Vermutung: Wiedergeburt.
Die kristalline Form des Raumdrachen sollte wohl so ähnlich wirken wie ein Kokon bei Insekten. Es sollte den darin befindlichen und äußerst empfindlichen energetischen Körper des Raumdrachen schützen und durch Absorption äußerer energetischer Einflüsse diesen nach seinem Tod wieder reinkarnieren. Eine äußerst aufregende Vorstellung.

Dare Bas Theorie über die Reinkarnation des Raumdrachen fand bei den Wissenschaftsethikern und Wissenschaftsphilosophen großen Diskussionsbedarf. Stazuras vergingen und am Ende eines Diskussionstazuras hatte man sich dazu entschlossen das Risiko eines Versuchs einzugehen.
Tazuras später war der kristallene Körper des Raumdrachen in einen Schiffswerft ähnelnden Komplex gebracht worden, der dem Forschungszentrum angegliedert war. Durch verstärkte Panzerung und energetische Schirme wollte man den Raumdrachen in Zaun halten, wenn denn einer schlüpfen wurde. Die Frage, ob die energetischen Schirme den Raumdrachen nicht stärken, anstatt ihn im Zaum halten würden, stand natürlich auch im Raum und wurde nicht wenig diskutiert. Trotz allen Bedenken ging der Testlauf weiter und die energetischen Aktivitäten im Inneren des Kristallkokons nahmen zu. Durch etwas stärkere Einstrahlung idealer Energien beschleunigte man den regenerativen Energiehaushalt der Absorption, Speicherung und Transformation - bis der Raumdrache reinkarnierte.

Es war interessant. Man hatte die Aufzeichnungen von Yoon Yemei und seinem Kontakt mit dem Raumdrachen detailliert untersucht, doch auf das was jetzt kam, war man nicht richtig vorbereitet. Der Raumdrache der wiedergeboren wurde, war um einiges kleiner, als das Original, dass Yoon Yemai getötet hatte. Anscheinend ein Baby- beziehungsweise Larvenstadium. Die Vermutungen, dass der Raumdrache nach seiner Wiedergeburt ebenfalls Energie als Nahrung aufnehmen würde, wurden nicht ganz erfüllt. Zwar hatte der Babydrache damit begonnen die ihm zur Verfügung stehenden Energiemuster zu verwerten, doch nicht in diesem Maße, wie es für ihn erforderlich gewesen wäre. Irgend etwas fehlte also. Aber niemand wusste was. So kam es, dass nach mehreren Stazuras der kleine Raumdrache mangels an Nahrung aggressiv wurde und gegen die energetischen Barrieren flog, die ihn im Zaum halten sollten. Ein weiteres aufschlussreiches Detail kam hinzu: Der Raumdrache war in seiner energetischen Form vielen Energieformen gegenüber empfindlicher, als in seinem kristallenem Zustand. Dies schien auch die Erklärung zu sein, wieso eine hohe Energiespitz –in Form eines energetischen Waffenprojektils- den Raumdrachen hatte töten können.
Vergeblich hatte man versucht die Komponente zu finden, die der kleine Raumdrache als Nahrung zum Überleben und Wachsen brauchte, doch die Zeit reichte nicht aus. Ein Teil des Raumdrachen zerfaserte und der kleine kristalline Rest zerstob, als er auseinanderbrach.

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:11

Kapitel XXIII – Eine Wespe

Dare Ba war nach dem unglücklichen und leider auch endgültigen Tod des Raumdrachens zu einer anderen Forschungsabteilung versetzt worden. Man hatte ihm mitgeteilt, dass man einen alten und schon längst eingemotteten Schiffstyp wieder neu aufleben lassen möchte. Nichts geringeres als der berühmt berüchtigte Jäger des Wespe-Typs war gemeint.

Die Design-Entwürfe entsprachen beinahe denen des alten Modells. Mit einem lang gezogenem Körper und an dessen Heck eine deutliche Rundung, hatte das Schiff eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Nachfolgemodell, dem Aal. Dessen Design ja auch auf dem der Wespe beruhte, bevor er durch den Barrakuda ersetzt wurde.

Im Gegensatz zum ersten Modell, sollte die Mark 2 Version kein Jäger sein, sondern einem vollkommen neuen Kampfstil angepasst werden. Dem Kampf aus sicherer Entfernung. Die Wespe MK II sollte ein Artillerieschiff werden.

Die technischen Daten hatte sich Dare Ba schnell eingeflößt. Bei einer Geschwindigkeit von 134m/s war es noch recht gut betucht. Da es nicht an Kämpfen direkt teilnehmen sollte, war auch keine große Geschwindigkeit erforderlich, dennoch musste ein solches Schiff doch verschwinden können, wenn es mal angegriffen werden sollte. Mit einer doppelten Panzerung und dem Prototypen eines 50MJ Schildes war es gegen kleinere Scouts relativ gut geschützt, aber einem Kampf Schiff gegen Schiff würde es nicht lange überstehen können. Ebenfalls mit dem Prototypen eines Raketenabwehrsystems ausgestattet –dem Punkt-Verteidigungs-Gitter, kurz PVG, das das ganze Schiff überzog- hatte die Wespe MK II kein Potential sich gegen Angreifer aus der Nähe zu verteidigen oder selber aktiv gegen solche vorzugehen.

