[RC18] Die Straße des Händlers

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KGraurabe
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[RC18] Die Straße des Händlers

Beitrag von KGraurabe » Mi 29. Jan 2014, 21:32

Hier nun die bereits bekannten Seiten.

Die Straße des Händlers
Band I - Der schwarze Hering

Kapitel I – Korn, Korn muss man trinken

Es war eine klare Vollmondnacht und Hering stapfte die Straße entlang. Der klebrige Film des Kampfstoffes, der den Asphalt überzog, schmatzte bei jedem Schritt unter seinen Stiefeln. Man sollte meinen, die verlassenen Häuserschluchten der Wohngebiete seien gespenstisch, aber eigentlich hatten sie etwas sehr friedliches.
Es war diesen Winter ziemlich genau zwei Jahre her, dass die Evakuierung eingeleitet wurde. Die Fenster der Plattenbauten waren noch immer Weihnachtlich geschmückt und auf den Parkplätzen standen die Autos in Reih und Glied, als hätte man sie gestern erst dort abgestellt. Schade nur, dass man, wenn man die Maske abnehmen würde, spätestens bei Sonnenaufgang binnen kürzester Zeit zugrunde gehen würde. Es war fraglich wie viele Jahre es noch dauern würde bis sich die Substanz hier und in den anderen Städten endgültig verflüchtigt hätte.
Am Ende der Straße hielt Hering kurz inne und betrachtete seine Karte. Nur noch ca. fünf Kilometer dann hätte er es geschafft. Er bog in eine weitere Straße ein, von nun an ging es Berg auf.
Das Atmen in der stickigen Schutzmaske wurde mit zunehmender Steigung immer anstrengender und die Hitze in der mit Klebeband isolierten Kleidung war, selbst für diese Jahreszeit, enorm. Die Straße zog sich hin und während die umliegenden Gebäude immer weniger wurden begann es zu schneien.
Endlich war die Anhöhe bezwungen und er konnte das Ortsschild sehen. Hier endete Pappeln und es begann Ulmstett, ein kleines Kaff das einst rund 500 Einwohner beherbergte. Immerhin aber, sollte das Gebiet nicht Kontaminiert sein.
Plötzlich stoppte Hering abrupt: Nur wenige Meter hinter dem Ortsschild lag ein Körper am Boden. Der Mann mittleren Alters, der in eine Olivgrüne Windjacke gekleidet, war trug eine bedenklich Schwarz gesprenkelte Feinstaubmaske vor dem Gesicht. Sein Kopf lag in einer Lache aus Matsch, die Pistole noch immer in der nunmehr erstarrten Hand.
Wer mag das arme Schwein wohl gewesen sein und was hat ihn hierher verschlagen? Die Antworten darauf hat er wohl mit sich fort genommen.
Auf jeden Fall scheint er die Pistole ja nicht mehr zu brauchen. Hering beugte sich zu dem Toten herunter und begann sich an selbigem zu schaffen zu machen. Nach einigem Widerstand löste sich die SP22 schließlich aus den steifen Fingern. Ansonsten hatte der dahin-geschiedene außer ein paar Patronen und einer halbwegs brauchbaren Armbahnuhr nichts nennenswertes bei sich.
Hering verstaute das gefledderte Gut in seinem Rucksack und setzte seinen Weg fort.
Während er den Ortseingang durchschritt, fragte er sich woher der Fremde wohl gekommen war. Sein Körper zeigte keine Anzeichen von Verwesung, auch wenn Winter war, konnte er noch nicht lange dort gelegen haben.
Konnte es sein, dass man die Evakuierung bereits aufgehoben hatte? Schließlich waren seit den letzten ersichtlichen Kampfhandlungen beinahe Neun Monate vergangen.
Langsam bewegte sich Hering durch das in Stille versunkene Dorf, der Mondschein erhellte die in Geschmacklosen Farben verputzten Fassaden der an der Hauptstraße aufgereihten Häuser.
Dann hielt er inne und kramte einen Gasdetektor aus seiner Feldjacke. Hering horchte angespannt hin. Nichts geschah, der Detektor gab keinen laut von sich.
Auch wenn sich die Substanz bei dieser Kälte kaum hätte verflüchtigen können, irgendeine Reaktion hätte es geben müssen. Auch sah er weit und breit keine Spur des üblichen klebrigen Films.
Hering fasste sich ein Herz, löste die Haltebänder und zog die Schutzmaske zurück. Gierig sog er die frische Winterluft ein. Nach solch einem Marsch unter der Maske gab es nichts besseres.
Beherzt setzte er seinen Weg fort. Er ging die Hauptstraße entlang und betrachtete die auf beiden Seiten beieinander stehenden Einfamilienhäuser. Alles war unversehrt, nur die Städte wurden mit Chemischen Waffen attackiert. Ein Raketenbeschuss hätte sich in einem solchen Kaff für nichts gelohnt.
Wenn die Armen Schweine gewusst hätten, dass sie, als die gezielten Angriffe auf die Flüchtlingsbunker begannen, hier bei sich Zuhause viel sicherer gewesen wären ... aber wer hätte das schon vorher ahnen können.
Auf jeden Fall würde er diesen Wohnstätten noch einen Besuch abstatten, bevor ihm am Ende noch jemand zuvor kam. Doch für jenen Tag war es genug, Hering wollte einfach nur noch sein neues Domizil erreichen und sich erst einmal so richtig ausschlafen.
Doch als er im Untergeschoss eines der Häuser einen Kiosk sah konnte er einfach nicht widerstehen. Hering hob einen Pflasterstein vom Bürgersteig auf, stieg die wenigen Stufen zur Eingangstür hinauf und zerschlug die große Scheibe der Selbigen damit. Kurz machte er sich Gedanken darüber das ihn jemand gehört haben könnte, aber es war Unwahrscheinlich, dass schon jemand bis hierhin vorgestoßen war. Und selbst wenn, warum sollte man ihn angreifen, schließlich gab es hier Momentan noch von allem reichlich.
Hering betrat den Kiosk und schaltete die kleine Lampe an seiner Brusttasche an. Und siehe da zwischen verstaubten Zeitschrifteinständern sah er es. Das Schnapsregal. Ein Schnapsregal mit Korn und vielen anderen Hochprozentigen Köstlichkeiten.
Er setzte seinen Rucksack ab und steckte jeweils zwei Flaschen Korn und Gin hinein. Während er im Regal neben der Kasse nach Chips mit Käsegeschmack suchte, entdeckte er in der Kassenauslage doch tatsächlich etwas Snus. Der feine Lutschtabak kam in Deutschen Landen erst kurz vor Kriegsausbruch wieder in den Handel und erfreute sich von da an wachsender Beliebtheit.
Wahrlich, ein wertvoller Fund.
Schnell sammelte er die Dosen aus der Auslage und verstaute sie mit den Chips im Rucksack. Nun war er fürs erste Gerüstet.
Nachdem Hering den Kiosk wider verlassen hatte wickelte er sich einen Müsliriegel aus und schritt genüsslich kauend die Straße entlang. Vorbei an verwaisten Kleinwagen, umgefallenen Mülltonnen und den in Ewigkeit festlich geschmückten Fenstern, ging er allmählich auf den Ortsausgang zu.
