[RC18] [Sci-Fi] Für eine Handvoll Credits

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Flippi
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[RC18] [Sci-Fi] Für eine Handvoll Credits

Beitrag von Flippi » So 10. Jan 2016, 01:28

Für eine Handvoll Credits

Kapitel 1:


Marcus Zimmer dachte über seine Reise nach, als er seinen Venti Jäger zur teladianischen Handelsstation im Sektor Weg zur Freiheit flog. Vor Jahren war er Sanitäter beim USC, danach medizinischer Offizier auf einer privaten Raumstation und jetzt Abenteurer. Die Firma, bei der Marcus arbeitete, machte Konkurs. Er verlor seine Arbeit, bekam aber eine stattliche Abfindung. Mit dieser kaufte er einen argonischen Jäger.

Viel hat Marcus vom Universum noch nicht gesehen. Denn seine Reise führte von Sol direkt nach Elenas Glück, einem der wenigen Sektoren, den der Bordcomputer des Venti noch im Speicher hatte. Ohne Sprungantrieb wäre Marcus allerdings nicht sehr weit gekommen. Die Argonen und Terraner stehen kurz vor einem Krieg, und ein Terraner, der ein modifizierten argonischen Jäger steuert, wäre sehr auffälllig..

Seit Tagen flog Marcus durch das Tornetzwerk. Er wollte es vermeiden, auf einer argonischen Station landen zu müssen. Zu viele Probleme kämen da auf ihn zu. Die Piratengebiete waren ebenfalls ein heißes Pflaster. Schließlich besaß Marcus einen der besten argonischen Jäger, der zusätzlich mit terranischer Technologie aufgerüstet wurde. Auch war sein Gepäck für jeden Piraten interessant. Medizinische Geräte, Waffen und ein paar weitere Andenken an die alte Heimat machen aus dem Schiff ein fliegender Geldtransporter . Erst heute gelang es ihm, in den neutralen Sektor Weg zur Freiheit zu fliegen.

Die teladianische Handelsstation lag inmitten eines dichten Asteroidenfeldes und auf den Scannern konnte Marcus Navigationsbojen erkennen, die eine Art Rennstrecke bilden sollten. „Sehr Interessant“, murmelte er zu sich selbst, als er sich der Station näherte. Das andocken verlief so, wie auch im terranischen Raum. Ein Computer übernahm die Flugkontrolle und weiste Marcus' Raumjäger einen Landeplatz zu.

„Endlich etwas Platz zum Beine ausstrecken!“, dachte sich Marcus beim aussteigen aus seinem Venti. Nun stand er aber vor einem Problem. Als Terraner hat man keinen Zugriff auf Credits. Natürlich hatte er noch etwas terranisches Geld übrig, doch konnte er nicht viel davon in Credits umtauschen vor seiner Abreise. Im Sol System gibt es nicht viele Möglichkeiten an Credits zu kommen. Sein Geld reichte zwar für den Moment aus, doch wenn er seine Ausrüstung nicht in einem Tauschhandel verlieren wollte, musste er sich etwas Geld beschaffen.

„Ich geh erst einmal zu einem Infoterminal, dann sehe ich mal, wie das Freiberuflerleben hier so läuft.“ Mit diesem Gedanken startete Marcus seine Suche nach einem Terminal. Er musste nicht lange suchen, um eines zu finden. In der Haupthalle hinter der Hangarbucht sah er bereits ein Terminal stehen. Deutlich zu erkennen an dem in japanisch geschriebenen Schild. „Stimmt ja, die Handelssprache in der Gemeinschaft ist die vereinfachte japanische Sprache.“, dämmerte es Marcus.

Er suchte nach ein paar Aufträgen innerhalb des Schwarzen Bretts, doch gab es keine passende Arbeit für ihn. Entweder waren es Transportmissionen, oder Schmuggelaufträge. Für diese Arten von Aufträgen eignete sich ein Raumjäger nicht. Dann aber sprang ihm eine der Nachrichten ins Auge.

„Eskorte für Händler gesucht. Bezahlung beträgt 500.000 Credit. Interessenten melden sich in der Stationsbar.“ Mehr Informationen gab es nicht, allerdings war die Bezahlung recht hoch. Marcus war sofort klar, dass es hier einen Haken gab. Dennoch hatte er nicht viele Möglichkeiten. Und sollte er den Auftrag meistern, hätte er erst einmal keine nennenswerte finanzielle Probleme in nächster Zeit. Und da Marcus sowieso zur Stationsbar wollte, konnte er direkt nach dem Job fragen.

Die Stationsbar sah genau so aus, wie er es sich vorgestellt hatte. Eine dunkle Räumlichkeit, mit allerlei verschiedenen Gestalten. Drei Teladi, die Marcus als Händler vermutete, saßen an einen Tisch und unterhielten sich umfassend. Ein Teladi stand hinter dem Bartresen und servierte ein Getränk einem Menschen, der aussah, als ob er eine Nacht in einem Bierfass verbracht hatte.

Ein riesiger, die Umgebung beobachtender Paranide saß neben den Menschen, den Marcus als Argone verstand. Viele Terraner gab es hier draußen nicht, da war sich Marcus sicher. Eine weitere Gestalt saß an einem abgelegenen Tisch in einer Ecke der Bar. Von dort aus hatte die als Split identifizierte Gestalt die gesamte Einrichtung im Blick.

„Nun“ dachte sich Marcus, „ich nehm mir ein Getränk und frag den Teladi Barkeeper nach dem Jobangebot.“ Marcus schritt zum Bartresen und wurde von dem Split und den Paraniden begutachtet, „Willkommen in der Pilotenlounge. Wass möchten sssie gerne?“ fragte der Barkeeper zischend.

„Tag auch, ein einfaches Bier wäre mir recht.“ antwortete Marcus und bekam sein Getränk kurze Zeit später. „Ähhm, Entschuldigen sie, ich suche nen Auftraggeber, der hier einen Eskortauftrag erledigt haben will. Wissen sie zufällig was davon?“ fragte Marcus nach dem erhalt seines Biers.

Bevor die Echse etwas sagen konnte, sprach der Paranide zu Marcus. „Verschwenden sie keine Mühe an den Getränkeservierer hier. Ich bin die Person, nach der sie suchen.“ Der Split in der Ecke schien die Konversation mit Interesse zu verfolgen. „Nun, ich wäre an ihrem Auftrag interessiert, würde aber gerne den Haken an der Sache vorher kennen.“ sprach Marcus sehr direkt.

„Die Bedingungen unseres Auftrags sind wie folgt. Meine Partner und ich benötigen eine Eskorte zum Schutz vor einer Piratenbande. In einem weiter entfernten Sektor hält sich unser Hauptschiff auf, dass wir gerne ohne große Schäden oder verlorener Waren erreichen wollen.“ führte der Paranide aus. Daraufhin fragte Marcus.

