[P12] Rebirth 2048

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Tom
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[P12] Rebirth 2048

Beitrag von Tom » So 11. Mai 2014, 12:07

Rebirth – 2048

Prolog

Nur zwei Dinge sind unendlich:
Das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Ersten bin ich mir nicht sicher.
Albert  Einstein

1998 - * Die weltweite Konjunktur stagniert.
2000 - * Der gefürchtete Computer-Datencrash bleibt aus.
2007 - * Die Weltwirtschaft hat einen Rekordtiefpunkt
erreicht; viele wandern in andere Länder aus.
2008 - * Die internationale Raumstation wird fertig gestellt.
2012 - * Die Weltwirtschaft bricht zusammen.
2013 - * Weltweite innen- und außenpolitische Krisen bilden
sich.
2014 - * Im Orient taucht ein fanatischer religiöser Führer
auf. Er ruft zum Zusammenhalt gegen die
`Andersartigkeit’ auf.
2015 - * Terroristen setzen weltweit biologische und chemische
Kampfstoffe bei Terrorakten ein.
2016 - * Der 3. Weltkrieg beginnt.
2017 - * Millionen Tote sind seit Beginn des Krieges zu
beklagen. Ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein.
2018 - * Unter hohen Protesten kann der Einsatz von
Nuklearwaffen seitens der UN in letzter Sekunde
verhindert werden.
2019 - * Die Terroristen setzen kleine, aber schmutzige
Nuklearwaffen ein. Ein Nuklearkrieg entbrennt.
2020 - * Durch den Krieg wurde die Forschung weit
vorangetrieben.
* Die Computertechnik potenziert sich.
* Es gelingt ein Durchbruch beim Bau von Kampfrobotern.
2021 - * Künstliche Intelligenz wird erforscht und in die
Kampfroboter implementiert.
* Der 3. Weltkrieg wird in Rekordzeit nach Beginn
der Massenproduktion von Kampfmaschinen beendet.
2025 - * Langsam erholt sich die Weltwirtschaft.
* Weltweit wird eine Standardwährung eingeführt:
Krediteinheiten, kurz Credits.
* Die Robot- und KI-Technologien werden nun auch für
die zivile Nutzung freigegeben.
2028 - * Roboter ersetzen fast sämtliche Arbeitskräfte.
* Die Arbeitslosigkeit steigt ins Unermessliche.
2031 - * Die Verbrechensrate steigt urplötzlich enorm an.
Die Ursache scheint Langeweile und Unausgelastetheit
zu sein.
2036 - * Durch die Robotisierung sind die Menschen bequem
geworden.
* Durch die Robotisierung konnte das Problem von
Nahrungsmangel aus der Welt geschafft werden.
* Das Problem der Überbevölkerung wird extrem akut.
2039 - * Alle Weltrauminstitute fusionieren zur ‚United
Space Corporation’ [USC].
* Es werden Raumstationen vom Typ ‚O’Neil’ und ‚Bernal’
in Angriff genommen.
2040 - * Es werden Terraformermaschinen (Raumschiffe) gebaut,
die den Mars und andere Planeten / Monde des
Sol-Systems für Menschen bewohnbar machen sollen.
Das Projekt ist auf 100 Erd-Jahre angelegt.
* Die Meere und Ozeane der Erde werden ebenfalls
besiedelt.
2042 - * Kybernetische Implantate werden ermöglicht. Personen
die einen Körperteil verloren haben oder deren Organ
irreversibel beschädigt ist, bekommen so einen neuen
verbesserten Körperteil oder ein neues Organ.
2044 - * Die Kriminalität wird in vielen Bereichen bekämpft.
* Die Kriminalität in der Cyber-Branche steigt.
2045 - * Neurale Implantate werden ermöglicht.
Wer sich ein Implantat einpflanzen lässt, kann Daten
innerhalb weniger Augenblicke abrufen. Die
weltweite Vernetzung erhält eine vollkommen neue
Dimension.
* Virtuelle Realität ist auf dem Vormarsch.
2046 - * Die Genetik und Raumfahrt werden neben der Computer-,
K.I.- und VR-Forschung, weitere
Elite-Forschungsgebiete.
2048 - ... wer weiß was die Gegenwart für uns bereit hält
oder gar die Zukunft ...

Intro

Große Kunst ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weglassen kann.
Chinesisches Sprichwort

Als Virtuelle Realität (VR) wird die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten virtuellen Umgebung bezeichnet.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [P12] Rebirth 2048

Beitrag von Tom » So 11. Mai 2014, 12:08

Kapitel Null <0> Before

Anything that can go wrong, will go wrong.
(Alles was schiefgehen kann, wird schiefgehen.)
Murphy´s Law