Was etwas komplizierter war, das war die Tatsache, dass man eine Waffe entwickeln musste, die eine enorm hohe Reichweite hatte und zudem noch eine entsprechend hohe Geschwindigkeit aufbringen konnte, damit der Gegner keine beziehungsweise nur eine geringe Chance zum Ausweichen bekam. Da aber auf große Distanz die Zielgenauigkeit vieler Waffen nachließ, war ein System notwendig, dass dies kompensieren konnte. Die Antwort hieß: Bereichsschaden. Selbst das Geschoß nicht traf, musste es durch eine Explosion in seinem Wirkungskreis enormen Schaden wirken. Die Antwort auf diese Anforderung war der erste energetische Torpedo. Sein Name: Sunfire. Zu recht.

Dare Ba schwamm um die neue Wespe herum und begutachtete sie. Er war von der schlichten Ästhetik dieses Schiffes aufs Äußerste angetan. Es gab nur wenige Details, die sie von der alten Version abhob. Der auffälligste Unterschied bestand wohl darin, dass MK II Version einfach neu aussah. Und, entgegen der boronischen Farbliebe, war das Schiff nicht in grün gehalten worden, sondern in blau. Was wohl auf einen Wunsch des Auftraggebers, der Zuzaimei Incorporated, zurückging. Entgegen der teladianischen Denkweise hatte die neue Wespe beinahe keinen Frachtraum. Nun, wenn man so hörte, wie der CEO der Z.Inc. seine Firma leitete, dann war das nicht wirklich verwunderlich. Die Zurianer waren in vielen Bereichen, vor allem in der Denkweise, den Boronen ähnlicher, als ihre teladianischen Verwandten im Commonwealth.

Dare Ba bugsierte sich in das Cockpit des Prototypen und begann mit der Startsequenz. Die externe Energiezufuhr wurde unterbrochen und der eigene Generator übernahm die Versorgung aller Systeme. Lampen, Monitore und weitere Lichter sprangen an. Zuerst in der Warnfarbe Magenta und sprangen dann, nach ordnungsgemäßer Routineüberprüfung aller Systeme, auf Cyan um. Das Benutzerinterface stellte Dare Ba auf seine Bedürfnisse ein und so wuchsen ihm pseudobiologische Sedimente entgegen, in die er seine Körperteile steckte, um so das Schiff zu steuern.

Als Dare Ba das Raumschiff aus dem Hangar des geheimen und versteckten Forschungslabors flog, schmeckte er die Hormonwolken von den Wissenschaftsethikern im inneren des Cockpits, die in den letzten Tazuras und Wozuras hier gearbeitet hatten. Mit seinen Pseudopodien am Rücken und den Schnurrtentakeln am Rüssel, konnte Dare Ba die RNA-Moleküle aufnehmen und einige Gedanken herauslesen, die die Wissenschaftsethiker hatten.
Eigentlich war es falsch, dass man das Schiff einfach nur steuerte. Das neue Kontrollsystem war auf die physischen und psychischen Muster des Piloten ausgelegt. Durch Gedanken konnte das Schiff gesteuert werden, auch unbewusste Bewegungen blieben nicht unbeachtet. Sah man aus den Augenwinkeln zum Beispiel ein anfliegendes Schiff oder einen Asteroiden, so registrierte das die künstliche Intelligenz des Schiffes und schlug entsprechende Maßnahmen vor. Waffeneinsatz, Kurskorrekturen und dergleichen.

Dare Ba hatte das Testgelände erreicht und wartete. Weit außerhalb des boronischen Sonnensystems gab es nur einen grünblauen Nebel, dessen energetische Aktivität nicht nennenswert war. Einige wenige Kometen zogen hier ihre Wege, unbeachtet dessen, was im Inneren des Sonnensystems vor sich ging. Ein kleiner Parkour aus verschieden förmigen Ringen zeigten auf, dass die Beschleunigung, und vor allem die Wendigkeit, der Wespe nicht mit den Werten anderer Schiffsklassen mithalten konnte. Aber das war auch nie das Ziel dieser Schiffsklasse gewesen.
Der zweite Test sollte das Punkt-Verteidigungs-Gitter auf Herz und Nieren prüfen. Zu diesem Zweck verharrte die Wespe im relativen Stillstand im All und wartete darauf, dass gut ein Dutzend Langstrecken-Lenk-Schwarm-Raketen, ironischer Weise vom argonischen Typ Wespe, auf sie abgefeuert wurden. Dare Ba musste nicht lange warten, bis sich entsprechende Symbole auf dem Sensorbildschirm einfanden und auch der bekannte Intervallton des Annäherungsalarms ansprang. Angst musste niemand um den Piloten oder das Schiff haben, denn die Raketen besaßen keinen scharfen Gefechtskopf. Umso überraschter waren alle, als das PVG die ersten anfliegenden Raketen zerstörte und sich diese als scharf herausstellten. Mehrere dünne kaum sichtbare violette Lanzen, die wie tausend Nadeln wirkten, schossen von der Schiffshülle der Wespe weg, in Richtung der anfliegenden Bedrohung. Explosionen und deren Druckwellen eilten durch den Weltraum, richteten aber keinen Schaden an.