„Ich nehme mal an, sie haben etwas, was diese Piraten gerne haben wollen. Wissen sie, mit welchen Mitteln diese Bande operiert?“ Die Antwort des Paraniden war kurz. „Wir erwarten einen Angriff mehrerer Jäger, zusammen mit ihrem Transporter.“ Marcus wollte noch weiteres wissen. „Wer sind ihre Partner, und welches Schiff besitzen sie, um zu ihrem Hauptschiff zu kommen?“

„Meein argonischer Partner hier besitzt ein Frachtschiff teladianischer Bauart. Und unser Waffenoffizier besitzt einen schweren Splitjäger zur weiteren Unterstützung.“ antwortete der Paranide und zeigte auf den einzigen Split in der Bar.

„Nun denn, ich akzeptiere den Auftrag. Wann geht es los?“ fragte der Terraner. „Wir hatten noch vor auf weitere Bewerber zu warten, um unsere Erfolgschancen zu...“ Der Paranide unterbrach seine Erklärung als er zum Bareingang sah.

Marcus sah eine Gruppe von drei Gestalten die Bar betreten. Sie stellten sich als Argone, Teladi und Split heraus. Sie waren bewaffnet und beobachteten die Barszenerie. Der Argone in der Mitte ging direkt auf den Paraniden zu und richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf ihn. Der Teladi beobachtete die drei Händler, den Argonen an der Bar und Marcus. Der Split der Gruppe beobachtete den Waffenoffizier argwöhnisch. „Wie es scheint, startet der Auftrag nun unverzüglich.“ bemerkte der Paranide, als der Argone auf ihn zu kam.

„Kelmancketslatt, ich dachte du bist schlauer als der Rest deiner Bande. Aber dass du dich hier versuchst zu verstecken, ist schon etwas dämlich. Hast du geglaubt uns hier entwischen zu können? Der Sektor mag zwar neutral sein, aber es gibt nur ein Sprungtor und wir kennen hier einige Leute.“ sprach der Argone, als er sich dem Paraniden nähert.

„Hari Johnson, immer noch wütend auf den Verlust der Frachtladung? Entgegnete Kelmancketslatt. „Das waren hochwertige Waffen! Natürlich bin ich wütend auf euren Diebstahl! Ihr solltet mir meine Fracht schnellstens geben, oder ihr kommt hier nicht mehr lebendig aus der Sache raus!“ brüllte der Argone.

„Es steht drei zu drei, und mit unserem neuen Eskortpiloten haben wir sogar die Überhand. Du hast keine Chance, Hari.“ sprach der Paranide. Marcus gefiel nicht, wie sich die Sache gerade entwickelte. Aber das war dann wohl der vermutete Haken.

„Glaub bloß nicht, dass du uns drei einschüchtern kannst. Wir wissen beide, wer der bessere Kämpfer ist. Ich hab schon genug Paraniden erledigt, sowie auch Split.“ antwortete Hari kühl.

„Dann soll es wohl so sein.“ mit diesem Satz begann der Paranide seine Waffe zu ziehen. Im selben Moment zogen der Teladi Pirat, der Split Pirat und der Split Waffenoffizier ihre Waffen. Marcus bemerkte, dass der betrunkene Argone nicht mehr auf seinem Barhocker zusammengesackt saß, sondern quasi verschwunden war.

Schüsse fielen, während die drei Teladi Händler panisch aus der Bar stürmten. Der Barkeeper sprang in Deckung als plötzlich der betrunkene Argone mitten in die Piratengruppe hechtete und den Teladi quer durch die Bar warf. Gleichzeitig schlug er mit seiner Waffe auf Hari ein und schoss danach eine Salve direkt auf den Split Pirat.

Diese beeindruckende Szene nutzte Kelmancketslatt zum ergreifen der Flucht aus der Bar. Er schrie „Choke, sofort zum Jäger. Frank, wir müssen los!“ Marcus rannte ebenfalls los zum Hangar. Er wollte nicht unbedingt den drei Piraten erklären, warum er bei ihren Rivalen als Eskorte arbeiten wollte.

„Gleich sind sie gefragt, Mensch.“ sprach Kelmancketslatt zu Marcus. „Wir haben uns noch nicht vorgestellt, fürchte ich.“ entgegnet Marcus. „Wie sie sicher schon bemerkt haben, ist mein Name Kelmancketslatt. Der Argone hier vorne ist Frank Seldon, unser Pilot. Und hinter uns ist Waffenoffizier Cho'Ktt. Wir nennen ihn aber nur Choke.“ war die ausführliche, ruhige Antwort des Paraniden.

„Nun, ich bin Marcus Zimmer. Und wer sind die Gestalten, die die Bar zerlegen wollten?“ mehr konnte Marcus nicht sagen, bevor sie zum Hangar kamen. „Das können wir später klären, wenn wir die Station verlassen haben.“ Antwortete Kelmancketslatt.

Frank und der Paranide rannten zu den Andockklammern, während Choke und Marcus gerade im Hangar ankamen. Ohne Zeit zu verlieren, sprang Choke in seine Mamba und startete innerhalb kürzester Zeit. Marcus brauchte mit seinem Venti ebenfalls nicht lange. Das einhalten der Startprozedur war angesichts der hinterherrennenden Piraten kaum möglich.

Zurück im Weltraum wurde Marcus gleich vom Split angefunkt. „Kreatur, ich übermittele unseren Kommunikationskanal. Er solle diesen verwenden.“ sprach der Split mit merkwürdiger Grammatik. Die Information, die Marcus bekam, war interessant. Anscheinend benutzten seine Auftraggeber einen verschlüsselten Kanal, den sonst nur Militärs verwenden würden. Ziemlich viel Aufwand, wenn man sonst nur mit Piraten zu tun hat.

„Marcus Zimmer meldet sich einsatzbereit.“ sprach Marcus, als er den neuen Komm Kanal verwendete. „Wird langsam Zeit Mann! Ich bin mal gespannt wie du dich gegen die Bande von Johnson schlägst!“ sprach eine menschliche Stimme, woraufhin Marcus fragte. „Ich nehme mal an, sie sind Frank Seldon?“

„Korrektomundo mein Freund. Pass nur auf dass du Choke ein paar von Johnsons Bande übrig lässt. Er mag es nicht, wenn andere den ganzen Spaß haben.“

„Die Kreatur schweigt. Cho'Ktt bekommt immer seinen Kampf!“ warf der Split ein.

„Es sei denn, man schleicht durch ne Militärbasis weil man seinen Raumjäger verlegt hat!“ kommentierte Frank zynisch.

„Er solle schweigen!“ Der Split war spürbar erbost.

„Genug ihr beiden! Frank, bring uns schnellstens durch das Tor. Choke, überwache unsere Verfolger!“ sprach Kelmancketslatt, der die beiden zur Ordnung brachte.

„Aye Boss“

„Verstanden“

Marcus erkannte auf dem Gravidar, dass sich ein Militärtransporter der Piraten näherte. Und mit ihm 4 Jäger. Marcus, erstattete Bericht.

