[EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

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Tom
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[EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:56

X - Der Lauf des Lebens


Strang Gold
Kapitel 0 – Prolog


Tak. Tak. Tak.
Das Scharren von Hufen über Sand und Kies hallte durch den Dschungel. Doch plötzlich hielt das Tier an, als es etwas hörte.
Knack.
Raschel.
Vier Augen richteten sich ängstlich in Richtung der Geräusche und die beiden Schlappohren zuckten hektisch. Das lange feine Fell des Tieres färbte sich von Gold nach Rosa und die sechs Hufe scharrten den weichen Boden auf. Dann galoppierte es wie ein von einer Tulas gestochen wiehernd und mit dem Schnabelmaul klappend in den rostfarbenen Dschungel, wo es verschwand.

„Eeeiiieeerrrshaaalaaatsch!“
*Eiersalat!*

„Ksssohhnntscheeeshtsch druuu draaash Fffeeerrrdriiion Haaohhlohhgehrrraaapsshhaaiiieeerrreeen.“
*Konntest du das Ferdion holographieren?*

„Jchssaaa!“
*Ja!*

„Naaa, draaann iiishtsch eeesh niiicszhaatsch shohh shcszhaaliiimm.“
*Na, dann ist es nicht so schlimm.*

„Iiicszhaa haaaaaeeetschtscheee eeesh nohhcszhaa gehrrrneee eeetschwrhaaash laaaeeengeheeerrr breeeohhbraaacszhaaatscheeetsch.“
*Ich hätte es noch gerne etwas länger beobachtet.*

„Wrheeerrr niiicszhaatsch? Eeesh wrhiiirrrdr Zheeeiiitsch.“
*Wer nicht? Es wird Zeit.*

„Shcszhaaohhhn?“
*Schon?*


Damit tauchten zwei in Tarnfarben gekleidete Echsen aus dem Urwald auf. Was an beiden sofort auffiel, war ihre Hautfarbe. Sie war bläulich. Dies wies sie als Teladi der männlichen Gattung aus. Während der etwas größere Teladi mit seinen orangen Augen leicht krumm ging und augenscheinlich Schmerzen hatte, hatte der etwas kleinere Teladi goldene Augen und tat sich ungleich leichter als sein älterer Begleiter. Schweigend gingen sie nebeneinander her. Der ältere der beiden schaute in die Umgebung, aber sein Blick war auf nichts fixiert. So, als suchte er etwas, konnte es aber nicht finden. Als wüsste er selbst nicht, was er eigentlich suchte. Der junge Teladi hingegen hatte nur Augen für seinen Bildapparat. Einen Holographer. Mit ihm konnte man Bilder in 3D festhalten. Der Jüngling projizierte eine seiner Aufnahmen nach der anderen etwa dreißig Zentimeter von sich weg und starrte sie gebannt an, ohne auf den Weg zu achten.

„Ah.“
*Acht.*
Sagte der jüngere, mit den goldenen Augen.
Worauf der Ältere erwiderte: „Sch-Tschaaauuusheeendr-Fe-Haauuundreeetsch Cszrrreeedriiitschsh.“
*Zweitausendvierhundert Credits.*


Der Jüngere schnaubte und aus seinen Nüstern rann etwas Schleim, den er sich mit seiner langen Zunge von seiner Schnauze wegleckte und dabei genüsslich schmatzte. Der junge männliche Teladi hatte schon oft Profit erwirtschaftet. Mal mehr, mal weniger. Dies hier gehörte unzweifelhaft zu seinen weniger profitablen Geschäften. Wobei er nicht auf den Profit aus war, als auf die Ästhetik seiner Arbeit. So wie alle männlichen Teladi wenig von Profit und viel von Ästhetik hielten. Deswegen verstand der junge Teladi auch die Beweggründe des Älteren nicht, der damals vor mehr als zwanzig Sonnen nach Firmenstolz kam, als sich die Sprungtorverbindungen erneut verändert hatten und Teladi von Ianamus Zura –woher der Ältere stammte; woher alle männlichen Teladi stammten- wieder Kontakt zu ihren Schwestern aus der Gemeinschaft der Planeten hatten, um sich mit einer von ihnen zu paaren und dabei ihn gezeugt hatten. Nun, eigentlich konnte er schon verstehen. Neugierde. Das war es, was die Teladi –aus den neuen und alten Sektoren- dazu trieb in die Sektoren des jeweils anderen zu fliegen. Doch wie in den Geschichtsbüchern steht und auch von den Älteren erzählt wird, sowie lebhaft vorgelebt wurde, gab es einen Kulturschock. Während die Teladi aus der Gemeinschaft der Planeten nur aus Weibchen bestanden, weil es vor vielen Dekazuras zu wenige Männchen im Genpool gab, als die Torumstellung des Alten Volkes sie von ihrem Heimatplaneten und -Sektor Ianamus Zura trennte, um eine neue Population aufzubauen, gab es in Ianamus Zura und den weiteren bis vor zwanzig Sonnen verschollenen Sektoren genügend Männchen, um die Kultur und Population weiter voranzutreiben. Auf Seiten Ianamus Zuras veränderte sich das Gedankengut der Teladi hin zur Ästhetik, ähnlich der Denkweise der Boronen. Während in der Gemeinschaft der Planeten die Teladi vor einer Sackgasse standen. Glücklicherweise konnten sich die weiblichen Teladi auch ohne ihren männlichen Gegenpart eingeschlechtlich fortpflanzen, was dazu führte, dass die Nachkommen praktisch genetische Klone ihrer Eiälteren darstellten. Ob das dazu beigetragen hat, dass sich in der GdP die Teladi profitorientiert in kultureller Weise fortentwickelt haben ist nicht mehr nachvollziehbar, da Aufzeichnungen aus diesen frühen Phasen der Neuorientierung des Chaos nach der Umstellung, kurz die ‚Zeit der Trennung’ genannt, in den Datenbankarchiven nicht mehr auffindbar waren. Ob sie verloren gegangen waren oder ob es nie Aufzeichnungen gegeben hat, ist eine müßige Frage, die schon viele beschäftigt hat, aber auf die es wohl nie mehr eine Antwort geben wird. So oder so hatte die erneute Umstellung der Tore von Seiten des Alten Volkes aus längst vergessene Hoffnungen und Sehnsüchte wiedererweckt. Die Stimmung war euphorisch und ein starker Reisestrom setzte ein. Doch als beide Seiten die Kulturen der jeweils anderen sahen, war der Schock tief. Wie konnte es nur so profitgeile Teladi geben? Wie konnte es nur Teladi geben, die kein Interesse an Profit haben? Noch ehe sich beide Kulturen versahen, waren sie wieder getrennt. Nicht durch physische Hinsicht, wie etwa eine erneute Änderung der Torrouten, sondern mental, durch ihre engstirnige Einstellung. Wobei man den Teladi aus Ianamus Zura zu gute halten muss, dass sie bis zum heutigen Tazura versuchen die geistigen Barrieren abzubauen, vor allem die der Teladi aus der GdP. Der kurze Kontakt bei der Kulturen hatte aber nicht nur einen negativen Nachgeschmack. Während damals der Kulturaustausch gerade erst begann, war der Tourismus bereits in vollem Gange und so wie der Tourismus stetig zunahm, stiegen auch die Schwangerschaften von weiblichen Teladi, die von Männchen begattet worden waren. Viele der neugenetischen Nachkommen kamen auf Ianamus Zura und in den alten Sektoren zur Welt und blieben auch da, als es zur mentalen Trennung, der ‚zweiten Trennung’, kam. Viele der Neu-Teladi fanden sich weder in der einen noch in der anderen Kultur zurecht und wanderten in andere Sektoren, meist die der Boronen und Argonen, aus. Nur die wenigsten blieben in den alten Sektoren und lebten mit ihren Eiälteren zusammen. So wie diese beiden hier, die nun vor einer großen metallenen Wand standen. Auf einer elektronischen Platte neben der Tür eingelassen leuchtete eine Information auf, als sich beide Teladi ihr näherten.

>>Sie haben Ihre Zeit im Habitat um eine Inzura überschritten. Dies kostet Sie pro angefangene Mizura weitere 3 Credits, zu den bereits bezahlten 75 Credits für eine Stazura Aufenthalt.<<

„Driiieeesheee rrraaaffffffgehiiieeerrriiieeegeheeen Tschelaaadriii!“
*Diese raffgierigen Teladi!*
Beschwerte sich der Jüngere.
„Naaanaaa, wrhiiirrr geeeehhaaohheeerrreeen jchssaaa zhuuurrr sheeelbreeen Shpssheeezhiiieeesh.“
*Nana, wir gehören ja zur Selben Spezies.*

„Zhuuurrr sheeelbreeen Shpssheeezhiiieeesh vvviiieeeleeeiiicsztsch. Aaabreeerrr niiicszhaatsch zhuuurrr gehleeeiiicszhaaeeen Ksssuuultschuuurrr!“
*Zur selben Spezies vielleicht. Aber nicht zur gleichen Kultur!*

„Eeesh wrhiiirrrdr wrhaaahaarrrliiicszhaa Zheeeiiitsch.“
*Es wird wahrlich Zeit.*


Murrend drückte der junge Teladi eine Plastikkarte in einen Schlitz, woraufhin ein Piepen verkündete, dass der angefallene Betrag von seinem Konto abgezogen wurde. Der junge, wie auch der alte Teladi verließen das Habitat und kamen in eine völlige andere Welt. Vor ihnen tat sich ein ockerfarbenes Meer mit hellgrünen Elementen bemaltes Reich aus Wänden, Decken, Böden und Türen auf. Sie schritten gemeinsam durch die Gänge und Korridore und jede Teladi drehte sich nach den beiden um. Größtenteils, weil sie noch nie einen Mann gesehen hatten, aber auch, weil sie befangen waren, was die Schuld der Medien war, die die Kultur von Ianamus Zura so widerstandslos kritisiert hatte und deswegen eine jede Teladi Vorbehalte hatte. An diese Blicke und das Verhalten ihnen gegenüber hatten sich die beiden Männchen bereits gewöhnt und ignorierten es getrost. So auch einige direkte Fragen zwecks Paarung. Nicht, weil es keiner von ihnen brauchte oder keine Nachfahren haben wollte, sondern einfach nur deswegen, weil es nicht in ihren ethischen Kodex passte. Sie hatten eine große Auswahl, oh ja. Während der Eiältere dies bereits ausgenutzt hatte, war sein Spross auf andere Dinge fixiert. Wenn er sich denn eines Tazuras fortpflanzen wollte, dann mit einer Teladi, die seinen Kriterien entsprach. Denn er wollte kein Weibchen, dass nur darauf aus war begattet zu werden und dann wieder aus seinem Leben verschwand oder, wie wohl den meisten anderen passiert, sich schmarotzend an ihn klammert und den letzten Credit aus ihn raussaugte. So nicht.
Seinen Gedanken nachhängend merkte der junge Teladi nicht, dass er sein Ziel bereits erreicht hatte und er von seinen Kollegen wegen seiner geistigen Abwesenheit belächelt wurde. Als er endlich wieder in der Realität war, zischelte er kurz und fegte die störenden Gedanken und Blicke seiner Kollegen fort. Er befand sich nun in einem Hangar, wo sich Flügel an Flügel kleine Raumgleiter befanden, die einander glichen wie ein Ei dem anderen. Ein etwas älterlicher Teladi, mit tief orangen Augen, trat auf ihn zu.

„Wrhiiieee iiishtsch Iiihaarrr Naaameee?“
*Wie ist Ihr Name?*

„Haaiiilbriiiliiish Dreeeshtschrrruuucsztschuuuluuush Zhuuuzhaaaiiimeeeiii Cyb.“
*Hilbilis Destructulus Zuzaimei I.*

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:56

Kapitel I – Die Prüfung

Hilbilis Destructulus Zuzaimei I. saß nervös im Sitz des Prüfungsschiffes und rieb seine Klauen gegeneinander, was seine Nervosität nur noch verstärkte, anstatt sie zu verdrängen. Er rief sich einen Ratschlag seines Eiälteren ins Gedächtnis: Tief einatmen und genauso tief wieder ausatmen. Zuzaimei wiederholte diesen Tipp öfters, bis seine Nervosität bis auf ein erträgliches Maß gesunken war. Es war nicht so, dass Zuzaimei nicht das Fliegen eines Raumschiffes beherrschte. Ganz im Gegenteil, er kannte jede Regel und jeden Handgriff auswendig, schließlich war er immer mit seinem Eiälteren mitgeflogen und hatte sich so alles einprägen können. Es war vielmehr die Prüfung an sich, die die Nervosität hervorrief. Das war das ganze Leben von Zuzaimei schon immer so gewesen. Er mochte Prüfungen einfach nicht. Er hatte bereits das Schiff auf äußere Schäden überprüft und entdeckte Mängel in eine Liste eingetragen. Bei manchen Prüfungen kam es vor, dass Schiffe bereit gestellt wurden, die vollkommen weltraumuntauglich waren und es gab auch Prüflinge, die dies nicht glaubten und da schon durchfielen. Zuzaimei konnte an seinem Prüfungsschiff, einer alten Fledermaus, keine äußeren Mängel feststellen und hatte demzufolge das Schiff betreten und mit den Systemchecks begonnen. Als diese zu Ende waren kritzelte der Prüfer –mal wieder- etwas auf sein Datenpad und brachte damit die Nervosität wieder zum steigen.

„Draaann shtschaaarrrtscheeen wrhiiirrr maaal.“
*Dann starten wir mal.*

Forderte ihn der Fluglehrer auf.

„Laaaiiicszhaa Ne aaan Fffluuugehksssohhntschrrrohhlleee. Eeerrrbriiitschtscheeen Shtschaaarrrtscheeerrrlaaauuubrniiish fuuueeerrr Psshrrruuueeefuuungehshfffluuugeh.“
*Laich 9 an Flugkontrolle. Erbitten Starterlaubnis für Prüfungsflug.*

„Fffluuugehksssohhntschrrrohhlleee aaan Laaaiiicszhaa Ne. Shiiieee haabreeen Shtschaaarrrtscheeerrrlaaauuubrniiish. Aaabrfffluuugksssohhrrriiidrohhrrr Cybsch Csz.“
*Flugkontrolle an Laich 9. Sie haben Starterlaubnis. Abflugkorridor 12 C.*


Zuzaimei nahm das ergonomisch geformte Steuerungspanel zwischen seine beiden Klauen und ließ das Schiff langsam vom Boden abheben. Es fühlte sich etwas seltsam an, denn das Schiff reagierte bereits auf die kleinste Berührung äußerst scharf. Aber nach einem kleinen Eingewöhnungsmoment hatte Zuzaimei bereits ein Gefühl für das Schiff. Eigentlich war es die Aufgabe der Flugkontrolle ein Schiff beim Starten und Landen über einen Leitstrahl automatisch in oder aus einer Landebucht zu führen. Doch bei Prüfungen wurde alles per Hand erledigt, denn man wollte sehen, dass bei Versagen der Automatik der Pilot auch fähig war sein Schiff sicher zu landen. Mehr oder weniger.
Mit fünf Meilen in der Stunde dirigierte Zuzaimei das Prüfungsschiff aus dem Hangar des Einests hinaus und über die Wälder unter ihm hinweg. Er beschleunigte ein wenig und zog eine Schleife, so dass er auf der anderen Seite über dem Einest einen Blick auf dieses werfen konnte. Das eiförmige Gebilde, dass zur Hälfte im Boden steckte, reckte sich mehrere hundert Teladilängen in den Himmel empor und beherbergte mehr als zehntausend Teladi, die dort lebten und arbeiteten. An der Spitze war die durchsichtige Kuppel gut zu erkennen, wo Zuzaimei und sein Eiälterer kurz vorher sich entspannt hatten und auch den anderen Teladi als Biohabitat diente. Ein Piepen ertönte und in einem angenehmen braun leuchtete ein Hinweisdisplay auf, dass mitteilte, dass der Flugkorridor 12 C nun frei war. Zuzaimei beschleunigte soweit, dass keine allzu große Reibungshitze entstand und flog dem blasslilanen Himmel entgegen. Kurze Zeit später machte der Himmel der Schwärze des Weltalls Platz, dass den ganzen Schirm ausfüllte. Sofort begannen die Sensoren ein dreidimensionales Hologramm aufzubauen, dass die Raumstationen und Raumschiffe in der Nähe abbildete. Blaue Linien zeigten an, wer auf sie zuflog, während die Roten anzeigten, wer von ihnen wegflog. Schiffe deren Kurs parallel zu dem ihren verliefen wurden Lila eingefärbt.

„Fffliiieeegehn Shiiieee uuunsh uuueeebreeerrrr dreeerrr Eeeksssliiipsshtschiiiksss zhuuurrr Haaaaandreeelshshtschaaatschiiiohhn Psshrrrohhfffiiitschgehluuueeecszksss.“
*Fliegen Sie uns über der Ekliptik zur Handelsstation Profitglück.*


Zuzaimei wusste, dass beinahe jeder Prüfling immer bei einer Aufgabenstellung die schwerste Lösungsmöglichkeit nahm. Natürlich nicht absichtlich, sondern unterbewusst. Aber da er sich darauf vorbereitet hatte und nun die Nervosität wie weggewischt war, sah er sich den Flugverkehr an, der über der Ekliptik stattfand und berechnete einen Kurs, der schräg über dem höchsten Verkehrsaufkommen parallel zum Ziel führte. Dann beschleunigte Zuzaimei auf Volllast. Die alte Fledermaus, noch sehr gut in Schuss, überraschte angenehm, dass ihre Andruckabsorber einwandfrei funktionierten und man so nichts von der starken Beschleunigung mit Nachbrenner nichts merkte. Es würde eine oder zwei Quazuras dauern, bis sie ihr Ziel erreichen würden, deswegen programmierte sich Zuzaimei einen Annäherungsalarm, um dann anschließend von seinem Prüfer abgefragt zu werden.

„Wrhiiieeeshohh draaarrrfff maaan iiin dreeerrr Nnnaaaeeehaaeee vvvohhn Rrraaauuumshtschaaatschiiiohhneeen kssseeeiiineeen Shpsshrrruuungehaaantschtrrriiieeebr breeenuuutschzheeen?“
*Wieso darf man in der Nähe von Raumstationen keinen Sprungantrieb benutzen?*

„Wrheeeiiil druuucszhaa driiieee gehrrraaavvviiieeemeeetschrrriiishcszhaaeeen Vvveeerzheeerrruuungeheeen driiieee Aaauuushsheeenhaauuueeelleee breeeshcszhaaaaaeeedriiigehtsch wrhiiirrrdr. Zhuuudreeem shohhrrrgeheeen driiieee Shuuubrrrraaauuum-Shcszhaaohhcszkssswrheeelleeen draaafffuuueeerrr, draaashsh driiieee Eeeneeerrrgehiiieee aaauuufff dreeerrr Shtschaaatschiiiohhn vvveeerrruuueeecszkssstsch shpsshiiieeeltsch uuundr eeesh zhuuu Rrruuueeecszksssksssohhhpsshpsshluuungeheeen kssssohhmmeeen ksssaaaann, driiieee driiieee Rrraaauuumshtschaaatschiiiohhhn vvveeerrrniiicszhaatscheeen ksssoooeeenntscheee.“
*Weil durch die gravimetrischen Verzerrungen die Außenhülle beschädigt wird. Zudem sorgen die Subraum-Schockwellen dafür, dass die Energie auf der Station verrückt spielt und es zu Rückkopplungen kommen kann, die die Raumstation vernichten könnte.*

„Gehiiiltsch driiieeesh aaauuucszhaa fffuuueeerrr shtscheeellaaarrreee uuundr iiintscheeerrrshtscheeelaaarrreee Ohhbrjchsseeekssstscheee, wrhiiieee Mohhndreee, Shohhnneeen uuundr Psshlaaaneeetscheeen?“
*Gilt dies auch für stellare und interstellare Objekte, wie Monde, Sonnen und Planeten?*

„Gehrrroooeeeshshtscheeentscheeeiiilsh jchssaaa. Driiieee Vvveeerrrzheeerrruuungeheeen uuundr Shcszhaaohhcszksssswrheeelleeen ksssoooeeenneeen driiiee Ohhbreeerrrffflaaaeeecszhaaeee eeeiiineeesh Mohhndreeesh ohhdreeerrr eeeiiineeesh Psshhlaaaneeetscheeen zhuuum breeecsthaaeeen brrrriiingeheeen. Ohhzheeeaaane ksssoooeeenneeen vvveeerrrdraaampsshfffeeen. Eeesh breeeshtscheeehaatsch aaauuucsthaa driiieee Moooeeegehliiieeecszhaakssseeeiiitsch, draaash dreeerrr Psshlaaaneeetsch vvveeerrrshtschrrraaahaaltsch wrhiiirrrd. Shohhnneeen ksssoooeeenen druuucszhaaa driiieee Eeemmiiishshiiiohhnneeen eeeiiineeesh Shpsshrrruuungeheeerrreeeiiigehniiishshesh aaauuush iiihaarrreeem naaatschuuueeerrrliiicszhaaen Zhpschksssluuush geheeebraaacszhaatsch wrheeerrrdreeen, wrhaaash eeevvveeentschuuueeel eeeiiineee Nohhvvvaaa zhuuurrr Fffohhlgeheee haabreeeen ksssaaann.“
*Größtenteils ja. Die Verzerrungen und Schockwellen können die Oberfläche eines Mondes oder eines Planeten zum brechen bringen. Ozeane können verdampfen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Planet verstrahlt wird. Sonnen können durch die Emissionen eines Sprungereignisses aus ihrem natürlichen Zyklus gebracht werden, was eventuell eine Nova zur Folge haben kann.*


Zwei nicht vergehen wollende Quazuras und eine Kurskorrektur später befand sich die Laich 9 in der Dockingbucht der Handelsstation Profitglück. Zuzaimei machte die vorgeschriebene Flugpause, während sein Prüfer die geladene Fracht verhökerte und bestimmt neue Fracht einkaufte, was bei den Teladi nicht ungewöhnlich war. Normalerweise hatte Zuzaimei auch bei be- und entladen einer Fracht dabei sein müssen, aber der Prüfer machte dies lieber selber und schickte Zuzaimei fort. Dies konnte illegale Geschäfte bedeuten. Es konnte aber auch nur heißen, dass der Prüfer dies von sich aus tat, was Zuzaimei vermuten ließ, dass der weitere Prüfungsflug wohl etwas schwerer werden würde. Jetzt aber galt es sich kurz zu erholen und deswegen ging er direkt auf ein Restaurant zu, dass Körnersalat im Angebot hatte.