„Beim schlammigen Boron! Was geht da vor?“
„Wir bitten vielmals um Vergebung, Verzeihung und Gnade. Es scheint sich ein beabsichtigter Fehler eingeschlichen zu haben.“

Dare Ba wusste, was das bedeutete: Sabotage. Aber wer wollte, dass dieser Test fehlschlug? Die Frage war falsch formuliert. Wer wusste, dass dieser Test stattfand? Geheimhaltung war etwas, dass die Boronen durchaus auf einem sehr hohen Level betreiben konnten. Sogar die Paraniden mussten hier und da mal den Kürzeren ziehen. Doch es blieb nicht viel Zeit um sich darüber Gedanken machen zu können. Die Ausläufer mehrerer Sprungereignisse emittierten in weiter Entfernung und Dare Ba war froh, dass das PVG unter Realbedingungen standgehalten hatte. Doch da die Wespe MK II keine offensive Bewaffnung hatte, war auch nicht an einem Kampf Schiff gegen Schiff zu denken. So steuerte er den Prototypen in Richtung des Forschungszentrums. Doch wie sich nach einigen Mizuras Flug herausstellte, würde er dieses nicht mehr rechtzeitig erreichen, bevor die unbekannten Verfolger ihn erreichen würden. Dare Ba entschied sich deswegen dafür hier und jetzt den dritten und letzten Test durchzuführen. Er aktivierte die Artilleriewaffe Sunfire.
Goldene und rubinfarbene Energien glitten über den kugelförmigen Auswuchs am Heck und suchten sich einen Weg nach Vorne zur Spitze des Bugs, um dort eine kleine, anderthalb Meter durchmessende, Sonne zu bilden. Theoretisch hatte diese Waffe eine Reichweite von zirka 13.500 Kilometern bei 1.500 m/s² und einem noch unbekannten Wirkungsbereich.
Dare Ba drehte die Wespe so, dass der Bug in die Richtung zeigte, aus der der Feind angeflogen kommen müsste. Genaue Daten standen nicht zu Verfügung, denn die Überwachungssatelliten wurden soweit außerhalb des boronischen Heimatsystems nicht eingesetzt. Ein Fehler, wie sich herausgestellt hatte und dieser sollte und würde auch korrigiert werden müssen.
Auf die Ausläufer der Emissionen ausgerichtet und durch einige Überwachungssatelliten trianguliert, hatte Dare Ba einen ungefähren Wert erhalten, wo sich die feindlichen Schiffe befinden könnten. Da die Sensoren des Prototypen nicht die Reichweite hatten, die für ein Schiff dieses Typs von Nöten war, zielte Dare Ba so gut es die Daten interpretieren ließen und feuerte. Schnell wurde die Miniatursonne kleiner und wurde verschwand schließlich aus dem Blickfeld. Dare Ba drehte bereits den Prototypen, um zum Forschungszentrum zu fliehen, als er auf einem der Monitore eine weit entfernte rotgoldene Explosionssphäre sah, die die einer Nova ähnelte. Eine schnelle Überschlagrechnung brachte Dare Ba darauf, dass die Sphäre mindestens einen Durchmesser von der Größe einer Handelsstation haben musste.

Nachdem Dare Ba zurück im Forschungszentrum war, begannen sofort die Auswertungen. Nicht nur der drei Testphasen, sondern auch der Aufzeichnungen und Überreste der noch unbekannten Angreifer. Zudem musste noch herausgefunden werden, wer die argonischen Schwarmraketen vom Typ Wespe wieder scharf geschaltet hatte.

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:11

Kapitel XXIV – Fala Fi

Dare Ba hatte sich nach den Ereignissen um den Raumdrachen und mit der Wespe MK II redlich einen Freizeitausgleich verdient. Er war zu seinem Geburtsschwarm auf Nishala, dem Heimatplaneten der Boronen im Sektor Königstal, zurückgekehrt. Die erste Wozura verbrachte er damit sich in seinem Zen-Zustand zu bringen und so von den letzten Ereignissen abzuschalten. Die nächsten paar Tazuras verbrachte Dare Ba damit seine vielen Verwandten zu besuchen. Nicht alle, aber doch die wichtigsten. Allen voran natürlich seine Erzeuger. Wie nannten die Argonen sie? Mutter und Vater, Eltern? Ja, so in etwa. Bei den Boronen herrschte eine viel größere soziale Ordnung, als bei den anderen Rassen, obwohl es nicht in diesem Sinne Mutter und Vater gab. Hier kümmerte sich der Schwarm um jedes Neugeborene und Kind, bis es die Reife mit acht Jazuras erreicht hatte und dann in die weiten des Ozeans entlassen wurde, um seine eigenen Erfahrungen zu machen und auf eigenen Tentakeln zu schweben.