„Habe 5 Kontakte aufgeschnappt. 4 Jäger und ein Transporter. Sind das unsere Verfolger?“

„Der Weihnachtsmann wird es wohl nicht sein...“ antwortete Frank mit derben Sarkasmus.

„Die Gruppe ist schneller als wir. Sie werden in ein paar Minuten in Reichweite sein.“ warf Marcus ein.

„Nun Mr. Zimmer, dann wird es wohl Zeit, dass sie uns beweisen, dass sie ihre 500.000 Credits auch wert sind. Choke wird ihnen Deckung geben.“ sprach Kelmancketslatt.

Der erste Raumkampf für Marcus, und das in einem abgelegenen Sektor irgendwo inmitten des Tornetzwerks. Marcus wendete seine Venti und wurde sogleich von Choke's Mamba überholt. „Sollten wir nicht eine Formation halten?“ fragte Marcus.

„Choke hält nichts von Formationsflug, oder Ordnung, oder gar Zurückhaltung.“ entgegnete Frank.

„Die Kreaturen werden Brennen!“ hallte es im Komm Kanal, als Choke mit selbstmörderischer Geschwindigkeit in die feindliche Jägergruppe raste. Er flog näher und näher an einen der Jäger heran, schoss aber nicht.

„Was tut er da?“ murmelte Marcus, als er plötzlich einen Feuersturm aus Partikeln von Choke's Mamba entweichen sah. Choke's Pulsstrahler zerfetzten den Feindjäger Stück für Stück, als dieser plötzlich unkontrolliert durch den Raum driftete. Ohne Zeit zu vergeuden, richtete Choke seine Mamba auf den nächsten Jäger aus. Marcus erkannte, dass die anderen zwei Jäger Choke als Ziel hatten und musste nun eingreifen. Mit einer kurzen Plasmasalve explodierte der erste Jäger.

„Schönes Ding Frischling!“ kommentierte Frank. Währenddessen wich der andere Jäger aus. Marcus heftete sich an diesen heran, während Choke seine Wut mit einem weiteren Partikelhagel auf sein zweites Ziel richtete.

„3 Schwere Jäger nähern sich von der Teladi Handelsstation. Hari und seine Schoßhunde sind bald bei unserer Position.“ sprach der Paranide kurz.

Marcus war gerade dabei, seinen Gegner zu erledigen, als er Choke's Mamba Richtung Hari's Jägergruppe fliegen sah. Ohne Zeit zu verlieren, schoss Marcus eine vernichtende Plasmaladung direkt in den Feindjäger und folgte eilig dem Split.

„Choke, Rückzug zu unserer Position. Der feindliche Transporter versucht uns zu entern.“ erklärte Kelmancketslatt. Und Marcus erkannte, dass er nicht auf den Transporter geachtet hatte.

„Verdammt!“ entfleuchte es Marcus, als er umgehend sein Schiff Richtung Frachter wendete.

Choke hingegen bewahrte Funkstille. Einer der Jäger aus Hari's Gruppe beschleunigte und nahm direkten Kurs auf die Mamba.

„Sai'Nnt hat wohl überlebt. Ich dachte, ich hätte sein Gesicht perforiert?“ sprach ein überraschter Frank.

„Woher weißt du, dass dies der Split der Gruppe ist?“ fragte Marcus. „Ganz einfach, weil zwischen Choke und Saint reges Funkfeuer herrscht. Pass du nur auf, dass Yalos und Hari uns nicht zu nahe kommen. Choke kommt zurecht.“ sprach Frank.

„Und was ist mit dem Transporter, der euch verfolgt?“ fragte Marcus. „Den können wir abhängen. Bleib du nur zwischen uns und den beiden anderen Jägern.“ kommentierte Frank entspannt.

Das Sprungtor kam immer näher, die Jäger aus Hari's Gruppe näherten sich nur langsam. Der Piratentransporter schaffte es nicht, den Teladi Geier einzuholen. Gleich würde Marcus am TM der Piraten vorbeiziehen.

„Mach dich bereit Frischling, Verstärkung ist unterwegs.“ entgegnete Frank mit großer Selbstsicherheit.

Im selben Moment taucht ein Schiff aus dem Sprungtor auf. Ein paranidisches Schiff, dass Marcus noch nicht gesehen hat. Wobei dies kaum überrascht, da er als Terraner eher selten Kontakt zu nicht Terranern hatte.

Eine fiepsende, grelle und fast schon kindlich klingende Stimme erklingt im Komm Kanal. „Bolo Hu vom Schiff Tormentor. Bereit machen zum aufsammeln und andocken.“

„Wo zur Hölle soll da ein Frachter andocken?“ dachte sich Marcus, als er plötzlich sah, dass der Teladi Geier seine Frachtcontainer abwarf und zwei Gestalten in Raumanzügen umherschwebten. Die Tormentor sammelte in einem Anflug gleich alles ein, während der Teladi Geier wendete und auf den Piratentransporter zuflog.

Plötzlich hörte Marcus die Stimme des Paraniden. „Mr. Zimmer, fliegen sie zur folgenden Position und docken sie an, wir bereiten uns auf einen Sprung vor.“

Ohne viel Zeit zu verlieren, flog Marcus umgehend zur Position und erkannte plötzlich Andockhalterungen aus dem Schiff herausfahren. „ Nun, dann seh ich mir dieses Schiff mal von Innen an.“ dachte sich Marcus, als er durch einen Andocktunnel in die Tormentor kletterte.

Das Schiff war länger als eine typische Korvette. „170 Meter“ schätzte Marcus. Besatzungsmitglieder sah er keine, nur dass die Gänge, Türen und Räume für große Kreaturen konzipiert wurden, für Paraniden.

In einem der Gänge erkannte Marcus seinen Arbeitgeber marschieren. Bei ihm war der große, blonde Argone, der plötzlich völlig nüchtern zu sein scheint. Anders als in der Bar.

Der Paranide grüßte Marcus. „Willkommen auf der Tormentor, einem der wenigen Schiffe der Hyperion Klasse. Kommen sie mit zur Brücke, da werden wir die weiteren Einzelheiten der Mission besprechen.“

Marcus hatte ein paar Fragen, während sie zur Brücke gingen. „Entschuldigen sie Mr. … Kelmancketslatt, aber woher haben sie dieses Schiff? Und wozu brauchen sie eine Eskorte, wenn sie ein solches Schiff zur Verfügung haben?“

„Dieses Schiff hat unsere Gruppe schwer beschädigt in einem Randsystem des paranidischen Imperiums angetroffen. Dies ist auch der Grund, warum wir Kampfhandlungen mit diesem Schiff unbedingt vermeiden wollten. Das Schiff ist noch nicht völlig wiederhergestellt.“

Die Gruppe kam nach ein paar Minuten auf der Brücke an. An einer der Konsolen schwebte eine kleine, mit Tentakeln versehene Gestalt, die einen Umweltanzug trug. Diese Gestalt drehte sich zur Gruppe.