Kurz nachdem er die letzten Häuser hinter sich gelassen hatte, öffnete er seine Brusttasche, zog ein zusam-mengefaltetes Seidentuch hervor und musterte die zum Vorschein kommende Landkarte.
Das musste es sein: Wenige Meter weiter trat rechter Hand von der Straße eine Kalksteinwand aus der Hügelböschung, an deren Mitte ein kleines abgezäuntes Areal zu sehen war.
Am Tor des 2,5m hohen Maschendrahtzaunes angekom-men fand Hering ein schweres Vorhängeschloss vor, das den Zugang verwehrte.
Er drehte die Zahlenrädchen auf die Kombination 284 und mit einem leisen klicken öffnete sich das Schloss. Hering schlüpfte mit einem Breiten grinsen durch das Tor und verriegelte es von der Innenseite wieder. Wenige Schritte weiter blieb er vor einer massiven Stahltür stehen.
Hier war es also: Objekt 284.
Ein kleiner Notfallbunker der Verteidigungsstreitkräfte.
Hering betrachtete das Eingabefeld welches sich auf einer kleinen Konsole befand, welche neben der Tür in die Wand eingelassen war und nickte gedankenversunken.
Er lehnte sich gegen den Türrahmen, zog sich einen seiner Stiefel aus und entnahm die Einlage. Darunter zum Vorschein kam eine, in die Sohle eingestanzte und mit roter Farbe nachgezeichnete, Zahlenkombination. Das war schon eine geniale Idee.
Wer kann sich schon Ewigkeiten so eine achtzehnstellige Zahl merken und sie dann auch noch in einer Notsituation auf Anhieb parat haben? Doch wie soll man sie am besten mit sich führen, wenn nicht im Kopf? Notizen, Ausrüstung und Kleidung kann man ablegen, ausziehen und verlieren. Es gibt viele Möglichkeiten wie diese Dinge in den Wirren des Kampfes verlustig gehen konnten, doch eine der absolut unwahrscheinlichsten dieser Begebenheiten ist, dass ein Soldat im Einsatz seine Stiefel auszieht und Barfuß weiter geht.
Mit einem Fingertipp aktivierte Hering die Konsole, gab die Kombination ein und bestätigte die Eingabe. Ein grünes Lämpchen blinkte auf und mit einem metallischen klong, klong, klong, klong, glitten die vier schweren Stahlstifte nacheinander in die Tür zurück. Hering betätigte den Öffnungsmechanismus und schob die massive Tür nach innen auf.
Ihm wehte der unangenehme Duft abgestandener Luft entgegen, der Bunker befand sich nicht sonderlich tief im Fels und verfügte über ein ventilationsunabhängiges sekundär-Lüftungssystem, dass man aber -im Fall der Fälle- hydraulisch versiegeln konnte. Praktisch war es aber alle Mal, denn so musste man nicht dauerhaft Strom verschwenden.
Er betätigte den hinter der Tür gelegenen Hebel der Netzanlage und ein dezentes Surren ertönte während sich das Aggregat hoch fuhr. Nach und nach schalteten sich nun die Deckenlichter ein.
Vor ihm erschien ein langer, röhrenförmiger Gang. Hering setzte seinen Rucksack ab, schob ihn mit dem Fuß etwas weiter ins Innere und schloss die Tür hinter sich. Er dachte sich besser gleich als später, zog einen kleinen Schraubenzieher aus seiner Beintasche und machte sich daran die Verkleidung der Schließanlage zu öffnen.
Diese Notanlagen hatten in der Regel alle den gleichen Zugangscode damit die betreffenden Einheiten, egal in welchem Gebiet sie sich gerade befangen, schnellen Zugriff auf die jeweiligen Objekte haben konnten. Hering hatte allerdings wenig Lust sich sein neues Eigenheim mit dem nächst besten, verirrten Soldaten teilen zu müssen.
Den Türcode zu ändern war beinahe lächerlich einfach. Hinter der Abdeckplatte der Schließanlage kam ein simples Eingabefeld zum Vorschein, unter dem sich ein kleines Loch mit der Überschrift „Reset“ befand. Er hatte schon damals bei seiner Einführung als Techniker bemängelt das jeder Zwölfjährige damit seinen Unfug treiben könnte, aber diese dicken Panzertüren sollten nun einmal vor Zugriffen von außen, nicht von innen, schützen.
Nachdem er den Schraubenzieher in das Loch gesteckt hatte, gab der die neue Kombination „82848688“ ein. Das konnte man sich einfach merken und ein Unwissender würde lange brauchen darauf zu kommen, zumal bei jeder Falscheingabe ein Alarmton im Bunkerinneren ertönte.
Nachdem dieser erste Punkt erledigt und die Verkleidung wieder montiert war, machte Hering sich daran die Räumlichkeiten zu erkunden.
Diese Anlage war darauf ausgelegt eine Einheit von bis zu zehn Personen mit Ersatzausrüstung und Munition auszustatten und im Kontaminations-Fall einen Monat, bei strenger Rationierung beinahe zwei Monate lang, komplett mit Nahrung und Trinkwasser zu versorgen.
Für einen Fallout wäre dieser Bunker also kaum geeignet gewesen, aber glücklicher Weise gab hier ja keinen. Obwohl man wohl davon absehen sollte, die im Wald unnatürlich groß wachsenden Pilze zu verzehren.
Links und rechts des Röhrenganges befanden sich die Räume des Bunkers. Als erstes war da linker Hand der Generatorraum in dem sich ein feststehender Diesel-generator befand, welcher an einen mannshohen Heizöltank angeschlossen war.
Neben dem Generator ragte die Speicheranlage auf, von der aus sich die an der Wand verlaufenden Stromkabel durch die Räumlichkeiten zogen. In der Ecke stand, unter einer Plastikplane verborgen, ein mit verschiedenen Anschlüssen versehenes 3kW Notstromaggregat, das im Notfall aber kaum mehr als die Lüftung und die Hälfte der Notbeleuchtung hätte versorgen können.
Dem Generatorraum gegenüber lag das Lager. Hier stapelten sich, in aus Blech zusammen genieteten Regalen Konservendosen, Hartkeks-Rationen und Wasserkanister. Am Ende des Lagerraums befand sich eine Tür welche in einen kleineren Raum führte. In dessen Mitte befand sich eine lange Bank von der aus links und rechts je fünf Spinde standen.
In jedem der Spinde befanden sich ein Kampfanzug, ein paar Stiefel, eine Feldjacke und eine Atemschutzmaske. Unter der Bank fand Hering eine Kiste mit Drei Schutzanzügen, ein echter Glücksfund.
Doch der eigentliche Höhepunkt erwartete ihn am hinteren Ende des Raumes in Form eines Waffenschranks. Aus diesem strahlten ihm vier Fabrikneue G36 Gewehre entgegen neben denen, Ordentlich aufgereiht, vier ebenfalls neuwertige P8 Pistolen in ihren Holstern hingen. Unterhalb der Waffen befanden sich zwei Munitionskisten mit den entsprechenden Kalibern. Für den Anfang war also für ausreichend Schutzmittel gesorgt.