Nachdem der Hunger und Durst gestillt waren und auch die Fracht neu verladen worden war, ging es wieder hinaus in den mit grünblauen Nebeln übersäten Sektor namens Teladi Profit. Der Kurs führte sie zum Osttor, das einmal umflogen werden musste und dann wieder zurück zum Planeten, wo eine manuelle Landung durchgeführt werden musste und der Eiältere von Zuzaimei bereits auf seinen Eijüngeren wartete.

„Haaaaashtsch druuu dreeeiiineee Psshhrrruuueeefffuuungeh breeeshtschaaandreeen?“
*Hast du deine Prüfung bestanden?*

„Jchssaaa.“
*Ja.*

„Draaan haaaaabreee iiicszhaa eeeiiineee Uuueeebreeerrraaashcszhaaauuungeh fffuuueeerrr driiicszhaa.“
*Dann habe ich eine Überraschung für dich.*

„Eeeiiineee Uuueeebreeerrraaashcsthaauuungeh?“
*Eine Überraschung?*

„Jchssaaa. Iiicszhaa shcszhaaeeencszkssseee driiirrr meeeiiineeen aaaltscheeen Fffaaalkssseeen M Ksss Cyb.“
*Ja. Ich schenke dir meinen alten Falken MK I.*

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:56

Kapitel III – Spielernatur

Zuzaimei musste mit bedauern feststellen, dass die Teladi bereits vor mehreren Sonnen gestorben war und das Geschäft mit dem Namen Profitloch bereits nicht mehr existierte. An dessen Stelle war jetzt ein Fachhandel für elektronische Geräte getreten. Dieses verkaufte unter anderem Datenpads, Armbanduhren mit integrierten Computern und viele weitere Sachen, die jeder Teladi und Nichtteladi irgendwie gebrauchen konnte. Zuzaimei hatte kurz hineingeschaut und sich entschlossen einen Ring mit holographischem Wörterbuch zu kaufen. Der Ring hatte aber auch ein automatisches Übersetzungsprogramm in petto. Zuzaimei beherrschte die Handelssprache einigermaßen, dennoch wollte er auch die Muttersprachen der anderen Rassen lernen. Zeit würde er bei seinen Reisen ohnehin haben. Es dauert immer mehrere Quazuras -Stazuras, wenn man in argonischer Zeit rechnete- um einen Sektor zu durchqueren. Aber um seinen ersten großen Auftrag machte sich Zuzaimei jetzt noch keine großen Gedanken. In Gedanken kurz abschweifend rechnete er sich eine Stazura ins Teladi Zura-Zeitsystem um. Eine Stazura wären ungefähr vier Quazuras und zwei Inzuras. Die Rechnung ging nicht ganz auf. Aber was soll’s. Im Commonwealth wurde sowieso mit der argonischen Zeit gerechnet und deswegen waren Umrechnungen kaum von Nöten. Zuzaimei wurde wieder ins Hier und Jetzt zurückgeholt, als er einen argonischen Mann (zumindestens hoffte er, dass das ein Männchen der Gattung war) am Rande des mehreren Meter breiten Hauptganges am Boden sitzen sah. Zuzaimei war sich nicht sicher, ob dies ein normales Verhalten eines Argonen war, denn in der Wirtschaftsschule hatte man nur Reaktionen gelehrt bekommen, die hilfreich dabei waren zu erkennen, wie sein Gegenüber bei bestimmten Sachen reagierten. So konnte man immer ein gutes Geschäft schnuppern. Zuzaimei verfluchte die Teladi im Commonwealth – wieder einmal. Er würde sich alsbald dann doch in Richtung Ianamus Zura aufmachen. Noch etwas uneins rang sich Zuzaimei doch durch den Argonen in der Handelssprache anzusprechen.

„それはいかに行くか?“
*Wie es Ihnen geht?*


Der argonische Mann, mit vielem Haar im Gesicht, sah Zuzaimei an und musste wohl erst überlegen, ob er wirklich mit ihm gesprochen hatte. Dann lächelte er und antworte in einem freundlichen Akzent.

„井戸。 なぜ頼むか?“
*Gut. Wieso fragen Sie?*

„そのような方法でここに坐るので。“
*Weil Sie sitzen hier so rum.*

„はい、私は、私を楽にする。 私は芸術家である。 封鎖があれば、私は私ですべてをによ引っ張る割り当てる。 それから私は再度考え来る。“
*Ja, das tue ich, um mich zu entspannen. Ich bin Künstler. Wenn ich eine Blockade habe, dann lasse ich alles an mir vorbeiziehen. Dann kommen mir wieder Ideen.*

„それから私はそれ以上を妨げたいと思う。 再度見なさい。“
*Dann ich will nicht weiter stören. Auf wieder sehen.*

„そう長く、奇妙なハ虫類。“
*Auf bald, seltsame Echse.*


Was der argonische Mann wohl mit ‚seltsame Echse’ gemeint hatte? Nunja, für einen Teladi dieser Profit orientierten Kultur war Zuzaimei wirklich ziemlich seltsam. Kein Teladi würde einfach so ein anderes Lebewesen fragen was es da tut, außer es würde Profit bringen.

Zuzaimeis Magen machte sich bemerkbar. Das quazuralange herumfliegen und die Verhandlungen mit dem Schiffsmeister hatten Zuzaimei vergessen lassen, etwas zu sich zu nehmen. Er ging die Promenade entlang und schaute sich nach einem Restaurant um, dass verträgliche Nahrungsmittel für Teladi anbot. Zuzaimei hatte schon mal davon gehört, dass Nahrungsmittel anderer Völker nicht gerade bekömmlich für den Teladiorganismus waren. Das Selbe galt natürlich auch umgekehrt. Die Argonen hatten etwas, das sie Schoko oder so ähnlich nannten. Die Argonen schienen richtig verrückt danach zu sein. Musste wohl eine Art Droge sein. Für einen Teladi allerdings war das gleiche Mittel kreislaufdestabilisierend. Soviel Zuzaimei wusste, bestand dieses Schoko zwar aus pflanzlichen Mitteln, wurde aber stark raffiniert und in einer anderen Zustand versetzt. Vielleicht mochte es daran liegen, denn Teladi waren reine Vegetarier. Nunja, größtenteils. Ab und an bekam jeder mal Hunger auf etwas proteinreiche Nachtung, aber in den meisten Fällen blieb jeder Teladi bei seinen vegetarischen Gerichten. So auch Zuzaimei, als er ein kleines aber feines Etablissement mit dem Namen ‚Zum Goldrauch’ erblickte und eintrat.
Wie bei einem Teladi üblich war das Licht angenehm gedämmt und ein leicht grünliches Schimmern aus den Ecken und Kanten des Etablissements gaben dem Ambiente, mit den ockerfarbenen Wänden, ein behagliches Aussehen. Es waren nicht viele Teladi zugegen. Was auch nicht wunderte. Es war mitten in der Nacht. Zumindestens nach Standard-Commonwealth Zeit (SCZ) und zufälligerweise überschnitt sich das auch mit der Zeitrechnung aus Profitbrunnen, was aber nur selten vorkam. Zuzaimei setzte sich an einen freien Platz mitten im Restaurant und schaute sich die Speiseliste an

* Sonnensaft – 3 Cr. / Li.
* Blumensalat - 5 Cr. / Tel.
* Proteinwurm - 7 Cr. / Tel.
* Schleimschnecke – 11 Cr. / Stck.

Durchschnittspreise bei keinem großen Angebot. Nicht gerade billig, aber auch nicht zu teuer. Da Zuzaimei nicht wusste wann er wieder zum Essen kam, bestellte er sich zwei Liter Sonnensaft, einen Teller Proteinwürmer und einen Teller Blumensalat.

Nach dem Verzehr seines Nachtmahl, hatte sich Zuzaimei auf den Weg gemacht einen Auftrag zu ergattern, um sein Konto aufzubessern. Er hatte gerade mal 40.000 Krediteinheiten auf dem Konto. Plus Minus ein paar Spesen. Was nicht gerade ein sehr großes Startkapital war, um lange zu überleben. Vielleicht sollte er doch lieber gleich nach Ianamus Zura fliegen und bei seinem Eiälteren und dessen Familie vorbeischauen und dort vielleicht auch ein neues Leben beginnen. Da kam Zuzaimei die erleuchtende Idee. Aus seiner Not heraus machte er eine Tugend. Er wollte sich Aufträge aussuchen, die ihn immer näher an Ianamus Zura heranbrachten. So konnte er einerseits sein Konto aufbessern und andererseits seinem Ziel immer näher kommen. Aber ob das so leicht ging?

Zuzaimei hatte einen schlechten Tazura erwischt. Es lag nicht daran, dass es keine Aufträge gabe, ganz im Gegenteil, die Stationsdatenbank hatte mehrere hundert Aufträge gespeichert. Doch die meisten Missionen schrieben bestimmte Bedingungen vor, die erfüllt sein mussten, um einen Auftrag annehmen zu können. Und Zuzaimei konnte kaum eine davon erfüllen. Niedergeschlagen trat er von seinem Infoterminal zurück und wäre beinahe mit zwei Argonen kollidiert, die ohne auf den Weg zu achten vor sich hingingen. Sie waren so sehr in ihr Gespräch vertieft, dass sie nicht einmal bemerkten, dass sie beinahe mit einem Teladi zusammengestoßen wären. Zuzaimei stolperte zurück zu seinem Terminal und hörte ein paar Wortfetzen von dem Gespräch, dass die beiden unachtsamen Säuger führten. Es ging um ein Geschäft, dass ganz sicher sein sollte und das einem viele Credits auf einmal einbringen sollte und dabei brauchte man angeblich nicht mal irgendwelche Voraussetzungen. Hellhörig geworden folgte Zuzaimei den beiden Argonen.

Zuzaimei hätte es sich von vorne herein denken können, dass es nicht so einfach war, wie er es verlockender weise gehört hatte. Er hatte die beiden Argonen im Gewühl einer Spielhölle verloren. Überall wohin der Teladi schaute, sah er Glücksspiele aller Art. Aber da er nun schon mal hier war, sah er sich ein bisschen um. Rouker, Polett, Snooard und noch viele mehr gab es über das mittelgroße Kasino verteilt. Aber die meisten dieser Spiele waren Zuzaimei in aller Form wirklich ein reinstes Glückspiel, wo man nicht gewinnen konnte.
So war Rouker zum Beispiel ein Kartenspiel, wo die höchste Kartenkombination gewann. Eigentlich simpel, aber um an Karten zu kommen musste man Würfeln. Der Würfel war vierseitig und hatte eine entsprechende Nummerierung an jeder Seite. Die Zahl die man würfelte, sagte aus, wie viele Karten man bekam. Genau so viele musste man aber auch wieder ablegen.
Beim Polett hingegen gab es ein Rad, dass sich drehte und Nummer von 0 bis 33 anzeigte. Es wurde in Bewegung gesetzt und dann eine Kugel hinein geschmissen. Wenn das Rad zum Stillstand kam und die Kugel bei einer Zahl hängen geblieben war, zog jeder Teilnehmer eine von seinen fünf Karten und wenn eine Einstimmung mit der Zahl da war, gewann derjenige.
Das Ziel von Snooard war es, 15 Kugeln -zu einer Pyramide zusammengestellt und frei in einem dreidimensionalen schwerelosem Würfel schwebend- mit einer 16. Kugel in eines der 8 Ecklöcher zu befördern, ohne einmal daneben zu liegen.
Zuzaimei fand aber ein Spiel, dass er schnell begriff und bei dem er seine Chancen auch sehr gut einschätzte zu gewinnen: Black Jack. Bei diesem Kartenspiel ging es nur darum nicht mit seiner Kartenkombination über die Zahl 21 zu kommen. Schnell fand er heraus, dass es von Argonen stammte. Deswegen war es wohl auch so leicht.

Die ersten hundert Credits waren schnell verloren, weil Zuzaimei sich nicht auf das Spiel einstellen konnte. Erst nach dem sechsten und siebten Versuch hatte er das Prinzip verstanden und versuchte ein System zu errechnen. Was bei einer zufälligen Wiedergabe von 52 Karten einfach unmöglich war.
Eine Stazura später und nach Höhen und Tiefen am Black Jack Tisch wurde Zuzaimei der Spielhölle, mit einem Gewinn von 485.600 Credits, verwiesen.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:57

Kapitel IV – Der erste Auftrag

Einerseits war Zuzaimei verärgert, dass er aus dem Kasino geworfen wurde, andererseits war seine Freude über seinen großen Gewinn so stark, dass er es sich mit sich machen ließ. Mit dem Kreditchip in der Stoffhose ging er vor Freude taumelnd den inneren Korridorring entlang und merkte nicht, wie er verfolgt wurde. Erst als eine Hand sich auf seine Schulter legte, wurde ihm bewusst, dass er unachtsam war. Vor Schreck war Zuzaimei so zusammengezuckt, dass man meinen konnte, er würde gleich in eine Schutzstarre fallen. Diese war dafür zuständig einen Teladi vor geistigem Schaden zu bewahren. Zuzaimei drehte sich langsam um, als er sich von dem ersten Schock erholt hatte und blickte in das Gesicht eines anderen Teladi.

„Gehrrruuueeeshsheee, Ksssohhlleeegeheee. Iiicszhaa haaohhffffffeee iiicszhaa haaaaabreee Shiiieee niiicszhaatsch zhuuu sheeehaarrr eeerrrshcszhaarrreeecszkssstsch.“
*Grüße, Kollege. Ich hoffe ich habe Sie nicht zu sehr erschreckt.*

„Drohhcszhaa. Iiicszhaa wrhaaaeeerrreee breeeiiinaaahaaeee iiin Shcszhaauuutschzhshtschaaarrrrrreee vvveeerrrfffaaalleeen.“
*Doch. Ich wäre beinahe in Schutzstarre verfallen.*

„Draaash tschuuutsch miiirrr aaauuushsheeerrrshtsch leeeiiidr. Iiicszhaa mohheeecszhaatscheee Iiihaaneeen eeeiiin Aaangeheeebrohhtsch maaacszhaaeeen.“
*Das tut mir äußerst leid. Ich möchte Ihnen ein Angebot machen.*

„Eeeiiin Aaangeheeebrohhtsch? Wrheeelcszhaaeeerrr Aaarrrtsch? Wrhiiieee ksssohhmmeeen Shiiieee geheeerrraaadreee aaauuufff miiicszhaa?“
*Ein Angebot? Welcher Art? Wie kommen Sie gerade auf mich?*

„Jchss. Shiiiee shohlleeen eeeiiineee Pssheeerrrshohhn zhuuu eeeiiineeem breeeshtschiiimmtscheeen Zhiiieeel brrrriiingeheeen. Wrhiiirrr haaaaabreeen Shiiieee aaauuushgeheeeshuuucszhaatsch, wrheeeiiil Shiiieee shiiicszhaa vvviiieeelleeeiiicszhaatsch miiitsch uuunsheeerrreeerrr Ohhrrrgehaaaniiishaaatschiiiohhn iiidreeentschiiifffiiizhiiieeerrreeen ksssoheeenneeen.“
*Ja. Sie sollen eine Person zu einem bestimmten Ziel bringen. Wir haben Sie ausgesucht, weil Sie sich vielleicht mit unserer Organisation identifizieren können.*

„Wrhiiirrr? Draaash haaohheeerrrtsch shiiicszhaa aaalleeesh aaaeeeuuushsheeerrrshtsch shuuushpssheeekssstsch aaan.“
*Wir? Das hört sich alles äußerst suspekt an.*

„Wrheeenn iiicszhaa Iiihaaneeen shaaageheee, uuum wrheeenn eeesh shiiicszhaa haaaaandreeeltsch, draaann wrheeerrrdreeen Shiiieee breeeshtschiiimmtsch uuunsheeerrreee Vvvohrrrshiiicszhaatsch vvveeerrrshtscheeehaaeeen. Shiiieee shohhlleeen Iiisheeemaaadrohhsh Shiiibraaashohhmohsh Nohhpsshiiileeeohsh Ke. vvvohhn dreeerrr Nohhn-Psshrrrohhfffiiitsch-Ohhrrrgehaaaniiishaaatschiiiohhn naaacszhaa Rrrohhtscheeesh HaaQ brrrriiingeheeen.“
*Wenn ich Ihnen sage, um wen es sich handelt, dann werden Sie bestimmt unsere Vorsicht verstehen. Sie sollen Isemados Sibasomos Nopileos IV. von der Non-Profit-Organisation nach Rotes HQ bringen.*

„Iiicszhaa neeehamee aaan.“
*Ich nehme an.*


Zuzaimei war vollkommen überrascht einen solch prominenten Gast auf seinem Schiff zu haben. Zudem saß er, besser gesagt sie, denn Nopileos war ein Weibchen, wie ein ganz normaler Teladi neben ihm und plapperte den alltäglichen Smalltalk daher.
Sie waren bereits einen Tazura unterwegs und befanden sich im Sektor Menelaus Grenze. Während den Startvorbereitungen hatte Zuzaimei Nopileos überhaupt nicht zu Gesicht bekommen. Ihre Leibwächter hatten ihn informiert, als sie an Bord waren und dass er nun abfliegen konnte. Die ersten Quazuras hatte sich überhaupt niemand Blicken lassen. Waren alle wohl ziemlich erschöpft, denn man hörte aus dem (provisorisch zu einem Feldlager umgebauten) Frachtraum entsprechende Geräusche. Erst eine Stazura nach einem kleinen Stopp in der Handelsstation in Ceos Buckzoid, um etwas Proviant an Bord mitzunehmen, ließ sich einer der Leibwächter blicken, um nach dem Status des Schiffes zu fragen. Natürlich war das Schiff voll funktionsfähig und auch sonst gab es nichts zu beanstanden. Außer einmal, als es im Frachtraum kurz laut wurde und etwas polterte. Seitdem war Nopileos bei Zuzaimei im Cockpit schräg hinter ihm und saß im Sessel des Co-Piloten. Diese Funktion nahm Nopileos auch wahr und Zuzaimei musste erstaunt feststellen, dass das Weibchen sehr gut darin war. Entsprechend seiner Überraschung hielt er sich nicht zurück und fragte sie, woher sie denn dieses Wissen erworben hatte. Über die Nachfolgende Erzählung konnte Zuzaimei nichts anderes tun als ungläubig zu die Schnauze offen zu halten und Luft auszuprusten. Nopileos erzählte eine Geschichte über eine Terranerin mit dem Namen Elena Kho, die Sternenkriegerin. Ihr war es angeblich zu verdanken, dass Ianamus Zura wieder entdeckt worden war.

Quazuras wichen Stazuras wichen Tazuras. Der zweite Tazura näherte sich seinem Ende und das Westtor von Wolken der Atreus war noch unsichtbar in weiter Ferne. Es hatte sich auf dieser Reise nicht viel ereignet und Zuzaimei hoffte, dass dies auch so bleiben würde, obwohl er ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend hatte. Hier im Sektor Wolken der Atreus gab es weit im Osten eine Piratenstation, die den Händlern in diesem und den angrenzenden Sektoren das Leben schwer machte. Vor allem weil das Südtor bereits in dem von Piraten beherrschten Sektor Farnhams Legende führte.
Als ob es Zuzaimei durch seine Gedankengänge heraufbeschworen hätte, tauchten auf dem Gravidar ganze sieben rote Blips auf. Einem kurzen Sensorenscan nach, war es ein Konvoi der Piraten. In ihrer Mitte flog ein teladianischer Frachter der Marke Geier MK III, der von zwei argonischen Nova-Jägern MK II und vier boronischen Mako-Abfängern MK II eskortiert wurde.