Das was Dare Ba schon lange einmal vorgehabt hatte, konnte er jetzt endlich machen: Einen Besuch im Fala Fi Gebiet.
Vor der Zeit des Raumfluges gab es in der boronischen Gesellschaft keinen Krieg, weshalb die Boronen lange keine Waffen entwickelten und herstellten. Vor etwas mehr als 50.000 Jazuras landeten Schiffe des Alten Volkes auf Nishala, dem boronischen Heimatplaneten, um die Spezies zu studieren. Sie wurden jedoch von den Boronen entdeckt und begannen daher nun diesen Teile ihres Wissens zu vermitteln, weshalb die Boronen sie bis heute die "Helfer" nennen. Dennoch gehörten die Boronen zu den letzten Völkern, die den Raumflug entwickelten. Ihr erstes größeres Kolonisationsprojekt, bei welchem einer der nahen Monde Nishalas besiedelt wurde, setzte nicht vor dem argonischem Jazura 50 ein. Trotzdem war ihr Verständnis für Technologie und ihr Können im Konstruieren so hoch, dass ihre Raumschiffe schlank, schnell und hoch entwickelt waren. Im Rahmen allgemeiner physikalischer Forschungen entdeckten die Boronen im Jazura 220 die Möglichkeit, mittels Kernspaltung schlagartig extreme Energiemengen freizusetzen. Die Entwicklung veranlasste jedoch die letzten Helfer des alten Volkes dazu, die Boronen zu verlassen. 225 erstreckte sich das Königinnenreich Boron bereits weit über das Heimatsystem Königstal hinaus und umfasste Kolonien auf vielen Planeten im Tiefenraum.
Im Jazura 764 entdeckten boronische Forscher auf dem Planeten Nishala im Fala Fi Gebiet eine Ausgrabungsstätte, die ihnen viel über die Ursprünge der boronischen Kultur verriet. Auf einem Plateau am Meeresboden wurde eine prähistorische Siedlung gefunden, die in den Schlammablagerungen der darauf folgenden Dekazuras konserviert wurde. Semiintelligente Kopffüßler hatten in einem uralten Gebäude, das heute tief in den Schlammschichten des Meeresbodens liegt, eine Kultstätte errichtet, an der viele antike Kultgegenstände angesammelt wurden. Art und Konstellation der Ausgrabungsstücke gaben viel über diese Wesen preis, die die Erfinder vieler heutiger boronischer Bräuche und Vorväter der Boronen waren. Der Bergbaukonzern, der an dem Ort ursprünglich eine Abbaustätte errichten wollte, schenkte das Gebiet der boronischen Regierung.

Dare Ba hatte keinen direkten Zugang zur Ausgrabungsstätte, aber die wollte er auch nicht unbedingt. Die Archäologen sollten in aller Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können. Dare Ba schwamm in ein an die Ausgrabungsstätte angegliedertes Museum, wo einige Exponate ausgestellt worden waren. Auch wurde hier über den Fortschritt der Ausgrabungsabreiten berichtet, sowie einige Theorien aufgeführt.
Dare Ba schwamm an einigen alten Exponaten vorbei, die schon ziemlich zerschlissen wirkten und nicht mehr viel her machten. An einer dreidimensionalen holographischen Darstellung allerdings verharrte er. Sie zeigte ein Wesen, dass den heutigen Boronen äußerst ähnlich sah. Es hatte die gleichen körperlichen Maße und Dimensionen, aber es gab zwei große Unterschiede zwischen ihm und einem Boronen. Der erste Unterschied betraf die Farbe. Dieses Wesen war rot. Der zweite Unterschied bestand darin, dass das Wesen keine Tentakel besaß, sondern Tuberkel, die gelb waren.
Zu diesem Genossen gab es mehrere verschiedene Theorien, die bis heute weder bewiesen, noch widerlegt werden konnte. Denn, bis heute wurde noch keines dieser Wesen bei Ausgrabungen gefunden. Man hatte diese Lebensform auf Zeichnungen und als Skulptur gefunden.

Haupttheorie 1 besagt, dass dieses Wesen eine parallele Evolutionsentwicklung war, die in einer Sackgasse geendet hatte.

Haupttheorie 2 besagt, dass dieses Wesen einst ein Vorfahre der Boronen gewesen sein könnte.

Nebentheorie 1 besagt, dass dieses Wesen ein Äquivalent darstellt, dass an Land überleben konnte.

Nebentheorie 2 besagt, dass dieses Wesen ein Äquivalent darstellt, dass in der Luft fliegen konnte.

Nebentheorie 3 besagt, dass dieses Wesen ein Alien war, das Einfluss auf die boronische Kultur, Technologie und Biologie nahm. In dieser Hinsicht werden Querverweise zu den Helfern gezogen.

Nebentheorie 4 besagt, dass dieses Wesen ein Zeitreisender war und eine zukünftige boronische Evolutionslinie zeigt.