Zurück im Hauptgang ging es weiter zur zweiten Abzweigung. Hier lag linker Hand der Schaltraum in dem sich die Kontrollen für die Belüftungssysteme und Stromanlagen, sowie ein Monitor befanden. Auf besagten Monitor war der kleine umzäunte Vorhof vor dem Bunkereingang zu sehen.
Rechter Hand vom Schaltraum befand sich der Gemeinschafts- und Schlafraum, in dem an jeder Wand zwei Doppelstockbetten und in der Mitte ein Tisch mit drei Stühlen stand. Am ende des Raumes gab es eine kleine Nische die in die Wand eingelassen war, dort befand sich die spartanische Miniatur einer Küchenzeile: Eine einzelne Elektroplatte, ein Waschbecken und ein kleiner Kühlschrank, nicht viel aber Immerhin. In der Welt von Morgen wird ein funktionierender Kühlschrank lange Zeit ein Optimum des Luxus darstellen.
Soweit so gut, nun ging es zur letzten Abzweigung des Bunkers. Hier war zum einen zur Linken das Badezimmer: Zwei Toilettenkabinen und ein großes Waschbecken, Duschen war bei den knapp bemessenen Wasservorräten wohl nicht vorgesehen. Und zu guter Letzt lag rechts das Krankenzimmer.
Der kleine Raum bestand aus nicht viel mehr als einer Liege, einem davor befindlichem Stuhl und einem Arzneischrank. Besagter Schrank entpuppte sich als Goldgrube. Nebst verschiedensten Verbandsmaterialien und Desinfektionsmitteln befand sich dort auch eine solide Auswahl an Medikamenten.
Hering grinste verwegen als ihm eine Schachtel Tramadol ins Auge viel, kurzerhand öffnete er die Packung und steckte sich eine der Rispen in die Hosentasche. Das ist kein Spielzeug, ermahnte sich selbst, ganz abgesehen davon das er damit Sparsam umgehen musste. Als er das Krankenzimmer verließ stellte er zufrieden fest, dass der Bunker somit erkundet war. Nun ging es ans Auspacken.
Hering schulterte seinen am Eingang zurückgelassenen Rücksack, aktivierte im Schaltraum das primäre Lüftungssystem und stellte Zufrieden fest, dass auf dem Monitor nichts zu sehen war, seine Ankunft war scheinbar Unbemerkt geblieben.
Er legte den Rucksack im Gemeinschaftsraum auf die untere Matratze eines der Doppelstockbetten und setzte sich selbst auf das daneben stehende. Langsam wich der abgestandene Mief der durch die Lüftung einströmenden Frischluft.
Das war zwar in gewisser Weise Stromverschwendung, aber das Durchlüften war bitter nötig gewesen.
Er öffnete den Rucksack, kramte eine der Kornflaschen hervor und stand auf. Unter der Spüle der Miniaturküche fand sich Essbesteck, er griff zu einer Blechtasse und goss sich etwas von dem Korn ein.
Hering sog vergnügt den kräftigen Duft ein und nahm einen beherzten Schluck. Herrlich, wie das nostalgische Aroma des Schnapses mit einem leichten Brennen gen Magen zieht. Geht runter wie Öl, dachte er und ließ sich wieder aufs Bett sinken um im Rucksack nach dem Snus zu suchen.
Er schüttete kurzerhand den gesamten Inhalt auf der Matratze aus und so kam nebst der restlichen Schnapsflaschen, den Chips und dem Snus, auch jede Menge des verschiedensten Krams zum Vorschein. Von Drahtseilen mit Karabinern, über Strukturklebeband, Allzweckmessern und einem Ersatzmagazinen, bis hin zu kleinen Wasserflaschen, einem Autoverbandskasten und Unmengen an Schmutzwäsche. Natürlich war da auch noch die SP22, die Kleinkalibrige Sportpistole des toten Unbekannten in der grünen Windjacke, der dort auf der kalten, leeren Straße sein Leben ausgehaucht hatte. Was hatte ihn wohl dazu bewogen sich in den Kopf zu schießen?
Hering steckte sich nachdenklich etwas von der Schwarzen Tabakmasse des Snus in den Mund.
Vielleicht hatte sich der Unglückliche ja vergiftet, die dreckige dunkel gesprenkelte Feinstaubmaske die er trug sah zumindest nicht sonderlich Gesund aus, oder hatte er einfach nur den Verstand verloren? Ob er wohl auch so mutterseelenallein durch die Lande gezogen war? Und wenn nicht, warum hatte man ihn einfach so dort zurückgelassen?
Fragen über Fragen, auf die es ja doch keine Antworten geben würde.
Hering trank die Tasse auf einen Zug leer und goss sich nach.
Eines war jedoch Unbestritten: Der Fremde war da und er war bewaffnet. Und darüber hinaus war er wohl kaum der einzige. Im Gegenteil wenn es stimmte, dass sich die Evakuierungs-Bunker langsam öffneten, dann würde es hier in kürze vor anderen Menschen nur so wimmeln. Schließlich würden die entweder verseuchten, oder ausgebombten Städte kaum bewohnbar sein, und die Überlebenden müssten auf ihrer Suche nach einem Neuanfang auf die kleinen Ortschaften und ländlichen Gebiete zurückgreifen. Das war eine interessante, aber zugleich bedenkliche Tatsache.
Hering spürte beim trinken langsam die Trunkenheit in sich aufkommen und fragte sich, was wohl Sein Neuanfang werden würde. Wo wäre sein Platz in der neuen Welt? Immerhin hatte er diesen Bunker, die Ausrüstung und fürs erste genügend Vorräte. Alles andere würde sich mit der Zeit von selbst ergeben. Hering Gähnte, entledigte sich ungelenk seiner Stiefel und schlief kurz darauf vor Trunkenheit und Erschöpfung ein.
Am darauffolgenden Morgen erwachte Hering mit einem schweren Kopf. Er wuchtete sich hoch und bemerkte, dass er bei voller Beleuchtung eingeschlafen war, und das in voller Montur. Er sah an sich herab und konstatierte das er wirklich erbärmlich stank. Mit der zu drei Vierteln leeren Kornflasche schlurfte er ins Badezimmer.
Nachdem er seine Blase entleert hatte, stellte er sich vor das große Edelstahlwaschbecken und nahm einen Schluck aus der Flasche. Der Korn schmeckte weich und abgestanden, er hatte wohl vergangene Nacht vergessen den Deckel darauf zu schrauben. Als er den Hahn betätigte begann sich das Becken mit wohlig warmen Wasser zu füllen, gedankenverloren betrachtete er den stetig steigenden Pegel und entleerte dabei den restlichen Flascheninhalt.
Erleichtert wusch er sich mittels eines am Beckenrand aufgefundenen Stück Kernseife den Dreck der letzten Tage vom Körper. Dabei musste er das rasch Schwarz werdende Wasser zweimal auswechseln. Als er endlich Sauber war, tapste er immer noch unbekleidet und frierend über den Gang in den, hinter dem Lager befindlichen Umkleideraum, öffnete einen der Spinde und kleidete sich in frische Sachen. Der Kampfanzug war bequem und die Stiefel passten, was wollte man mehr. Zufrieden nahm er sich auf dem Rückweg aus Lager einen Kanister Wasser und etwas zu Essen mit.