„Eeeiiieeerrrshaaalaaatsch!“
*Eiersalat!*


Während Zuzaimei nervös wurde und nach einer alternativen Route zum Westtor suchte, ohne dabei zu verraten, dass sie dem Konvoi auswichen, blieb Nopileos ruhig im Kopilotensessel sitzen, als wäre keine Bedrohung vorhanden.

„Nuuurrr driiieee Rrruuuhaaeee, Zhuuuzhaaaiiimeeeiii.“
*Nur die Ruhe, Zuzaimei.*

„Rrruuuhaaeee? Wrhiiieee shohhll iiicszhaa rrruuuhaaiiigeh brleeeiiibreeen? Driiieee fffliiieeegehn driiirrreeelssstsch aaauuufff uuunsh zhuuu!“
*Ruhe? Wie soll ich ruhig bleiben? Die fliegen direkt auf uns zu!*

„Gehaaanzh nohhrrrmaaal vvveeerrrhaaaaaltscheeen. Druuu haaaaashtsch iiihaaneeen niiicszhaatschsh geheeetschaaan, aaalshohh wrheeerrrdreeen shiiieee driiirrr aaauuucszhaatschsh tschuuun.“
*Ganz normal verhalten. Du hast ihnen nichts getan, also werden sie dir auch nichts tun.*

„Shiiicszhaaeeerrr?“
*Sicher?*

„Neeeiiiin.“
*Nein.*

„Naa tschohhll!“
*Na toll!*


Der Piratenkonvoi rückte immer näher und passierte die Akeru in weniger als einem Kilometer Abstand. Und kaum darauf meldete Ichigo, die Bord-KI, dass sie gescannt wurden. Zuzaimei dachte schon, dass sie verloren wären und sich darauf einstellen konnten den Piraten als Sklaven zu diensten zu sein. Doch als nach mehreren ewig lang erscheinenden Mizuras immer noch nichts passiert war, wagte Zuzaimei zu hoffen und atmete auf. Nopileos hingegen schien mit dieser Reaktion gerechnet zu haben. Ohne Umschweife begann er ein Gespräch, als wäre nichts passiert. Eigentlich war ja auch nichts passiert, aber Zuzaimei war noch etwas geschockt. Doch der ließ sehr schnell nach, als das gigantische über einen Kilometer durchmessende Sprungtor schnell anschwoll und sie in einem Wirbel aus blauweißer Energie verschlang.
Im Sektor Rotes HQ angekommen waren es nur noch mehr ein paar Quazuras Flug, bis Nopileos an dem argonischen Hauptquartier angedockt hatte, dass hoch über der Ekliptik im Zentrum des Sektors schwebte. Dies war die größte Station, die Zuzaimei jemals gesehen hatte. Mit ihrer pilzförmigen Kuppel konnte sie mehrere hunderttausend Lebewesen aufnehmen, denn in ihren Abmaßen konnte sie einem Sprungtor Konkurrenz machen. An einer mehrere Kilometer langen Skelettkonstruktion befanden sich zwei Andockringe. Der innere Andockring war für Korvetten und Fregatten angelegt worden und konnte 63 Schiffe dieser Art fassen. Der äußere Andockring bot Platz für 39 Zerstörer. Vom äußeren Andockring gingen neun Pylone aus, die wie Finger in das Weltall hinaus ragten und Platz boten, um 36 Großraumschiffe, wie Träger und Schlachtschiffe, andocken zu lassen. Mehrere hundert Meter weiter unten gab es noch mal zwei Ringe, die aber zur Abfertigung des regulären zivilen Verkehrs genutzt wurden. Aus diesen beiden unteren Ringen taten sich drei weitere Pylone hervor, die sich in eine flache halbkreisförmige Plattform ausbreitete. Jede dieser drei Plattformen bot Platz für 100 Schiffe der kleinsten Baureihen. Am unteren Ende des HQs befanden sich die Frachträume, Energieversorgung, sowie das Kommunikations- und Kontrollmanagement der Station.
Zuzaimei wusste, dass jedes Volk eines vielleicht sogar mehrere von diesen gigantischen Rauminstallationen besaßen. Das der Teladi befand sich im Sektor Firmenstolz und Zuzaimei war sich sicher, dass auch in Ianamus Zura solche eine Installation existieren musste, um den ganzen Verkehr zu überwachen und die militärischen Einheiten zu koordinieren. Das HQ war aber auch errichtet worden, um als Forschungszentrum zu dienen, wo neue Technologien entwickelt wurden. Wie zum Beispiel Waffen, Schilde, Ausrüstungsgegenstände (Software, wie Hardware) oder gar gleich neue Schiffe. Erstaunt über dieses Meisterwerk der Baukunst bekam Zuzeimei erst jetzt mit, dass Nopileos ihn die ganze Zeit über voll gequatscht hatte.

„Wrhiiieee shohhll iiicszhaa draaash vvveeerrrshtscheeehaaeeen, draaashsh driiieee NPsshOhh vvveeerrrshuuucszhaatsch eeeiiineee Wrhiiirrrtschshcszhaaaaaffftsch ohhhaaneee Geheeeldrmiiitschtscheeel zhuuu eeerrrshcszhaaaaaffffffeeen?“
*Wie soll ich das verstehen, dass die NPO versucht eine Wirtschaft ohne Geldmittel zu erschaffen?*

„Draaash Shpschshtscheeem draaahaaiiintscheeerrr iiishtsch gehaaanzh eeeiiinfffaaacszhaa. Iiicszhaa wrheeerrrdreee eeesh aaan eeeiiineeem Breeeiiishpsshiiieeel eeerrrlaaaeeeuuutscheeerrrn. Wrhiiirrr haaaaabreeen aaauuufff eeeiiineeem Psshlaaaneeetscheeen eeeiiineeen Ksssohhmpsshleeexss, dreeerrr meeehaarrreeerrreee Breeetschrrriiieebreee uuumfffaaashshtsch uuundr shiiicszhaa sheeelbrshtsch vvveeerrrshohhrrrgeheeen ksssaaann. Jchsseeedreeerrr driiieeesheeer Breeetschrrriiieeebree shtscheeelltsch eeetschwrhaaash aaandreeerrreeesh haaeeerrr breeezhiiieeehaauuungehshwrheeeiiisheee vvveeerrraaarrrbreeeiiitscheeetsch driiieee Psshrrrohhdruuukssstscheee wrheeeiitscheeerrr. Wrheeenn aaalshohh driiieee Miiitschaaarrrbreeeiiitscheeerrr eeeiiineeesh Breeetschrrriiieeebreeesh niiicszhaatsch aaarrrbreeeiiitscheeen wrhohhlleeen, draaann ksssohhmmtsch dreeerrr gehaaanzheee Ksssrrreeeiiishlaaauuufff laaangehshaaam aaabreeerrr shiiicszhaaeeerrr zhuuum eeerrrliieeegeheeen ohhdreeer eeeiiin Tscheeeiiil draaavvvohhn. Draaash Fffaaazhiiitsch draaarrraaauuush eeerrrgehiiibrtsch, draaashsh wrheeenn jchsseeemaaandr niiicszhaatsch aaarrrbreeeiiitscheeetsch driiieeesheeerrr aaauuucszhaa niiicszhaatschsh breeeksssohhmmtsch. Shcszhaaliiimmshtscheeenfaaallsh muuueeeshsheeen aaalleee shtscheeerrrbreeen.“
*Das System dahinter ist ganz einfach. Ich werde es an einem Beispiel erläutern. Wir haben auf einem Planeten einen Komplex, der mehrere Betriebe umfasst und sich selbst versorgen kann. Jeder dieser Betriebe stellt etwas anderes her beziehungsweise verarbeitet die Produkte weiter. Wenn also die Mitarbeiter eines Betriebes nicht arbeiten wollen, dann kommt der ganze Kreislauf langsam aber sicher zum erliegen oder ein Teil davon. Das Fazit daraus ergibt, dass wenn jemand nicht arbeitet dieser auch nichts bekommt. Schlimmstenfalls müssen alle sterben.*


Von dieser Erklärung noch etwas befangen war Zuzaimei ganz entgangen, dass er bereits im HQ gelandet war und somit seinen Auftrag erfüllt hatte.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:57

Kapitel V – Die erste Station

Zuzaimei war gerade erst aus dem Hauptquartier im Sektor Rotes HQ gestartet, dennoch stand er immer noch unter Schock. Da hatte ihm diese Teladi namens Nopileos doch tatsächlich ans Herz gelegt eine Station aufzubauen. Und nicht nur das, sie hatte ihm auch noch einen guten Standort genannt. Zuzaimei fragte sich wirklich, was in diese Teladi gefahren sein musste, um so einen Schwenk in der kulturellen Lebensart zu machen. Vielleicht zu lange und zu oft Kontakt mit Argonen gehabt. Oder Boronen. Nun war Zuzaimei auf dem Weg nach Antigone Memorial, um die Angaben von Nopileos zu überprüfen. Dort sollte es mehrere Asteroiden mit guter Ausbeute geben. Gerüchten zufolge einen Erz-Asteroiden mit 90 Anteilen pro Kubikzentimeter und auch ein Silizium-Asteroid mit einer Ausbeute von 61 Anteilen pro Kubikzentimeter sollte es dort geben. Wenn dies zutreffend war, dann hatte Zuzaimei einen sehr wertvollen Tipp bekommen, denn in den umgrenzenden Sektoren gab es sehr viele Sonnenkraftwerke, die in Konkurrenz zueinander standen und so billig Energiezellen auf den Markt warfen.
Allerdings lief das alles gegen seine Planungen nach Ianamus Zura zu fliegen. Hatte ihn jetzt doch die Profitgier gepackt? Nein, bestimmt nicht. Dennoch überlegte sich Zuzaimei, wieso er dem Tipp von Nopileos nachgegangen war. Profitgier konnte es nicht sein, denn Zuzaimei hatte genug Credits, um einen Flug nach Ianamus Zura durchzustehen. Wenn er jetzt losfliegen würde, dann würde er nur wenige Tazuras nach seinem Eiälteren in Ianamus Zura eintreffen. Da fiel Zuzaimei plötzlich ein, dass er überhaupt nicht wusste, wo er überhaupt suchen sollte. Er hatte keine Adressen seiner kürzlich bekommenen Verwandten. Nunja, das war eigentlich kein Problem. Auf jedem Planeten gab es ein Verzeichnis, dass anhand verschiedener Merkmale eine Person ausfindig machen konnte. Zum einen der Name. Zum anderen ein DNA-Test. Aber was dann? Den Rest seines Lebens auf, in oder vielleicht auch um Ianamus Zura herum verbringen? Vielleicht mit Frau und Kindern? Ein reizvoller Gedanke, aber etwas fehlte. Und langsam dämmerte Zuzaimei auch, was fehlte. Das Gefühl etwas geschaffen zu haben. Er wollte etwas errichten, was noch lange nach ihm dableiben würde. Was seine Existenz bewies. Es war ein seltsamer Gedankengang. Und aus diesem wurde er jäh gerissen, als er den Sektor Antigone Memorial erreichte.

Der Sektor lag ruhig da. Es gab keine Nebel, die den Blick auf den großen sandfarbenen Planeten verschleierten. Dies gab dem Planeten auch seinen Namen: Sandwell. Auch wurde das Skelett der zerstörten Antigone-Station nicht versteckt. Wie ein Mahnmal, dass es auch war, schwebte sie wie ein Damokles-Schwert über der Ekliptik. Auf einer allgemeinen Frequenz wurde die Geschichte der Station in einer Endlosschleife immer wieder wiedergegeben. Im Jazura 215, nach argonischer Zeitrechnung, wurde die Antigone (die bis dato größte Station ihrer Art) durch einen massiven Angriff der Xenon vernichtet. Über 7.000 Argonen kamen dabei ums Leben. Darunter womöglich auch Martinus Sanders oder Nyanna Gunne, die Enkelin von Nathan R. Gunne (die Geschichtsbücher sind sich da nicht ganz einig), was das tragische Ende einer tiefen Liebe und Leidenschaft zur Folge hatte. Bei den Rettungs- und Bergungsaktionen, den größten aller Zeiten bis jetzt, der argonischen Flotte, ging die Springbird, ein Hospitalschiff, verloren. Als das Schiff den Sektor gerade verlassen wollte, wurde es von einer versprengten Xenon-Staffel attackiert und musste auf dem Planeten Sandwell notlanden, wo der Funkkontakt abbrach. Bis heute wurde das Hospitalschiff nicht geborgen, da man es nicht ausfindig machen konnte. Aufgrund dieser herben Niederlage und der vielen Opfer wurde auf Sandwell eine Gedenkstätte errichtet. An diese Gedenkstätte wurde ein Museum und eine Wissensdatenbank, die Argonopedia, angeschlossen. Das Museum enthält alle Errungenschaften der Argon-Föderation seit dem Jazura 0 des Neubeginns und genauso enthält die Argonopedia alle Aufzeichnung rund um die Argon-Föderation seit 0 n.N.. Dies beinhaltet Informationen über Schiffe, Stationen, wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse in der Geschichte, wie zum Beispiel Erstkontakte und dergleichen noch viel mehr.

Zuzaimei fand, dass dieser Sektor auf seine Laune drückte. Hatte er überhaupt das Recht hier eine Mine zu errichten? Natürlich musste man nach Vorne blicken und für die Zukunft planen, dennoch durfte man die Vergangenheit nicht vergessen, aus ihr lernte man. Doch in der Vergangenheit gefangen zu sein, brachte genauso wenig, wie sie zu vergessen. Zuzaimei wischte seine Gedanken beiseite und begann damit die größeren Asteroiden in diesem Sektor zu scannen, denn die kleineren waren für die Errichtung einer Mine vollkommen ungeeignet.

Nach mehreren Quazuras Flug hatte Zuzaimei alle Asteroiden gescannt und betrachtete die Informationen auf seinem Display. Fein säuberlich sortiert nach Ressource und Anteile.

Erz - 90 | -5,42/ -2,59/ 6,24 (x/y/z km)
Erz - 21 | 0,46/ 0,79/ 3,44 (x/y/z km)
Erz - 18 | -10,32/ 0,34/ 1,55 (x/y/z km)
Erz - 13 | -1,10/ -3,32/ 13,06 (x/y/z km)
Silizium - 61 | 13,25/ -1,14/ 17,57 (x/y/z km)
Silizium - 26 | -16,01/ 2,69/ 6,53 (x/y/z km)
Silizium - 6 | 8,94/ 3,32/ 14,26 (x/y/z km)

Die Teladi hatte also recht. Hier gab es zwei mächtige Asteroiden, die eine hohe Konzentration an verwertbaren Ressourcen hatten. Auch zwei mittelmäßige Asteroiden, einer mit 21 Anteilen Erz pro Kubikzentimeter und einer mit 26 Anteilen Silizium pro Kubikzentimeter, waren dabei, die man über eine Mine abbauen konnte. Die restlichen drei Asteroiden, mit einer Konzentration von 18 Anteilen Erz pro Kubikzentimeter, 13 Anteilen Erz pro Kubikzentimeter und 6 Anteilen Silizium pro Kubikzentimeter, waren nicht für einen Abbau über eine Mine lohnenswert, allerdings konnte man sie über einen Schürfer verwerten.

Zuzaimei nahm Kurs auf Argon Prime, um dort in der Schiffswerft nach dem Preis einer Siliziummine zu schauen. Doch noch bevor er das Südtor von Antigone Memorial erreicht hatte, kam daraus ein Stationstransporter der Teladi heraus, ein Albatros. Dieser stellte sofort eine Kommunikationsverbindung zur Akeru her und Zuzaimei war nicht überrascht, als er Nopileos Konterfei auf dem Holovid vor sich sah.

„Psshrrrohhfffiiitschaaabrleee Gehrrruuueeeshsheee, Zhuuuzhaaaiiimeeeiii.“
*Profitable Grüße, Zuzaimei.*

„Psshrrrohhfffiiitschaaabrleee Gehrrruuueeeshsheee, Nohhpsshiiileeeohhsh. Dreeiiin Tschiiipsshpssh iiishtsch Niiivvviiidriiiuuum wrheeerrrtsch. Drohhcszhaa wrhaaash ksssaaann iiicszhaa fffuuueeerrr driiicszhaa tschuuun?“
*Profitable Grüße, Nopileos. Dein Tipp ist Nividium wert. Doch was kann ich für dich tun?*

„Iiicszhaa haaaaabreee haaiiieeerrr eeeiiineee gehrrrohhshsheee Shiiiliiizhiiiuuummiiineee iiim Fffrrraaacszhaatschrrraaauuum uuundr wrhuuueeerrrdreee shiiieee driiirrr gehrrrneee uuueeebreeerrrlaaashsheeen.“
*Ich habe hier eine große Siliziummine im Frachtraum und würde sie dir gerne überlassen.*

„Miiirrr uuueeebreeerrrlaaashsheeen?! Druuu wrhaaarrrshtsch wrhohhhaal zhuuu laaangeheee uuuntscheeerrr Brohhrrrohhneeen! Draaash haaaaatsch breeeshtschiiimmtsch eeeiiineeen Haaaaakssseeen, ohhdreeerrr?“
*Mir überlassen?! Du warst wohl zu lange unter Boronen! Das hat bestimmt einen Haken, oder?*

„Gehaaanzh rrreeecszhaatsch. Iiicszhaa mohheeecszhaatscheee, draaashsh druuu fffuuueeerrr driiieee NPsshOhh aaarrrbreeeiiitscheeeshtch uuundr Miiishshiiiohhneeen fffuuueeerrr miiicszhaa eeerrrleeedriiigehshtsch.“
*Ganz recht. Ich möchte, dass du für die NPO arbeitest und Missionen für mich erledigst.*


Zuzaimei hatte zugesagt. Allerdings war es ihm nicht ganz geheuer, dass ausgerechnet ihm so etwas widerfuhr. Okay, er war jetzt stolzer Besitzer einer großen Siliziummine und Nopileos hatte weitere ‚Boni’ erwähnt, die ihm zuteil werden könnten. Doch welche Missionen würde jetzt auf ihn zukommen, die kein anderer Mitarbeiter der NPO erledigen konnte? Das alles war sehr verwirrend und auch ein wenig mysteriös. Zuzaimei fiel auch auf, dass die sogenannte Non-Profit-Organisation sehr große finanzielle Mittel besaß. Vielleicht auch verständlich, wenn die Ei-Schwester von Nopileos, Isemados Sibasomos Sissandras IV., die neue C.E.O. war. Doch diese Gedanken brachten Zuzaimei nicht sehr weit und er entschloss sich, nach dem Aufbau der Siliziummine L, diese erst einmal zu besichtigen und sich dann dem Kommenden zu widmen.

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Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:58

Kapitel VI – Ein neuer Job

„Schiie schiinicha iuefuheuhechharschi!“
*Sie sind gefeuert!*


Dieser Satz hallte in den Ohren von Joon Yemai noch immer wieder.
Er war gerade mal 21 Jazuras alt, hatte seine Ausbildung als Frachterpilot ohne Fehler bestanden und hatte zwei volle Jazuras für die Firma Redi Flight gearbeitet. Und nun? Nun war er arbeitslos. Aber wieso? Was hatte er getan? Joon verstand es nicht. In seinen Papieren stand, dass die wirtschaftliche Lage so schlecht sei und man sich deshalb von ihm getrennt habe. Aber wenn dem so war, wieso suchte dann Redi Flight nach neuen Piloten? Wieso expandierte die Firma, anstatt zu schrumpfen? Es war Joon ein Rätsel. Hatte es vielleicht damit zu tun, dass er erst kürzlich zum Profijäger aufgestiegen war und damit mehr Credits verdiente? Das war schon eher eine Möglichkeit, aber immer noch kein triftiger Grund für eine Kündigung. Die Kollegen konnten es Joons Meinung nach auch nicht sein. Er verstand sich prächtig mit ihnen und sie ließen beinahe jedes Mal wenn sie sich trafen eine Sause steigen. Blieb eigentlich nur noch mehr, dass die Vorgesetzten ein Problem mit ihm hatten. Und Joon musste zugeben, dass auch er Probleme mit ihnen hatte. Saßen einfach faul auf ihrem Hintern und gaben Anweisungen, die so nie und nimmer funktionierten. Das kam davon, wenn man Leute einstellte, die keine Erfahrungen als Frachtmeister hatten. Aber deswegen gleich jemanden rausschmeißen? Wie er es drehen und wenden wollte, Joon kam bei seinen Grübeleien auf keinen grünen Ast.