„Willkommen zurück, Captain. Ich freue mich und bin erleichtert, euch zu sehen. Wer ist dieser lustige Argone, den ihr hier mitgebracht habt?“ sprach die Gestalt mit Namen Bolo Hu. Erst jetzt erkannte er, dass dieser Borone stark mit Kybernetik und Biotechnik vollgestopft ist. Die Augen leuchten in einer Art, die nur durch kybernetische Verbesserungen hervorgerufen werden kann. Einige der Tentakeln bestanden aus Organischem Material, dass nicht mit dem Körper des Boronen übereinstimmte.

„Mein Name ist Marcus Zimmer, Freiberufler“ Antwortete er in einem kurzen Satz. Währenddessen sah Marcus, wie der Teladi Geier in einem Rammmanöver den feindlichen Transporter schwer beschädigte. Choke's Mamba kam, verfolgt von Hari's Jägergruppe, in großer Geschwindigkeit angeflogen.

„Choke kommt heiß rein.“ kommentierte Frank, der umgehend zu einer der Sitzplätze neben dem Kommandantenstuhl lief. Auch Kelmancketslatt bewegte sich, allerdings setzte er sich auf den Stuhl des Kommandanten.

„Er soll umgehend zur zweiten Andockklammer fliegen, wir bereiten währenddessen den Sperung vor.“ befahl der Paranide. In einem halsbrecherischen Manöver dockte Choke seine Mamba unsanft an die Tormentor an und der Sprungantrieb aktivierte sich nur wenige Momente Später. Sie sind Hari Johnsons Bande geradeso entkommen.

Das Ziel des Sprungs war Ceos Geist. Die Tormentor schlug umgehend Kurs zur Schiffswerft ein. Der Teladi Sektor sprudelte nur so von Leben. Frachter, Kuriere, Jäger, unzählige Schiffe in einem dichten Verkehrschaos.

Kelmancketslatt wandte sich an den Terraner. „Mr. Zimmer, dies ist Bolo Hu, unser Chefingenieur. Er ist für die Reparatur unseres Schiffes zuständig.“ Während diesem Satz betrat Choke die Brücke und nahm seinen Platz an der Waffenkonsole ein.

„Wie ich ihnen bereits erklärt habe, ist dieses Schiff noch nicht vollständig einsatzbereit. Ihre Aufgabe wird es sein, unser Schiff zu bewachen, während die Besatzung notwendige Reparaturen während der Reise unternimmt.“

„Wie lange benötigen sie meine Hilfe.“ fragte Marcus, dem es nicht so wirklich gefiel, einen solchen unvorhersehbaren Job angenommen zu haben.

„Wir werden die wichtigsten Reparaturen an der lokalen Schiffswerft hier vornehmen. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Danach treten wir unsere Reise in das Gebiet der Yaki an, während wir Reparaturen an Waffen, Schilden und einigen weiteren Subsystemen vornehmen. Diese Reparaturen sollten drei Tage in Anspruch nehmen.“ erklärte Kelmancketslatt ausschweifend.

Und fügte noch hinzu. „Da wir die Johnson Bande abgehängt haben, sollte es während der drei Tage allerdings keine Zwischenfälle geben. Das sind leicht verdiente 500.000 Credits.“ Bei diesem Satz wusste Marcus nicht so recht, ob dies wirklich zutraf.

Die Zeit auf der Teladi Schiffswerft war diesmal ruhig und entspannt. Kelmancketslatt verhandelte mit einem der Teladi über die Reparaturkosten, während Choke unruhig bei den Verhandlungen als Leibwächter und Verhandlungstrumpf fungierte.

Marcus wurde von Frank zur Bar eingeladen. Dies war die Gelegenheit, mehr über seine Arbeitgeber zu erfahren. Während der ersten Runde von Getränken fragte Marcus sogleich los. „Was für eine Art von Reisegruppe seit ihr eigentlich, wenn ich fragen dürfte?“

„Ha, wir sind Piraten, selbstverständlich!“ Marcus schluckte als er dies hörte. „Ist das nicht etwas dämlich dies hier auf einer Regierungsstation der Teladi herauszuposaunen?“ fragte Marcus.

„Nö, die Echsen haben wenig Interesse, wer ihre Handelspartner sind oder was diese tun. Solange wir unsere Aktivitäten hier nicht ins extreme treiben und damit ihre Profite ruinieren. Man sollte also möglichst nicht mit Sklaven hier herumrennen. Das kommt dann doch nicht so gut an.“ erklärte Frank amüsiert.

„Ernsthaft?“ überkam es Marcus. „Aus welcher Gegend stammst du denn?“ fragte Frank und fügte an „Jeder hier in der Gemeinschaft weiß doch, wie es hier draußen, außerhalb der „zivilisierten“ Systeme zugeht!?“

„Ähm...ich komme von...“ Marcus zögerte seine Antwort hinaus, wohlwissend, dass seine Tarnung als Argone gerade aus der metaphorischen Luftschleuse gesaugt wurde.

„Ha, ein Terraner! Und dann noch in Piratengesellschaft, wer hätte das Gedacht?“ entgegnete Frank mit einem herzlichen Lachen.

„Mist, jetzt wird es nur noch mehr Probleme geben.“ murmelte Marcus.
„Das glaube ich weniger. Wenn man von der Argon Föderation absieht, dann interessiert hier nur wenige Leute, ob ein Mensch nun von Terra oder Argon stammt. Viele hier in der Gemeinschaft, und vor allem innerhalb der Piratengesellschaft sehen den angeheneden Konflikt als reine Zeitverschwendung an. Allerdings gibt es doch einige, die froh sind, dass die Argonische Regierung eine kleine Lektion erteilt bekommt.“ „Wie soll ich denn das verstehen?“ fragte Marcus, als er Franks Ausführungen lauschte.

„Die Argon Föderation ist dafür bekannt, auf ungesetzliche Mittel zurückzugreifen, wenn es ihren Zielen dient. Der einfache Bürger bekommt davon nichts mit. Aber innerhalb des Militärs und des Geheimdienstes sind Illegale und Inoffizielle Methoden nichts unbekanntes. Und dann gibt es noch das Militär innerhalb des Militärs, sowie einen Geheimdienst innerhalb des Geheimdienstes. Diese Gruppierungen agieren abseits jeglicher Staatlicher Kontrolle. Nichteinmal die Chefs des Militärs und Geheimdienstes der Föderation wissen davon. Nur wenige innerhalb der Föderation wissen, was vor sich geht. Und diese sind allesamt darin involviert.“

„Und woher weißt du so viel von diesen Aktivitäten?“ fragte Marcus gespannt.

„Nun, ich war mal Teil des Argon Militärs, und als Pirat bekommt man über die inoffiziellen Machenschaften der GdP sehr viel mit. Piraten, Schmuggler und Kopfgeldjäger sind meist die ersten, die von diesen „nicht existierenden“ Organisationen angeheuert werden. Dagegen sind die geheimen Aufträge der verschiedenen Großfirmen mit ihren Schattenkriegen ein reiner Witz.“

Marcus schwitzte bei dem Gedanken daran, sich auch nur vorzustellen, was innerhalb dieser Völkergemeinschaft so vor sich geht.