Murphy war ein Optimist.
Oppenheimer

Langsam erwache ich aus meinem tiefen Schlaf.
Ich hatte schönes geträumt. Erotisches. Doch nun klingelte der Wecker penetrant und ich muss aufstehen. Noch im Halbschlaf murmle ich etwas.
»Schütze, Feuer frei auf den feindlichen Wecker!«
Ich werfe das Kopfkissen, das ich vorher über meinem Kopf geschlungen hatte, um den Wecker nicht zu hören, in dessen Richtung. Das Kissen verfehlte den Wecker um gut einen Meter und rutschte an der kahlen Wand herab.
Ich setze mich auf die Bettkante und reibe mir die Augen. Musste das sein, so früh aufstehen? Ja, es musste leider sein. Ich habe heute etwas sehr wichtiges vor und dafür darf ich unter gar keinen Umständen zu spät kommen.
Ein Gähnen war das Zeichen für mich, dass ich mich nun waschen sollte, wenn ich nicht zu spät kommen wollte. Wie spät war es eigentlich? Ich sah auf den elektronischen Wecker und riss die Augen auf. 15. Mai 2007; Vier Uhr morgens.
»Vier Uhr?« Ich stöhne.
Ich will noch mal ins Bett und weiterschlafen, doch ich erinnere mich, dass ich den Wecker selbst so gestellt hatte. Ich hätte gestern Abend wirklich nicht so lange aufbleiben sollen. Ich stehe auf und knalle sofort längs mit dem Gesicht auf den Boden.
»Au.«
Nachdem ich mich wieder aufgerichtet hatte, sah ich zu meinen Füßen hinab. Die Hose hing noch an meinen Knöcheln. War ich gestern wirklich so fertig, dass ich mich nicht mal mehr ganz ausziehen konnte?
Kopfschüttelnd zog ich die Hose aus und warf sie unachtsam aufs Bett. Dann ging ich in den Waschraum und drehte das Wasser der Dusche auf. Es war angenehm warm. Ich zog noch meine Unterhose aus, warf sie in die Waschmaschine und ließ dann das Wasser auf mich herabprasseln.
Ich vergaß die Zeit und als ich wieder aus der Dusche kam, waren bereits 15 Minuten vergangen. Ich putzte mir die Zähne, kämmte meine langen Haare und ging dann nackt in die Küche. Dort machte ich mir erst einmal einen starken Kaffee, mit einem Spritzer Zitrone und dazu eine knusprige Semmel mit Kirschmarmelade.
Als ich erneut auf die Uhr sah, waren bereits wieder 15 Minuten vergangen. Ich ging schnellen Schrittes in mein Schlafzimmer und kruschte mir einen Anzug samt Krawatte heraus. Alles schwarz, außer das Hemd, das war weiß. Wieder in der Küche kramte ich mir alle meine Unterlagen zusammen und verstaute sie sorgfältig in meinem Aktenkoffer. Ich packte ihn, klemmte ihn unter den Arm und ging aus der Haustüre raus. Schloss ab, ging zur Garage, schloss auf und setzte mich in meinen Ford Puma.
Das Auto glänzte in der frühen Morgensonne. Panther-Schwarz-Metallic. Eine herrliche Farbe. Man konnte schon fühlen, dass der heutige Tag wieder eine brütende Hitze bringen würde. Ich sah kurz auf das Thermometer, dass an der Außenwand der Garage hing: 27 Grad Celsius. Nunja, ich war nicht gerade überrascht. Gestern Abend konnte ich eh schlecht einschlafen. Ist bei mir nunmal immer so, wenn es am nächsten Tag heiß wird. Tief ausatmend setzte ich mich im Sportwagen zurecht und schloss die Tür. Jedesmal fühlte ich mich von der Außenwelt abgekapselt. Wird wohl vielleicht daher kommen, dass ich sämtliche Fensterscheiben verdunkeln hatte lassen. Von Außen waren sie schwarz wie die Nacht. Man konnte nicht hereinsehen. Aber hier herinnen konnte man fast ohne Unterschied hinaussehen. Nur ein leichter braun-grauer Farbton vermischte sich mit den Originalfarben außerhalb des Autos. So konnte man auch Nachts fahren, ohne eine zu starke Sichtbeschränkung, durch die getönten Fensterscheiben, zu haben. Und sollte tatsächlich mal die Sonne zu stark scheinen, so hatte ich immer noch meine Sonnenbrille. Ich ließ den Wagen um und fuhr langsam rückwärts aus der Garage raus, hielt an, stieg aus und machte das Garagentor zu. Genau im selben Augenblick kam Christin, meine geliebte Ehefrau, herangefahren. Ich öffnete schnell das andere Garagentor und sie konnte, ohne anhalten zu müssen, direkt in die Garage hineinfahren. Christin stieg aus und lächelte mich an. Ihr wunderschönes schmales Gesicht und die langen blonden Haare brachten ihre noch schöneren blauen Augen zum Vorschein. Sie leuchteten wie die Sonne und waren so kräftig wie das Meer.
»Guten Morgen, mein Schatz« Begrüßte sie mich. Und ich erwiderte den Gruß etwas langgezogener. »Guten Morgen.«
Etwas stimmte nicht, dass spürte ich sofort.
»Probleme?« Fragte ich und Christin zuckte nur mit den Schultern, während sie ihr Auto, ein goldfarbener Ford Reflex, ausräumte. Ein schönes Auto. Stromlinienförmig. Futuristisch. Extra aus den U.S.A. Importiert. Deshalb natürlich auch teuer. Aber das machte er durch seinen geringen Verbrauch und den ebenfalls geringen Unterhaltskosten sehr schnell wieder wett.
»Als ich bei Neumanns war, hat der alte Herr schon auf mich gewartet. Er hat angeblich seine Zeitung gestern –mal wieder- nicht bekommen.« Meinte Christin und gab mir einen langen, sehr intensiven Zungenkuss. »Alles vorbereitet für deinen großen Tag?«
»Ja.« Erwiderte ich kurz und lächelte sie an. Was für eine Frau. Ich konnte einfach nicht meine Augen von ihr lassen. Sie war fast so groß wie ich. Schlank, nicht dürr, und hatte genau die richtigen Proportionen. Nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig.
»Hmm ... Entweder irgendjemand klaut die Zeitungen oder Neumanns will Geld sparen.«
»Ich glaub eher ersteres.«
»Ich auch.«
Da war es wieder. Dieses Gedankenlesen. Es war unheimlich und zugleich auch faszinierend. Wir wussten einfach was der andere gerade dachte und fühlte. Eine solche Verbindung war einfach ... perfekt - und selten.
»Musst du nicht los?«
Erschrocken zuckte ich zusammen und sah auf die Uhr. Wieder fast zehn Minuten um. Ich gab Christin einen Kuss und grabschte ihr an den Hintern, was sie mit einem wohligen Quieken beantwortete. Dann setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr los. Nicht ohne vorher meiner Frau noch einmal zuzuwinken und zuzuzwinkern.