Die Bar Funkenregen nahe dem Raumhafen Starburst von New Linema-City, auf dem Planeten Kho’s Heaven im Sektor Heimat des Lichts war ein Treffpunkt für Leute die vergessen wollten. Joon war bis jetzt nur ein einziges mal in seinem Leben hier gewesen und hatte sich geschworen nie wieder in diesen Verschlag zu gehen. Doch nun war er wieder hier und nun wollte er tatsächlich auch vergessen. Die ersten Mizuras vergingen quälend langsam und auch der Alkohol wollte nicht so recht seine Kehle hinunter fließen, brannte aber trotzdem seine Eingedärme raus. Doch nach der dritten Flasche und einem Besuch auf der Toilette fing das Leben an besser zu werden und auch der Alkohol ließ sich besser hinter die Binde kippen. Die Zeit verging und je mehr Alkohol Joon intus hatte, desto weiter weg schienen die Probleme zu rücken.
Ganz vergessen waren sie, als eine rotblonde Schönheit mit grün glänzenden Augen in einem schmalen Gesicht sich neben ihn setzte und eindeutige Avancen machte. Joon war bereits so vernebelt, dass er sogar auf einem Ghok geritten wäre. Lallend nahm er ihr Angebot an sie zu schwängern. Doch kaum hatte er diesen Satz beendet, spürte er auch einen dumpfen Schmerz am Hinterkopf und etwas feuchtes klebriges seinen Nacken hinunter rinnen. Als er sich an die Stelle fasste und seine Hand vor seine Augen hielt, die er zusammen kneifen musste, um etwas zu sehen, erkannte er, dass es sich um sein rotes Blut handelte. Joon drehte sich um und sah einen muskulösen Mann mit verschränkten Amen, der auf seine Reaktion zu warten schien. Undeutlich nuschelte Joon eine Frage, die wohl damit zu tun hatte, was denn die drei behinderten Gorillas von ihm wollten. Keine zwei Sezuras später fand sich Joon am Boden wieder und hatte das Gefühl, dass sich alles um ihn drehen würde. Wankend kam er wieder auf die Beine und sah sich nach den Drillings-Gorillas um, die gerade damit beschäftigt waren den Laden auseinander zunehmen. Eine leere Flasche in der Hand stürzte sich Joon in den Kampf und versuchte einem der Drillinge eins über den massiven Primatenschädel zu ziehen. Seltsamer weise schien sich die Flasche in seiner Rechten die verdreifachen und Joon landete bei jedem der Primitivlinge einen Treffer. Ein Rundumschlag beförderte Joon zwischen umgeflogene Stühle und dort blieb er für eine Weile liegen, um wieder einigermaßen klare Sicht zu bekommen. Der Kampf ging auch ohne ihn weiter.

Als Joon endlich genug hatte, torkelte er hinaus in die frische Frühlingsluft und sah nach oben. Die Trümmer von New Shipfall, eines ehemaligen Planeten, von dem man nicht wusste, warum er explodiert war, der auch wie Kho’s Heaven um die gleiche Sonne kreiste, glitzerten im Sternen übersäten und vor elektrisch geladenen Weltraumnebeln, deren Energien in unregelmäßigen Abständen sich entluden, Himmel. So schön dies auch war, genauso bedrückend konnte dies wirken und für Joon war dieser Anblick ein Äquivalent seines jetzigen Lebens: Ein brennender Trümmerhaufen, der jederzeit explodieren konnte konnte.
Unverrichteter Dinge zog Joon schwankend durch die dunklen Gassen des Raumhafens in Richtung Stadt. An einigen Stellen war die Beleuchtung ganz ausgefallen, während an anderen die Lampen in hektisches Geblinke verfielen. Aus einem nahe liegenden Schatten tauchte eine Person auf und Joon war schon drauf gefasst, dass es sich um einen Schläger handelte, der auf der Suche nach einem leichten Opfer war. Doch als die Gestalt in das flackernde Licht trat, erkannte er den rotblonden Schopf wieder, der ihn den Ärger in der Bar eingebracht hatte.

„Uiomimi miirschi miichha“
*Komm mit mir.*


Joon zögerte kurz, aber als die Frau ihn mit sich zog, hatte er eh keine Kraft mehr um ihr zu widerstehen.

Alles drehte sich. Der Schmerz in Joons Kopf ließ ihn seine Zähne zusammenbeißen. Sein Magen rumorte heftig. Er musste sich übergeben, doch wo war die Toilette? Joon wankte auf Füßen, die sich wie Gallert anfühlten, quer durch eine ihm fremde Wohnung. Als er endlich die Toilette gefunden hatte, war es bereits zu spät. Sein Weg war von Erbrochenem gesäumt worden. Trotzdem beugte er sich über die Toilette, denn ein neuer Reiz kam bereits seinem Hals hoch. Frierend hockte er in einem beinahe steril anmutendem kleinen Raum aus poliertem Metall. Am ganzen Leib zitternd und einen grauenhaften Geschmack im Mund stellte Joon fest, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Sein Körper machte was er wollte. So zum Beispiel entleerte sich Joons Darm über seinen After in seine Unterhose. Äußerst flüssig und äußerst widerlich.

Eines schwor sich Joon Yemai:
Nie wieder Alkohol!

Eine Ohnmacht hatte Joon alle Sinne geraubt. Er fand sich in einem flauschigen Bett wieder. Es war so herrlich warm und er fühlte sich sehr geborgen. Obwohl sein Magen rumorte, musste Joon nicht aufspringen und zur Toilette hasten. Auch dieser abscheuliche Geschmack in seinem Mund hatte sich gelegt, auch wenn er immer noch etwas bitteres schmeckte. Nichts desto trotz hatte Joon noch Schmerzen und fühlte sich alles andere als topfit. Aus seinem halbdämmrigen Zustand wurde er durch das Zischen einer automatischen Injektionsnadel gerissen. Er öffnete langsam seine Lider und presste sie sogleich beim ersten erblickten Lichtstrahl wieder fest zusammen.

„Iuehutschi eschi chaichha baieschischiechha?“
*Geht es dir besser?*


Diese Stimme. So voller Wärme und Besorgnis. Wem gehörte sie?

„Hai.“
*Hai.*
(japanisch für: ja)

Joon hatte die Handelssprache benutzt, obwohl er verstanden hatte, dass die Frage auf argonisch gestellt worden war. Er war vollkommen verwirrt und dazu trug nicht nur der Alkohol bei, sondern auch die fremde Umgebung und ein Gesicht, das andauernd vor seinen Augen verschwamm. Doch so langsam er auch aus der Dämmerung emporstieg, genauso langsam konnte er Gedanken fassen. Von logischem Denken ganz zu schweigen. Das Gesicht vor seinen Augen verschwand und er musste sich am Bettrücken abstützen, da ihn ansonsten der Schwindel übermannt hätte.

„Chauh huaschitschi vuhiechah Achahuiohuochah iuetschichhauhniuieni. Eini Vuhuuhnichaechha, chaaschischi chauh niochihu chahebaischitschi. Uhnicha eschi ischitschi auhchihu eini Vuhuuhnichaechha, vuhuaschi chauh ini chaechha huetschiiiueni Niaheuhchhaa vuhochahchahbaichhachihutschi huaschitschi.“
*Du hast viel Alkohol getrunken. Ein Wunder, dass du noch lebst. Und es ist auch ein Wunder, was du in der heutigen Nazura vollbracht hast.*


Eine melodische Stimme und ein Kichern, dass einem das Herz höher schlagen lassen konnte. Joon versuchte seine Sicht wieder klar zu bekommen, doch der Erfolg war nur mäßig. Außer dem rosagelb gestreiften Bett konnte er kaum was erkennen und was er erkannte, waren nur schemenhafte Umrisse. Als er nach halt suchte, langte er auf etwas hartes kaltes. Sofort zuckte er zurück, aber dann begriff er, dass das, was dort lag, ein Datenpad war. Er nahm es in die Hand und versuchte zu lesen, was dort stand. Nach mehrmaligen nah an sich ranhalten und weit von sich weghalten, hatte er eine Position gefunden, wo er die Lettern entziffern konnte. Auch wenn es etwas dauerte, bis sein Gehirn sie in die richtigen Reihenfolgen brachte. Schließlich verstand er, was das Datenpad ihm sagen wollte. Es war ein Arbeitsvertrag. Er hatte einen Arbeitsvertrag mit einem dieser profitgierigen Teladi geschlossen.

Was hatte Joon Yemai nur alles in seinem betrunkenen Zustand angestellt?
Die Antworten auf diese Frage würden bald mit unvermittelter Wucht einschlagen.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:58

Kapitel VII – Frachtauftrag

Hilbilis Destructulus Zuzaimei I.. So hieß Joon Yemais neuer Arbeitgeber.

Obwohl Joon von Anfang an seine Zweifel hatte, seinen Dienst bei einem Teladi anzutreten, hatte er es dennoch getan. Was blieb ihm denn auch anderes übrig? Sollte er sein restliches Leben als armer Schlucker in der Gasse verbringen? Nein, Joon hatte keine Lust darauf als Abfall der Gesellschaft weiterzuexistieren. Wohl oder übel musste er die Zähne zusammenbeißen und sich da durchschlagen. Zumindestens solange, bis er einen besseren Job als gefunden hatte. Selbst, wenn es darauf hinauslief einen anderen Beruf als den des Piloten auszuführen. Doch Joon hatte sich getäuscht. Nach dem ersten Treffen mit seinem neuen Arbeitgeber hatte sich die Meinung von Joon schnell geändert. Dieser Teladi war seltsam. Vor allem: Er bezahlte gut und war nicht sonderlich geizig. Im Gegenteil: Man konnte gut mit ihm reden. Wenn auch der Akzent von Zuzaimei ihn etwas lächerlich und dümmlich wirken ließ, so konnte dies drüber hinwegtäuschen, dass sich unter dieser Echsenhaut ein scharfer Verstand verbarg. Und dieser Verstand hatte ganz schnell etwas in Joon gesehen, dass er selber noch nicht entdeckt hatte.
Ein grün-blau lackierter Argon Merkur MK III war Joon überstellt worden, mit dem er seine Aufträge ausführen konnte. Joon hatte sogar die Option darauf den Merkur zu erwerben, wenn er die Mittel dazu hatte. Und die Chancen darauf standen nicht gerade schlecht. Derzeit war er mit der AOI SORA UMI, so hatte Joon den Frachter getauft, auf dem Weg zurück zu Zuzaimeis Siliziummine Sandhauch in Antigone Memorial. Der Frachtraum der ASU war bis zum Rand mit Energiezellen gefüllt. Bereits seit einer Wozura flog er in die angrenzenden Sektoren um Energiezellen zu kaufen und Silizium zu verkaufen. Bei einem Gewinn von 504 Credits pro Siliziummasseeinheit ergab das einen Gewinn von 111.888 Credits. Allerdings musste man davon wieder die Ausgaben abziehen, die durch den Einkauf von Energiezellen entstanden. Bei einem Preis von 16 Credits pro Energiezelle machte das einen Verlust von 64.000 Credits. Verrechnete man Gewinn und Verlust, blieben unter Strich nur 47.888 Credits als Reingewinn pro Flug. Hier und da konnte man natürlich Energiezellen billiger und Silizium teurer verkaufen, aber durchschnittlich blieb der Reingewinn in diesen Bereichen. Von jedem Flug bekam er 10 Prozent ab, was bei einer Durchschnittsrechnung ungefähr 4.788 Credits ausmachte. Aber von diesem Geld blieb nicht viel. Die argonische Regierung schnappte sich ein drittel des Gehalts, in diesem Fall 1.596 Credits, als Steuer und für Versicherungen. Von den übrig gebliebenen 3.192 Credits musste sich Joon Nahrung und Kleidung kaufen. Sowie Strom, Wasser und seine restlichen Rechnungen zahlen. Unterm Strich blieben ihm vielleicht noch 1.500 Credits zum Leben. Ein Glück, dass er keine Schulden hatte, denn sonst würde wohl nichts übrig bleiben. Es würde also noch lange dauern, bis er sich die Aoi Sora Umi leisten konnte, denn sie hatte einen Wert von rund 500.000 Credits.

Der Flug war ruhig gewesen. Es gab keine Probleme. Weder geschäftlich, noch welche solcher Art, die Joon mit dem Partikelbeschleuniger-Geschütz hätte regeln müssen. Die Aoi Sora Umi hatte keine KI, aber dennoch funktionierte der Autopilot einwandfrei. Wenn auch etwas dümmlich. Auf solchen Flügen hatte Joon immer genügend Zeit um irgendetwas zu machen. Meistens las er ein Holobuch oder sah sich ein Holovid an. Manchmal trainierte er sogar, aber das war bei seinem schlanken Körperbau eh nicht von Nöten gewesen.
Doch heute machte er mal etwas anderes. Er dachte nach. Die Kontrollen des Schiffes hatte er gesperrt, so dass ungewollte Tastendrücke keine Funktion hatten. Mit überkreuzten Füßen auf dem Flugpanel und im Pilotensitz lungernd, konzentrierte sich Joon darauf seine Erinnerungen zu sortieren. Vor einer Wozura hatte er sich so besoffen, dass er beinahe gestorben wäre. Eine Frau hatte ihm das Leben gerettet. Soviel hatte er schon seinem Gehirn entlocken können, jetzt versuchte er weiterer Erinnerungen habhaft zu werden. Entspannt wie er war dauerte es nicht lange, bis sein Unterbewusstsein ihm Splitter des Tazuras aufzeigte. Beinahe jedes Erinnerungsfragment war verschwommen, doch das machte nichts. Das Wichtigste war, das Gesicht der Frau zu erkennen, die ihn gerettet hatte. Und vor allem herauszufinden, was danach passiert war. Doch nach der Schlägerei in einer Spelunke verwischte alles. Schwarzgraue Nebel mit gelben Punkten tauchten vor seinem inneren Auge auf. Was war das nur? Konzentration! Langsam bildeten sich Konturen heraus und brachten eine Straße mit einer flackernden Laterne zum Vorschein. Dann war die Erinnerung auch schon wieder weg und machte einem rosa Universum mit schwarzem Loch Platz, dass sich sogleich auch wieder auflöste. Joon fand sich in einem Erinnerungsfragment wieder, dass ihn um die Mittatazurazeit zeigte, wie er sich auf dem Weg zum Raumhafen machte, um in ein Personenshuttle zu steigen, dass ihn zu seiner neuen Arbeit fliegen würde. Wo hatte sein Unterbewusstsein nur die Erinnerungen der Nazura versteckt?
Joon schüttelte den Kopf, um die Benommenheit des Ausflugs in seine Erinnerungen abzustreifen und rappelte sich auf. Er ging aus dem Cockpit in einen langen Korridor, der das ganze Schiff von Bug bis zum Heck durchzog. Hier und da gab es Türen, die zu einer kleinen Nasszelle oder der Kombüse führten. Auch eine kleine Schlafnische gab es. Sogar mehrere, falls eine Crew an Bord war. Der Maschinenraum befand sich am Hintern des Frachters. Zwischen ihm und dem Cockpit, mit angegliedertem Wohnbereich, lag der hiesige Frachtraum des Raumschiffes. Der Merkur war nicht mehr als ein in die Länge gezogener Quader mit Antrieb, aber dieser hässliche Klotz hatte die beste Raumausnutzung, die es gab. Auch wenn die dritte Generation des Merkurs nicht zu den größten Frachtschiffen zählte, so war es eines der beliebtesten Frachtschiffe.
Gerade wollte Joon in die Nasszelle gehen, um sich frisch zu machen, als ihn ein Anfall heimsuchte. Er schrie auf, langte sich an seinen Kopf und wurde brachial von einem Erinnerungsfragment überwältigt.
Da war sie. Die rotblonde Schönheit mit den grün glänzenden Augen. Er spürte ihren heißen Atem an seinem Ohr. Ihren warmen Körper, der sich an seinen schmiegte. Er spürte, wie sie beide eins wurden. Hörte, wie sie stöhnte. Fühlte ihre Wallungen. Sie forderte alles von ihm. Sog ihn regelrecht aus. Ihr Verlangen war das einer Nova. Heiß und innig. Doch die Szene änderte sich. Die schönen Gefühle wandelten sich in Entsetzen um, als Joon das Gesicht und den Körper der zierlichen Frau betrachten konnte. Sie war keine Frau. Sie war ein Mädchen! Sie war jung. Blutjung. Vielleicht dreizehn oder vierzehn Jazuras alt.
Was hatte er nur getan? Weinend lag Joon zusammengesackt im Korridor, übergab sich und seine Glieder zuckten unkontrolliert unter seinen Krämpfen.

Als Joon an der Siliziummine Sandhauch angedockt hatte, wurde er auch schon vom Lagermeister erwartet. Ein Argone in den besten Jazuras, aber mit einem Hang alles viel zu ernst zu nehmen.

„Niochihu miehuchha Eniechhaiuieheechahchaheni? Vuhuaschi schiochahchah chaanini chaaschi? Chaie Chahaiuechha schiinicha vuhochahchah! Vuhuo schiochahchah ichihu chaaschi niuhchha achahchaheschi uhnitschiechhabaichhainiiueni?“
*Noch mehr Energiezellen? Was soll denn das? Die Lager sind voll! Wo soll ich das nur alles unterbringen?*

„Juhetschihetschi juhamimiechha huiechha niichihutschi schio chhauhmi. Ichihu miachihu niuhchha mieinieni Juhobai. Miichha vuhuichhacha iueschiauitschi ichihu schiochahchah chaaschi huoschaheni uhnicha huiechhahuechha baichhainiiueni, achahschio miachihu ichihu chaschi auhchihu. Iuibai niichihutschi miichha chaie Schichihuuhchahcha, vuhuenini anichaechhaechhae vuhuaschi vuhechhabaiochiuiebi.“
*Jetzt jammer hier nicht so rum. Ich mach nur meinen Job. Mir wird gesagt ich soll das holen und hierher bringen, also mach ich das auch. Gib nicht mir die Schuld, wenn andere was verbocken.*

„Juha juha, schichihuoni. Vuho schiochahchah ichihu chaie juhetschihetschi niuhchha chahaiuechhani?“
*Ja ja, schon gut. Wo soll ich die jetzt nur lagern?*

„Chahaschischi schie imi Schichihuifuhfuh uhnichi vuhuenini vuhuechahchihue iuebaichhaauhchihutschi vuhuechhachieni, chaanini huochah schie chaichhaeuitschi chhaauhschi. Miachihutschi vuhueniuiechha Achhabaieitschi, achahschi vuhuenini chauh schie auhschi chaemi Chahaiuechha niimimischitschi uhnicha vuhomi Schichihuifuhfuh chaanini inischi Chahaiuechha tschichhaanischipiochhatschiiechhaschitschi. Mieinie Schichihuichihutschi ischitschi juhetschihetschi ehu heuh Enichae.
Sayonara!“
(Sayonara ist japanisch (Handelssprache) für: auf Wiedersehen)
*Lass sie im Schiff und wenn welche gebraucht werden, dann hol sie direkt raus. Macht weniger Arbeit, als wenn du sie aus dem Lager nimmst und vom Schiff dann ins Lager transportierst. Meine Schicht ist jetzt eh zu Ende.
Sayonara!*

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:58

Kapitel VIII – Familienzwist

„Iuuhtschieni Miochhaiueni! Huaschitschi chauh chaichihu schichihuoni iuevuhuaschichihueni uhnichi nieuhe Uhnitschiechhavuhuaeschichihue aniiueheoiueni?“
*Guten Morgen! Hast du dich schon gewaschen und neue Unterwäsche angezogen?*


Joon hätte seiner Mutter jetzt ab liebsten eins in die Fresse gehauen. Was war er? Ein kleines Kind? Musste man ihm denn immer alles sagen? Hallo?! Er war erwachsen! Er wusste selber, was man am Morgen machte! Und wenn er es nicht machen wollte, dann war das seine Sache!

„Juha juha.“
*Ja ja.*


Wenn ein Besuch bei der eigenen Mutter schon so begann, dann konnten die restlichen Tazuras nur noch mehr die reinste Hölle darstellen. Joon wünschte sich, dass sein Vater noch am Leben wäre, denn dieser würde wieder die Zügel in seine strengen aber gerechten Hände nehmen. Seit er vor zwei Jazuras an einer seltenen Krankheit gestorben war, ging es mit dem Clan bergab. Streitigkeiten zwischen den einzelnen Familien brachen immer wieder aufs Neue aus. Es war zermürbend. Deswegen war Joon auch aus dem Gefängnis namens Familienclan geflohen und hatte sein Glück im Weltraum versucht. Mit mehr oder minder gutem Erfolg. Nunja, seit er letzten Mazura bei dem Teladi mit dem Namen Hilbilis Destructulus Zuzaimei I. angefangen hatte zu arbeiten, ging es stetig bergauf.

„Ichihu iuehue uhnicha baieschiuhchihue Piapischi.“
*Ich gehe und besuche Paps.*


Joons Mutter konnte garnicht so schnell schauen, wie er weg war. Das Grab lag nur ein paar hundert Meter weg vom Einsiedlerhaus der Yemais. Gemessenen Schrittes ging Joon über ein Feld voller Nuno-Blumen, dass hinter dem Haus lag und sah der blauen Sonne dabei zu, wie sie sich langsam über den violetten Horizont gen Himmel schob. Es war noch frisch, deswegen hatte sich Joon eine warme Jacke übergezogen, aber seine Hose war alsbald vom Morgentau durchtränkt. Doch das störte ihn nicht sonderlich.
Sechs Mizuras später stand Joon am Grab seines Vaters. Es war schlicht gehalten und doch zeugte es von Einfluss. Zwei sich überschneidende Mondsicheln zeigten den Platz an, wo sich die letzte Ruhestätte des Clanführers befand. Die zwei unteren Spitzen waren im Boden verankert und silbern. In einem sanften Übergang wechselten die Sicheln, die die neue Zweifaltigkeits-Religion symbolisieren sollte, von Silber nach Gold. Die goldenen Spitzen ragten dem Himmel entgegen.
Joon richtete das Grab seines Vaters und begann dann ein Gebet im Geiste zu sprechen.