„Klingt fast so wie die AGI Task Force.“ sprach Marcus.

„Die ATF ist nicht mal ansatzweise so schrecklich, wie ihre Gerüchte es vermuten lassen.“ antwortete Frank kühl.

„Warte, woher weißt du soviel über die ATF?“ entgegnete Marcus überrascht.

„Wir Piraten haben ab und zu Kontakte zu Geheimdienstlern. In manchen Fällen sind diese typisch Inoffiziell, in den meisten anderen brechen wir irgendwo ein und klauen uns ein paar Sachen zusammen. Da bekommt man einiges mit.“

„Ihr brecht in Geheimdiensteinrichtungen ein und überlebt das ganze?“ Marcus Überraschung wandelte sich langsam in einen Schock um.

„Wie schon gesagt, wir haben einige Kontakte. Die Geheimdienste der GdP wissen um die Fähigkeiten der Kriminellen hier. Sie sehen darin eine perfekte Möglichkeit, Einsätze durchzuführen, ohne sich die Hände selber schmutzig machen zu müssen. Und ein wenig Rückendeckung seitens der Regierungen schadet bei solchen Aktionen nicht.“

Marcus ist über den Zustand der Unterwelt sehr überrascht. Er hätte nie gedacht, dass das Leben eines Piraten mehr bietet, als einfacher Raub oder Plünderungen.

Marcus sah, dass Choke und Kelmancketslatt zu ihnen in die Bar stießen. Frank rief zu ihnen.

„Hey Kel, unsere Eskorte kommt von der Erde.“ Marcus wurde etwas unruhig.

„Ich vermutete schon so etwas. Kein mir bekannter Argone fliegt eine solche aufgerüstete Venti. Die Triebwerke schreien geradezu nach terranischer Bauart.“ entgegnete der Paranide, als er zusammen mit dem Split zum Tisch der beiden Menschen kam.

„Bolo würde sich sicher freuen, in deinem Schiff ein wenig herumzustöbern.“ sprach Frank lachend zu Marcus.

„Wie sieht es mit dem Schiff aus? Wann geht unsere Reise in das Yaki Gebiet los?“ fragte der Terraner, um vom Thema „Erde“ abzulenken.

„Bolo Hu und die teladianischen Ingenieure sind in weniger als einer Stazura fertig“ sprach Kelmancketslatt.

„Ich glaube, unser Freund von der Erde hat keine Ahnung, was eine Stazura ist, Kel.“ warf Frank ein.

„Nun, die Zeit zu unserem Aufbruch dürfte nach meiner Berechnung ungefähr 2 Stunden Erdzeit betragen.“ Antwortete der Paranide plump.

„Das ist genug Zeit zum trinken und Frauen abschleppen.“ kommentierte Frank in amüsierter Art. „Ich befürchte, dass auf dieser Station kaum argonische Frauen anzutreffen sind.“ warf Kelmancketslatt ein.

„Ich hab vorhin eine argonische Händlergruppe gesehen. Die sehe ich mir mal näher an.“ entgegnete Frank mit einem verschlagenen lächeln. „Ist der immer so?“ fragte Marcus verwirrt.

„Ja, seit seiner Zeit als Pirat bei uns. Er und Bolo haben es schon geschafft, ganze Sektorwachen mit ihrem Mist auf uns zu hetzen.“ entgegnete der Paranide entnervt.

„Wie denn das?“ fragte der Terraner.

Der schweigsame Split kommentierte das ganze wie folgt. „Erst starten sie eine harmlose Sauferei, und danach gibt es Schlägereien, oder Einbrüche. Danach werden wir von der Sektorpolizei gejagt.“

Warte, was?“ entfleuchte es Marcus. „Choke hat es passend beschrieben. Bolo und Frank sollte man nie unbeaufsichtigt auf einer Station umherlaufen lassen. Sie schafften es bis jetzt immer wieder, irgendjemanden gegen sich aufzuhetzen. Entweder durch ne Schlägerei, nen Einbruch oder Damengeschichten.“ man spürte dass der Split und der Paranide von solchen Aktionen recht genervt waren.

„Bei Schlägereien haben sie schon so manche Bar ruiniert. Oder sich mit junger, weiblicher Gesellschaft abgegeben.“ fügte Kelmancketslatt noch hinzu,

„Was ist bei denen Kaputt?“ fragte der schockierte Terraner.

„Wir fragen uns das schon lange.“ kommentierte der Split knapp.

„Und warum lasst ihr den beiden sowas durchgehen?“

„Nun, Bolo Hu ist einer der besten Ingenieure innerhalb der gesamten GdP. Er hatte sogar schon Kontakt zu Vertretern des Alten Volks, was ihn noch wichtiger macht. Allerdings scheint dieser Kontakt nicht gerade förderlich für den Verstand gewesen zu sein. Frank hingegen war Offizier in einer Strafkompanie der Argon Föderation. Er meinte, man müsste irre sein, um für den Posten auch nur in Erwägung gezogen zu werden.“ Erklärte Kelmancketslatt ausschweifend.

„Franks Kontakte innerhalb des Argon Militärs haben sich außerdem schon öfters als nützlich erwiesen.“ fügte der Paranide noch hinzu.

Frank kam nach einiger Zeit zurück zur Gruppe, mit blauem Auge. Kelmancketslatt kommentierte die Rückkehr. „Nun Frank, das ging schnell.“

„Die argonische Händlergruppe war nicht begeistert von meiner Anfrage.“ Entgegnete der Argone.

„Oh, wirklich? Wie unerfreulich.“ Der Sarkasmus in Kelmancketslatts Worten brannte tief.

„Wir sollten so langsam zurück zum Schiff. Bolo müsste bald fertig sein.“ Frank versuchte seine Niederlage zu verdrängen.

Als die Piraten zurück zur Tormentor kamen, war es verdächtig ruhig. Die Teladi waren anscheinend mit der Arbeit fertig. Nachdem die Gruppe auf der Brücke niemanden vorfanden, schickte Kelmancketslatt Frank und Marcus los, um Bolo Hu zu suchen. „Frank, nimm mal Mr. Zimmer mit und suche diesen verrückten Ingenieur.“

Frank und Marcus suchten zuerst im Maschinenraum, doch war da niemand. „Sir, Bolo Hu ist nicht im Maschinenraum.“ Meldete Marcus per Funk. „Ich such mal in seinem Quartier.“ warf Frank noch ein.

Frank und Marcus kamen zum Quartier des Boronen.. „Bolo, bist du hier?“ fragte Frank als er an die Tür hämmerte um anzuklopfen.