Nebentheorie 5 besagt, dass dieses Wesen der reinen Phantasie entsprungen ist und nie existiert hat, da bis heute noch nie die Überreste eines solchen Wesen gefunden wurden.

Die meisten wissenschaftlichen und non-wissenschaftlichen Fakultäten halten die erste Haupttheorie für die plausibelste und wahrscheinlichste. Man hatte dem Wesen vorerst den Namen ‚Tellur’ gegeben.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:11

Kapitel XXV – Das Raumschiff

Die Bio-Techniker hatten bei diesem Schiff ihr Bestes gegeben. Design und Entwicklung waren das Non-Plus-Ultra, was es derzeit im Commonwealth gab. Blau dominierte die Panzerung und silberne Streifen zogen sich wie Adern durch die Außenhaut. Schwarz glitzerte es, wenn das Licht mit der Biohaut spielte. Dare Ba betrachtete die neueste Schiffsklasse im Auftrag der Zuzaimei Incorporated, den Kreuzer. Doch mit diesem Schiff stimmte etwas nicht. Es mutete mehr wie eine Pflanze an, als denn ein Raumschiff, wobei man das relativ sehen musste. Boronische Schiffe waren Wasserlebewesen nachempfunden worden und so hatte man beim Anblick eines ihrer Zerstörer das Gefühl ein einem Hai ähnelndes Schiff vor sich zu haben. Ein langer schlanker Körper mit Auswüchsen, einem Stängel einer Dornen bewährten Rose nicht unähnlich, war der Hauptteil des Schiffes. In ihm befanden sich mehrere Hangars, die Wohnquartiere der Besatzung, Frachträume und diverse weitere Einrichtungen. Das Heck wurde von einer lang gezogenen Konstruktion abgerundet, in der sich viele ovale Formen, Blüten der Katsura nicht unähnlich, geschwungen als Maschinenraum und Antriebssektion präsentierte. Der Bug hingegen unterbrach das Bild einer Pflanze und gab dem Schiff eine absurde Form eines Zwitterwesens aus Tier und Pflanze. Dort, wo sich die Brücke und diverse Kommunikations- und Kontrollelemente bei anderen Schiffen befanden, gab es eine an einen Drachenkopf reminiszierende Wölbung.

„Ziemlich verrückte Bauweise.“
„In der Tat.“
„Hat was surrealistisches.“
„Dem kann ich nur zustimmen.“
„An was Zuzaimei dabei wohl gedacht hat, als er das Design für ein solches Schiff festlegte.“
„Ich glaub er hatte zuviel Raumsprit oder Raumkraut intus.“
„Wahrscheinlich überarbeitet und vor lauter Credits ins Delirium gefallen.“
„Also ich weiß nicht ... gefällt euch das?“
„Nun, es hat was.“
„Unorthodox, aber doch schön anzusehen.“
„Dem kann ich nur beipflichten, zustimmen und es akzeptieren.“

Der Kreuzer schwebte im Sektor Hafen der Königin und die Gruppe um Dare Ba und Hilbilis Destructulus Zuzaimei I. sahen von einer Aussichtsplattform des Atreus Hauptquartiers aus in den freien Weltraum, wo sich der Prototyp vor einem Nebel illuminiert gab.

„Wollen wir es mal genauer ansehen?“ Alle stimmten zu.

Die meisten kannten das Innenleben von boronischen Schiffen, entweder aus eigener Erfahrung oder aus zweiter Hand. Doch was sich ihnen hier bot, war etwas Neues. Nicht nur das Äußere hatte den Anschein einer Pflanze. Auch das Innere ließ einen solchen Eindruck entstehen. Violette Adern zogen sich an blauen Wänden und grünen Türen vorbei, die wie Zellen eines Riesenhaften Blattes wirkten. Man hatte den Eindruck sich im Inneren einer gigantischen Pflanze zu befinden. Als die Gruppe staunend durch die Korridore ging, pulsierten die violetten Adern immer wieder und glühten dabei auf. Obwohl man genau wusste, dass dies alles künstlich hergestellt war und einem nur die Illusion von Leben vermitteln sollte, so taten sich alle damit schwer, dies als nicht lebendig abzutun. Im Gegenteil, je länger man die Details betrachtete, desto fester musste man daran glauben, dass dies alles ein riesiger lebender Organismus war. Die Geräusche, die das Schiff von sich gab, taten das ihrige dazu.