Heilige Zweifaltigkeit, die du bist zwei und doch eins.
Gib mir Energie in diesem Leben und in dem Leben danach.
Gib mir Kraft, auf dass ich alles schaffen möge, was ich anpacke.
Gib mir Glauben, auf dass ich alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe.
Gib meinem Vater seine wohl verdiente Ruhe, auf dass er zufrieden auf uns herablächeln kann.
Möge es so sein!


Die Mizuras verstrichen und Joon fühlte sich wohl, was sehr selten in seinem Leben war. So viel hätte er noch gerne mit seinem Vater besprochen. So viel hätte er gerne geklärt. Doch nichts konnte er mehr tun. Eine Trauer überfiel ihn und er schlürfte gedankenverloren zurück zum Haus. Es war ein einfaches Haus. Gebaut aus Steinen, Beton, Metall und Kristallen. Es passte nicht wirklich in die idyllische Landschaft, aber es war doch zehnmal schöner anzusehen, als die Metall- und Kunststoffgebäude der großen Städte Shipfalls in Energiezirkulum. Joon hatte mal eine Zeit lang in einer Stadt gelebt, aber er hielt es dort nicht lange aus. Der dauernde Lärm, die tote Umgebung und vor allem das Fehlen des Klanges des eigenen Hauses. Die Stadtgebäude waren alle zweckmäßig gebaut und eingerichtet worden. Es gab keinen Spielraum für Individualismus. Aber das Haus der Familie Yemai war anders. Jeder Raum und jeder Gang war so gebaut worden, dass er akustisch nachhallte. Es war schön, wenn man Kinder spielen und lachen hörte.
Eine ganze Stazura war vergangen, als Joon wieder in das Haus seiner Kindheit zurückkehrte und ihn erwartete nicht das Lachen von glücklichen Kindern, sondern das Gezeter von zwei Frauen. Die eine war seine Mutter, die die innere Haustüre zuhielt und die andere war seine Tante, die in der äußeren Haustüre stand. Beide stritten sich. Joon hasste so was. Er ging außen rum und benutzte die Hintertüre, um ungesehen und ungehört ins Haus zu gelangen.

„Chauh uiomimischitschi nichihutschi ini mieini Huauhschi! Mieini Mianini uhnicha ichihu huabaieni eschi uhnischi huachhatschi echhaachhabaitschietschi uhnicha schiechahbaischitschi auhfuhiuebaiauhtschi!“
*Du kommst nicht in mein Haus! Mein Mann und ich haben es uns hart erarbeitet und selbst aufgebaut!*

„Eschi ischitschi mieinie Hueimiatschi! Ichihu huabaie chaaschi Chhaechihutschi huiechha heuh chahebaieni!“
*Es ist meine Heimat! Ich habe das Recht hier zu leben!*

„Chauh huaschitschi iuachha uieini Chhaechihutschi! Uhnicha eschi ischitschi auhchihu niichihu chaeinie Hueimiatschi!“
*Du hast gar kein Recht! Und es ist auch nicht deine Heimat!*

„Vuhuichahchahschitschi chauh miichihu uhnicha mieini Uiinicha einifuhachihu vuhuiechaechha schio fuhochhatschischiichiuieni?“
*Willst du mich und mein Kind einfach so wieder fortschicken?*

„Juha! Vuhuaschi iuehutschi miichihu chaeini Uiinicha ani?!“
*Ja! Was geht mich dein Kind an?!*


Ihre schrillen Stimmen hallten im Haus wieder und schmerzten Joon in seinen Ohren. Als er auf den Balkon trat, sah er ein kleines Mädchen von vielleicht neun oder zehn Jazuras. Seine Cousine. Sie hatte bei dem Streit wohl die Flucht ergriffen und sich auf eine nahe Wiese zurückgezogen. Sie pflückte ein paar Blume und zupfte dann an ihren Blüten herum. Wohl in der Hoffnung, dass sich das lautstarke Geplärre bald legen würde. Joon ging zu seiner Cousine, um sie aufzuheitern.

„Mioechihutschieschitschi chauh etschivuhuaschi heuh tschichhainiuieni?“
*Möchtest du etwas zu trinken?*

„Nieini.“
*Nein.*

„Mioechihutschieschitschi chauh etschivuhuaschi heuh eschischieni?“
*Möchtest du etwas zu essen?*

„Nieini.“
*Nein.*


Joon hatte Mitleid mit dem Mädchen. Doch was konnte er tun? Seine Mutter und seine Tante packen und beide windelweich prügeln? Ja, das war eine gute Idee! Joon juckte es schon regelrecht in den Fingern, seiner Mutter die Schläge von zehn Jazuras zurückzuzahlen. Aber er besann sich und erschrak über seine Bereitschaft gegen seine eigene Familie vorzugehen.

„Omia huatschitschie baiische heuh ihuchhaemi Tschiochi huiechha iuechahebaitshci uhnicha uhnischi chaaschi Huauhschi uhebaiechhaschichihuchhaiebaieni!“
*Oma hatte bis zu ihrem Tod hier gelebt und uns dann das Haus überschrieben!*

„Chaie Omia huatschitschie uhebaiechhahuauhpitschi niichihutschischi heuh schiaiueni! Schiie huatschitschie huiechha niuhchha Vuhuohunichhaechihutschi! Chaaschi Huauhschi iuehuoechhatschi uhnischi! Vuhuichha huabaieni schiie niuhchha auhschi chhaeiniechha Iuuhetschie baiei uhnischi auhfuhiueniomimieni, vuhueichah schiie schechahbaiechha ihuchha Huauhschi vuhechhauiauhfuheni miuhschischitschie, uhmi ihuchhae Schichihuuhchahchaeni tschiichahiueni heuh uioeninieni!“
*Die Oma hatte überhaupt nichts zu sagen! Sie hatte hier nur Wohnrecht! Das Haus gehört uns! Wir haben sie nur aus reiner Güte bei uns aufgenommen, weil sie selber ihr Haus verkaufen musste, um ihre Schulden tilgen zu können!*


Das war zuviel Joon ging in sein ehemaliges Kinderzimmer und stieg auf sein Bett. Er tastete sich an der Holzdecke entlang, bis er eine schmale Kerbe ertastet hatte und drückte sie nach oben. Ein kleines Versteck öffnete sich und Joon tastete mit beiden Händen ohne etwas sehen zu können in der Finsternis der kleinen Kanten herum. Schließlich ertastete er etwas und holte es aus seinem Versteck hervor. Es war ein Jagdmesser. In der Form einer züngelnden Flamme. Sein Vater hatte sie ihm zu einem seiner Geburtstage geschenkt.
Langsam aber mit Bestimmtheit ging Joon, mit dem Flammendolch in der rechten Hand die Treppenstufen hinab. Er achtete darauf, dass seine Schritte fest waren und oft von den Wänden widerhallten. Ihr Echo brachte die beiden Frauen dazu ihre Handgreiflichkeiten einzustellen und zu ihm hochzublicken. Er musste wohl jetzt seinem Vater sehr ähneln, denn der Gesichtsausdruck beider Frauen ließ keinen anderen Schluss zu.
Joon schrie, dass es nicht nur durch das Haus hallte, sondern auch weit über die hügelige Landschaft und seine gewaltige Stimme brach sich erst in den angrenzenden Wäldern. Sein starkes Organ brachte nicht nur das Glas zum Beben, sondern verursachte auch durch das überhallende Echo von den Wänden bei beiden Frauen solche Schmerzen, dass sie sich die Ohren zuhalten mussten, bis aus diesen dunkelrotes Blut rann.

„Ischitschi juhetschihetschi baiachahcha Chhauhhue! Chaaschi ischitschi juha nichihutschi heuhmi auhschihuachahtschieni! Ihuchha bainiehumitschi euhchihu vuhuie uichaheinie Uiinichaechha!
Ichihu heaehuchahe juhetschihetschi vuhoni fo chhauhechiuivuhuaechhutschischi uhnicha vuhuenini chaanini niichihutschi baiachahcha Chhauhhue einiuiehuchhatschi, iuibaitschischi huiechha einie Tschichhaaiuoechaie fuhuhechhaschi Tschichhaivuhicha!
Fo. Ryh. Seh. Goh. Osh.
...“
*Ist jetzt bald Ruhe! Das ist ja nicht zum aushalten! Ihr benehmt euch wie kleine Kinder!
Ich zähle jetzt von fünf rückwärts und wenn dann nicht bald Ruhe einkehrt, gibts hier eine Tragödie fürs Trivid!
Fünf. Vier. Drei. Zwei. Eins.
...*

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:58

Kapitel IX – Route 99

Joon Yemai stand jetzt als der Böse da. Dass er sich auf niemandes Seite beim Familienstreit vor ein paar Tazuras geschlagen hatte, wurde ihm von jedem in der Familie vorgehalten. Allen voran natürlich von seiner Mutter, die ihm vorhielt, dass er nicht zu seinem eigen Fleisch und Blut stand. Was soll’s. Jetzt war er wieder im Weltraum und die Geschichte bereitete ihm trotzdem noch Magenschmerzen. Er saß auf der Toilette mit heruntergelassenen Hosen und drückte was das Zeug hielt. Schweiß war auf seiner blassen Stirn und zitternd durchsuchte er einen kleinen Erste Hilfe Koffer, der auf seinem Schoß lag. Hier musste es doch was geben, was gegen Durchfall und Übelkeit helfen konnte. Ein paar Tabletten und Tropfen später wanden sich Joons Gedärme vor stechendem Schmerz. Überall zog und brannte es. Diese scheiß Familie. Warum mussten sie sich bis aufs Blut wegen jeder Kleinigkeit bekämpfen? Yoon hatte es satt und nahm sich vor nie wieder zurückzukehren, aber er befürchtete, dass er dieses Vorhaben nicht halten konnte.

Mehr in einer Traumwelt als im realen Hier und Jetzt begab sich Joon wieder in das Cockpit. Er setzte sich in den Stuhl des Piloten und wischte sich als erstes den kalten Schweiß aus dem Gesicht. Langsam wieder in die Realität zurückfindend erhöhte er die Temperatur im Cockpit auf 30 Grad Celsius und fiel dann in einen unruhigen Schlaf.

Plötzlich ging eine Erschütterung durch das Schiff, die Joon weckte. Er setzte sich sofort anständig in seinen Pilotensitz und entsperrte die Kontrollen. Alle Anzeigen standen auf grün. Die Schilde hielten. Aber was war es? Ein Sensorscan später war die Antwort auch schon da: Ein Trümmerstück einer Station war von den Schilden abgelenkt worden. Joon stutze. Ein Trümmerstück einer Raumstation? Wo zur Hölle befand er sich? Er rief die Sternenkarte auf und erhielt die Antwort: Trantor. Was zur Hölle tat er in Trantor? Er hatte doch seinen Autopiloten so programmiert, dass er diesen Sektor um jeden Preis meiden sollte. Aber nein, nun befand er sich doch hier. Zudem noch auf der legendären Route 99. Der Route der Toten.

Trantor war beim ersten Angriff der Kha’ak vor einem Jazura vollkommen zerstört worden. Noch immer trieben die Trümmer und Wracks von Stationen und Raumschiffen allein im Sektor umher. Seit dem Angriff der Kha’ak hatte man nicht mehr viel mit dem Sektor zu tun. Es war ein toter Sektor, den man nur durchquerte, wenn es auch wirklich sein musste. Wenn die Kha’ak hier einen Stützpunkt errichtet hätten, dann hätten sie eine gute Ausgangsposition gehabt, um gegen die Argon Föderation vorzugehen. Warum sie dies nicht taten, war ein Rätsel. Ein Rätsel, dass man gerne gelöst hätte, wenn man nicht so sehr damit beschäftigt gewesen wäre die Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Natürlich hatte es einige Bemühungen gegeben Trantor frei von den Trümmern zu kriegen und neue Stationen zu errichten, doch die erhöhte Aktivität der Piraten und Guerillaangriffe der Kha’ak ließen den Sektor in einem ungünstigen Licht erscheinen, in das nicht viele investieren wollten.
Zudem häuften sich die Gerüchte, dass die Route 99 von Geistern heimgesucht wurde. Was für ein Schwachsinn! Geister, pah! Wohl zuviel Raumsprit getrunken! Joon glaubte zwar an übersinnliche Wesen, doch in diesen Fällen vermutete er eher, dass Schildreflexionen der Wahrnehmung einen Streich gespielt hatten.

Schlagartig war sämtliche Müdigkeit wie weggeblasen und auch seine Magen-Darm Probleme waren nicht mehr vorrangig präsent. Die Schilde liefen auf Volllast, um die auftreffenden Trümmerstücke abzuwehren. Auch Joon tat sein Bestes um den Trümmern mit mehr oder minder nicht gerade grazilen Manövern auszuweichen. Jetzt wünschte sich Joon, er hätte eine künstliche Intelligenz an Bord, die für ihn das Partikelbeschleuniger-Geschütz bedienen würde, um anfliegende Trümmer zu zerstören. Doch was halfen schon Wünsche, wenn sie nicht in Erfüllung gingen? Joon hätte selber in die Geschützkanzel steigen können und auf die anfliegenden Trümmer schießen können, doch er vertraute dem Autopilot keine weitere Millisezura. Wahrscheinlich würde ihn das Scheißteil genau in eines der riesigen Schiffs- oder Stationswracks fliegen. Doch darüber musste sich Joon keine Gedanken mehr machen. So schnell und stark wie der Trümmerregen angefangen hatte, war er auch wieder vorüber.
Dafür stand jetzt schon das nächste Problem vor der Schleuse. Piraten! Wahrscheinlich waren sie durch die Energieausbrüche der Schilde auf die Aoi Sora Umi aufmerksam geworden. Drei Falken waren es an der Zahl, die jetzt Kurs auf die ASU genommen hatten. Nebeneinander herfliegend kamen die Jäger frontal auf den Frachter zu und scannten ihn. Da der Frachtraum vor wenigen Stazuras gelöscht worden war, hoffte Joon, dass die Piraten das Interesse verlieren würden. Doch da hatte er sich leider getäuscht.

„Pahihlahohtha! Dahuh uhebahehrahgahehbahehnah Ssschehhahihfehfeh ohdahehrah Sspahlahihtha ssschehhahihehsshehnah.“
*Pilot! Du übergeben Schiff oder Split schießen.*


Nanu, was war denn das? Joon hatte überhaupt nicht verstanden was der Split da gesagt hatte. Anscheinend war dieser der Handelssprache nicht mächtig. Auch wenn Joon nicht wusste, was der Split von ihm wollte, so hatte er dennoch eine Ahnung und deswegen floh er mit Volllast zum Nordtor, dass weniger als eine halbe Stazura entfernt war. Eine Ewigkeit.

„Schiochhachhajah, abaiechha ichihu vuhechhaschitschiehue uieini schipichahitschi.“
*Sorry, aber ich versteh kein split.*


Die ersten Schüsse prasselten bereits auf die Schilde der Aoi Sora Umi ein. Es war ein Mix aus Plasmageschossen und Pulsstrahlen. Obwohl der Merkus glücklicherweise um gute 10 m/s² schneller war als die drei Falken, wurden die Schilde platzen und der Rumpf bersten, bevor Joon die ASU aus der Schussreichweite geflogen hatte. Den Autopiloten wieder eingeschaltet und als Ziel die Siliziummine Sandhauch in Antigone Memorial eingestellt, hoffte Joon, dass der dumme Autopilot wenigstens gerade aus fliegen würde. Er selbst begab sich ins Heck des Frachters und bemannte den Geschützturm. Mehrere Kugeln beschleunigter Partikel rasten auf eines der verfolgenden Schiffe zu und ließen dessen Schilde schnell sinken. Doch auch die eigene Energie der Waffen wurde zusehends weniger. Joon konnte dagegen nichts machen. Die Energie der Schilde konnte er nicht in die Waffen umleiten, da er sonst schutzlos gewesen wäre. Auch konnte er vom Antrieb keine Energie abzapfen, da er sonst langsamer als die Verfolger werden würde und somit ausgespielt hatte. Ohne das Joon eine erneute Feuersalve losgelassen hatte, explodierte der anvisierte Falke. Die Druckwelle schüttelte die ASU etwas durch, aber es gab keine Beschädigungen. Wieder ins Cockpit hechtend hoffte Joon, dass sich nach Trantor eine Wachpatrouille verirrt hatte, aber dem war leider nicht so. Es gab einen weiteren Trümmerregen und der angeschlagene Falke hatte ein Fragment direkt abbekommen.
Natürlich! Das war der Probleme Lösung! Joon musste einfach nur seinen Merkur in eines der Schiffs- oder Stationswracks manövrieren, dann war er sicher. Die Wracks hatten kein Gravitationsfeld mehr und zogen so auch keine Trümmer an. Im Gegensatz dazu boten sie gute Versteckmöglichkeiten vor den Piraten. Den Autopiloten ausschaltend nahm Joon mit der ASU Kurs auf ein Stationswrack. Was das mal für eine Station war, konnte Joon nicht erkennen, aber dies war ihm auch egal. Das Wichtigste war jetzt in die Skelettkonstruktion reinzufliegen und zu hoffen, dass die beiden übrigen Piratenjäger nicht folgen würden. Dazu leitete Joon die Energie des Partikelbeschleunigergeschützes auf den Antrieb und die Schilde um. Das Schwere an der Sache war, dass die ASU ein Frachter war und damit nicht so manövrierfähig wie ein Jäger war. Erschwerend kam natürlich hinzu, dass die Stationswracks eine Eigenrotation besaßen. Aber zum Glück war diese nur geringfügig. Mit den Landeklammern setzte Joon die ASU auf einer Zentralverstrebung auf, die noch stabil genug war die Last, die der Frachter darstellte, auszuhalten. Dann schaltete er alle Energie, bis auf die Lebenserhaltung und die Sensoren, ab. Joon wusste, dass die Hintergrundstrahlung ihn in ein paar Stazuras töten würde. Aber er hoffte, dass die Piraten nicht so lange nach ihm suchen würden.

Im Dunkeln sitzend beobachtete Joon wie die Sterne entgegen der Rotationsrichtung des Wracks auf der einen Seite einer Bruchstelle auftauchten und bei der anderen Seite wieder hinter geschmolzenem Metall verschwanden. In einem zen-mäßigen Zustand versetzt bekam Joon nicht mit, dass die beiden Piratenschiffe das Feuer auf die Station eröffnet hatten. Erst, als die ersten Trümmer auf die Außenhülle der Aoi Sora Umi fielen und ein gespenstisches Scheppern im ganzen Schiff widerhallte, wurde Joon aus seiner Trance gerissen. Per Knopfdruck aktivierte er wieder die Energiezufuhr zu den Schilden und dem Antrieb. Vorsichtig, aber dennoch so schnell wie möglich, flog er die ASU aus dem zusammenbrechendem Wrack der Raumstation. Doch noch bevor sich Joon neu orientieren konnte, wo seine Feinde waren, hatte er auch schon ein neues Problem. Es war mehrere hundert Meter lang, bestand aus blaugrüner Energie und fletschte mit seinen Zähnen.
Ein Raumdrache.

„Ichihu baiini tschiotschi. Ichihu baiini schiovuhuaschi vuhoni tschiotschi.“
*Ich bin tot. Ich bin sowas von tot.*


Obwohl es noch ein Baby Raumdrache war und somit nur eine Länge von ungefähr 700 Metern hatte, war Joon alles andere als froh darüber. Unter Volllast versuchte er dem durch das Piratenfeuer aufgeschreckte Wesen zu entkommen. Vorerst schien der Drache kein Interesse an dem Frachter zu haben, was Joon nur allzu sehr begrüßte. Der Drache hatte es auf die beiden Piratenfalken abgesehen, die ihr Feuer jetzt auf eben diesen konzentrierten. Der mächtige lang gestreckte Körper des Raumdrachen leuchtete blau unter den Energien, die in seinem Körper entstanden und sich als geladener Nebel um ihn legte. Zu seinem Kopf hin verfärbten sich die Energie und der Nebel in grün. Der Beschuss der Piraten machte den Drachen aggressiv und an einigen Stellen schien er Wunden zu haben, die sich so äußerten, dass er an manchen Bereichen seines Körpers rotbräunliche Verfärbungen aufwies. Joon musste ein Ausweichmanöver fliegen, als der Schweif des Drachen ihn zu treffen drohte. Die Aoi Sora Umi war nicht wendig genug, so wurde sie von dem Schweif leicht gestreift. Doch dies reicht bereits aus, um die Schilde zusammenbrechen zu lassen und eine Rückkopplungswelle zu erzeugen, die die Schildgeneratoren explodieren ließ. Zu allem Unglück bohrte sich auch noch ein herumtreibendes Trümmerstück quer durch den Leib der ASU und traf kappte die Hauptenergieleitung. In seinem toten Frachter gefangen konnte Joon bloß noch mehr beobachten, wie der Raumdrache den beiden Piratenfalken folgte und seine beiden mehrere dutzend Meter langen Schnurrbarttentakel beide Schiffe zugleich auslöschte. Mizuras vergingen und der Raumdrache bewegte sich nicht von der Stelle. Aß er etwa die Raumschiffe? Joon konnte es nicht sagen. Von diesen Wesen war noch weniger bekannt als von den Raumfliegen. Verzweifelt dachte er darüber nach, wie er seinem Schicksal entrinnen konnte. Aber ihm fiel nichts ein. Das Schiff war so gut wie tot und trieb manövrierunfähig im Weltraum. Darüber nachdenkend wie er sich irgendwie anderen Schiffen bemerkbar machen oder einen Notruf aussenden konnte, bemerkte er aus den Augenwinkeln, dass sich der Raumdrache regte. Er folg auf die ASU zu und damit kam auch Joons Tod auf ihn zu. Wer hätte gedacht, dass es so enden würde?