Die Wiesen und Wälder zogen nur langsam an mir vorbei. Ich war in Gedanken und dachte an vieles. Nein, eigentlich dachte ich an garnichts und lies meine Gedanken einfach nur so herumschweifen. Alles an was es zu denken gab, hatte ich schon seit Tagen und Wochen vorbereitet und bin es mit meiner Frau immer und immer wieder durchgegangen. Ich schaue aus dem Fenster, während ich gemächlich mit 30km/h durch ein kleines Dorf fuhr. Die Häuser waren schon Jahrzehnte alt, aber man könnte sie alle für Neubauten halten. Nunja, nicht alle, aber doch die meisten.
Ich biege rechts ab und fahre den Berg hinunter, auf dem das Dorf und auch mein Haus liegen und beschleunige auf 80km/h. Rechts und links erstrecken sich weite Felder den Hang hinab und dahinter steigen wieder Berge auf, die mit Wäldern übersät sind. Welch schönes Land. Ich könnte mir nicht vorstellen in einer Stadt zu wohnen. Zu viel Lärm. Zu viel los. Zu viele Menschen. Ich bin in der Natur aufgewachsen und an sie gewohnt. Die frische Luft. Das klare Wasser. Die Ruhe.
Meine Aufmerksamkeit steigt rapide mit einem Adrenalin-Schub an, als plötzlich ein Auto aus einem kleinen Waldwegchen auftaucht. Der Typ, ein junger Mann –Fahranfänger-, schaut nicht rechts und auch nicht links. Ich Hupe und zeige ihm den Vogel. Ich weiß nicht, wie er reagiert oder schaut, denn ich habe schon längst auf die Gegenfahrspur gewechselt und bin an ihm vorbei.
Idiot.
Ich schüttle meinen Kopf und atme tief ein und aus. Ruhe kehrt zurück, aber das Adrenalin macht sich dennoch noch eine zeitlang bemerkbar.
Fünf Kilometer später biege ich links auf eine Bundesstrasse auf und erhöhe meine Geschwindigkeit auf 100hm/h. LKWs sind einige unterwegs. Normale PKWs und Kleintransporter kaum. Mein Weg führt mich an weiteren Dörfern und noch mehr Wiesen und Wäldern vorbei, in Richtung der nächsten größeren Stadt, die an die Bundesstraße grenzt - Straubing. Bekannt wegen dem Gäuboden und dem größten Volksfest gleich nach dem Münchner Oktoberfest. Ab und zu überhole ich mit 120 einen LKW und hoffe, dass nicht geblitzt wird. Einmal hat’s mich bereits erwischt und ein weiteres Mal muss nicht sein, auch wenn das erste Mal kaum der Rede wert war.
Wieder setze ich zum Überholen an, weil ein tschechischer LKW mit 70km/h dahindümpelt.
Müssen die so langsam fahren? Und müssen die so stinken? Boah ...
Doch ich ziehe gleich wieder rein, da ein anderer LKW mir entgegen kommt. Aus den Augenwinkeln sehe ich hinter mir etwas heranrauschen. Ich dreh mich leicht um und sehe einen Kleintransporter. Er zieht an mir vorbei und ich steige instinktiv gleich auf die Bremsen.
Sieht der Depp denn nicht, dass da ein LKW entgegen kommt?
Wieder einmal hat mich mein Instinkt nicht getäuscht, der kleine Transporter bremst voll zusammen und kracht dem LKW fast hinten drauf, als er reinzieht.
Was für ein Idiot! Solchen Typen müsste man sofort den Führerschein nehmen!
Der Tag beginnt ja gut ...
Kaum dass der LKW vorbei ist, zieht der Kleintransporter wieder raus und überholt. Und das an einer Stelle, wo man überhaupt nicht nach vorne sieht, da es zu kurvig ist und Bäume, sowie Hügel eine gute Sicht verhindern.
Pfff ... Der hat’s aber eilig. Lieber Zeit lassen und im ganzen Stück an’s Ziel kommen, als Vollgas einen Unfall verursachen oder in einen reindonnern.
Aber was geht’s mich an? Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich! Aber leider ziehen solche Kretins auch Unschuldige mitrein ...
Wieder etwas ruhiger werdend gehe ich auch vom Gas und lasse mir Zeit. Ich steh ja nicht unter Druck. Auch wenn ich schon zu Anfang ziemlich getrödelt habe, bin ich dennoch so früh aufgestanden, dass ich die Strecke zweimal gefahren wäre – hin und zurück! – bis ich meinen Termin hätte. Minutenlang fahre ich dem LKW mit 80-85km/h hinterher und warte auf eine Stelle, die es mir erlaubt zu überholen. Das ist einer der Gründe warum ich so früh fahre: LKWs und alle anderen langsamen Verkehrsteilnehmer. Die anderen Gründe sind auch schnell aufgelistet: Die Straßenverhältnisse, potentielle Unfälle oder Baustellen oder eine Polizeikontrolle oder oder oder. Was weis ich, was es noch alles geben kann. Bis jetzt war ich immer gut damit beraten und ich werd auch daran festhalten. Als sich endlich eine lange Gerade von über zwei Kilometern einstellt, schaue ich vorsichtig nach vorne und beginne mein Überholmanöver – frei Bahn.
Yeah!
Als ich schon am Führerhaus bin geschieht es: Ich sehe, wie ein PKW aus einer Abfahrt ausschert.
Der Dödl sieht den LKW nicht oder nimmt ihm die Vorfahrt!
Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Vollbremsung oder Vollgas. Eine Vollbremsung kann ich nicht bringen, da der Anhänger auch ausscheren wird, wenn der LKW dem PKW ausweicht. Da ich ja eh schon fast das Überholmanöver abgeschlossen habe, entscheide ich mich für Vollgas. Ich schalte einen Gang zurück und gebe Gas. Das Auto zieht an. Doch zu spät! Das Führerhaus rammt mich. Ich komme von der Fahrbahn ab und lande im Graben, fange aber das Auto wieder ab. Zumindestens denke ich das. Das Auto springt auf die normale Fahrbahnseite. Der LKW befindet sich nun hinter mir und bremst voll zusammen. Das Auto vor mir gibt Gas und verschwindet um die nächste Kurve.
Was für eine Sau! Begeht einfach Fahrerflucht ...
Es kracht und ich mähe mehrere Seitenstempen um. Ich bremse vorsichtig und versuche das Auto unter Kontrolle zu bekommen. Aber es springt immer wieder aus dem Graben raus und wieder rein. Schlussendlich kommt ein großer Felsbrocken auf mich zu.
Ein Flüstern kommt über meine Lippen. »Mist ...«
Dunkelheit ...

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Re: [P12] Rebirth 2048

Beitrag von Tom » So 11. Mai 2014, 12:08

Kapitel I <1> The Awakening

Wenn A für Erfolg steht, dann gilt die Formel: A=X+Y+Z.
X ist Arbeit, Y ist Spiel und Z heißt Maulhalten.
Albert Einstein

Licht ...
Langsam öffne ich die Augen. Doch erkennen kann ich nichts.
Wo bin ich?
Wie lange war ich weg?
Was ist passiert?
Ich erinnere mich. Ich hatte einen Autounfall. Ich versuche meine Umgebung wahrzunehmen, doch ein Schleier legt sich um meine Wahrnehmung. Ich glaube Stimmen zu hören. Träum ich oder wach ich? Oder bin ich schon tot?
Ich versuche mich aufzurichten, aber ich habe keine Kraft. Ich versuche zu sprechen, aber ich kann nicht. Mein Mund, meine Kehle, mein ganzer Körper fühlt sich ausgetrocknet an. Hölle nochmal. Ich schließe meine Augen und dämmere weg.

»Mr. Johnson? Können Sie mich hören?«
Ich öffne meine Augen und sehe in das Gesicht eines alten Mannes. Graue kurze Haare, blaue Augen, ein schmales Gesicht mit vielen Falten. Irgendwas an ihm kommt mir bekannt vor, aber ich kann mich nicht erinnern ihn schon mal gesehen zu haben.
»Ja.« Krächze ich und lange mir an den Hals.
»Ihr Körper war einem großem Stress ausgesetzt. Deswegen ist er noch ziemlich lädiert.« Er gibt mir ein Glas Wasser und ich trinke vorsichtig. Die Flüssigkeit rinnt mir wohltuend hinab und ich fühle, wie in meinen Körper die Energie zurückkehrt.
»Erinnern Sie sich an das was Ihnen passiert ist?«
»Ich ... ich hatte einen Autounfall.«
»Ja. Können Sie sich an noch mehr erinnern?«
Ich denke kurz nach und verneine.
»Bin ich schwer verletzt?« Auch wenn ich spüre, dass die Energie zurückkehrt; Kraft habe ich noch immer kaum welche.
»Nein. Nur eine Verletzung an Ihrem Kopf.«
Er hat bei der Antwort gezögert. Etwas stimmt nicht. Das spüre ich genau. Aber ich bin zu schwach um mich näher damit zu beschäftigen. Wieder dämmere ich weg.