„Unheimlich.“

Die Brücke präsentierte sich in einem Look, der Ästhetik und Effizienz miteinander perfekt in Harmonie verschmolz. Anderes war von boronischen Konstrukteuren nicht zu erwarten gewesen. Berührungen an den Konsolen, Wänden und Türen vermittelten den untrügerischen Eindruck eines perfekt auf sich abgestimmten Systems. Ein Wink von Dare Ba genügte und mitten im Kontrollraum, vor dem Sitz des kommandieren Offiziers, entstand ein Hologramm des Kreuzers, dass man nicht von einem realen Objekt unterscheiden konnte. Staunten jetzt bereits alle, so weiteten sich ihre Sehorgane noch größer, als sie die Daten über dieses erstaunliche Meisterwerk der Schiffskonstruktion zu sehen bekamen.
Über vierzehnhundert Meter lang, war dieses Schiff das längste im Commonwealth. Nicht einmal Zerstörer oder Träger schafften eine solche stromlinienförmige Länge. Der maximale Durchmesser von sechshundert Metern schlug ebenfalls alles bisher Dagewesene. Mit einer Geschwindigkeit von 84 Kilometern in der Sekunde war es für seine Masse relativ schnell. Gehörte damit weder zu den schnellsten, noch zu den langsamsten Schiffe der großen Raumer. Der Frachtraum war auf 22.000 Masseeinheiten getrimmt worden, womit es sogar einige Frachtcontainer tragen konnte, die für den Bau von Stationen vonnöten waren. Neun Hangars, einer sogar für einen Frachter, konnte dieses Schiff sogar eine kleine Staffel an Beschützern tragen. Mit dem Frachterplatz stand sogar die Möglichkeit offen einen Versorger an Bord zu haben. Verteidigen konnte sich der Kreuzer mit seinen vier gestaffelten 5 Giga-Joule Schilden, ebenfalls Prototypen. Der Kreuzer konnte in offensiver Hinsicht ebenfalls einiges Vorweisen, allerdings keine Raketen. Auf diese waren zugunsten anderer Waffensysteme verzichtet worden. Der gesamte Kreuzer hatte 75 Geschütze, wovon sich jeweils fünfzehn am Heck, an Steuerbord, Backbord, sowie an der Unter- und Oberseite des Schiffes befanden. Der Bug war ungeschützt. Diese Kanzeln waren mit Plasma-Impulsgeneratoren, Photonen-Beschleunigerdisruptoren, Phasenlasergeschützen, Singularitäts-Splitterwerfern, Ionenstrahlern, Partikelschleudern und Schockwellenprojektoren, sowie Erschütterungsgeneratoren ausgerüstet worden, ebenfalls Prototypen. Zu guter Schluss kam der Stolz aller Waffeningenieure, die Protonenstrahlkanone. Von dieser mächtigen Waffe, theoretische mächtiger als die Kyonenemitter der Khaak, gab es auf dem Kreuzer nur eine einzige – diese befand sich am Bug. Der Test der PSK stand noch aus. In kleinerem Maßstab war sie erfolgreich getestet worden, doch in dieser gigantischen Form mochte es vielleicht den Kreuzer zerreißen. Mehrere Traktorstrahlen rundeten das Bild eines selbstständig operieren könnenden Großkampfschiffes ab.
Der Wert dieses Schiffes ließ sich garnicht beziffern. Vielleicht mochte er um die 185 Millionen Credits liegen. Genaues wussten wohl nur Zuzaimei und die Werftleitung im nördlichen Nachbarsektor Vergeltung der Königin.
Zuzaimei hatte den Kreuzer nicht als Kampfschiff entwickelt. Diese Schiffsklasse sollte eigentlich als Unterstützung dienen. Als Bergungsschiff für havarierte Raumer, mit einer integrierten Miniaturwerft oder als Hospitalkreuzer, der bei Unglücken Spitzenhilfe leisten konnte, ohne dass Verletzte erst zu einem anderen Planeten oder Raumstation geflogen werden mussten. Es gab viele Möglichkeiten. Nichts desto trotz hatte er sich bei einer Vorführung für die Regierungen des Commonwealth eine militärische Variante konstruieren lassen, um das Potential des Kreuzers aufzuzeigen. Mit diesem Projekt konnte sich Zuzaimei zur Ruhe setzen und seinen lang gehegten Traum, nach Ianamus Zura zu fliegen, erfüllen. Dort würde er endlich seinen Eiälteren, Vater würden die Argonen sagen, wieder sehen und auch seine Familie kennen lernen.