„Uhchahtschichhaabaiojah! Jaheahu!“
*Ultraboy! Yeah!*


Joon hatte sich an einen seiner Holocomix aus seiner Kindheit erinnert. Ultraboy. Der junge Argone, der die Föderation vor den bösen Aliens rettete. Es war abgedroschen. Es war veraltet. Es rettete ihm das Leben.
Joon hatte sich durch den Frachtraum gekämpft, der zunehmends an Atmosphäre verlor und es geschafft den Maschinenraum zu erreichen. Dort überbrückte er die Leitungen des Ionenantriebs über den Energieausstoß zur Geschützkanzel. Joon hatte eine Verzweiflungstat vor. Er wollte die Ionen, die normalerweise im Antrieb für die Fortbewegung genutzt wurden, in die Partikelbeschleunigerkanone umleiten, um so auf den Raumdrachen schießen zu können. Es war fraglich, ob das wirklich funktionieren würde. Vielleicht würde es, vielleicht würde der Versuch aber auch die Aoi Sora Umi in Stücke reißen. Das würde Joon gleich erfahren, denn der Raumdrache war auf dem Weg zu ihm. Es war nicht schwer auf das Tier zu zielen. Treffen musste man aber können. Joon zielte sorgfältig, vielleicht blieb ihm nicht mehr als ein Schuss. Als der grün glühende Kopf des Raumdrachens direkt vor seinem Fadenkreuz war, drückte Joon ab. Mehrere weißblaue Energiekugeln, die aus unzählbar vielen Ionenpartikeln bestanden rasten auf den Kopf des Raumdrachen zu, schlugen ein und zerfetzten ihn.

Joon war gerettet. Jetzt stand aber ein neues Problem an. Wie sollte er gerettet werden? Die Luft reichte noch für ein paar Tazuras. Aber das Problem bestand darin, dass Joon keinen Zugriff mehr auf Nahrungsmittel hatte. Denn diese befanden sich im Wohnbereich am Bug des Frachters und ausgerechnet zwischen ihm und dem Essen lag der luftleere Frachtraum. Dummerweise waren die Schutzanzüge im Cockpit des Frachters untergebracht worden und der einzige im Maschinenraum war ebenfalls unerreichbar, da der Maschinenraum durch Strahlung aus dem Ionenantrieb kontaminiert worden war. Würde Joon den Maschinenraum betreten, wurde er geröstet werden. Tolle Aussichten. Er hätte sich doch lieber von dem Raumdrachen töten lassen sollen. Das ging schneller als elendig zu verhungern und zu verdursten. Noch besser: Er hätte gleich sein Schiff den Piraten übergeben können. Dann wäre er zwar als Sklave in einer Piratenstation gelandet, aber wenigstens wäre er dann noch am Leben. Aber was sollte es, sich jetzt noch Gedanken um ‚Was wäre, wenn ...?’ zu machen? Stattdessen sah Joon dabei zu, wie der Körper des Raumdrachens langsam kristallisierte.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:59

Kapitel X – Urlaub

Natürlich war es klar gewesen, dass niemand Joon Yemai die Geschichte abgekauft hatte. Einige waren dazu geneigt den Part mit dem Angriff eines Raumdrachen für wahr zu halten, da in den Nachrichten seit Neuestem von diesen Wesen berichtet wurde. Aber, dass Joon von einem Schwarm bestehend aus mehreren hundert Raumfliegen gerettet sein sollte, das wollte niemand so recht glauben. Vielleicht, dass er ein paar in den Stationstrümmern aufgescheucht hatte, wo sie nach Baumaterial für ihre Asteroidennestern suchten, aber mehr als ein Dutzend bestimmt nicht. Joon glaubte es ja auch kaum selbst, obwohl es so war. Je öfter er seine Erlebnisse wiedergab, desto surrealistischer kamen sie ihm vor. Hatte er sich das alles nur eingebildet? Langsam glaubte er das wirklich.

Nachdem Joon eine mächtige Strahlendosis abbekommen hatte, war er ohnmächtig geworden. Er hatte wirre Träume gehabt und war sich sicher, dass er sterben würde. Doch dem war nicht so. Er wachte im Hauptquartier in Rotes HQ auf. Krankenschwestern und Pfleger hatten sich rührselig um ihn gekümmert. Während der Tazuras der Genesung und der Reha kamen Joon immer mehr Zweifel hoch, dass er sein Leben in den Griff bekommen würde. Seit er bei dem Teladi Zuzaimei gearbeitet hatte, war es mit ihm bergauf gegangen und es schien so, dass er endlich seinen Weg im Leben gefunden hatte. Doch jetzt, nachdem die Aoi Sora Umi zerstört worden war, stand für Joon fest, dass er bald wieder arbeitslos sein würde. Und diesmal, da war er sich ganz sicher, würde er tief stürzen und nie mehr hoch kommen. Doch Joon hatte sich geirrt. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Hilbilis Destructulus Zuzaimei I. war höchst persönlich an sein Krankenbett gekommen und hatte sich nach seinem Wohlbefinden erkundigt. Joon ging natürlich davon aus, dass das eine reine Höflichkeitsfloskel war, um ihm die bittere Nachricht nicht allzu schmerzhaft reinzuwürgen. Doch dem war nicht so. Anstatt seinen Job zu verlieren war Joon Yemai nun zum Leiter der gesamten Frachterflotte befördert worden. In der Zeit des Krankenstationsaufenthalts, hatte der Teladi expandiert. Eine weitere Siliziummine und zwei Erzminen waren in Antigone Memorial errichtet worden und bildeten zusammen einen Komplex. Joon konnte es nicht fassen und es hatte ihm im ersten Moment die Sprache verschlagen. Er, der Versager schlechthin, war gerade zum Chef von über acht Frachterpiloten geworden.

Nun befand sich Joon Yemai in einem Erholungscamp auf Goseh, dem zweiten bewohnbaren Planeten im Sektor Drei Welten. Er konnte sich erinnern, dass er als kleines Kind mit seinem Vater des Öfteren hier war. An eine bestimmte Attraktion erinnerte er sich sofort und steuerte den westlichen Bereich des Camps an. Kaum am Ziel angekommen, sah er auch schon die Person, nach der er gesucht hatte.

„Huachahchaho, Tschiami! Chauh huaschitschi chaichihu uiauhmi vuhechhaaenichaechhatschi.“
*Hallo, Tam! Du hast dich ja kaum verändert.*

„Juhooni? Baiischitschi chauh chaaschi? Juhuhniiue, chauh baischitschi abaiechha eini fuheschichihuechha Mianini iuevuhuochhachaeni! Vuhuie iuehutschi eschi chaichha?“
*Joon? Bist du das? Junge, du bist aber ein fescher Mann geworden! Wie geht es dir?*

„Iuuhtschi. Uhnicha schiechahbaiechha?“
*Gut. Und selber?*

„Auhchihu iuuhtschi. Vuhuaschi miachihuschitschi chauh huiechha?“
*Auch gut. Was machst du hier?*

„Miichihu vuhoni einiemi uichaheiniemi Uhnifuhachahchah echhahuochaheni.“
*Mich von einem kleinen Unfall erholen.*

„Ahujuha ... Chaechha Mianini chaechha miitschi chaemi Chhaauhmichachhaachihueni uiaemipifuhtschie.“
*Ahja ... Der Mann der mit dem Raumdrachen kämpfte.*

„Chaaschi vuhechhabaichhaeitschietschi schiichihu vuhuohuchah schichihuniechahchah?“
*Das verbreitet sich wohl schnell?*

„Hai. Vuhechhachhauhechiuitschie baieuiomimieni vuhuichha huiechha niichihutschi juhechaeni Tschiaheuhchhaa.“
*Hai. Verrückte bekommen wir hier nicht jeden Tazura.*

„Hua hua. Schiehuchha vuhuitschiheiiu. Schiaiu miachah, huaschitschi chauh chaeinie Fuheuhuio-Pichahanitschiaiue niochihu?“
*Ha ha. Sehr witzig. Sag mal, hast du deine Feugo–Plantage noch?*

„Abaiechha schiichihuechha chaochihu!“
*Aber sicher doch!*


Feugos waren rote Pflanzengewächse, die grüne Früchte trugen. An sich nichts besonderes. Das Fruchtfleisch dieses Schotengewächses war delikat und äußerst süßlich. Die nichtmal Staubkorn großen Kerne hingegen so scharf, dass sie einem die Schleimhaut im Magen und sonstige Organe wegätzen konnte. Zu anfangs vom Geheimdienst bei Foltern verwendet, war sie dann für medizinische Zwecke verwendet worden, um dann in der Küche eines jeden Gourmettempels zu landen. Schnell war diese Pflanze in der Riege der aussterbenden Arten ganz schnell nach oben geklettert. Doch ein paar schlaue Leute, unter ihnen Joons Bekannter Tamos, hatten sich Plantagen dieser Pflanze angelegt und verdienten sich jetzt eine goldene Nase damit.
Einen einzigen Kern dieser Feugos hatte Joon runtergeschluckt und nun war sein Gesicht feuerrot. Seine Augen waren angeschwollen und Tränen rannen ihm in Sturzbächen die Wangen herunter. Er klopfte sich wie wild auf die Brust und trank ein Glas Wasser nach dem anderen, ohne dass es etwas half. Im Gegenteil. Es schien immer schärfer zu werden.

„Schichihuachhafuh?“
*Scharf?*

„Vuhechhachaamimitschi schichihuachhafuh!“
*Verdammt scharf!*


In diesem Moment betrat ein Argone die Hot-Bar von Tamos. Was Joon sofort auffiel war, dass dieser äußerst ausgeprägte Stirnwülste besaß. Den Argonen beobachtend ergriff Tamos das Wort.

„Chaaschi ischitschi eini Uhchhaeinivuhuohuniechha.“
*Das ist ein Ureinwohner.*

„Chauh mieinischitschi, chaie Iuechhauhechihutschie uhmi chaie Vuhuechhamiischichihuuhniiu vuhuoni Achhaiuonieni uhnicha einiechha uhnibaieuianinitschieni Heivuhichahischiatschiioni schitschiimimieni?“
*Du meinst, die Gerüchte um die Vermischung von Argonen und einer unbekannten Zivilisation stimmen?*

„Chaaschi fuhchhaaiutschi auhschiiuechhaechihunietschi chaechha, chaechha iueiueni einieni Chhaauhmichachhaachihueni iueuiaemipifuhtschi huatschi.“
*Das fragt ausgerechnet der, der gegen einen Raumdrachen gekämpft hat.*


Nachdem Joon und Tamos sich noch eine Weile über alle möglichen Dinge des Lebens unterhalten hatten, machte sich Joon noch etwas hustend auf den Weg. Er schlenderte an Gärten mit voller Blumenpracht vorbei und atmete die angenehmen Düfte von Blüten ein. Auf seinem Weg durch die Ferienanlage begegnete Joon einem Jungen, den er zu kennen glaubte. Und tatsächlich, nach mehrmaligen hinschauen erkannte Joon einen seiner Cousins wieder. Diesen hier hatte er das letzte mal gesehen, als er noch ein Baby war. Jetzt allerdings war schon zu einem stattlichen Jüngling von etwa 11 Jazuras herangewachsen.

„Nia chauh? Schiiehutschi miani chaichihu auhchihu miachah vuhuiechaechha? Vuhuie iuehutschischi?“
*Na du? Sieht man dich auch mal wieder? Wie gehts?*

„Chahoiuo. Achahchaheschi uichahachha! Uhnicha baiei chaichha?“
*Logo. Alles klar! Und bei dir?*

„Schiovuhuieschio!“
*Sowieso!*

„Vuhuaschi miachihuschitschi chauh huiechha?“
*Was machst du hier?*

„Miichihu echhahuochaheni. Uhnicha chauh?“
*Mich erholen. Und du?*

„Ahua. Ichihu baiini miitschi mieinieschha Fuhchhaeuhnichaini huiechha.“
*Aha. Ich bin mit meiner Freundin hier.*

„Chauh huaschitschi einie Fuhchhaeuhnichaini? Nia Iuchahuhechiuivuhuuhnischichihu!“
*Du hast eine Freundin? Na Glückwunsch!*

„Chaaniuie. Abaiechha, niajuha ...“
*Danke. Aber, naja ...*

„Vuhuaschi ischitschi chahoschi?“
*Was ist los?*

„Ichihu vuhueischischi niichihutschi chhaechihutschi, vuhuie ichihu eschi schiaiueni schiochahchah.“
*Ich weiß nicht recht, wie ich es sagen soll.*

„Chhaauhschi miitschi chaechha Schipichhaachihue!“
*Raus mit der Sprache!*

„Niajuha, ichihu huabai niochihu niie miitschi einiemi Miaechachihueni, chauh vuhueischischitschi schichihuoni vuhuaschi, iuemiachihutschi. Uhnicha ini chahetschihetschiechha Heeitschi chachhaaeniiutschi schiie miichihu chaaheuh. Abaiechha ichihu vuhueischischi niichihutschi, obai ichihu chaaheuh baiechhaeitschi baiini. Heuhchaemi chhaechaetschi schiie schichihuoni chaie iuanihee Heeitschi vuhoni hueichhaatschieni uhnicha Fuhamichahie iuchhauhenichaeni.“
*Naja, ich hab noch nie mit einem Mädchen, du weißt schon was, gemacht. Und in letzter Zeit drängt sie mich dazu. Aber ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin. Zudem redet sie schon die ganze Zeit von heiraten und Familie gründen.*

„Vuhuenini chauh niochihu schiovuhueitschi baiischitschim chaanini tschieichah ichihu huachahtschi chaeinie Baiechaeniuieni miitschi. Schiie vuhuichhachaschi schichihuoni vuhechhaschitschiehueni uhnicha vuhuenini niichihutschi, chaanini ischitschi schiie niichihutschi chaiuh Chhaichihutschiiiue fuhuhechha chaichihu. Vuhuachhatschi chahiebaiechha auhfuh einie Fuhchhaauh chaie chaichihu vuhechhaschitschiehutschi, achahschi vuhuenini chauh chaichihu auhfuh einie einichahaeschischitschi, chaie chaichihu vuhoni Vuhochhanie baiischi Huinitschieni auhschiniuhetschihetschi. Ichihu huofuhfuhe, chaaschi vuhuachha huichahfuhchhaeichihu.“
*Wenn du noch nicht soweit bist, dann teil ihr halt deine Bedenken mit. Sie wirds schon verstehen und wenn nicht, dann ist sie nicht die Richtige für dich. Wart lieber auf eine Frau die dich versteht, als wenn du dich auf eine einlässt, die dich von Vorn bis Hinten ausnützt. Ich hoffe, das war hilfreich.*

„Juhi, chaochihu. Chaaniuie!“
*Ja, doch. Danke!*

„Baiitschitschie. Iuechhani iueschichihuehueni.“
*Bitte. Gern geschehen.*

„Baiischi chaanini.“
*Bis dann.*

„Miachihuschi iuuhtschi.“
*Machs gut.*

„Miachihuschi baieschischiechha, achahtschiechha Chachhaachihuenitschioetschiechha.“
*Machs besser, alter Drachentöter.*

„Vuhechhafuhchahuhchihutschi ...“
*Verflucht ...*


Joon war mehrere Mizuras lang einem bewaldeten Weg gefolgt. Dann stand er plötzlich ihr gegenüber. Der Frau, die er schon längst vergessen geglaubt hatte und alles kam wieder hoch. Die Nazura auf Kho’s Heaven in Heimat des Lichts. Die Ereignisse vor mehr als zwei Mazuras kamen wieder hoch. Und man konnte ihren Umstand an dem angeschwollenen Bauch erkennen, in die er sie gebracht hatte. Eins wurde Joon klar. Er wusste gar nichts. Nicht einmal ihren Namen. Auch nicht, was jetzt auf ihn zukommen würde. Aber er befürchtete das Schlimmste.

„Chauh huaschitschi chaichihu iuanihe chhaachha iuemiachihutschi, Chahibaichahiniui. Vuhuachha schichihuvuhuechha chaichihu heuh fuhinichaeni.“
*Du hast dich ganz schön rar gemacht, Liebling. War schwer dich zu finden.*


Joon sah sein neu verdientes Geld, als frisch ernannter Frachterkoordinator, in einem Schwarzen Loch verschwinden.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » Sa 18. Jan 2014, 23:59

Kapitel XI – Flucht

Der Annäherungsalarm piepte schon die ganze Zeit und wurde immer penetranter. Bald würde die verfolgende Rakete in den Jäger einschlagen und ihn schwer beschädigen. Aber dies war eines der geringsten Probleme von Chi t’Nst. Hier in Erzgürtel durch die vielen Asteroiden zu navigieren war schon schwer genug. Bei einem Kampf in diesem Asteroidenfeld mit seinen unberechenbaren Meteoritenschauern wurde von jedem Piloten das Non-Plus-Ultra an Können und Konzentration gefordert. Ein einziger Fehler oder eine Unaufmerksamkeit und schon zerschellte man am nächsten Asteroiden. Und genau das beabsichtigte Chi t’Nst. Sie hielt direkt auf einen Asteroiden zu, während das Warnsignal des Annäherungsalarmes in immer kürzeren Abständen aufheulte und schließlich zu einem andauerndem Ton wurde. Im letzten Augenblick zog Chi t’Nst die Schnauze ihres Schiffes nach oben, um nur wenige Meter über die zerklüftete Oberfläche eines Asteroiden zu gleiten. Hinter ihr schlugen die verfolgenden Raketen ein und brachen einen Teil des Asteroiden heraus. Mehrere Schockwellen von Explosionen verrieten ihr, dass auch einige ihre Verfolger nicht mehr den Fragmenten ausweichen konnten. Chi t’Nst hoffte, dass man sie nun für tot halten würde, ging aber nicht davon aus, und nahm trotzdem Kurs auf das Osttor, anstatt sich in einem der vielen Asteroiden zu verstecken. In weniger als einer halben Stazura würde sie das Tor erreichen. Zeit genug, um darüber nachzudenken, wie es soweit hatte kommen können.