Seit ich das letzte Mal aufgewacht bin, bin ich kräftiger geworden. Ich kann mich aufrichten und kann mich umsehen. Das Zimmer in dem ich liege ist interessant. Es gibt keine Beleuchtung im alten Stil. Keine Lampen, keine Glühbirnen, nichts. Stattdessen scheinen die Kanten an Boden und Decke zu glühen. Indirekte Beleuchtung. Angenehm. Sehr angenehm sogar. Zumal es nicht das grelle Weiß ist, dass ansonsten immer in Krankenhäusern brennt, sondern ein dunkles Blau. Gut für die Augen, wenn man aufwacht. Man wird nicht geblendet und es schmerzt auch nicht. Die Wände sind mit Motiven verziert. Sie zeigen die Natur. Strand, Meer, Wälder, Wiesen, Dschungel. Alles geht fließend ineinander über.
Befinde ich mich überhaupt in einem Krankenhaus? Eine gute Frage. Überall an meinem Körper befinden sich Schläuche und Elektroden. Ich werde überwacht. Nunja, was anderes habe ich auch nicht wirklich erwartet. Ob ich mich nun in einem Krankenhaus befinde oder nicht.
Die Tür gleitet leise zur Seite –wie modern!- und eine Krankenschwester tritt herein. Sie ist hübsch. Lange schwarze Haare, orientalische Züge, braune Augen und ein paar Zentimeter kleiner als ich.
»Guten Morgen. Wie geht es Ihnen heute?«
»Gut.« ich setze mich auf und das scheint die Schwester sehr zu überraschen. »Ich fühle mich kräftiger.«
»Sehr beeindruckend.« Sie kontrolliert die Geräte und nimmt mir etwas Blut ab. Danach injiziert sie mir etwas. Dabei lächelt sie mich an. Ich kann nicht anders und lächle zurück.
»Ist das hier ein Krankenhaus?«
Sie sieht mich erst fragend an, bevor sie mir eine Antwort gibt.
»Ja, dies hier ist ein Krankenhaus. Eines der modernsten, dass es auf der Welt gibt.«
Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Sie freut sich hier arbeiten zu dürfen.
»Wie ist Ihr Name?« Irgendwie sollte ich mich auf die Situation einstellen. Keine Ahnung wie lange ich noch hier bleiben muss. Aber wenn es mir wirklich so gut geht, wie ich mich fühle, dann bin ich spätestens in zwei oder drei Tagen draußen.
»Anja. Anja Long.« Wieder dieses Lächeln. Flirtet sie mit mir?
»Thomas, Johnson.«
»Ich weis.«
»Patientenakte.«
»Ja.«
Wir lachen leise und etwas verlegen.
»Nun, Mr. Johnson.«
»Tom. Nennen Sie mich Tom.«
»Nun gut.« Sie blickt mir direkt in die Augen und schenkt mir einen Augenaufschlag, der mir das Herz höher schlagen lässt. Schade, dass ich schon verheiratet bin. Nein, nicht wirklich. Ich bin und bleibe Christin Treu. »Dann darfst du mich Anja nennen.«
»Schön dich kennen zulernen.« Ich reiche ihr die rechte Hand, sie greift mit ihrer zu und wir schütteln sie kurz.
»Wie heißt dieses Krankenhaus und wie ist es?«
»Das Sankt Elisabeth Klinikum in Straubing.«
»Ahja. Kenn ich. Hat sich mächtig viel geändert, als ich das letzte Mal hier war.«
»Sehr viel sogar.« Sie wird sehr zurückhaltend. »Ok, Herr Johnson. Alles soweit in Ordnung. Ich sehe später noch mal nach Ihnen. Vielleicht kommt der Chefarzt auch persönlich vorbei.«
Hab ich was Falsches gesagt? Denn bevor ich noch was sagen konnte, was sie auch schon raus aus dem Zimmer. Ich lege mich wieder hin, denn so verkabelt kann ich nicht mal im Zimmer spazieren gehen.

»Mittagessen!«
Der Arzt, den ich schon einmal gesehen habe ist wieder da. Er bringt mir interessantes zu Essen.
»Mhh, lecker. Keine Diät?« Spotte ich ein wenig. Das Essen in Krankenhäusern genießt ja nicht unbedingt einen guten Ruf.
»Mitnichten! Sie müssen Kraft aufbauen. Schließlich sind Sie ja ziemlich lange gelegen. Und auch Ihr Körper hat einiges mitgemacht.«
»Ich dachte, ich hätte nur was am Kopf abbekommen?«
»Es ist komplizierter.«
»So?«
»Ja. Sehr kompliziert.«
»Raus damit.«
»Das könnte Sie sehr schocken.«
»Ich bitte Sie. Ich hab schon einiges durchgemacht.«
»Wie Sie wollen.« Der Arzt sucht nach dem richtigen Worten und blickt mich dabei seltsam an. Irgendwie voller Mitleid.
»Wir haben den Sechsten März Zweitausendachtundvierzig.«
06.03.2048 - Schock ...
Jahre ... Ich war Jahre ... Jahrzehnte weg.

»Koma? Cryo-Stasis?«
»So ist es.«
Ich sitze draußen im Garten und lasse die warmen Sonnenstrahlen meinem Körper neue Kraft geben. Der Wind weht durch die Birken und die Amseln zwitschern. Neben mir sitzt der Arzt und mustert mich. Wahrscheinlich will er die psychologischen Auswirkungen erkennen und mir Hilfe geben.
Es war ein Schock.
Als er mir das Datum offenbarte, mir sagte, dass ich Jahre im Koma lag und noch länger eingefroren war, da ist irgendetwas in mir zerbrochen. Ich bin geistesabwesend in die Toilette gegangen und hab in den Spiegel gesehen. Geistig bin ich noch immer 23 Jahre alt. Aber mein Körper ist 39 Jahre alt. Ich habe an Muskelmasse verloren. Bin bleicher geworden. Meine schöne dunkle Bräunung ... Irgendwie finde ich es witzig. Ich bin 64 Jahre alt.
»64. Ich hab mich ziemlich gut gehalten.« Ich lache. Aber ohne Humor.
»Wir haben Ihre Familie benachrichtigt, als sie erwacht sind.«
Meine Familie ...
Meine Frau ... lebt sie noch?
Meine Tochter ... hat sie bereits geheiratet und eigene Kinder bekommen? Oder ist sie vielleicht auch tot?
Ich könnte bereits Großvater sein ...
Vielleicht sogar Urgroßvater ...
Ich könnte aber genauso gut alleine sein ...
Ich bin eine Art Anachronismus.
Das alles ist ... faszinierend.
»Es gibt da noch etwas, was Sie wissen sollten, Herr Johnson ...«
Oh weh ...
Doch bevor mir der Arzt noch was sagen konnte, bekam ich Kopfschmerzen. Erst kleine, dann stärkere. Ich biss die Zähne zusammen und ignorierte sie. Wenn ich schon was am Kopf habe, dann wird das nur eine Nachwirkung sein. Doch die Kopfschmerzen würden schnell stärker. Ein Stechen und Ziehen, das schnell zu einem Brand wurde. Ich langte an meine Schläfen und massierte sie. Plötzlich wurde mir schwarz vor Augen und mein Bewusstsein schaltete ab.