Mit voller Geschwindigkeit schob sich der Kreuzer durch den extra für ihn erstellten Hindernislauf im noch unerforschten Sektor südlich von Menelaus Oase. Die in einem unheilvollem violett glühenden Triebwerke arbeiteten unter Volllast, damit der Prototyp auch wirklich unter extremen Bedingungen gestestet werden konnte. Künstlich aus ihrer Flugbahn geschleuderte Asteroiden kreuzten den Weg des gigantischen Schiffes. Die gestaffelten Schilde glühten unter den Einschlägen von Mikro- und Makrometeoriten auf. Die größeren Brocken, alle nicht unter einem Kilometer Durchmesser, wurden von den verschiedenen Waffensystemen erfasst und warteten auf ihre Vernichtung.
Der erste anfliegende Asteroid wurde von Plasma-Impulsgeneratoren zu Schlacke geschmolzen. Plasmafeuer aus dem Antrieb wurde komprimiert und als kleine grünrot leuchtende Kugel abgefeuert. Wenn diese Kugel, auch Impuls genannt, ihr Ziel erreichte, löste sich das eindämmende Kraftfeld auf und das Plasmafeuer breitete sich schlagartig aus.
Die Phasenlasergeschütze schalteten sich auf den nächsten Asteroiden auf. Dieser wurde mit einem veraltetem 125 Mega-Watt Schild präpariert. Wissenschaftlich gesehen wurde der Laserstrahl des PLGs kurzzeitig aus der materiell-energetischen Phase gebracht, was es ihm erlaubt jegliche Art von Materie und Energie zu durchdringen. Und in der Tat, der Laser ließ sich nicht vom Schild aufhalten und durchschlug den Asteroiden.
Mehrere kleine Asteroiden stellten den Singularitäts-Splitterwerfer vor eine harte Probe. Eigentlich war diese Waffen als Abwehrwaffe gegen kleinere Schiffe wie Jäger und Bomber entwickelt worden. Der SSW erzeugte mikroskopisch kleine schwarze Löcher, die sich im All verteilten und zu makroskopischer Größe anschwollen, um dann gleich wieder zu implodieren. Durch diese Verzerrungen von Raum und Zeit sollte praktisch jedes kleinere bis mittlere Objekt gleichzeitig gedehnt und zusammengepresst werden. Wie zu erwarten war, hatte der Singularitäts-Splitterwerfer keine Probleme damit die anfliegenden Asteroiden zu vernichten. Auch wenn es aufgrund deren Masse etwas länger dauerte. Gegen Großkampfschiffe schien der SSW in dieser Hinsicht dann doch Probleme zu bekommen.
Die Ionenstrahler waren eine Waffe die extra gegen mittlere bis große Kampfschiffe entwickelt worden waren. Mehrere hauchdünne Ionenimpulse wurden gestreckt und gebündelt, um einen speerartigen Energiestrahl zu konfigurieren, der an Riechweite und Stärke seinesgleichen suchte. Das besondere an dieser Waffe war, dass der Ionenstrahl konstant andauerte und nicht unterbrochen wurde. Je länger der IS feuerte, desto größer wurde der Schaden den er anrichtete.
Der Erschütterungsgenerator stellte eine Art Präzisionswaffe dar. Eine schmale und sichelförmige Gravitationswelle wurde vom EG generiert, die dann den anfliegenden Asteroiden in zwei Hälften zerschnitt.
Die Partikelschleuder stellte zwar keine Präzisionswaffe dar, fiel aber unter die Spezialwaffen. Die PS konnte verschiedene Partikelarten zusammenfassen und diese auf ein gegnerisches Schiff schleudern. Je nach Zusammensetzung der Partikelwolke interferierte diese mit den Schilden, dem Antrieb, den Waffen oder anderen Systemen eines gegnerischen Schiffes.
Bei diesem Test blieb der Schockwellenprojektor außen vor, denn der SWP war eine sogenannte psionische Waffe. Ihre Funktion bestand darin den Piloten beziehungsweise die Crew eines Schiffes durch psionische Strahlung, die ausschließlich auf die Psyche wirkte und das Schiff vollkommen intakt ließ, zu verwirren. Die Effekte des Schockwellenprojektors reichten bei diversen Tests von Desorientierung über Schwindel und Übelkeit, bis hin zu zeitlich begrenztem Wahnsinn.
Ebenfalls außer Konkurrenz lief der Photonen-Beschleunigerdisruptor. Der PBD wirkte sich auf die Sensoren und Zielerfassung aus. Durch perspektivische Verzerrungen ‚fanden’ gegnerische Schiffssensoren das anvisierte Ziel an einer anderen Stelle, als es sich tatsächlich befand.
Die Protonenstrahlkanone war das letzte Waffensystem, dass getestet werden sollte. Dazu ging der Prototyp eines Kreuzers zwanzig Kilometer vor einem Miniplanetoiden in Stellung. Die PSK lud sich auf und dies machte sich als ein orangefarbenes Flackern im ‚Maul des Drachenkopfes’ bemerkbar. Die ‚Zähne des Drachen’ stellten jeder für sich einen Protonengenerator dar, der ein Feld bildete. Das Maul an sich diente als Dämpfungsfeld, dass den Fluss kontrollierte. Als sich genügend Energie aufgebaut hatte, das ganze Maul glühte orange, schoss eine mächtige Lanze dem Miniplanetoiden entgegen und zerschmetterte ihn sofort. Für Angriffe auf Planeten oder Stationen war diese Waffe das Non-Plus-Ultra. Schiffe könnte man damit auch beschießen, doch der Strahl war, obwohl sehr lang, ziemlich langsam. Wohl jedes Schiff, egal wie langsam, hätte dem ausweichen können.

Der Test war vorbei und der Prototyp des Kreuzers machte sich auf den Weg zurück zur Werft im Sektor Vergeltung der Königin. Doch vorher musste er noch einen kleinen Stopp am Atreus Hauptquartier in Hafen der Königin machen, um seine Gäste abzuliefern.
Plötzlich tauchten überall im Schiff holographische Anzeigen auf. Aber niemand konnte sich entsinnen diese aktiviert zu haben. Eine Fehlfunktion?