Plötzlich wurde es hektisch im Quartier. „Einen Moment mein argonischer Freund.“ hörte man aus dem Raum herausklingen. Der Borone war wohl gerade beschäftigt. „Ich komm jetzt rein, der Boss will wissen, wie es um das Schiff steht.“ Nach dieser Vorwarnung öffnete Frank die Tür zum Quartier des Boronen.

Der Anblick war kurios. Inmitten des Raumes war ein riesiges Schwimmbad eigens für den Boronen angelegt. In diesem schwamm Bolo Hu herum und tauchte gerade auf. Der Borone trankt gerade ein Getränk. „Warte, du säufst meinen Sprit weg?“ Frank war deutlich verärgert.

„Entschuldige mein argonischer Freund. Als die Reparatur der Tormentor schneller als geplant und erhofft verlief, wollte ich mir ein Getränk gönnen.“ antwortete Bolo Hu.

„Man, Bo, wie hast du mein Raumspritversteck gefunden?“ Fragte Frank überrascht.

„Mein lieber Frank, dein Raumspritvorrat lag unter deinem Bett, zusammen mit dem Magazin über unbekleidete Frauen und dem Journal des Argon Militärs.“ Bo war sichtlich betrunken.

„Äähhmm ja, Kapitän Kelmancketslatt möchte einen Statusbericht haben.“ warf Marcus ein, um die merkwürdige Situation zu entschärfen.

„Oh, wer ist dieser lustige Argone denn? Mein Name ist Bolo Hu, Ingenieur und Meister der Maschinen.“ der Borone betrachtete Marcus nun sehr genau.

„Das ist Marcus Zimmer, unser Eskortpilot von der Erde.“ entgegnete Frank gelassen.

„Die Erde! Ich muss mir sein Schiff ansehen, ich muss es mir ansehen.“ Bo war betrunken, aber diese Nachricht machte ihn fast wieder nüchtern.

„So langsam verstehe ich den Paraniden.“ dachte sich Marcus, als er dieses Schauspiel beobachtete.

„Mein Schiff ist erstmal tabu. Ich bin nicht sehr lange bei euch und muss meinen Dienst auch noch ausführen können.“ antwortete Marcus knapp.

„Wie steht's mit dem Schiff?“ fragte Frank.

„Das Schiff ist Abflugbereit.“ antwortete Bo.

„OK, Kumpel, ruh dich etwas aus, Marcus und ich sagen dem Boss Bescheid.“ sagte Frank entspannt.

Als Marcus und Frank auf die Brücke kamen, saß Kelmancketslatt auf dem Kommandostuhl und Choke stand an der Waffenkonsole. „Das Schiff ist laut Bolo Hu bereit zum Abflug.“ berichtete Marcus schlicht.

„Bo ist zu betrunken für die nächsten paar Stunden.“ fügte Frank noch hinzu.

„Nun Mr. Zimmer, wie ich sehe, verstehen sie so langsam unsere Situation mit unseren beiden Problemfällen an Bord.“ entgegnete Kel lachend. Choke hingegen versuchte seine Fassung zu erhalten.

Die Tormentor startete aus der Schiffswerft in Richtung Yaki Sektoren. „Mr. Zimmer, sie erhalten einen Schlafraum in der Nähe der Andockklammern. Ich möchte, dass sie sich jederzeit bereit halten.“ erklärte der Paranide beim setzen des neuen Kurses. „Choke wird eine der Wachschichten schieben. Da ihr beide unsere einzigen Jägerpiloten seit, werden Frank und Bolo jeweils getrennt auf der Brücke Dienst schieben, wenn diese auch lange genug nüchtern bleiben.“ Kelmancketslatts Blick fixierte den blonden Argonen bei dieser letzten Aussage.

Die Reise verlief quer durch den argonischen Raum bei „Herzenslicht“. Kelmancketslatt wollte die direkte Route durch die Piratensektoren meiden. Johnsons Bande war weiterhin hinter ihnen her und blockierte diese Sektoren.

Der erste Tag der Reise verlief ereignislos, Tag zwei Begann mit der Durchquerung von „Montalaar“. Um die Zeit etwas zu verkürzten, versuchte Marcus mehr von Johnsons Bande zu erfahren.

„Wer ist eigentlich dieser Hari Johnson und seine Bande?“ Fragte Marcus den Paraniden, als er seinen Wachdienst auf der Brücke verbrachte.

„Hari Johnson und seine Bande sind unsere ärgsten Konkurrenten und Widersacher.“ Der Paranide bereitete eine lange Erklärung vor.

„Vor einigen Jahren, als meine Gruppe sich gerade erst gebildet hatte, trafen wir auf Hari''s Bande. Während einer Mission versuchte Johnson, seine Konkurrenten hinterrücks auszuschalten. Wir waren eine der Banden. Die Mission war als Test von Don Morkin angesetzt worden. Die Dons der Piratenclans wollen wissen, welchen Piratenbanden sie bestimmte Aufträge erteilen. So erhalten die Dons was sie wollen, ohne ihre eigenen Leute einzusetzen. Kleine Banden, wie unsere oder die von Johnson, profitieren davon. Hari Johnson wollte allerdings unbedingt die Belohnung alleine kassieren. Johnsons Bande und unsere treffen sehr häufig aufeinander. Das liegt vor allem daran, dass wir in der gleichen Branche tätig sind.“

„Es gibt verschiedene Arten von Piraten?“ warf Marcus ein. Kelmancketslatt erklärte weiter.

„Natürlich. Die meisten Piraten und ihre Banden überfallen Schiffe, verlangen Lösegeld oder Schmuggeln Verbotene Waren. Nur ist dies für die Piratendons nicht ausreichend. Wir Piraten besitzen Großschiffe, wie die Regierungen auch. Und diese Schiffe müssen irgendwie gebaut und ausgerüstet werden. Mit dem Plündern von Frachtern kommt man da nicht weit. Banden wie unsere beschaffen die wertvollen Gegenstände, oder Informationen. Im Auftrag der Dons sind wir schon in einige Militärbasen eingedrungen und waren verschwunden, bevor die Wachen wussten, was vor sich geht.“

„Klingt äußerst gefährlich.“ entgegnete Marcus.

„Selbstverständlich ist dies gefährlich. Allerdings gelangen wir nur dadurch an hochentwickelte Waffen und High Tech, die wir für Raumschiffe oder Stationen brauchen. Das Plündern von Schiffsfriedhöfen oder das handeln mit den Teladi ist da nur begrenzt hilfreich.“

„Aber, wie überlebt ihr solange hier draussen. Wie kann es sein, dass ihr sowas schon seit Jahren macht, ohne gefasst zu werden?“ Marcus wollte mehr wissen, dass war dem Paraniden klar.