Als ich wieder aufwachte war ich umringt von Leuten in weißen Kitteln.
»Geht es Ihnen besser?«
Ich fasse mir an den Kopf und der Schmerz ist weg.
»Mehr oder weniger. Was ist passiert?«
Eine Frau in einem schwarzen Trenchcoat betritt mein Zimmer und fordert alle Anwesenden auf zu verschwinden. Dann setzt sie sich neben mich und starrt mich eine Weile an. Während sie das macht habe ich ebenfalls Gelegenheit sie zu mustern. Ihre Haare sind purpur und ich habe so das Gefühl, dass das ihre echte Haarfarbe ist und nicht gefärbt. Ihre Augen sind grau und das Gesicht sehr schmal. Ihr Teint ist dunkel und sie überragt mich um ein paar Zentimeter. Sie kommt mir so bekannt vor.
»Hallo, Vater.«
»Kara?«
Meine Tochter? Kann das sein? Ja, natürlich. Sie müsste jetzt wie alt sein? 44? Aber sie sieht aus wie 30. Wunderschön.
»Du kommst ganz nach deiner Mutter.«
Mit weit aufgerissenen Augen sieht sie mich an. Bricht dann in Tränen aus und umarmt mich.
»Wir haben dich so sehr vermisst.« Schluchzt sie.
Vorsichtig lege ich meine Arme um sie und streichle ihr Haar. Es fühlt sich an wie Seide.
»Kara ...«
»Oh, Paps.«
Weinend halte ich sie in meinen Armen und Gefühle durchströmen mich.
Verwirrung. Glück. Zweifel.
»Komm, gehen wir nach Hause.«
Nach Hause ... das hört sich gut an. Aber ob es noch das ‚Zuhause’ ist, dass ich kenne?

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Re: [P12] Rebirth 2048

Beitrag von Tom » So 11. Mai 2014, 12:08

Kapitel II <2> In the Beginning

Das Wichtigste ist, nie aufzuhören, Fragen zu stellen.
Albert Einstein

Schöne neue Welt.
Interessante neue Welt.
Faszinierende neue Welt.
Ich sitze nun im Zen-Garten des neuen Hauses, das neben meinem alten gebaut wurde. In dessen Zentrum erhebt sich ein mächtiger Kirschbaum. Um ihn herum sind Steine angeordnet, die Wellen im Sand werfen. Ein kleines Rinnsal durchzieht den Garten und umschließt den Baum. Alles sieht aus wie eine miniaturisierte Darstellung der Umgebung.
Kara hat mich nach Hause gebracht und dann erzählt, was man alles mit mir angestellt hat.
Nach dem Unfall hat man mich in ein künstliches Koma verlegt, um meiner Selbstheilung nachzuhelfen. Doch ich wachte einfach nicht mehr auf. Jahre vergingen und die Technik, wie auch die Medizin entwickelten sich weiter. Dennoch half nichts, um mich aus meinem Koma zu holen. Also hat man mich in Cryo-Stasis versetzt, um mich eines Tages wiederzubeleben, wenn es die Möglichkeit gab, mich zu heilen. Als dann schließlich neurale Implantate Serienreife erlangt hatten, beschloss man diese für die ärztliche Behandlung zu modifizieren. Sie sollten beschädigte oder zerstörte Teile des Gehirns anregen beziehungsweise ersetzen. Ich gehörte nicht zu den Ersten, die solche Implantate erhielten. Erst viel viel später, nachdem die Neuro-Implantate weiterentwickelt wurden, bekam ich eines von ihnen. Da man aber bei mir keine Schädigung des Gehirns festgestellt hatte, wusste man nicht, welche Teile des Gehirns angeregt werden sollten. Man entschloss sich daher zu einer totalen Vernetzung. Gleich nach der Operation oder noch währenddessen, das ist noch nicht so ganz klar, kam ich bereits zu mir. Dann dauerte es mehrere Tage, bis ich zum zweiten Mal zu mir kam.