Chi t’Nst war gerade erst 16 Jazuras alt gewesen, als sie vom Militär zu einem Test eingezogen worden war. Durch eine Laune der Natur war sie mit einer sehr hohen und schnellen Auffassungsgabe ausgestattet worden. Für das Militär war sie allerdings wegen ihrer mangelnden körperlichen Konstitution nicht zu gebrauchen. Der Geheimdienst hingegen hatte dafür umso mehr Interesse an ihr gezeigt, da sie die Handelssprache perfekt beherrschte. Vier Jazuras lang wurde sie auf ihren Auftrag vorbereitet: Die Infiltrierung der argonischen Föderation. Durch eine plastische Operation wurde ihr Aussehen das einer Argonin angepasst. Ihr Auftrag war eigentlich recht einfach gehalten: Sie sollte sich bei einer High-Tech Firma einschleichen und dort für die Split Dynastie spionieren.
Der Anfang war ein leichtes, doch als die Jazuras verstrichen und sie immer tieferen sozialeren Kontakt zu ihren Kollegen und Kolleginnen bekam, kam sie ins Schwanken. Die argonische Kultur war so viel anders als die der Split. Chi t’Nst war darauf trainiert worden dem nicht zu erliegen. Sie wurde regelrecht indoktriniert die Argonen als ihren Feind zu betrachten. Doch je länger sie unter ihnen gelebt hatte, desto weniger konnte sie sie hassen.
Je schwächer die Barriere wurde, die sich Chi t’Nst um sich herum aufgebaut hatte und je mehr sie Gefühle zuließ, desto größer wurden die Probleme. Sie hatte sich ihr ganzes Leben lang von körperlichen Kontakt zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht fern gehalten. Umso schlimmer traf sie das Verlangen nach körperlichen Kontakt, als sie sich verliebte. Diese Liebe war unter Argonen kein Tabu. Aber da Chi t’Nst keine Argonin war, war diese Liebe mehr als ein Wagnis. So sehr sie auch gegen die Liebe zu einer anderen Frau ankämpfte, Chi t’Nst konnte nicht gewinnen.
Die Liebe zwischen ihnen begann harmlos bei einem geschäftlichen Abendessen zu zweit. Diesem Treffen folgten weitere und ehe sich Chi t’Nst versah, hatte sie einen Flirt am Laufen. So sehr sie sich auch dagegen gesträubt hatte, ihr Unterbewusstsein hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Liebe zu einer Frau war in der Split Kultur per Todesstrafe verboten. Doch hier bei den Argonen interessierte es niemanden weiter wer welches Geschlecht bevorzugte. Unter anderem war dies einer der Gründe, warum die Split die Argonen als ein verweichlichtes Volk ansahen. Doch Chi t’Nst konnte durch das jazuralange Leben unter den Argonen verstehen, dass das vermeintlich verweichlichte Gedankengut und ihre Einstellung sie nicht schwach machten, sondern ihnen eine Stärke ohnegleichen gab. So sehr die Split auch den Argonen an physischer Kraft überlegen waren, die Argonen konnten durch ihre Liebe Kräfte mobilisieren, die für einen Split unvorstellbar waren.
Verzweifelt über ihre Gefühle zu einer argonischen Frau hatte sich Chi t’Nst zurückgezogen. Sie war aufs Land geflohen, wo ihr der Split Geheimdienst eine Zweitwohnung für Notfälle eingerichtet hatte. Doch schon bald war sie aufgespürt worden und konnte dem Drang nicht mehr widerstehen. Sie gab sich ihm hin. Ohne auf die Konsequenzen zu achten. Bereits nach der ersten gemeinsam verbrachten Nacht wusste ihr gegenüber, dass sie eine Split war. So gut auch die plastischen Chirurgen gearbeitet hatten, einige Merkmale ließen sich nicht tarnen. Doch das störte nicht. Keine von beiden Frauen hatte mehr ein Problem mit dieser Interspeziesliebe. Chi t’Nst wusste schon längst nicht mehr, zu welchem Volk sie gehörte. War sie nun Split, von Geburt wegen? Oder war sie Argonen, von Gedanken wegen? Diesen Konflikt sprach sie aus, doch ihre Liebe hatte darauf keine passende Antwort parat. Aber das brauchte sie auch nicht. Es war egal. Chi t’Nst war in ihrem Leben das erste Mal so etwas wie glücklich und geborgen.
Doch dann passierte ein Unfall in einer der High-Tech Anlagen, die sie zu beaufsichtigen hatte. Ein Biochemisches Gas war ausgetreten und hatte jeden getötet. Nur nicht Chi t’Nst. Auf dem Weg zur Krankenstation der Anlage setzte eine Reaktion der Biochemikalie mit ihrem Organismus ein. Ihr Äußeres, sorgfältig präpariert, veränderte sich. Von Gefühlen zerfressen zu welcher Spezies sie gehörte, war nun ein weiteres hinzugekommen. Ihre einst dunkle lederartige Haut einer Split hatte sich verändert und schimmerte nun in fahlem gelb und grün durch ihre Tarnhaut. Auch ihre Haare verfärbten sich von einem kastanienrot zu einem weißblond mit dünnen unscheinbaren blauen Strähnen. Schließlich veränderten sich auch ihre Augen. Von einem dunklen braun, fast schwarz, veränderte sich ihre Iris in ein strahlendes hellblau. Im Geiste zerrissen, war sie nun auch körperlich weder Argone, noch Split.

Jetzt saß Chi t’Nst im Pilotensessel einer uralten Mamba MK I, die sie als Fluchtmittel bereitgestellt bekommen hatte. Natürlich war man nie davon ausgegangen, dass das Schiff je gebraucht werden würde, so war es in keinem besonders gutem Zustand in dem Weltraum geflogen. Es war ein Wunder, dass sie den Atmosphärenflug überhaupt überlebt hatten.
Hinter Chi t’Nst saß ihre Fluchthelferin und Geliebte. Nichts schien darauf hinzudeuten, dass sie es bereute ihr geholfen zu haben. Doch Chi t’Nst wusste, dass sie beide jetzt auf der Flucht waren. Gejagt von den Argonen und den Split.
Chi t’Nst atmete tief ein und roch das Aroma von Zimt und Curry. Am Anfang ihrer Beziehung hatte sie diesen Geruch gehasst. Doch jetzt, nach so langer Zeit, hätte sie nichts lieber gerochen.

„Mein Äußeres verändert sich.“
„Ist das so wichtig, Chi?“
„Ist es das denn nicht?“
„Nein. Für mich nicht.“

Diese warme von Zuneigung geschwängerte Stimme ließ Chi t’Nst frösteln. Die Argonen waren wirklich soviel anders als die Split. Bei den Split ging alles um das Äußere. Oder besser gesagt um den Körper. Je stärker desto besser. Je durchtrainierter desto mächtiger. Macht war alles. Stärke war alles. So hieß es zumindestens und Chi erkannte wie viele Fehler doch die Split hatten. Wie viele Fehler die Argonen hatten. Wie viel sie voneinander lernen konnten.
Bei der stählernen Bestie des Misstrauens, das würde niemals passieren!

„Ich habe keine Nase mehr.“
Ein ungezwungenes Lachen ertönte hinter Chi.
„Das sollte jetzt wirklich unser kleinstes Problem sein.“

In der Tat. Sie hatten das Sprungtor nach Wolkenbasis SüdOst erreicht, doch es wurde von einer Korvette der Zentaur-Klasse blockiert.

„Hier Sektorwache 89A. Feindliches Split-Schiff, stoppen sie ihren Flug, deaktivieren sie ihre Waffen und Schilde. Lassen sie ihre Geisel frei und ergeben sie sich. Ihnen wird kein Leid zugefügt.“

„Was jetzt?“
„Ich weiß nicht.“

„Feindliches Split-Schiff, hören sie mich?“

Chi t’Nst wusste weder ein noch aus. Sollte alles nun hier enden? Wäre sie ein Mann und im Split Militär, so würde sie bis auf den Tod kämpfen. Die Verluste wären ihr egal. Aber weder war sie ein Mann, noch war sie im Split Militär. Auch wollte sie nicht das verlieren, was sie in ihrer Geliebten gefunden hatte.
Chi hatte ihre Hand, an der langsam wieder der sechste Finger zum Vorschein kam, bereits am Funkgerät, als sich ein starker Zimt-Curry Geruch neben ihr ausbreitete und ein Hauch in ihr flüsterte.

„Lass uns fliehen.“

Drei Worte. So voller Verheißung und doch unmöglich. Oder nicht? Entgegen aller Vernunft, vielleicht war es auch ihre Splitader, drehte sie ab und flog wieder in das Asteroidenfeld hinein.

„Wir können nicht entkommen.“

Es war eine Feststellung. Doch wer nahm die Realität schon so wahr, wie sie war? Jeder versuchte sie so zu ändern, wie sie ihm am Besten passte, auch Chi t’Nst.
So unwahrscheinlich es auch sein mochte, die Realität schien sich tatsächlich zu ihren Gunsten zu verändern. Vor ihnen tauchte ein argonischer Frachter auf, der gerade dabei war seine Frachtluken zu öffnen, um Erzbrocken einzusammeln, die er vorher abgebaut hatte.

„Wir steigen aus.“
„Wir tun was?“

Der Schreck stand Chis Geliebten ins Gesicht geschrieben.

Während zwei Astronauten im Weltall auf einen Frachter zutrieben und ihn als blinde Passagiere betraten, flog eine Mamba unkontrolliert weiter und zerschellte an einem Asteroiden.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:00

Kapitel XII – Eskorte

Chi t’Nst saß in einer Argon Nova MK II und haderte ein wenig mit ihrem Schicksal. Als man sie an Bord des argonischen Frachters fand, hatte Chi bereits den Gedanken an ein freies Leben aufgegeben. Sie hatte sich bereits ausgemalt, wie es wohl in einem argonischen Gefängnis aussehen mochte. War es so kalt, dunkel und modrig wie das der Split? Oder waren die Argonen selbst zu ihren Gefangenen gegenüber noch human? Doch anstatt den Behörden überstellt zu werden und ins Gefängnis zu wandern, hatte sie die Zuzaimei Incorporated verpflichtet. Und zwar als Pilotin, die Frachter eskortieren sollte. Es war keine große Überlegung, dieses Angebot anzunehmen. Ihr altes Leben als Chrestin Sperror, Agentin der Split Dynastie, hatte sie hinter sich gelassen und lebte nun wieder unter ihrem richtigen Namen, Chi t’Nst, weiter.

Chi flog schräg über der Backbordseite eines argonischen Mammuts und beobachtete die glitzernden Sterne. Sie hatte das Licht im Cockpit gedämpft. Obwohl sie jetzt nicht mehr ganz wie eine Split aussah, so war helles Licht noch immer recht unangenehm für sie. Wie für alle Split. Wieder etwas, wo alle Split indoktriniert werden: Die Argonen brauchen mehr Licht um etwas zu erkennen. Die Split sind in dieser und wie in vielen anderen Sparten den Argonen weit überlegen. Chi t’Nst konnte nicht wirklich beurteilen, ob das bessere Sehen bei gedämpften Licht ein Vorteil war. Wahrscheinlich sahen die Argonen und Split gleich, aber aus verschiedenen Winkeln.
Chi t’Nst hatte in letzter Zeit sehr viel Zeit gehabt um über die Beziehungen zwischen den Split und Argonen nachzudenken, aber auch um sich über ihre Beziehung mit einer argonischen Frau klar zu werden. Einerseits war es eine schöne Zeit und eine interessante Erfahrung mit einem Lebewesen aus einer anderen Rasse intimen Kontakt zu haben. Doch andererseits waren die körperlichen Unterschiede nicht zu übersehen, die einer erfüllende Liebe zwar nicht gerade entgegenstanden, aber doch verwirrend wirken mochten.

Lichtreflexionen rissen Chi t’Nst aus ihren Gedanken. Sie waren am Ziel angekommen. Hier, im Sektor Trantor, schwebte vor ihnen eine über 700 Meter lange blauweiße Leiche. Das Ziel dieser Operation war es den kristallisierten Raumdrachen zu bergen, den ein gewisser Joon Yemai erlegt hatte. Chi hatte diesen Argonen kurz kennen gelernt. Er kam ihr zurückhaltend und schwach vor, doch hinter seinen Augen brannte ein Feuer, dass selbst einen Split verzehren konnte. Chi empfand es als akzeptabel von einem solchen Exemplar der Argonen Befehle entgegen nehmen zu müssen.
Sie verringerte die Geschwindigkeit ihrer Nova und beobachtete, wie mehrere argonische Scoutschiffe vom Typ Discoverer MK III vom riesigen Mammut-Transporter abdockten und den kristallisierten Leichnam des Raumdrachen umkreisten, ihn sondierten. Nach mehreren Mizuras des Scannens wurden Astronauten mit Kabeln ausgeschleust, die diese am Kristallkörper anbringen sollten. Dieses Vorhaben würde einige Stazuras in Anspruch nehmen, denn den Körper unversehrt an Bord zu nehmen hatte die oberste Priorität bei dieser Bergung.

Die Bergung des Raumdrachen hatte nicht nur Reporter angezogen, sondern auch Interessierte und Möchtegernhelden, die etwas vom Kuchen abhaben wollten. Doch diese stellten keine große Bedrohung dar. Nach einer Stazura hatte es nur einmal einen kleineren Zwischenfall gegeben, als ein Raumtourist mit seinem privaten Raumgleiter auf dem kristallisierten Körper des Raumdrachen landen wollte, um sich ein Stückchen vom ihm als Souvenir mitzunehmen. Doch ein Warnschuss von Chi t’Nst hatte bereits ausgereicht um dem Souvenirjäger zu vertreiben. Weitere Vorfälle dieser Art hatten sich dann nicht weiter ereignet.
Allerdings kam es nach einer weiteren Stazura, während eines Schichtwechseln der Astronauten, die noch immer dabei waren die vielen Kabel am Körper des Raumdrachen zu befestigen, zu einem unliebsamen Besuch. Piraten. Anscheinend waren sie hierher unterwegs gewesen, um nach ihren vermissten Genossen zu suchen oder auch nur, um ihre Arbeit zu übernehmen. Aber egal warum sie auch hier waren. Sie schienen in der Bergung des Raumdrachens eine Chance auf Profit zu sehen. Und dies bedeutete für Chi t’Nst und den anderen Piloten der Eskorte Arbeit.

Plasma brannte sich durch die Schutzhülle und es roch nach verschmortem Plastik, sowie in Brand geratenen Kunststoff. Doch dies störte Chi t’Nst nicht weiter. Sie war vollkommen von der Situation eingenommen und musste sich darauf konzentrieren nicht einen weitere Treffer abzubekommen.
Der Kampf dauerte bereits schon mehrere Mizuras und die Mehrzahl der Piraten hatten bereits ihr Leben verloren oder das Weite gesucht, nachdem ihre Schiffe stark beschädigt wurden. Doch dieser eine Pirat hier hatte weder vor aufzugeben, noch zu fliehen. Von daher blieb Chi und ihren Kollegen nur die Option ihn zu eliminieren.

„Bahehih dahehrah gahohlahdahehnahehnah Bahehssthaiheh dahehrah Hahahrahthanahahehschehkahihgahkahehihtha, gahlahehihschehhah hahahbaheh ihchehhah dahihschehhah!“
*Bei der rubingoldenen Bestie der Hartnäckigkeit, gleich habe ich dich!*


Der Kampf hatte Chis Split-Instinkte aus ihrem tiefen Schlaf gerissen. Blut rauschte in ihrem Gehörgang und pulste durch ihre Adern, um ihre Wahrnehmung zu verbessern. Ihre Pupillen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen und fixierten den purpur leuchtenden Punkt außerhalb des Cockpits, der einen feinen aber deutlichen lilanen Schweif hinter sich herzog. Den zweiten Zeigefinger fest am Kontrollpult eindrückend lösten sich giftgrüne Energiegeschoße aus den Flanken der Nova und rasten auf den fixierten Punkt zu, der das letzte übrig gebliebene Raumschiff der Piraten darstellte. Um nur wenige Sezuras später in dieses einzuschlagen und zur Explosion zu bringen.

Chi t’Nst landete ihre schwer angeschlagene Nova im Hangar des Bergungskreuzers und betrachtete von einem Aussichtsfenster aus weiter die Bergungsarbeiten, die wieder aufgenommen wurden, nachdem der Piratenangriff erfolgreich zurückgeschlagen worden war.
Hier, in einem kaum benutzten Verbindungsgang, war es still und Chi konnte über einige Dinge nachdenken.
Die brennenste Frage war: Was wollte man mit einem Kadaver eines Raumdrachen? Sicher, diese neue Spezies musste erforscht werden. Wer wusste schon, was für Gefahren für sie für den interstellaren Raumfahrtverkehr darstellten. Aber Chi hatte so das Gefühl, dass mehr dahinter steckte. Viel mehr.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:00

Kapitel XIII – Das Schiffswrack

Chi t’Nst saß nun in einem geliehenen Elite MK II da ihr früheres Schiff, eine Nova MK II, zu sehr beschädigt war, als dass man noch mit diesem hätte rumfliegen können. Sie war ausgesandt worden, weil man einen Notruf eines Frachterpiloten aufgefangen hatte.

Linie der Energie wurde von einem trüben Planeten und dessen Begleiter beherrscht, deren Namen Chi nicht geläufig waren. Der Notruf kam aus der Nähe des Mondes und so setzte sie Kurs zum Mond. Zwei Staffeljäger der Buster Mark 3 Klasse wurden ihr als Wingmen zugeteilt. Nicht, dass sie Hilfe bei einer Erkundungsmission gebraucht hätte, aber so war es nun mal Vorschrift.

Die Mizuras zogen sich hin und wurden zu einer Inzura, als Chi und ihre beiden Flügelmänner den Frachter auf den Schirm bekamen, der den Notruf ausgesandt hatte. Was sie sahen, ließ sie die Stirn runzeln. Auf der Steuerbordseite war der ganze Frachter von Bug bis Heck aufgerissen. Aber das war nicht das, was Chi und die anderen veranlasste aufzupassen. Aus dem Riss ragte eine seltsame Substanz hinaus ins All. Sie schien gefroren zu sein. Vorsichtig und behutsam flogen die drei Schiffe mehrmals um das Wrack, wobei ihre Schleifen immer enger wurden. Auf den Sensoren war der Frachter energetisch tot. Aber nur weil der Scanner anzeigte, dass es keine Energie und keine Lebewesen an Bord gab, musste das auch stimmen.

„Was zur Hölle ist hier passiert?“ Fragte der eine Pilot.
„Du glaubst an die Hölle?“ Fragte darauf der andere.
„Schnauze!“ Konterte der erste heftiger als gewollt.
„Yare. Yare. Calm Down!“ Versuchte der Zweite den Ersten zu beruhigen.
„Beide, Schluss jetzt!“

Chi t’Nst drehte noch eine runde um das Wrack und entschied dann einen Blick hinein zu werfen, was ihren beiden Begleitern nicht sehr gefiel.

Stahlblaue Energie wirbelte Moleküle und Atome durcheinander, bis aus dem Energiewirbel ein Muster entstand. Das Muster einer humanoiden Frau. Chi t’Nst überprüfte den Sitz ihres Weltraumanzugs und die eingeblendeten Anzeigen. Der Anzug funktionierte einwandfrei. Wie Chi es erwartet hatte, war keine Atmosphäre mehr im Frachter vorhanden. Sie befand sich in der Nähe des Cockpits und ging nun vorsichtig auf dessen Schleuse zu. Unheimlich lautlos glitt das Schott zur Seite und gewährte Chi einen Blick hinein ins Cockpit. Anzeigen waren explodiert. Schalter waren geschmolzen. Das Cockpitfenster hatte Risse. Doch vom Piloten und der Crew war nichts zu sehen. Keine Leichen. Chi versuchte die Energie wieder online zu bringen, um über den Bordrechner herauszufinden was geschehen war. Aber bei der Zerstörung war das ein Ding der Unmöglichkeit.
Vorsichtig arbeitete sich Chi vom Cockpit aus in Richtung Frachtraum vor, um über diesen zum Maschinenraum zu gelangen. Vielleicht erhielt sie dort ein paar Antworten darauf, was hier geschehen war.
Obwohl es keine Luft in diesem Wrack gab, hatte Chi immer wieder das seltsame Gefühl das Knacken und Knarren von nachgebenden Verstrebungen zu hören. Ihre Sinne schienen ihr Streiche zu spielen. Doch warum? Sie empfand diese Außenmission weder als gruselig, noch als unheimlich. Dennoch blieb ein unbehagliches Gefühl in ihrer Magengegend zurück.
Als Chi das Schott zum Frachtraum erreichte und damit auch zum aufgerissenen Teil des Frachters kam, konnte sie an der Türe ein Symbol erkennen. Es waren drei Sicheln, die einen Totenkopf umrahmten. Paranidische Piraten. Chi wollte sofort ihre beiden Begleiter anfunken, aber diese meldeten sich nicht. Auf dem Kanal war nur zerhaktes Rauschen zu hören. Waren sie in einen Hinterhalt geraten? Kämpften beide da draußen gerade um ihr Überleben, oder waren sie bereits mitsamt ihren Schiffen vernichtet worden? Chi mochte sich nicht ausmalen, was man mit ihr anstellen würde. Doch, warum wurde so ein Aufwand betrieben um jemanden hierher zu locken? Grundsätzlich kamen nur Patrouillen soweit aus einem Sektor heraus und überprüften solche Notrufe. Irgendetwas stimmte hier nicht. Doch nur was?

Als Chi die Schleuse öffnete tat sich vor ihr seltsames auf. Der ganze Frachtraum war von einer kristallinen Masse bedeckt worden. Und es war auch das, was in den Weltraum hinausragte. Was sie beim Anflug auf das Wrack fälschlicher Weise für eine gefrorene Flüssigkeit hielt. Ihr Anzug reagierte, indem er erhöhte Strahlenwerte anzeigte. Was hatten diese Piraten nur transportiert? Chi blickte sich um und erschrak, als sie jemanden von der Crew entdeckte. Es war ein Argone, männlichen Geschlechts. Er war von dieser kristallinen Substanz vollkommen überwuchert, aber trotzdem konnte man sein schmerzverzerrtes Gesicht deutlich erkennen. Chi wagte es nicht die Substanz anzufassen, wer wusste schon, was dann passieren würde. Sie blieb wachsam auf ihrem Weg durch den Frachtraum, doch es war ihr nicht vergönnt unbeschadet auf die andere Seite zu gelangen. Eine kleine Unachtsamkeit genügte und Chi trat auf die kristalline Substanz, die sofort damit begann ihren linken Fuß empor zu kriechen. Vergeblich versuchte sie sich zu befreien. Also nahm sie ihre Impulsstrahlpistole und schoss, mit niedriger Energie, auf die Substanz, die ihren Oberschenkel bereits erreicht hatte. Doch anstatt dass die Substanz zerfiel, breitete sie sich nur schneller aus und hatte schon Chis Knie und dann den Oberschenkel eingenommen. Leicht von Panik ergriffen schlug Chi mit dem Kolben der Impulsstrahlpistole auf die Substanz ein und tatsächlich, sie fing an zu bröckeln. Hart und erbarmungslos schlug Chi immer und immer wieder zu, ohne Rücksicht auf selbst zufügende Verletzungen, bis sie endlich frei war. Hastig zog sich Chi zum Maschinenraum zurück, wo sie weitere kristallisierte Leichen der Crew fand. Sie schienen einen aussichtslosen Kampf geführt zu haben. Ihre Körper waren dem Anschein nach unversehrt eingeschlossen worden. Doch Chi konnte diesen Anblick von schmerz- und angstverzerrten Gesichtern nicht lange standhalten, obwohl sie schon schlimmeres gesehen hatte. Eilig suchte sie nach dem Computerkern, entfernte ihn und sprengte dann die Notausstiegsluke in den Weltraum. Kaum dass sie das Schiffswrack verlassen hatte, kamen auch wieder Funksignale ihrer Begleiter herein. Sie hatten sich Sorgen gemacht, als der Kontakt abgerissen war, als sie den Frachtraum betreten hatte. Anscheinend hatte die kristalline Substanz signalschluckende Eigenschaften.