„Das Timing ist bei Diebstählen entscheidend. Waffen aus einem Depot zu stehlen ist seit dem Massetransporter und dem Sprungantrieb äußerst vereinfacht worden. Bestechliche Militärs, Hersteller der Waffen selber oder eben die Frachter dieser Waffen sind immer effektive Quellen. Informationsbeschaffung ist hingegen eine äußerst delikate Angelegenheit. Ein Forschungslabor ist in der Regel schwer befestigt, und man benötigt einige Vorbereitungen, um von solchen Orten aus wieder zu entkommen.“

„Ihr scheint erfolgreich genug für sowas zu sein, sonst wärt ihr ja nicht hier.“ bemerkte Marcus.

„Stimmt durchaus. Aber kein dahergelaufener Pirat kann einfach so in ein Militärlabor einbrechen. Solche Aufträge sind selten, und verlangen großes Geschick. Auch benötigt man sehr spezielle Ausrüstung. Nur Piratendons, oder eben Regierungen bzw. Großfirmen vergeben solche Aufträge. Natürlich immer inoffiziell, da sie nicht mit der Tat in Verbindung gebracht werden wollen.“

Marcus war durchaus beeindruckt von der Erklärung des Paraniden.


Die muntere Unterhaltung wurde durch eine argonische Polizeipatrouille gestört.

„Argon Polizeieinheit 253 an paranidisches Schiff. Wir führen einen Routinescan durch.“

„Verstanden, wir gestatten ihnen das Scannen unserer Fracht.“ Antwortete der Paranide ruhig.

„Was ist mit den Waffen, die ihr Hari Johnson gestohlen habt?“ Fragte Marcus, als die Kommunikation mit dem Polizeischiff unterbrochen war,

„Dies ist kein Problem. Diese Waffen sind nicht illegal, nur teuer und selten. Und Polizeischiffe können nicht feststellen, ob diese gestohlen, oder regulär gekauft wurden.“ Antwortete Kelmancketslatt.

„Dann wird das hier ja vielleicht doch ein ruhiger Flug.“ Marcus Gedanken wurden von der Polizeipatrouille unterbrochen.

„Argon Polizeieinheit 253 an paranidisches Schiff. Scan ihrer Ware war negativ, sie können weiter fliegen.“

„Das ging doch leichter als gedacht.“ War Marcus Meinung nach dieser Vorstellung.

„Nur nicht so voreilig, Mr. Zimmer. Solche Regulären Patrouillen sind nur dazu da, Drogenschmuggler dingfest zu machen. Wir haben immernoch eine lange Reise vor uns, und unser Sprungantrieb ist noch nicht vollstädnig betriebsbereit. Bis auf vereinzelte Notsprünge ist dieser nutzlos.“

„Nun, welche Probleme liegen noch vor uns?“ Marcus war sich unsicher.

„Hari Johnson wird sicher erwartet haben, dass wir die längere Route nehmen. Diese Patrouille war höchstwahrscheinlich ein bestochener Beamte, der unser Schiff untersucht hat. Hari wird wahrscheinlich unsere Position bereits kennen und auf den richtigen Augenblick zum abfangen warten. Ich erwarte die meisten Probleme im Gebiet der Paraniden.“

Ein Alarm unterbrach das Gespräch erneut.

„Feindliche Jäger im Anflug!“ Erkannte Marcus auf dem Gravidar.

„So früh?, Saint war wohl das warten leid!“ Kelmancketslatt analysierte die Situation.

„Nun, Kapitän, dann starte ich meinen Jäger.“ Mit diesen Worten rannte Marcus zu seinem Venti.

Über Funk hielt der Paranide Marcus auf dem laufenden.

„Wir haben 5 Schwere Jäger und mehrere kleinere und mittlere Jäger um uns. Choke wurde informiert und wird gleich nachkommen. Insgesamt sind es 14 Feindschiffe.“

Marcus' Jäger flog um die Tormentor herum und gin eine Formation mit dem Schiff ein. Das Sprungtor zum Gebiet der Boronen kam näher, Marcus musste genug Zeit erkaufen, damit das Schiff entkommen konnte. Das könnte aber nur klappen, wenn Choke rechtzeitig dem Kampf beitritt.

Chokes Jäger startete mit brachialer Gewalt und nahm Kurs auf den nächsten Jäger.

„Kreatur sich um Feinde aus der anderen Richtung kümmern!“ befahl der Split bestimmt.

Marcus hatte wenig Interesse, über Sinn und Unsinn dieser Taktik mit einem Split zu diskutieren. Der bevorstehende Raumkampf war so oder so schwierig. Auch wenn Chokes Mamba sehr schnell und Marcus Venti schnell und stark waren, so waren 14 Feindschiffe etwas zuviel für beide.

Die feindlichen Piraten teilten sich auf. Die schnellen Scoutjäger versuchten zur Tormentor zu gelangen. Choke zerstörte im ersten Anflug einen dieser Jäger, und konnte in einem Wendemanöver sich kruzzeitig hinter einen zweiten setzen und ebenfalls zerstören. Marcus zerstörte ebenfalls einen der schnellen Jäger, und griff danach einen mittleren Jäger an, den er mit einigen Treffern lahmlegen konnte.

Choke setze Moskito Raketen ein, um anfliegenede Raketen abzufangen. Einem der wenigen Scoutjögern, denen es gelungen ist zu entkommen, schoss Choke eine Libelle hinterher, die den Jäger schnell vernichtete. Marcus fing ebenfalls an, Raketen auf die schweren Jäger zu feuern. Einer dieser Jäger explodierte umgehend, während ein zweiter schwer beschädigt ist.

Marcus sah, dass sich Choke einen Raumkampf mit einem anderen Schweren Jäger lieferrte. Es war Saints Schiff.

Von den übrigen Jägern folgten die meisten der Tormentor, welche sich durch das Sprungtor ins Nachbarsystem flüchten konnte. Zwei Jäger der Piraten griffen allerdings Marcus an. Die Treffer senkten die Schilde stark, aber das Schiff war ansonsten unbeschädigt.

Durch eine Wende setzte sich Marcus vor einen mittleren Jäger, welche er leicht zerstörte. Der zweite Jäger wurde vom Heckturm der Venti unter Feuer genommen. Das Schiff erhielt keine Schäden, aber anfliegende Raketen wurden schnell im Sperrfeuer zerstört.

Durch eine weitere Wende konnte Marcus sich dem Gegner entziehen und ihn unter Feuer nehmen. Erst jetzt bemerkte Marcus, dass die restliche Piratengruppe auf ihn zu kam und ihn unter Feuer nahm. Die Schilde senkten sich extrem, lange hielt er das nicht aus.

Dann sah Marcus die Mamba von Choke hinter der Gruppe auftauchen und einen Jäger nach dem anderen zersötren. Saints Schiff war schwer beschädigt, was bedeutet, dass Choke den Zweikampf gewonnen hat. Marcus konnte noch einen Jöäger Zersötren, bevor die restlichen Schiffe entweder zu stark beschädigt waren, oder die Flucht ergriffen.

Beide Jäger flogen zur Tormentor, welche von zwei Schweren Jägern verfolgt wurde. Anscheinend war der erste Angriff nur eine Ablenkung. Marcus erkannte das Schiff von Hari und das von Gradias Lotunis Yalos IV.