Ich sehe zum Kirschbaum hinüber und betrachte das Grab, das dort schon seit vielen Jahren steht.
»Mutter hat es sehr schwer getroffen.« Ich hatte Kara nicht bemerkt. Das lautlose Anschleichen scheint wohl in der Familie zu liegen. Sie setzt sich neben mich und sieht ebenfalls zum Grab hinüber. Der ganze Garten befindet sich im inneren des Hauses, dass vollkommen im asiatischen Stil gebaut und eingerichtet worden war. »Dich so reglos ans Bett gefesselt zu sehen war für uns alle nicht leicht. Aber Mutter hat es wirklich sehr mitgenommen. Jeden Tag hat sie dich besucht, mit dir geredet, gebetet und nie die Hoffnung verloren.« Kara machte eine kurze Pause. Sie atmete tief ein und aus, dann fuhr sie fort. »Sie war dir immer Treu. Keinen anderen hat sie an sich heran gelassen. Sie hat nur dich geliebt. Von ganzem Herzen. Aus tiefster Seele. Sie ist in deine Fußstapfen getreten und hat alles in deinem Sinne weitergeführt. Aber sie ist nie wieder die geworden, die sie vor deinem Unfall war. Irgendwie hat sie sich wohl die Schuld gegeben. Aber das ist vollkommener Unsinn. Sie hätte nichts tun können, um das zu verhindern. Das haben wir ihr auch gesagt und das wusste sie auch. Vor ein paar Jahren dann, kurz nachdem ich geheiratet hatte und zweieiige Zwillinge bekommen hatte, starb sie. An einem gebrochenem Herzen. Sie hat uns alle Kraft gegeben, die sie hatte. Sie hat sich nichts aufgespart. Mutter hat sich für uns aufgeopfert.«
Ich sehe in die Augen meiner Tochter. »Was ist noch so alles passiert?«
Kara nimmt mich an der Hand und wir gehen ins Haus hinein. Im Flur stehen Statuen von einem Phönix, einer Schlange, eines Drachen, einer Schildkröte und eines Tigers. Ich folge ihr in einen vollkommen leeren Raum. Sie macht eine Handbewegung und ein Regenbogen aus Farben prasselt von der Decke herab. Es baut sich schnell ein dreidimensionales Bild in der Luft auf. Es zeigt einen DNA-Strang.
»Ein Hologramm.« Sage ich beeindruckt.
»Das ist noch gar nichts.« Erwidert Kara.
Kara beginnt zu erzählen und jede Erzählung wird von einem Bild oder einer Videosequenz begleitet. Ich habe das Gefühl, dass ich mich direkt im Geschehen befinde.
»Nachdem Mutter alles in die Wege geleitet hatte, ging es sehr gut weiter für uns. Wobei ja ‚uns’ nicht so richtig stimmt, da wir ja damals nicht so alt waren. Naja, du weist ja was ich meine. Also, die Firma hat sich auf Spiele konzentriert und natürlich auf die virtuelle Realität. Wir haben das Spiel Omega – Beyond the Grave geschaffen. Eine Wirtschafts- und Kampfsimulation in einer Fantasy-Welt. Es schlug ein wie eine Bombe und nach insgesamt 23 Spielen ein Ende fand. Natürlich haben das die Fans nicht gerade positiv aufgenommen. Das Game ist einfach in Null Komma Nix zum Kult geworden. Das Geld was wir durch diese Serie eingenommen hatten, wurde wieder in VR-Forschung und in ein neues Spiel gesteckt. Das neue Spiel basierte auf unserer VR-Technologie. Es war ein Wagnis es auf den Markt zu bringen, da die Konkurrenz uns ziemlich mies machte. Aber die Fans standen zu uns und da wir die einzigen waren, die mit der VR-Technologie entstehen ließen, hatten wir in dem Bereich auch gleich die Vormachtsstellung übernommen. In Godline, so der Name des ersten Spieles in der virtuellen Realität, spielt man einen Gott, der die Geschicke einer ganzen Welt lenkt. Zu Anfang erschafft man sich einen Planeten seiner Wahl. Sonne, Himmel, Wolken, Bäume, Pflanzen, Tiere – praktisch alles was es gibt kann man nach eigenen Wünschen gestalten. Das so ein Spiel natürlich nicht schnell programmiert ist, dürfte ja wohl klar sein. Wir haben schon bei Omega²-2nd.Chance angefangen das Game nebenbei zu programmieren. So hatten wir alle Zeit der Welt und konnten sehr detailliert arbeiten. Also weiter. Nachdem man die Umwelt, Flora und Fauna nach seinen Wünschen gestaltet hat, konnte man nun zusehen und die Evolution beeinflussen. Je nach dem welche Neigung man hat, konnte man einem Tier oder eine Pflanze zu Intelligenz verhelfen. Einer? Nein, so vielen wie man wollte! Während des Spielverlaufes entwickelten sich die Wesen von primitiven Höhlenwesen, über das Mittelalter weiter, bis hin zur industriellen Rasse und darüber hinaus. Aber das ist natürlich nicht alles. Jederzeit konnte man angegriffen werden oder selbst feindliche Rassen oder Nationen angreifen. Eigentlich ein altes Prinzip, aber dennoch werden solche Spiele immer und immer wieder verkauft. Nur das wir sämtliche Spiele genau studierten und jedes Feature miteingebaut hatten, um so ein wirklich geniales Game zu erschaffen. Aber Mutter hielt an einem deiner Träume fest – das ultimative Spiel zu erschaffen, aber darauf komme ich noch später zu sprechen.

Nachdem mein Bruder und ich erwachsen wurden, sind wir natürlich ebenfalls in deine Fußstapfen getreten. Allerdings nicht für lange. Während Susumu sich auf die Kybernetik stürzte, habe ich mich mit Genetik befasst. Mutter hat weiterhin Virtual Reality Incorporated, kurz VR-Inc, geleitet. Einige Jahre später haben sich mein Bruder und meine Wenigkeit selbstständig gemacht. Susumu gründete Cyber Technologies, kurz CyberTech und ich die Genetic Corporation, kurz GenCorp. Irgendwann haben wir alle drei Firmen zu einem Konzern fusioniert –die Forschung und Entwicklung in den Bereichen boomte unglaublich, sodass man wirklich ‚Konzern’ sagen kann.

Die virtuelle Realität und auch die holographische Technologie wurden schon bald Standard. So war es zum Beispiel sehr angenehm jederzeit Informationen an jedem beliebigen Ort abrufen zu können, ohne dass man sich an einen PC setzen musste. Man nahm einfach eine Art Pad von ungefähr Zehn mal Zehn mal Zwei Zentimetern in die Hand und konnte so mit Hilfe von Hologrammen auf die virtuelle Realität zugreifen. Die virtuelle Realität war in dem Fall nichts anderes als das Internet. Das wiederum wurde nach und nach mit der virtuellen Realität verschmolzen. Nehmen wir zum Beispiel ein Forum. In den alten Zeiten musste man sich da durchklicken. Die Oberfläche war meistens immer gleich aufgebaut und man hatte nie die Möglichkeit mit der Zweidimensionalität von Monitoren richtig zu interagieren. VR-Brillen und Handschuhe waren da schon ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Forum. Mit der neuen VR und Hologrammtechnologie konnte man nun dreidimensionale Objekte erschaffen. Eigentlich das gleiche wie bei den Spielen. So wurde zum Beispiel ein Forum, dass sich mit der Antike beschäftigte, so dargestellt, wie ein Kolosseum oder ein Museum. Mit der neuen Technologie gab es für die Kreativität keine Grenzen mehr. Nehmen wir das Museum als Beispiel für ein Forum. Das ganze Gebäude stellt das Board dar. Während jede Kategorie eine Etage ist und jeder Raum ein Forum. Jedes Objekt das sich in einem Raum befindet stellt einen Beitrag eines Users dar. Mit allen Gegenständen kann man interagieren und so die Informationen bekommen, die eingetragen wurden. Ein anderes Beispiel wäre zum Beispiel eine Firmenhomepage. Früher war sie ebenfalls zweidimensional und schön brav verlinkt. Heutzutage wird stattdessen gleich das ganze Firmengebäude oder etwas Ähnliches dargestellt. Im Aufbau einem Board nicht ganz unähnlich. Jede Seite ein Raum. Jede Information ein Objekt. Der Phantasie sind keine Grenzen mehr gesetzt!
Aber das ganze wirkte immer noch ziemlich leblos. Man konnte zwar mit allem interagieren, aber es gab keine anderen Personen. Naja, es gab sie schon, nur wurden sie nicht dargestellt. Also wurden sogenannte ‚Avatare’ miteingebunden. Jeder User der das wollte, konnte sich so einen Avatar erstellen. Ein virtuelles Pendant zu sich selber sozusagen. Das Aussehen war und ist natürlich frei wählbar. Man kann als Urmensch oder als Alien das virtuelle Netz unsicher machen. Man kann als ein Superheld oder Superschurke aussehen. Man kann aber auch eben genauso aussehen, wie man tatsächlich ist. Alles gar kein Problem. Diese Avatare bevölkern nun das VN - das Virtuelle Netz. Mit diesen virtuellen ‚Ichs’ kann man nun umherspazieren und nun auch mit anderen Usern interagieren.