Wieder im Wohnquartier angekommen, setzte er sich an den Tisch, öffnete den Schraubverschluss des Kanisters und begann wie ein Pferd daraus zu trinken. Das Wasser rann ihm durch seinen Bart am Hals hinunter bis er sich schließlich verschluckte und den Kanister hustend absetzte. Erleichtert machte er sich daran eine Fleischkonserve zu öffnen. Das Wasser hatte ihm gut getan. Seine Zunge hatte sich bereits wie ein trockener Schwamm angefühlt. Beim Essgeschirr unter der Spüle fand sich ein Aluminiumlöffel mit dem er begann, sich das eingemachte Schweinefleisch gierig in den Mund zu schaufeln.
Es stellte sich nun die Frage was als nächstes zu tun war. Am besten wäre es wohl, als erstes die nähere Umgebung zu erkunden und sich ein Bild von seiner neuen Heimat zu machen. Nachdenklich griff er nach einem Hartkeks.
Nachdem er sein herzhaftes Frühstück beendet hatte, raffte er sich auf, zog unter dem Kram aus seinem Rucksack einen kleinen Flachmann hervor, befüllte diesen mit etwas Gin und verstaute ihn in der Brusttasche seines Kampfanzuges. Anschließend legte er seine Ausrüstung an: er schob sein Kampfmesser in den Gürtel, steckte sich Gasdetektor und Landkarte ein, legte eines der P8 Holster an und hängte sich eine G36 um. Schlussendlich nahm er den leeren Rucksack und setzte sich die Gasmaske auf, jedoch ohne sie übers Gesicht zu ziehen. Gut gerüstet schaltete er auf dem Weg nach draußen die Lüftung in den Sekundärmodus und die Lichter bis auf die Notbeleuchtung aus.
Als er den Bunker verließ fragte er sich, warum er sich eigentlich so gut bewaffnet hatte, wovor hatte er Angst?
Er wusste es nicht, aber die Waffen gaben ihm einfach ein Gefühl der Sicherheit und schließlich wusste man ja nie…
Kapitel II – Noch einen zum Mitnehmen bitte.

Draußen vor dem Bunker war es kalt. Der Schnee von letzter Nacht war liegen geblieben und nach dem Stand der Sonne zu urteilen war es gegen Mittag. Er hätte die kürzlich erbeutete Armbanduhr mitnehmen sollen und gegen einen Schaal wäre auch nichts einzuwenden gewesen. Er verschloss hinter sich Bunker und Zauntor und machte sich auf den Weg.
Wenn ihn nicht alles täuschte lag einen knappen Kilometer weiter eine kleine Tankstelle, diese erschien ihm fürs Erste interessanter als die Häuser der Ortschaft.
Er ging die verschneite Straße entlang, vorbei an gefrorenen Äckern und der leicht bewaldeten Straßenböschung, bis nach zirka zwanzig Minuten gemütlichen Marsches, in einer leichten Kurve, die Tankstelle zum Vorschein kam.
Es handelte sich um eine dieser Noname Tankstellen die des Nachts nicht geöffnet hatten und vornehmlich in weniger befahrenen Gebieten zu finden waren.
Bei näherer Betrachtung stellte Hering fest, dass er wohl nicht der erste war der der Tanke einen Besuch abstattete. Eine der Schiebetüren war eingeschlagen. Hering nahm das Gewehr in Anschlag und trat über die knirschenden Scherben in den Eingang. Der Verkaufsraum bot ein wüstes Bild und ein Großteil der Regale war leer.
Vor dem Kühlregal lagen mehrere zerschmissene Flaschen in einer übelriechenden Pfütze, die früher wohl einmal guter Gerstensaft gewesen war. Scheinbar hatte hier jemand vor kurzem festgestellt, dass drei Jahre altes Flaschenbier nicht gerade ein Hochgenuss war.
Das hinter dem Tresen befindliche Tabakregal war grob und scheinbar in Eile ausgeräumt, die Kasse hingegen mit Mühe aufgestemmt worden. Es war fraglich wer die Leuchten waren welche die Hälfte der Zigaretten dagelassen, das Altpapier aber sorgfältig geborgen hatten.
Hering dachte nicht daran den gleichen Fehler zu begehen und begann die kleinen Schachteln in den Rucksack zu schichten. Er rauchte zwar nicht, aber die Glimmstängel würden in Zukunft wohl nicht mehr werden, man war also nicht schlecht damit beraten welche zu besitzen.
Als der Rucksack schließlich zur Hälfte gefüllt war, setzte er ihn wieder auf und ging hinüber zum Dienstraum. Dieser bot kein weniger wüstes Bild als der Verkaufsraum. Der Boden war von Papieren, heraus gezogenen Schubladen und dem verschiedensten Büromaterial bedeckt. Neben dem Schreibtisch, in den all dies scheinbar einmal gehörte, stand ein kleiner aber massiver Bodensafe, der wohl das Ziel des Aufwandes war. Den vielen scharten rund um den Schließmechanismus des immer noch verschlossenen Apparates nach zu urteilen, war das Unterfangen nicht sonderlich von Erfolg gekrönt gewesen.
Ansonsten war der Raum bis auf ein paar verwendbare Kugelschreiber nicht sonderlich interessant.
Hering entnahm der angrenzenden Toilette das dort noch vorhandene Klopapier, denn man konnte in solchen Zeiten nie genug Klopapier haben, und begab sich anschließend zurück in den Verkaufsraum.
Er lehnte sich gegen den Tresen und begutachtete den kleinen Technikaufsteller neben der Kasse:
Billig gemachte Einweghandys, Prepaidkreditkarten, veraltete MP3-Player und jede Menge anderer Ramsch.
Unterhalb des Aufstellers fiel sein Blick auf eine zerwühlte Auslage mit Batterien verschiedenster Art. Er entschied selbige sicherheitshalber mitzunehmen und schob sie grob in den Rucksack. Anschließend steckte er sich doch noch ein paar der MP3-Player ein und ging zum Ausgang.
Beim Testen der Zapfsäulen gab es wie zu erwarten keine Reaktion. Auch wenn sich hier wahrscheinlich noch etliche Hektoliter Treibstoff befanden: ohne Strom, keine Pumpen. Er holte den Flachmann hervor und nahm einen kräftigen Zug. Alles in allem war die Ausbeute ernüchternd, aber was hatte er sich von der Tankstelle erhofft? Stetig am Gin nippend machte er sich auf den Rückweg.
Immerhin war der Gedanke, dass es ja immer noch Sprit gab interessant. Klar, aus den Tanks unter der Tanke wäre er nur schwerlich heraus zu bekommen, aber bei den verwaisten Autos sah das schon ganz anders aus und es war unwahrscheinlich, dass diese alle leer gefahren waren. Er musste an seinen Bunker denken, irgendwann wäre der Heizöltank leer und der Generator funktionierte schließlich nicht mit Luft und Liebe. Vielleicht würde er sich sogar eines dieser Autos fahrtüchtig machen, er hatte zwar nie einen Führerschein besessen, aber das würde jetzt wohl niemanden mehr stören.