Als Chi mehrere dutzend Meter vom Frachterwrack entfernt im Raum trieb, holte die automatische Rückholfunktion sie wieder an Bord ihres Schiffes. Als die stahlblaue Energie ihre Existenz zerriss und sie auf ihrem Schiff wiedergeboren wurde, hatte sie das seltsame Gefühl von jemanden oder etwas berührt worden zu sein. Sie konnte sich dieses Phänomen nicht erklären. Vielleicht war es auch nur eine Halluzination gewesen, die jetzt nachträglich zu diesem Erlebnis einsetzte. Doch wie dem auch war, Chi setzte einen Funkspruch zum Z.Inc. Großraumtransporter der Mammutklasse ab und freute sich schon auf eine heiße Dusche.

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Re: [EX16] [FF] X: Der Lauf des Lebens

Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:00

Kapitel XIV – Die Geisterstation

Es war bereits eine Wozura vergangen, seit Chi von ihrer Schiffswrack-Mission zurückgekehrt war. Seitdem war sie von der Zuzaimei Incorporated, kurz Z.Inc. (bei den Argonen scherzhafter Weise auch ‚Zink’ genannt), bis auf weiteres freigestellt worden. Ihre freie Zeit hatte Chi damit verbracht den erweiterten Komplex in Antigone Memorial abzugehen. Er war groß. Neben Silizium- und Erzminen waren nun auch Kristallfabriken und Sonnenkraftwerke dem Komplex hinzugefügt worden. Die Z.Inc. wuchs schnell. Bereits ein Jazura nach dessen Gründung umfasste die Firma mehrere Fabriken in einem Komplex zusammengefasst, der einen beträchtlichen Umsatz abwarf. Doch darüber machte sich Chi nicht wirklich viele Gedanken. Ihre Gedanken galten etwas anderem, jemand anderem.
Ihr Name war Arin Phoso und diese Frau, eine Argonin, hatte ihr vor kurzem einen Heiratsantrag gemacht.
Es war nichts außergewöhnliches, wenn zwei verschiedene Spezies Interesse aneinander zeigten. Doch eine Verbindung war bis zur heutigen Zeit eine Seltenheit, die man nicht so einfach eingehen konnte. Chi dachte nicht so sehr an die bürokratischen Formalitäten, diese konnten sicherlich bewältigt werden. Nein, sie dachte eher an die Leute, die sie kannten und mit denen sie zusammenarbeiteten. Wie würden sich diese Leute ihnen gegenüber verhalten, wenn sie von dieser Verbindung erfuhren?

Chi kam nicht mehr dazu ihre Gedanken mit ihrer Lebensgefährtin zu besprechen, denn sie wurde zu einem Einsatz gerufen. Priorität: Grau. Level: 8. Dies hieß: Geheim und gefährlich.

Die Z.Inc. hatte von der argonischen Regierung einen besonderen Auftrag erteilt bekommen. In einer ihrer medizinischen Forschungseinrichtungen kam es zu einem Unfall. Genauere Informationen waren streng vertraulich und wurden nur den Mitglieder der Einsatztruppe mitgeteilt, die zu dieser Mission aufbrechen sollten. Unter ihnen Chi t’Nst.

Die Forschungsstation war als Komplex getarnt, der weiter außerhalb einer jeden Ekliptik lag. Ihr Ziel war ein unerforschter Sektor, der zwischen den argonischen Sektoren M148 und Nathans Reise lag. Für die Reise in das weit entfernte östliche Gebiet der Argonen, wurde von diesen eine Korvette vom Typ Zentaur mit Sprungantrieb bereitgestellt.
Auf die Frage hin, wieso die argonische Regierung nicht selber nach dem Rechten schaut, wurde darauf verwiesen, dass ihre Kräfte derzeit an anderen Orten gebunden waren. Was nach einer äußerst fadenscheinigen Ausrede klang und wahrscheinlich auch war. Zudem stellte sich die Frage, warum eine medizinische Forschungseinrichtung in einem unerforschten Sektor errichtet wurde, noch dazu weit außerhalb jeder Ekliptik. Aber dazu schwiegen sich die Auftraggeber aus.

Die Wirbel aus weißblauer Energie des Sprungtunnels eines Sprungantriebs unterschieden sich für Chi t’Nst in keinster Weise von jenen, die sich zwischen zwei Sprungtoren aufbauten. Der schmale, etwas ovalförmige Zentaur, der Chi irgendwie an eine gequetschte argonische Zigarre erinnerte, brauchte nur wenige Mizuras um die Strecke zwischen den Sektoren Antigone Memorial und dem unerforschten Sektor, westlich von Nathans Reise, zu überbrücken. Eine Reise ohne Sprungantrieb hätte mit einem konventionellen Antrieb über die normalen Routen wohl mehrere Mazuras beansprucht.

Der Zentaur brauchte vom Osttor aus, das nach Nathans Reise führte, über vier Stazuras um überhaupt in die Scannerreichweite der Forschungsstation zu gelangen. Ihr Abbild war auf allen Monitoren der Korvette abrufbar und ließ erkennen, dass sich diese Station autark versorgen konnte. Vom diskusförmigen Kontrollzentrum aus, das auf einem Asteroiden verankert war, breitete sich auf der einen Seite ein Flügel aus, der von Agrarzentren bekannt war. Wie eine Art Heiligenschein thronte über dem Kontrollzentrum ein Solarpanel, dass genau auf eine weit entfernte Sonne ausgerichtet war. Dieser abstrakten Konstruktion war ein zweiter ‚Flügel’, dem anderen entgegengesetzt, angebracht worden. Dies schien auch der Hauptforschungsbereich zu sein, während alle anderen Anbauten nur zur Versorgung zu dienen schienen.

Die Sicherheit bei dieser Mission hatte oberste Priorität. So hatte der Zentaur wieder abgedockt, als die Einsatzgruppe zur Forschungsstation übergesetzt hatte und kreuzte nun vor der Station rum. Auch die Einsatzgruppe hatte ein Bedürfnis an Sicherheit gehabt. So trug jedes Mitglied einen Isolationsanzug, der (durch einen integrierten Schild) weder Strahlung noch (durch spezielle Verbundstoffe) Mikroorganismen zum Träger durchließ. Bewaffnet mit Impulsstrahlpistolen, Partikelschnellfeuergewehren und Plasmagranaten schien dieses Einsatzteam eher auf eine militärische Operation ausgelegt und nicht auf eine Erkundungs- und Rettungsmission geschickt worden zu sein.

Es war düster im Zugangsstollen. Es brannten nur wenige Lichter und die, die brannten, taten dies nicht kontinuierlich. Sie flackerten und pulsierten in den unterschiedlichsten Rhythmen. Was war hier nur geschehen?

„Was ist mit der Energieversorgung los?“ Eine berechtigte Frage.
„Die Energieversorgung macht mir kein großes Kopfzerbrechen. Ich frage mich eher was mit den Wissenschaftlern hier passiert ist.“
„Wieso?“
„Ich erhalte nur ein Lebenszeichen.“
„Nur eines?“
„Hai. Allerdings nicht sehr stark.“
„Aber hier arbeiteten mindestens zwei Dutzend Wissenschaftler ...“

Die Gruppe bewegte sich langsam durch die Stollen, deren flackernde Beleuchtung die Schatten an den Wänden zu unheimlichen Leben erweckten.

„Ich wusste es! Sie haben hier bestimmt mit etwas Gefährlichem rumexperimentiert und sind alle draufgegangen!“
„Jetzt werd nicht hysterisch! Vielleicht ist ihnen auch die Flucht von der Station gelungen. Ich hab bis jetzt noch keine Leiche gesehen.“
„Und was ist mit der Anzeige des verbliebenen Lebewesens?“

Ratloses Schweigen.

Die Außenlautsprecher übertrugen das Knirschen von Asteroidengestein unter ihren Fußsolen in ihre Helme und ließ so manch hartgesottenen Veteran frösteln. Mit den Partikelschnellfeuergewehren, kurz PSGs, im Anschlag arbeitete sich die Gruppe langsam und vorsichtig weiter. Doch auf ihrem Weg zum Kontrollzentrum passierte nichts. Rein gar nichts. Und das machte sie nervös. Eigentlich hätte der Computer der Station schon längst ihre Identität überprüfen oder sie umbringen müssen. Etwas stimmte hier nicht. Und das Gemurmel des nervösen Mannes von vorhin, der die ganze Zeit über nicht mit seinen Kommentaren zurückhalten konnte, tat das seine dazu um alle anderen der Gruppe ebenfalls nervös zu machen.

An der Gabelung zu den einzelnen Bereichen des Forschungszentrums tauchte das erste Problem auf. Eigentlich sollte die Truppe nun in das Kontrollzentrum eindringen, doch die Sicherheitsschotte waren aktiviert worden und konnten von dieser Seite aus nicht deaktiviert werden. Der Techniker der Gruppe hatte eine einfache Idee, wie man die Sicherheitsschotte deaktivieren konnte. Man müsste einfach nur zur Energieversorgung spazieren und dort eine energetische Rückkopplungsschleife im Sicherheitssystem auslösen. Also teilte sich die Gruppe auf. Während Chi und die meisten der Gruppe am Schott blieben, ging der Techniker mit einer Eskorte zum Solarpanel.

„Mir gefällt das immer weniger.“
„Jetzt halt endlich die Klappe.“
„Halt doch selber die Klappe.“
„Du verhältst die wie ein Weib.“
„Lieber weibisch und am Leben, als ruhig und tot.“
„Was soll schon passieren?“

Was sollte schon passieren? Über Funk meldete sich ein paar Mizuras später der Techniker wieder und meldete, dass man die ersten Leichen gefunden hatte. Sie waren grotesk entstellt. So, als hätte sie etwas aufgefressen. Diese Nachricht löste bei einem Mitglied der bereits nervösen Mannschaft einen hysterischen Anfall aus.

„Ich wusste es! Wir werden alle sterben!“

Wie konnte nur so jemand durch die psychologischen Tests kommen? Chi nahm ihre Impulsstrahlpistole, kurz ISP, zielte auf den Mann und drückte ab. Bewusstlos fiel er in sich zusammen. Zwei Männer nahmen ihn in ihre Mitte und trugen ihn durch das nun geöffnete Sicherheitsschott. Der Techniker hatte auch die Energieversorgung der Beleuchtung neu kalibriert, so dass nicht mehr das Licht flackerte. Chi befahl ihm und seiner Eskorte im Solarpanel zu bleiben, falls weitere Hindernisse auftauchen würden. Zudem sollten sie, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Leichen untersuchen.

Während die Untersuchung lief und Chi auf den Report wartete, rückte die Gruppe um sie weiter vor. Der Bewusstlose wurde wohl oder übel mitgeschleppt und bremste sie etwas aus. Nur wenige Mizuras nachdem sie das Kontrollhabitat betreten hatte, knackte es vernehmlich aus den Lautsprechern. Ein Monitor an der Wand flackerte und zeigte dann das Gesicht eines alten Argonen mit weißem, zerzausten Bart und wirr davon stehenden Haaren.

„Gehen sie!“
„Wer sind Sie?“
„GEHEN SIE!“
„Was ist hier passiert?“
„Sie gehen nicht?“
„Was wurde hier erforscht?“
„Also nein.“

Der Monitor erlosch und das weiße Licht der Umgebung verfärbte sich ins Rote. Ein kaum wahrnehmbarer grellgelber Strahl schoss aus einer Ecke auf sie zu und traf den Bewusstlosen Argonen in der Brust. Obwohl er einen Schutzanzug getragen hatte, klaffte nun ein riesiges Loch in seiner Brust. Blitzschnell reagierte ein Mann aus der Gruppe und nahm die Ecke unter Feuer, aus der der Schuss kam. Rauch versperrte für kurze Zeit ihre Sicht und niemand war sich sicher, ob das versteckte Geschütz vernichtet worden war. Aber da es keinen weiteren Schuss gab, war dem wohl doch der Fall.

„Sie sollten lieber gehen. Solange sie noch können.“
„Wir bleiben. Die Regierung ...“
„... hat keine Ahnung. Genauso wenig wie sie.“
„Dann helfen sie uns auf die Sprünge.“

Der alte Argone schüttelte den Kopf und gab sich geschlagen. Während seiner Erklärung kam es immer wieder zu Interferenzen.

„Hier wurden bis vor Kurzem einige Exemplare der Khaak gefangen gehalten und studiert. Wir haben mit ihnen Experimente gemacht. Wir sollten herausfinden wie ihr biologischer Aufbau ist und wie man sie effektiv bekämpfen kann. Unter anderem wurden hier psychische Verfahren angewendet um die Khaak von ihrem Schwarmdenken zu trennen. Auch haben wir biologische Waffen entwickelt, die für den Organismus der Khaak schädlich sind. Eigentlich hätte es nicht passieren dürfen ...“
Der alte Mann schien sich zu sammeln und deswegen unterbrach niemand ihn. Doch ein jeder hing in dieser Zeit seinen eigenen Gedanken nach.
„Die Testreihe mit den psionischen Waffen schlug fehl, doch die biologische Kriegsführung brachte rasch Erfolge. Einer unserer Mitarbeiter hatte bei der letzten Testreihe der psionischen Waffen die Idee diese mit den biologischen zu kombinieren. Daraus resultierte eine verheerende Mutation.“
Der Wissenschaftler im zerzausten Zustand schüttelte seinen Kopf und man konnte ihm ansehen wie sehr ihn die ganze Geschichte mitnahm.
„Durch die psionische Strahlung mutierte die Biowaffe, ein Virus der das Nervenzentrum angreift. Durch die Mutation starb der Test-Khaak nicht, so wie die anderen, sondern wurde wahnsinnig und zerstörte das Isolationslabor mit einer uns unbekannten Methode. Da die psionische Bestrahlung noch lief und nun auch die Beobachtungs- und Kontrollräume überflutete mutierte der Virus enorm schnell. Während der Khaak im Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch unserer Atmosphäre verendete, passte sich der Virus an und sprang auf die Wissenschaftler über. Die Folge war Wahnsinn. Eine enorm hohe Paranoia und eine damit einhergehende nicht vorhandene Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft.“
Der Argone mit den fast toten Augen sah müde und erschöpft aus. Lange würde er diesem Druck nicht mehr standhalten.
„Der Virus verbreitete sich schlagartig. Das Luftfilterungssystem war mit der enormen Vermehrungsrate überfordert und gab schon wenige Mizuras nach der Kontamination den Geist auf. Das Kontrollzentrum hatte zum Glück eine eigenständige Umweltversorgung, doch zum Zeitpunkt der Katastrophe war ich der einzige, der sich hier aufhielt. Ich konnte gerade noch so die Verriegelungsprozeduren einleiten und darauf hoffen, dass sich alles legt. Doch dem war nicht so. Ich konnte auf den Kontrollbildschirmen verfolgen, wie sich alle gegenseitig umbrachten. Es war grausig.“
Der alte Mann schien fertig zu sein. Irgendwie umspielte ein leichtes Lächeln seinen Mund. Vielleicht, weil er sich alles von der Seele reden konnte und dies ihn von einer großen Last befreit hatte. Er tippte etwas außerhalb des Bildschirms rum und wandte sich dann wieder Chi und ihrer Gruppe zu.
„Sie sollten nun gehen. Ich habe die Selbstzerstörung der Station initiiert. Es werden nicht viele Trümmer übrig bleiben. Sollten sie bis nach draußen schaffen und zur argonischen Regierung kommen, dann richten sie ihnen aus, was hier passiert ist und sie sollen meine Familie kontaktieren.“

Als Chi ihren beiden Kameraden im Solarpanel bescheid geben wollte, kamen nur abgehakte Laute durch, Stöhnen und dann Schreie des Grauens.

„Was war das?“
„Die letzten Infizierten. Es tut mir leid. Ihre beiden Kollegen haben es nicht geschafft.“

Chi wandte sich halb ab, als sie die entscheidende Frage stellte:
„Wer sind sie?“
„Bren Tanna. Hausmeister.“

Mit Müh und Not konnte sich der klägliche Rest des Rettungsteams aus der Forschungsstation retten, bevor diese in einer gleißenden Explosion verging.

Nach diesem Abenteuer hatte Chi t’Nst einen Entschluss gefasst, den sie unter allen Umständen durchzuziehen gedachte. Sie würde Arin Phoso heiraten. Und wenn sie dafür jedes einzelne Lebewesen im ganzen Universum mit ihren eigenen Händen erwürgen müsste.

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Beitrag von Tom » So 19. Jan 2014, 00:08

Kapitel XV – Kontakt

Zärtlich strich ein Zeigefinger über die nackte Haut von Chi t’Nst und spielte mit ihrem Nabel, als er dort ankam. Ein Kuss an ihren Hals ließ ihr eine wohlige Gänsehaut über ihren ganzen Körper laufen.

Chi t’Nst und Arin Phoso lagen beide nackt, wirr in Lacken eingehüllt, nebeneinander im Bett. Der Duft von Curry und Zimt lag in der Luft. Schweiß rann beiden an ihren Körpern hinab, als sie sich aufsetzten.

Arins schwarze lange Haare klebten an ihren Körper. Ihre Brüste, klein aber doch wohl geformt, hielten den Druck von Chis Händen nicht lange stand. Weich wie wachs schmolzen sie in Chis massierenden Händen dahin. Während vier Finger dafür sorgten, dass Arin schneller atmete, sorgten zwei andere Finger dafür, dass ihre Nippel hart wurden.

Seltsam, dachte Chi bei sich, wie verschieden unsere Körper doch sind und gleichzeitig ähneln sie sich.

Arin strich eine blaublonde Strähne aus Chis Gesicht und küsste sie innig. Es fiel ihr sichtlich schwer die vier Brüste von Chi in Erregung zu versetzen, wenngleich diese auch weit weniger ausgeprägt waren als die von Argonen.

Die leicht lederartige Haut mit einem Stich ins gelbgrüne der Splitfrau namens Chi t’Nst rieb sich an der Haut der argonische Frau namens Arin Phoso. Schweres Atmen und leichte Laute der Lust kamen über ihre Lippen.

Chi spürte, wie sich Arins Hände zwischen ihre Beine bewegte und wieder zurückzuckten. Für Arin war es ungewohnt, dass wusste Chi. Es würde noch eine Weile dauern, bis ihre sexuelle Lust befriedigt werden würde, während Chi längst Arin zur Erfüllung bringen konnte.

In den braunen Augen Arins konnte Chi lesen, dass es ihr leid tat. Doch einmal kurz zärtlich über ihr Gesicht gestreichelt konnte Chi Arins stumme Entschuldigung hinwegwischen.

Chi nahm Arins Hand und führte sie hinab zu ihrem Becken. Wie eine Lehrmeisterin zeigte Chi Arin wie sie es am liebsten hatte. Welche Berührungen was bewirkten.

Chi hatte sich mit der Sexualität von Argonen auseinandergesetzt und es war klar geworden, dass eine Splitfrau oder ein argonischer Mann nicht miteinander intimen Kontakt haben konnten. Oder umgekehrt. Zumindestens nicht in so intensiven Kontakt, wie es für beide Spezies wohl angebracht war. Doch ein Kontakt zwischen zwei weiblichen Mitglieder jeder Spezies konnte eine gewisse Faszination und Erfüllung mit sich bringen.
Das der Mann bei den Argonen ein äußerst ausgeprägtes Glied im Genitalbereich besaß und die Frau hingegen einen nach innen gerichteten Gebärleib, wo der Mann eindringen musste, fand Chi äußerst interessant, aber auch verwirrend. Tat das den Frauen der argonischen Rasse nicht weh? War ein solcher sexueller Kontakt nicht schmerzhaft? Anscheinend war dem nicht so, denn die Argonen vermehrten sich in rasendem Tempo.
Bei den Split war der Fortpflanzungsakt zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht anders geartet. Mann wie Frau hatten beinahe identische Geschlechtsorgane. Bei den weiblichen Split hatte sich nach außen hin eine Art Glocke gebildet, die das Geschlechtsorgan des Mannes umhüllte, nicht in sich eindringen ließ, und dann saugende Bewegungen vollführte. Beim männlichen Split hingegen gab es ein ähnlich geformtes Organ, dass allerdings nicht sog, sondern mehr pulsierend den Samen ausgoss.

Zwei Schreie voller Leidenschaft und Erfüllung breiteten sich weit über ihre Wohnung hinaus aus.

Während in diesem Teil des bekannten Universums das strahlende Licht der Hoffnung und der Liebe sich ausbreitete, begannen sich in einem anderen Teil des bekannten Universums dunkle Wolken der Vernichtung auszubreiten.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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