Der nächste Schritt war eigentlich eine Überraschung und so nicht geplant, zudem hat es viel Aufruhr gegeben. Wir hatten eine Brille beziehungsweise eine Kontaktlinse in Arbeit, mit der man direkt ins VN reisen kann. Wobei ‚reisen’ nicht ganz richtig ist. Die Brille bzw. Kontaktlinse projiziert die Bilder in 3D direkt auf die Netzhaut. So wird die Illusion erzeugt, dass man sich wirklich im VN befindet. Die Kontrolle des Avatars und die Interaktionen werden durch drei Elektroden ermöglicht, die am Genick und an den Schläfen befestigt werden und die Gehirnströme messen. Es ist natürlich auch einstellbar, wie stark die Illusion sein soll. So ist es möglich, dass sie zur Hälfte durchsichtig ist. Sprich: Man die echte Umgebung noch erkennen kann. So kann man sich während der Arbeit oder wenn man Shoppen ist gleichzeitig im VN aufhalten. Während die Brille noch mit kleinen feinen Kabeln arbeitet, um die Brille mit den Elektroden zu verbinden oder mit einem PC, basiert die Kontaktlinsentechnologie vollkommen auf Funk.
Das ganze Projekt hat sehr gut funktioniert, bis es zu einer Rückkopplung kam. Wie ich schon gesagt habe, habe ich mich für Genetik und Susumu für Kybernetik interessiert. Zusammen haben wir beide ein neurales Implantat entwickelt, dass Personen mit geschädigten Gehirnteilen helfen sollte. Einer dieser Patienten, der ein solches Neuro-Implantat besaß, hatte sich auch in das VN eingeklinkt. Das Neuro-Implantat und die VN-Technologie haben unerwartet miteinander reagiert, sodass es zu einer Rückkopplung kam, dass den Patienten fast das Gehirn gegrillt hätte. Fast. Nachdem er wieder erwacht war, besaß er die Fähigkeit sich direkt ins VN einzuklinken. Seele und Körper waren also irgendwie getrennt. Es gab viele Untersuchungen und natürlich gab es viele Projekte, die sich auf eben einen solchen Effekt spezialisiert hatten, aber Erfolge hat es nie wirklich gegeben. Durch diesen Vorfall wurden diese Projekte in vollkommen neuem Licht bewertet. Nach mehreren Jahren Forschung und Entwicklung, sowie vielen Versuchen hat man die neuralen Implantate dahingehend erweitert, dass sie nun auch die Fähigkeit besitzen jemanden ins VN zu schicken. Es hat natürlich viele Diskussionen darüber gegeben. Aber es gibt immer welche, die neuen Technologien begierig aufgeschlossen sind oder von denen abgeschreckt werden.

Irgendwas wollte ich jetzt noch sagen ...
Ahja, genau. Das ultimative Spiel – Ultimate Universe.
Es ist eine Mischung aus praktisch jedem Spiel das es je gab. Grob gesagt. Man könnte es als erweiterte Onlineversion von Godline sehen. Man ist nun kein Gott mehr. Man ist ein Mensch, oder ein beliebiges anderes Wesen, und kann seinen Beruf frei wählen. Wie der Name schon sagt ist es ein sehr komplexes Universum. Es gibt Millionen von Galaxien, Sonnensystemen und Planeten. Je nachdem worauf man Lust hat, kann man sich in die entsprechende Welt versetzen lassen. Wer Fantasy Fan ist, kommt auf die entsprechende Welt. Wer Science Fiction Fan ist, kann sich auf eine solche Welt versetzen lassen. Oder gleich in eine Raumstation und kann dann, sofern er sich das entsprechende Geld verdient bzw. erhandelt hat, das gesamte Universum erforschen ... oder erobern. Eigentlich gibt es sogar mehrere Universen. Manche User fänden es wirklich grausig, wenn auf einem Fantasy Planeten urplötzlich ein Raumschiff landen würde. Da wäre wohl auch das Mächteverhältnis zwischen Pfeil & Bogen und einer Nuklearbombe total futsch.
Glaub mir, es ist wirklich das ultimative Game. Schließlich haben wir uns auch an die Vorstellungen gehalten, die du hattest. Ja, wir haben deine Aufzeichnungen betreffs „Project: Ultimate Universe – Das ultimative Game“ gefunden.«
Ich komme kaum noch aus dem Staunen raus.
»Mein Gott, dass ist wirklich beeindruckend.«
»Das glaube ich dir gerne. Aber eine Sache hat man dir immer noch nicht gesagt ...« Kara ist nervös. Sie überlegt wie sie mir etwas sagen kann. Schließlich sagt sie es einfach frei heraus. »Du hast ein VN-Implantat der neuesten Generation in deinem Kopf.«
»Ich habe WAS ...?«
»Und die Kopfschmerzen ... nunja, das war ein Hacker, der versucht hat in deinen Kopf einzudringen.«
»BITTE?!«
»Keine Sorge! Du warst nur kurz für eine Einstellung online und wir haben die besten Firewalls, die je programmiert wurden. Zudem waren einige Sicherheitsleute online und haben dich beschützt. Der Hacker wurde gefasst und neutralisiert.«

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [P12] Rebirth 2048

Beitrag von Tom » So 11. Mai 2014, 12:09

Kapitel III <3> First Steps

Für die ganze Welt bist du irgendjemand,
aber für irgendjemanden bist du die ganze Welt!
Unbekannter Autor