Plötzlich hörte er ein blechernes Geräusch, eine Art rasselndes rollen. Rasch steckte er den Flachmann weg und nahm das Gewehr fest in beide Hände. Irgendetwas schob sich da auf ihn zu. Angespannt lauschte er wie das Geräusch langsam um die Straßenbiegung kam.
Und da war es: ein Drahtgestell auf rädern, es war tatsächlich ein Einkaufswagen der da zum Vorschein kam.
Geschoben wurde er von einer jungen Frau in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Mannes. Die beiden waren in aufgeplusterte, rote Anoraks und Neonblaue Turnschuhe gekleidet und machten einen wilden, recht ungepflegten Eindruck.
Es war schwer vorstellbar, dass jemand dieses Warnleuchten-Outfit freiwillig trug, zumal erschwerend hinzu kam, dass die Hose des Mannes halb in seinen Kniekehlen hing und den Eindruck erweckte, er habe sich eingekackt.
Als selbiger den Fremden auf der Straße entdeckte wies er die Frau mit einer groben Geste an stehenzubleiben, holte ein Heizungsrohr aus dem Wagen hervor und schwang dieses bedrohlich über seinem Kopf.
Hering hob das Gewehr und zielte auf den sich ihm nähernden Mann, welcher daraufhin abrupt stehen blieb und einen Schritt zurück machte.
Nun standen sich beide Parteien erstarrt gegenüber.
Kalter Wind zog auf und es begann erneut zu Schneien.
Hering dachte nach. Er musste sich klar werden was als nächstes zu tun war. Sie könnten nicht ewig dort herum stehen, aber er konnte den anderen doch auch nicht einfach über den Haufen schießen. Die Anspannung stieg.
Auf einmal durchbrach die junge Frau die Stille, bewegte sich langsam und unkoordiniert um den Wagen herum und begann hastig in diesem zu wühlen.
Der Lauf von Herings Gewehr wanderte von dem Mann zu der Frau hinüber. Egal wonach sie suchte, das was sie gleich aus dem Wagen ziehen täte, würde darüber entscheiden, wie dieser Tag endete.
Dann hielt die Frau inne, sie war also sie fündig geworden
Hering holte tief Luft und entsicherte seine Waffe.
Doch es kam anders. Die Frau förderte zwei Medikamentenschachteln zu Tage, hielt eine davon in die Luft, legte beide vor sich auf den Boden und begann anschließend, neben den Schachteln, Konservendosen aus dem Wagen aufzustapeln. Der Mann drehte sich aufgebracht zu ihr um und wollte etwas sagen, doch nach einem kurzen Blickwechsel entschied er sich dafür zu schweigen.
Hering ließ deutlich erleichtert das Gewehr sinken.
>>Ich will euren beschissenen Nippes nicht, behaltet den Rest und verschwindet einfach<< rief er den beiden zu.
Der Mann blickt nervös zu ihm auf während die Frau kurzerhand das ausräumen einstellte und sich anschickte den Einkaufswagen zu wenden. Langsam, fast behutsam bewegt sie sich vorwärts, während ihr Begleiter ihr in kleinen Schritten rückwärtsgehend, den bewaffneten Fremden niemals aus den Augen verlierend, nachzog.
Als ob ihm das im Fall der Fälle auch nur das geringste nützen würde. Hering schüttelte den Kopf, nahm das Gewehr in Hüfthöhe und schritt ebenfalls die Straße entlang.
So gingen sie eine ganze Weile lang vor einander her, doch dann begann das Pärchen immer öfter sich zu ihm umzudrehen, aufgeregt zu tuscheln und sein Tempo zu erhöhen.
Schließlich gab gab der Mann einen Groben wink und beide begannen im Laufschritt an Abstand zu gewinnen.
Hering sah den beiden noch eine weile nach, bis sie schließlich aus seinem Blickfeld verschwanden.
Wer waren diese merkwürdigen Leute wohl gewesen? Was wollten sie hier so allein mitten in der Pampa?
Es waren in etwa die gleichen Fragen wie bei dem toten Niemand, der kurz hinter dem Ortsschild gelegen hatte.
Doch Hering musste sich der Tatsache bewusst werden, dass er gerade beinahe zwei Menschen niedergeschossen hätte.
Was würde er tun, wenn er wieder jemandem begegnen würde und dieser mit mehr bewaffnet wäre, als mit einem Heizungsrohr? Was hatte der Mann mit der Schlabberhose damit überhaupt vorgehabt? Wollte er ihm damit lediglich bedrohen, oder ihn am Ende ausrauben?
Auf all das hatte er keine Antwort, aber er würde sich schon sehr bald intensive Gedanken darüber machen müssen.
Hering fiel ein, dass er die Medikamente und Konserven welche die Frau auf der Straße zurückgelassen hatte gar nicht mitgenommen hatte, wer weiß um was es sich bei den Tabletten gehandelt haben mochte.
Er rügte sich für die verschwendete Beute, beschloss aber am darauffolgenden Tag noch einmal einen Abstecher dort hin zu machen und die Sachen zu bergen.
Für diesen Tag war es ihm genug Aufregung gewesen und er war nicht mehr allzu weit vom Bunker entfernt.
Der Schnee nahm immer mehr zu und begann sich langsam zu einem Sturm zu entwickeln.
Hering stapfte dem Schneeregen entgegen bis endlich die Umzäunung des Bunkers zum Vorschein kam.
Erleichtert trat er durch den Eingang und verschloss die schwere Stahltür hinter sich.
Seine Glieder waren Schwer und zum ersten mal seit Wochen erschien ihm seine Situation wieder als vollkommen surreal, er erinnerte sich an die kleine Kellerwohnung und die vielen sinnentleerten Tage zwischen Arbeit, Armut und Suff. Ihn überfiel das Gefühl gleich in seinem Bett aufzuwachen und festzustellen, dass all das nichts anderes als eine Art Wachtraum gewesen war und er lediglich den Verstand verloren hatte. Doch dann holten ihn die Geschehnisse im Kommunikationsbunker wider ein: „es ist vorbei“
„Berlin ist Tot“
„Kontaktieren sie die Leitstelle in Erfurt“
„Halten sie das ausgehende Signal“
„Niemand“
„Ration“
„Wir müssen“
„Ration“
„Wir Stimmen ab“
Schüsse hallen durch Herings Kopf, doch...
Er schüttelte sich und kam zu sich. Er lehnte kurz hinter der Stahltür am Bunkereingang und wenn er so recht überlegte wusste er nicht was er dort machte.
Er ging in Richtung Aufenthaltsraum und zog seinen Rucksack an einem der Träger hinter sich her.
Ein seltsam belegtes Gefühl umgab ihn als würde er alles durch eine Milchglasscheibe sehen.
Er schleuderte den Rucksack auf das gewohnte Bett und nahm vom selbigen die Flasche Gin, drehte routiniert den Deckel auf und nahm ein paar große Schlucke.
Anschließend zog er Rucksack zu sich und entnahm ihm einen der MP3-Player welchen er mit Batterien ausstattete.
Auf dem Gerät taiwanesischer Bauart war ein Test-Track vorhanden, welcher vermutlich bei allen Geräten diesen Typs aufgespielt wurde.