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:12

Kapitel 25.5 – GalNet Spezial

Willkommen zu einer Spezialausgabe von GalNet!
Heute: Zuzaimei Incorporated zerschlagen! Mord, Zerstörung und Fahnenflucht!


Wie vor wenigen Mizuras bekannt wurde, haben argonische Streitkräfte des Militärs und der Polizei die Produktionsanlagen der Z.Inc. im Sektor Antigone Memorial gestürmt und heruntergefahren. Nach Angaben des Einsatzleiters hatte der bislang als äußerst hilfsbereite Teladi Hilbilis Destructulus Zuzaimei I. seinen Produktionskomplex als Platz für dunkle Geschäfte hergenommen. Die argonische Regierung hatte Zuzaimei unter strengen Auflagen die Erlaubnis erteilt Raumkraut, sowie Raumsprit für medizinische Zwecke zu produzieren. Wie uns mitgeteilt worden ist, hat Zuzaimei einen Teil der Drogen beiseite geschafft und diese unter der Hand -Klaue- verkauft.

Gesucht wird Joon Yemai wegen Vergewaltigung, Verführung einer Minderjährigen und Verschleppung. Er soll die dreizehn Jazura alte Malenie Sonilca entführt, vergewaltigt und dann verschleppt haben. Nach Angaben von Augenzeugen soll das Mädchen bereits schwanger sein und Zwillinge erwarten. Malenie litt während ihres elften Lebensjazuras an einer seltenen Form von Seneszenz der Biogerontologie, die behandelt werden konnte. Weshalb sie, obwohl erst dreizehn, wie eine zirka zwanzig Jazura alte Frau aussieht.

Chi t’Nst, eine Split mit verändertem Aussehen, wird von den Behörden wegen Industrie- und Wirtschaftsspionage gesucht. Sie soll Prima-Biochemika infiltriert und dort Erkenntnisse über neue Terraforming-Methoden entwendet haben. Die Split dementierten jegliche Kenntnis von den Aktivitäten Chi t’Nsts.
Die Rolle von Arin Phoso, Geschäftsführerin von PBC, ist derzeit noch unbekannt. Möglicherweise wird sie als Geisel festgehalten. Möglicherweise ist sie aber auch als Komplizin von Chi t’Nst in die hiesigen Vorfälle verwickelt.

Tammankabssit wird vom Kristallorden, dem paranidischen Geheimdienst, wegen Geheimnisverrats gesucht. Er soll eine Tarnvorrichtung an die Zuzaimei Incorporation verkauft haben.

Tarre Nettar wird von der argonischen Regierung wegen Spionage und Sabotage gesucht. Der angebliche argonische Mitarbeiter der föderativen Regierung stammt tatsächlich von der Erde und soll dort dem Geheimdienst angehören. Die Erde äußerte sich zu diesen Vorfällen nicht. Eine stille Billigung?

Der boronische Wissenschaftler Dare Ba soll von Zuzaimei und seinen Komplizen gegeißelt worden sein. Man hatte ihn gezwungen den Prototypen einer neuen Schiffsklasse –des Kreuzers- zu entführen.

Alle Personen sind Fahnenflüchtig und werden im ganzen Commonwealth gesucht. Pro Kopf wurde ein Bonus von einer Million Credits für Hinweise zur Ergreifung beziehungsweise Rettung dieser Individuen ausgesetzt.

Tschon Riko für Galaxy Network


Bleiben Sie dran!
Im Anschluß: GalNet Spezial – Aldrin im System Solara
Die verlorene Kolonie wendet sich von Argon Prime ab und schließt sich den Terranern an!
Terra schenkt System Solara Orbitale Beschleuniger! Dadurch entstehen neue Sektoren: Armstrong, Collins, Conrad, Bean und Aldrin.
Dies und mehr gleich!




Hilbilis Destructulus Zuzaimai I. (Kapitänskajüte)
Papiere glitten aus den Klauen und schwebten zu Boden.
„Eiersalat und Nitzudreck!“

Joon Yemai und Malenie Sonilca (Privatquartier)
Der Löffel schwebte noch kurz vor Joons Mund und fiel dann klappernd auf den Tisch. Perplex starrte er zu Malenie hinüber, die die Zwillinge auf natürliche Weise stillte. Sie war leichenblass geworden und starrte ihn mit großen Augen an.
„Du bist wie alt?!“

Tammanckabssit und Tarre Nettar (Freizeithalle)
Beide hatten bis vor kurzem noch ihre Differenzen auf körperliche und geistige Art auseinander getragen.
„Das ist nicht korrekt.“
„In der Tat.“

Chi t’Nst und Arin Phoso (Brücke)
Verbotene Liebe an einem öffentlichen Ort.
„Erde!“
„Bei der axinitischen Bestie der Unaufrichtigkeit!“

Dare Ba (Maschinenraum)
Das Gleiten im Wasser kam zum Stillstand.
„Beim rosaroten Höllenstrand! Das ist verkehrt, unrichtig und gelogen!“

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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