Ich sitze ganz still im Zen-Garten und meditiere. Die Abendsonne strahlt rot auf mich herab und schickt sich an hinter dem Horizont, der hier das Hausdach ist, unterzugehen. Ich bin ruhig. Außergewöhnlich, wenn man bedenkt, was ich heute alles erfahren habe.
Das NVNI, neurales virtuelles Netzwerk Implantat, ist ein Teil deines Körpers. Sagte Kara zu mir. Du kannst es so kontrollieren, wie einen Arm oder einen Fuß. Es geht ganz instinktiv. Wenn du nicht ins VN willst, dann wirst du auch nicht eingeklinkt. Du kannst genauso offline in deinem eigenen Gehirn spazieren gehen oder zocken. Du hast spezielles NVNI bekommen. Ein sogenanntes Programmierungs- und Administrierungs-NVNI. Du bist also in der Lage selbst Spiele zu kreieren und du hast auch die Möglichkeit das Virtuelle Netzwerk zu administrieren. Will heißen, du bist so was wie Gott.
Kara kommt zu mir heraus und reicht mir eine Tasse. Ich rieche Hagebuttentee. Mein Lieblingstee.
»Schock überwunden?« Fragt sie nur knapp. Ihre Stimme klingt ein wenig ängstlich und unterwürfig. Sie scheint Angst zu haben oder macht sich um mich Sorgen.
»Schock? Ich weis nicht, ob das Wort noch angebracht ist. Aber um deine Frage ein wenig zu beantworten: Ich denke schon.«
»Gut.«
Keiner von uns beiden sagt etwas. Der Wind streift durch den Kirschbaum und löst ein paar weiße und rosane Blüten herab. Schließlich ergreift Kara wieder das Wort. Die Stille scheint ihr nicht sehr zu behangen.
»Und nun?«
»Nun was?«
»Wie geht es weiter? Verlässt du uns?«
Ich zucke zusammen.
»Euch verlassen? Wie kommst du denn auf die Schnapsidee?« Ich schaue ihr direkt in ihre Augen. Es vergeht kaum eine Sekunde und sie sieht weg. »Aber wenn ihr wollt, dass ich gehe, dann verschwinde ich halt.«
»NEIN!« Ein Aufschrei. »Bitte Paps, niemand will dich loswerden. Ganz im Gegenteil. Wir sind heilfroh und überglücklich, dass du wieder bei uns bist. Wir hatten nur Angst, dass du unsere Beweggründe nicht verstehst. Oder dich einfach nicht in dieser Zeit zurechtfindest.«
Mit Tränen in den Augen sieht sie mich an. Ich stehe auf und nehme sie in meine Arme.
»Ich bin ein Science Fiction Fan. Ich finde das alles unwerfend toll. Auch wenn ich doch sehr traurig bin, euch nicht aufwachsen sehen zu haben.« Ich lächle sie an und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn.
Bis die Sonne ganz untergegangen ist und sich Dunkelheit breit macht, bleiben wir Arm in Arm. Dann gehen wir rein, in die Küche, wo schon das Abendessen auf mich wartet.
»Wie loggt man sich eigentlich in das Virtuelle Netzwerk ein?«
Plötzlich erscheint ein Fenster und darauf steht:
Denken Sie einfach daran ins Virtuelle Netzwerk eingeloggt zu werden, dann passiert das auch.
Wenn Sie sich ausloggen wollen, dann denken sie einfach daran.
Ich weis, dass es nicht aus den versteckten Holoemittern kommt, sondern dass es von meinem Implantat direkt in mein Wahrnehmungszentrum gesendet wird.
»Whoa.«
»Cool nicht?«
»Ja. Künstliche Intelligenz?«
»So in der Art. Du musst Susumu fragen was genau da vorgeht. Es ist eine Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz und dem Unterbewusstsein.«
»Kann die KI nicht einen Menschen übernehmen?«
»Wie schon gesagt, es ist nicht wirklich eine KI. Frag Susumu bei Gelegenheit.«
»Das werd ich tun. Wenn wir schon gerade dabei sind. Wo ist er eigentlich? Ich hab noch niemanden von der Familie gesehen.«
Kara dreht sich um und stellt mir eine Platte mit den verschiedensten Gemüse- und Obstsorten hin. Ebenfalls eine Fleisch- und Fischplatte.
Lecker.
»Wir haben uns gedacht, dass dich das ganze vielleicht zu sehr mitnehmen würde. Auch die Ärzte haben gesagt, dass zu viele Eindrücke dich eventuell total überreizen würden. Bist du uns deswegen böse?«
Ich lächle ihr zu und deute an, dass sie auch was essen soll. »Nein, natürlich nicht.«

Nachdem das Abendessen zu Ende ist, gehe ich in das Wohnzimmer und lege mich auf eine Couch, eine von mehreren. Dann denke ich darüber nach, an was ich eigentlich genau denken soll, um mich einzuloggen. Wieder erscheint das Fenster, und diesmal höre ich eine imaginäre Stimme. Die meiner Frau, Christin.
Sie können ‚LogIn’ oder ‚Einloggen’ denken. Aber auch ‚Online gehen’ oder ‚VN aktivieren’.
An was Sie denken ist eigentlich egal. Es muss den entsprechenden Sinn haben.
Ok, dann probiere ich das dann mal aus.
VN-LogIn
Wieder höre ich die Stimme meiner Frau.
[Einloggen in das Virtuelle Netzwerk erfolgreich abgeschlossen.]
Innerhalb weniger Momente baut sich aus Myriaden von Pixeln eine Welt aus Computerkomponenten auf. Ich sehe gigantische RAM-Module, Graphik- und Sound-Karten. Der ‚Boden’ scheint ein Mainbord zu sein und der ‚Himmel’ scheint aus Platten zu bestehen, die ineinander übergehen. Diese Platten sehen fast so aus wie Computer-Chips.
»Ist das das Virtuelle Netzwerk?« Frage ich mich laut selbst. Ich weis nicht, ob ich das auch im realen Leben laut gesagt habe, aber hier im virtuellen Leben schon. Wieder höre ich die Stimme meiner Frau und diesmal sehe ich sie sogar. Sie ist nicht um einen Tag gealtert, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe.
»Hallo, Tom.«
»Hallo, Christin.«
»Was du hier siehst ist nur eine Simulation. Ich habe mich selbst als Hilfe-Programm programmiert. Susumu und Kara haben das weitergeführt. Natürlich nur Familienintern. Alle anderen Personen sehen andere Sachen als Hilfe-Programm.
Aber um zu deiner Frage zurückzukommen.
Dies ist nur ein kleiner Teil des Virtuellen Netzwerkes. Eigentlich ist es ein internes Netzwerk, das nur die Daten und Programme beinhaltet, die für dieses Haus notwendig sind. Du siehst den Aufbau so, weil du ein Programmierer bist. Andere Leute, die sich einklinken, sehen das gleiche Haus wie im realen Leben.«
Ich sehe, wie Wesen mit einem menschlichen Gesicht und einem Roboterkörper quer durch diese seltsame und bunte von vielen Lichtern erfüllte Welt huschen. Meine Frau – das Hilfe-Programm reagiert darauf.
»Das sind sogenannte VirtualBots. Sie stellen Programme und Ähnliches dar. Du kannst mit ihnen interagieren, denn sie haben alle eine künstliche Intelligenz. Mehr oder weniger.
Um eine gewisse Assoziation zu erstellen: Sie sind so was Ähnliches wie die Programme aus TRON, TRON 2.0 oder den NetNavis aus MegaMan NT-Warrior. Oder anderen ähnlichen Wesen aus Filmen, Serien, Animes oder Mangas.«
»Du bist um keinen Tag gealtert.«
»Danke. Ich mag zwar wie deine Frau aussehen und mich so verhalten wie sie, aber ich bin nicht wirklich lebendig. Mein Programm greift nur auf die gespeicherten Erinnerungen in deinem Kopf zu, was mich befähigt ein ähnlichen Verhalten wie das deiner Frau zu simulieren.«
»Ich verstehe ... ich geh dann. Ciao.«
»Ciao.«
VN-LogOut
[Ausloggen aus dem Virtuellen Netzwerk erfolgreich abgeschlossen.]
»VL-LogOut.« Sage ich laut.
Nichts passiert.
Das ist also kein Traum, keine Halluzination oder eine Simulation.
Lächelnd lege ich mich schlafen.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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