Hering drückte den Play Button und es erklang:

-Mignon-
„Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n,
Im dunklen Laub die Goldorangen glüh'n,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl? Dahin! „

Das hatte Hering schon ewig nicht mehr gehört, zugegeben ein schönes Lied, aber eben das Einzige.
Nun hatte er sieben Player die alle das selbe Lied spielten.
Er musste sich bei Gelegenheit nach Alternativen umsehen Aber nun war er erschöpft und beschloss zu Bett zu gehen.
Am nächsten Morgen fand er vor dem Bunker eine echte Winterlandschaft vor. Der Schneesturm vom Vortag schien recht intensiv gewütet zu haben, so dass ihm der Schnee bis zu den Knöcheln stand.
Er mochte den Winter und die frische kühle Luft war angenehm, aber reichlich kalt war es eben auch.
Wegen der paar am Straßenrand zurückgelassenen Sachen erneut den Weg in Richtung Tankstelle zu beschreiten erschien bei diesen Witterungsbedingungen nicht sonderlich sinnvoll.
Hering beschloss stattdessen die naheliegenden Häuser der Ortschaft in Augenschein zu nehmen und machte sich auf den Weg.
Am Beginn der Häuserreihe angekommen entschied er sich gleich für das erste Gebäude linker Hand.
Das kornblumenblau gestrichene Einfamilienhaus sah äußerlich unversehrt aus und schien somit noch nicht angerührt worden zu sein.
Die Eingangstür war natürlich verschlossen. Er überlegte kurz, ob versuchen sollte auf das Schloss zu schießen, er wollte so etwas schon immer mal ausprobieren, entschied sich dann aber lieber dafür um das Haus herumzugehen und über ein kleines Gartentor in den Hinterhof zu gelangen.
Hier fand sich neben einer kleinen Grünfläche samt Gartenlaube auch eine Terrasse welche einen zweiten Zugang zum inneren des Hauses bot.
Hering stieg die wenigen Holzstufen hinauf, schob einen Plastikstuhl bei Seite und begann damit die gläserne Terrassentür mit dem Gewehrkolben einzuschlagen.
Als er durch die Reste der Schiebetür trat fand er sich in einem erschreckend geschmacklos gestalteten Wohnzimmer wieder.
Mit Kuh-Mustern bezogene Stühle und Sessel standen im Halbkreis um einen hellgrünen Ikea-Couchtisch währenddessen einen von den cremefarbenen Wänden die obskursten Formen afrikanischer Kunst anstarrten.
Hier mussten Masochisten gewohnt haben.
Aber immerhin machte der riesige Flatscreen-Fernseher gegenüber des Tisches etwas her.
Hering machte sich daran das Haus zu durchsuchen.
In der geräumigen Küche fand sich außer dem, auch nach drei Jahren noch immer übelriechenden Kühlschrank, ein paar Konservendosen und einer halbvollen Flasche Scotch nichts von Wert.
Er packte die Konserven ein und trank einen Schluck von dem Scotch, ließ ihn dann aber stehen Er war schon immer eher der Typ für Bourbon gewesen.
Auch im Rest der unteren Etage fand sich nicht viel Nützliches: ein paar Decken, eine Schachtel Zigaretten, zig lose Batterien und ein Taschenmesser. Immerhin war es ein gutes schweizer Allzweckmesser, das konnte man immer gebrauchen.
Anschließend war die obere Etage dran.
Hier befanden sich nebst einem Badezimmer, ein Schlaf- und zwei Kinderzimmer. Im Schlafzimmer ließ sich außer einer, zumindest ungeöffneten, Flasche Mehrlot nichts finden.
Die Kinderzimmer waren da schon wesentlich interessanter.
Das erste Zimmer war in Anbetracht der omnipräsenten Pastelltöne scheinbar das eines Mädchens gewesen.
Die Wände waren mit Unmengen von Postern tapeziert die alle einen dümmlich dreinschauenden Jungen mit Topfschnitt in verschiedenen Posen zeigten. Scheinbar hatte die gesamte Familie keinen Geschmack.
Herings blick fiel auf einen lilafarbenen Laptop welcher sich auf dem Nachtisch befand. Er betätigte den Startknopf, doch nichts passierte. Der Akku war also leer.
Immerhin hing das Gerät am Netzteil, es würde sich also möglicher Weise im Bunker in Gang setzen lassen.
Hering verstaute den Laptop im Rucksack, durchwühlte ergebnislos einige Schubladen und ging anschließend in das zweite Zimmer hinüber.
Selbiges war zu seiner Überraschung recht schlicht gehalten und wies eine Vielzahl an Computerspielen auf, welche fein säuberlich in Regalen aufgereiht waren.
Er durchstöberte die Reihen und ging zum Schreibtisch hinüber, wo er ein wahres Prachtstück von Rechner vorfand.
Es war ein wirklich schönes Gaming-Gerät mit aufwendigem Gehäuse, das aber wahrscheinlich völlig überteuert im Laden gekauft und nicht selbst zusammengestellt worden war. Hering überlegte kurz ob er den Rechner aufschrauben und einen Blick riskieren sollte, aber wozu? Der Computer war viel zu schwer um ihn mitzunehmen und selbst wenn er ihn Transportiert bekäme, solche Vehikel fraßen Unmengen an Strom und eine sinnvolle Verwendung hatte er dafür sowieso nicht.
Beim Durchwühlen der Schreibtischschubladen stieß er auf einen schicken silbernen Mp3-Player und verschiedene Drehtabaksorten samt Utensilien.
Nun hatte er noch einen Player, aber immerhin einen mit Musik. Zumal die dazugehörigen Kopfhörer bedeutend besser waren als der billige Mist der seinen Geräten beilag.
Als er den etwa Textmarker-großen Apparat samt Zubehör aus der Schublade entnahm kam darunter ein unauffälliges kleines Plastiktütchen zum Vorschein.
Hering traute seinen Augen kaum, er nahm das Tütchen, öffnete den Klippverschluss und schnupperte daran.
Es war Tatsächlich Gras.
Es sah gut aus und hatte eine leichte Orangennote im Geruch, wie lange war es wohl her, dass er das letzte Mal einen Joint geraucht hatte? Drei, oder Vier Jahre? Ewig!
Hering hätte sich am liebsten auf der Stelle einen gedreht, entschied sich dann aber doch dazu, dass das eher etwas für die sicheren Räumlichkeiten des Bunkers war.
Er packte Gras und Player ein. Auf dem Schreibtisch fand er noch ein schwarzes Zippo Feuerzeug welches er in seine Jackentasche steckte. Auch ein schöner Fund.
Zufrieden zog Hering seinen Flachmann aus der Brusttasche und nahm einen Zug. Das hatte sich ja mal richtig gelohnt.
Vergnügt ging er zurück ins Treppenhaus.
Plötzlich hörte er scheppernde Geräusche aus dem Untergeschoss, scheinbar war irgendjemand da unten.
Nunmehr angespannt nahm Hering sein Gewehr in Anschlag und schlich leise die Treppen hinunter.
Aus der Küche drangen Schritte und das Knallen von Schubladen.
Langsam bewegte er sich auf die halboffene Küchentür zu, als selbige auf einmal aufgerissen wurde und ihm ein mit einem Rohr bewaffneter Mann schlagbereit entgegen kam, der dann aber inne hielt, als er der Mündung der G36 gegenüberstand.