Chokes Schiff war schneller und konnte am ehesten die beiden Piraten abfangen. Marcus konnte nur zusehen, wie die beiden Jäger sich der Tormentor näherten.

Frank versuchte es den beiden Verfolgern so schwer wie möglich zu machen. Die Schilde waren zwar vollständig funktionstüchtig, aber die Waffen waren noch nicht einsatzbereit. Die ersten Treffer gingen auf dem Schiff ein.

Die Schilde hielten stand, doch senkten sie sich kontinuierlich durch das schwere Waffenfeuer der beiden schweren Jäger. Die Schilde der Korvette würden irgendwann zusammenbrechen, und dann könnte HariS Schiff mithilfe des Massentransporters die Ware zurückstehlen.

Choke hingegen konnte zumindest das Schiff des Teladi erreichen und es in einem Partikelhagel Kampfunfähig schießen. Hari hingegen wendete und feuerte eine massive Raketensalve auf Choke. Ein weiterer Zweikampf beginnt

Der Teladi Sprang mit seinem Schiff in Sicherheit, und Hari konnte die Mamba des Split schwer beschädigen. Für Choke sah es nicht gut aus, bis Marcus es gelang, durch schweren Beschuss Hari's Schiff zu beschädigen. Hari verschwand in einem Lichtblitz.

Choke schleppte sich mit letzter Kraft zur Tormentor. „Gut Gekämpft, Mensch!“ Entgegnete der Split nach der Landung.

Zurück auf der Brücke übernahm der Split die Waffenkonsole, obwohl die Waffe noch nicht einsatzbereit sind.

„Gute Arbeit, Mr. Zimmer. Hari Johnson hat heute eine herbe Niederlage erlitten. Alle drei Führungsmitglieder der Bande haben schwer beschädigte Schiffe und können uns erstmal nicht mehr verfolgen.“

„Danke, aber das war extrem Knapp. Choke wäre fast gestorben und ich ebenso!“ Marcus war nicht sicher, ob das heute ein Sieg war, oder nicht.

„Mr. Zimmer, Raumkämpfe sind immer Risikoreich. Der Gegner war Zahlenmäßig überlegen und hat dennoch verloren! Chokes Schiff wird repairert werden, während er selbst die bald funktionsfähigen Waffen der Tormentor übernimmt. Sie hingegen haben sich das Geld durchaus verdient und sollten Stolz auf das erreichte sein.“

„Heißt das, der Auftrag ist erledigt?“ Marcus war überrascht.

„Noch nicht ganz. Erst wenn wir in Senators Ödland angekommen sind, ist der Auftrag erledigt. Der Weg dorthin wird allerdings wesentlich ruhiger verlaufen. Vor allem, da unser Schiff in kürze voll einsatzbereit sein wird.“

Marcus ruhte sich nun etwas aus. Der Kampf war anstrengend.

Wie von Kelmancketslatt vorhergesehen, verlief die restliche Reise Ereignislos. Das Schiff war Kampfbereit und musste an der Yaki Werft nur kurz überprüft werden. Und Marcus erhielt seine Credits.

„Ich habe ihnen die 500.000 Credits überwiesen. Sie waren ein guter Pilot für einen Neuling. Ich lade sie auch herzlich zu unserer Feier ein. Unsere Waffenlieferung hat uns viel Geld beschert, dass wir nicht nur in Ausrüstung und Reparaturen investieren, sondern auch in eine Feier!“

Eine Piratenfeier, das konnte ja was werden. Die Yaki waren eigenartige Piraten. Sie ähnelten eher den Yakuza von der Erde, als den typische Piraten die er bisher getroffen hat.

Frank erklärte ihm, dass die Yaki des öfteren mit den anderen Piraten zusammenarbeiten, wenn es um was größeres geht. Daher auch die Waffenlieferung, die die Bande von Kelmancketslatt geliefert hatten. Hari Johnsons Bande hingegen ging leer aus.

„Hey Marcus, sieh dir das mal an!“ Frank zeigte dem Terraner eine Nachrichtenmeldung.

„Marcus Zimmer, Terraner, schwer bewaffnet und gefährlich. Fliegt eine modifizierte OTAS Venti. Kopfgeld 65.000 Credits Tot oder lebendig.“

„Das ist nicht euer ernst?! Marcus war erschüttert.

„Scheint so, als ob Hari Johnson dir das zerlegen seines Schiffes übel nimmt.“ Frank lachte bei dieser Aussage.

„Und was passiert jetzt?“ Marcus hatte keine Ahnung, wie das Leben mit einem Kopfgeld so ist.

„Erstmal gar nichts. Allerdings kannst du nun manche Gegenden vergessen. Ein paar Kopfgeldjäger werden nun nach dir Ausschau halten. Sektoren der Regierungen sind zwar sicher, allerdings ist das betreten von Randsektoren oder Piratengebieten nun ungleich gefährlicher. Wenn du sicher im Piratengebiet bleiben willst, solltest du einer Bande beitreten.“ Frank war weiterhin entspannt.

„Tolle Aussichten sind das!“

„Entspann dich, unser Kopfgeld ist auch nicht gerade klein! Wir haben allerdings den Vorteil, dass wir öfters für die Yaki und Don Morkin arbeiten. Ab und zu helfen wir auch anderen, aber meistens haben wir mit denen zu tun. Und dann gibt’s da noch die Regierungen, die Jobs für uns haben.“

„Soll das ein Rekrutierungsversuch sein?“ Marcus war etwas verärgert.

„Wenns klappt dann ja!“ Frank war fröhlich, mit Raumsprit in der Hand und den Augen auf die Damenwelt der örtlichen Bar fixierend.

„Nun Mr. Zimmer, wir könnten immernoch einen Piloten gebrauchen. Choke kann nicht immer an zwei Orten gleichzeitig sein.“ Der Paranide schaltete sich in die Diskussion ein.

„Eigentlich bin ich kein Kampfpilot. Ich war Soldat des USC und war dort eher als Sanitäter tätig. Später wurde ich dann ziviler medizinischer Offizier. Ich hab also relativ wenig Kampferfahrung.“

„Umso besser! Einen medizinischer Offizier fehlt uns momentan. Kampferfahrung haben viele einfache Piraten ebenfalls nicht. Nicht jeder ist ein ehemaliger Elitesoldat wie Hari Johnson oder Frank hier.“ Marcus wurde ganz ander als er hörte, dass Hari Johnson ehemals Elitesoldat gewesen sei. Und er hat sein Schiff demoliert! Wenn die Argonen genauso rigoros wie die Terraner beim Training von Elitesoldaten sind, dann konnte sich Marcus auf das schlimmste einstellen.

„Nun, habe ich denn eine Wahl? Außerdem kann ich zur Zeit sowieso nicht nach Sol zurückkehren. Argon und Terra bereiten einen Krieg vor und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er losbricht.“

„Nun, dann willkommen an Bord, Mr Zimmer!“
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