Einige Sekunden starrten sich die Beiden angestrengt an.
Dann lockerte Hering sich und verzog den Mund zu einem grinsen.
Es war der Schlabberhosenmann.
Der nach wie vor grotesk gekleidete Mann stand ihm weiterhin angespannt gegenüber und drohte mit dem hoch erhobenen Heizungsrohr.
Hering rollte mit den Augen.
>>Jetzt mal Ernsthaft, was willst du mit dem Ding? Wenn ich dich erschießen wollte würde ich es einfach tun und dein Metallknüppel würde daran nichts ändern.<<
Der Mann ließ missmutig das Rohr sinken und lehnte sich gegen den Türrahmen.
>>Ich bin Tom und du?<<
>>Hering.<<
Tom musterte Hering aufmerksam.
>>Und Hering gehörst du zu irgend einer Militärischen Einheit? Also wegen deinen Klamotten und so. <<
>>Ich gehöre zu niemanden.<<
Tom kramte eine Schachtel Zigaretten aus seiner Tasche.
>>Also dafür hast du aber ziemlich krassen Kram, wo bekommt man denn so ein schickes Gewehr her?<<
Hering grinste. >> Ebay.<<
Tom verzog das Gesicht, zündete sich eine Zigarette an und hielt Hering die Schachtel entgegen.
>>Kippe?<<
>>Ich rauche nicht<<
Tom zog die Augenbrauen hoch und steckte die Schachtel wider ein. Nach einigen Zügen, blickte er sich um.
>>Was machst du hier eigentlich?<<
Hering wackelte mit seinen Schultern so das sich der Rucksack bewegte.
>> Wahrscheinlich das gleiche wie du.<<
>>Verstehe.<<
Tom hielt das Rohr so das Hering es sehen konnte und ging langsam seitwärts in Richtung Ausgang.
>>Wenn du hier schon durch bist ist das wohl Zeitverschwendung.<<
Und ohne ein weiteres Wort ging der Fremde davon.
Hering sah ihm Hinterher und dachte nach.
Das war schon ein merkwürdiger Kerl gewesen, bei ihrer ersten Begegnung war er ihm wesentlich ängstlicher und nervöser vorgekommen.
Vielleicht hatte ihn die Nähe trotz des Gewehres etwas offener werden lassen.
Viel hatte er bei seinem ersten richtigen Gespräch mit einem „Einheimischen“ ja nicht gerade erfahren, aber er hatte auch wenig Lust sich mit solchen Leuten zu unterhalten.
Hering widmete sich wieder seinem Flachmann, leerte die letzten Tropfen und griff anschließend nach der Scotch Flasche auf dem Küchentisch um ihn nachzufüllen.
In der Not frisst der Teufel Fliegen, dachte er sich.
Anschließend versicherte sich Hering noch einmal alles gefundene Eingepackt zu haben und begab sich, nunmehr wieder bester Laune, zurück ins Wohnzimmer.
An der Terrassentür angekommen sah er erneut Tom der dort mit einem anderen in Signalfarben gekleideten jungen Mann um die zwanzig stand.
Hering nahm das Gewehr auf Hüfthöhe, doch Tom breitete beschwichtigend die Arme aus.
>>Nur die Ruhe, ich will dir Bloß jemanden vorstellen.<<
Langsam kamen die beiden mit gut sichtbaren Händen auf ihn zu.
Hering behielt dennoch den Finger am Abzug und ließ die beiden nicht aus den Augen, doch als er hinaus auf die Terrasse trat grifft plötzlich eine Hand nach seinem Gewehr. Ein dritter Mann schnellte hinter der Ecke hervor, der sich dort bis dahin verborgen hatte und hieb mit einem Küchenmesser nach Herings Gesicht. Der könnte gerade noch schnell genug ausweichen, so dass ihn das Messer lediglich über die Wange streifte.
Der Angreifer drückte das Gewehr, welches er immer noch mit der Linken festhielt zur Seite, dränge Hering gegen Rahmen der Terrassentür und holte erneut mit der Stichwaffe aus.
Hering versuchte sich wegzudrehen und schaffte es auch beinahe, doch dann durchstach ihn auf einmal ein fürchterlicher Schmerz. Entsetzt sah er an sich herab.
Das Messer stecke bis über die Hälfte in seinem Oberschenkel .
Nun versuchte der Angreifer ihm das Gewehr zu entreißen während er das Messer tiefer in die Wunde drückte >>Nun lass schon, du Spasti<< keifte er.
Hering behielt das Gewehr fest im Griff, doch was sollte er nun tun?
Der Schmerz war unglaublich, Angst und entsetzen machten sich in ihm breit, doch er durfte jetzt nicht in Panik verfallen.
Im Hintergrund sah er Tom und den Anderen, die nun nach anfänglicher Zurückhaltung rasch näher kamen.
Nun hatte er nur noch einen einzigen Gedanken: Jetzt, oder nie.
Hering zog das Bein zurück, suchte am Türrahmen halt und drückte sich wider aller Schmerzen dem Feind mit aller Kraft entgegen, rammte ihm den Lauf des Gewehres in den Bauch und drückte ab.
Scheinbar noch im gleichen Moment in dem der Knall ertönte trat die Kugel mit einem dumpfen Pfeifen wieder aus dem Rücken des Mannes aus, welcher nun nach hinten sackte und sich den Bauch haltend zu schreien begann.
Gerade als Hering das Gewehr zu den Anderen herum reißen wollte traf ihn ein unglaublicher Schlag. Er kippte seitlich von der Terrasse. Das Gewehr entglitt seinen Händen und für einen kurzen Moment war alles Schwarz.
Als er wieder sehen konnte lag er mit dem Rücken auf der Grünfläche vor den Holzstufen und hatte einen fürchterlichen Pfeifton in den Ohren und hörte kaum etwas.
Über ihm stand Tom. Tom mit dem Verfluchten Heizungsrohr.
Hering musste lachen.
Tom zielte das Rohr leicht schwingend auf Herings Kopf als wäre er ein Golfball.
Doch Hering schaute nicht zu Tom, schaute nicht zu dem schreienden Mann der sich auf der Terrasse krümmte.
Hering schaute in den Himmel. Es schneite. Er mochte Schnee. Schnee hatte etwas beruhigendes, ähnlich wie Regen.
Das hier ist genau so gut wie alles Andere ... also was solls, dachte er sich und lächelte.
Dann ertönte ein lauter Donner der durch das Pfeifen in seinem Kopf brach.
Doch nichts weiter passierte, Er sah noch immer den Himmel und den Schnee der langsam auf sein Gesicht hinunter rieselte.
Was war geschehen?
Langsam ließ das Pfeifen nach und sein Gehör kehrte zurück. Er hörte eine Stimme, nicht eine Stimme.
Das schreien des Mannes auf der Terrasse?
Nein, nun schrien zwei Männer und da war noch etwas.
Plötzlich wurde er am Arm hochgezogen.
Schmerz durchfuhr seinen Körper, seinen Kopf, sein Bein. Sein Bein? Das Messer das darin steckte war verschwunden, stattdessen trat unentwegt Blut aus der Wunde welches sein durchtränktes Hosenbein hinunter in eine kleine Lache floss.
Hering blickte auf. Neben ihm stand ein kräftiger, kahl geschorener Mann, der sich seinen Arm um die Schulter gelegt hatte, ihn mit der einen Hand fest hielt und in der anderen einen Großkalibrigen Revolver trug.
>>Wer zur Hölle bist du?<<
>>Karl, wir müssen hier Weg, packst du das?<<
Hering hörte immer noch nur auf der einen Seite. Er tastete nach seinem Ohr und stellte fest, dass der obere Teil scheinbar stellenweise zerquetscht war.
>>Jj... Ja, aber zuerst das Gewehr, wir lassen nicht das verdammte Gewehr hier.<<
Karl seufzte, lehnte Hering gegen die Hauswand, hob das Gewehr auf und hängte es ihm um die Schulter.
Erst jetzt wurde Hering sich der Situation bewusst.
Tom saß brüllend auf dem Boden, in seinem Unterschenkel klaffte eine riesige Schusswunde, der Mann auf der Terrasse hingegen gab nur noch unzusammenhängende, weinerliche Laute von sich und der Dritte im Bunde war scheinbar getürmt.
Karl nahm Hering am Arm über seine Schulter und beide verließen langsam den Hinterhof.
Als sie bereits einige Meter vom Haus entfernt waren musterte Karl Hering und schüttelte den Kopf.
>>Meine Fresse, was du da alles Hast. Vollschutzmaske, Feuerwaffen, Munition. Ich will gar nicht wissen wo du das her hast, aber damit kannst du doch nicht einfach so unbedacht herumlaufen. Der Kram ist mehr als nur ein Menschenleben wert, du kannst froh sein, dass es nur drei Spinner mit Rohren und Küchenmessern waren.
Aber mach dir keine Sorgen das werden schon sehr bald mehr sein, wir müssen schnell so weit wie möglich weg von hier und sehen wie wir dein Bein verarzten, sonst verreckst du mir hier noch, und dann wäre die ganze Nächstenliebe ja für den Arsch gewesen.<<
Er lachte dreckig.
Hering blickte auf und starrte ihn irritiert an.
>>Was? <<
>>Ach, nichts. Ich hoffe mal, du kennst dich hier aus und kannst mir sagen, wo ich dich hin schleifen soll?<<
>>Bunker ... ein Bunker, gleich die Straße runter.<<
Hering ächzte, schwerfällig stapften sie durch den Schnee und näherten sich langsam dem Bunker.
Karl stutzte und hob den Kopf.
>> Scheiße, es schneit nicht mehr.<<
Tatsächlich es war Hering zuerst gar nicht aufgefallen, aber ja der Schnee hatte Nachgelassen.
>>Na und?<<
Karl schaute ihn an, verdrehte die Augen und zog ihn nun in bedeutend strafferem Tempo hinter sich her.
Hering grübelte kurz.
Aber natürlich, das Blut. Er musste sich eingestehen gerade alles andere als auf der Höhe zu sein.
Am Zaun angekommen öffnete Hering eilig, aber ungelenk das Tor und verschloss es von der anderen Seite wieder.
Als er gerade die Zahlenkombination auf der Schaltfläche neben der Stahltür eingab durchfuhr ihn ein Gedanke und er sah zu Karl hinüber.
Das war nicht gut. Das war definitiv nicht gut. So war das nicht geplant...
Doch bevor Hering weiter nachdenken konnte hörten sie auf einmal aufgeregte Stimmen welche sich von der Straße aus näherten. Hering öffnete hastig die Tür.
Zuletzt geändert von KGraurabe am Mi 29. Jan 2014, 21:39, insgesamt 1-mal geändert.

KGraurabe
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Re: [RC18] Die Straße des Händlers

Beitrag von KGraurabe » Mi 29. Jan 2014, 21:37

Und hier nun die Neuen Seiten.


Als sie die Stahltür hinter sich schlossen und sichlangsam die Deckenbeleuchtung einschaltete,
pfiff Karl durch die Zähne.
>>Respekt, da hast du ja ein ganz beachtliches Zuhause<<
Hering schwieg und nickte in Richtung Krankenzimmer.
Karl stützte ihn bis sie die Liege erreichten und setzte ihn dann ab.
Hering hievte das verletzte Bein mit Hilfe der Hände auf die Liege, zog das andere Bein nach und rutschte nach hinten, so dass er mit dem Oberkörper an der Wand lehnte.
Er wandte sich zu Karl und deutete auf den Schrank.
>>Gib mir mal den Ersthilfekasten und die Blaue Schachtel die im zweiten Fach obenauf liegt.<<
Karl zuckte mit den Schultern und tat wie ihm geheißen.
Hering drückte sich vier der Tramadol-Tabletten aus der Rispe, schluckte diese trocken und begann damit die Wunde mit Octenisept zu desinfizieren, er seufzte tief.
>>Und womit habe ich meine heldenhafte Rettung verdient?<<
Karl zündete sich eine Zigarette an und blickte auf.
>>Ich weiß nicht so recht, ich hatte das ganz intuitiv entschieden. Es war wohl eine Mischung aus Menschlichkeit und Neugier. Als ich dich gesehen habe wusste ich sofort, dass da noch mehr dahinter steckt. Solche Ausrüstung findet man nicht im Wald unter einem Stein.<<
Hering hob die Augenbrauen.
>>Und nun wo du es Herausgefunden hast, willst du mich ausrauben?<<
Karl ließ die Zigarette spielend vom einen in den anderen Mundwinkel wandern und grinste breit.
>>Wenn ich es täte, würdest du dann aufspringen und mir hinterher laufen?<<
Hering verzog das Gesicht und begann den Verband anzulegen.
>>Tja das könnte wohl ein Problem werden, allerdings hast du meine Frage nicht beantwortet.<<
Karl pustete Rauch aus und hob die Hände.
>>Mach dir da mal keine Sorgen. Wo sollte ich denn mit dem ganzen Zeug hin? Und selbst wenn ich dich umlegen und hierbleiben würde, säße ich lediglich alleine herum und würde darauf warten das die Vorräte zur Neige gehen. Ich mache die Scheiße nun schon lange genug mit um zu wissen, dass man zu zweit besser dran ist und du und dein sicherer Bunker sind mir tausendmal lieber als eine dieser Banden von marodierenden Schwachköpfen. Die würden mir bei der ersten Gelegenheit in den Rücken stechen um mir meine Knarren abzunehmen. Du hingegen bist bis zu einem gewissen Grad vertrauenswürdig. Allein weil ich nichts besitze das du unbedingt bräuchtest.<<
Hering nickte und befestigte den Verband mit zwei Klammern.
>>Naja, dann danke ich dir für mein Leben und wo du sowieso einmal hier bist kannst du auch bleiben. Wahrscheinlich hast du sowieso recht. Zu zweit kommen wir wohl weiter. Was einem allein passieren kann haben wir ja heute gesehen. Bist du so freundlich und holst mir meinen Snus und etwas Wasser? Wirst es schon finden.<<
Karl zündete sich eine Kippe an und machte sich mit einer ausladenden Handbewegung grinsend auf den Weg.
Kapitel III – Der Wille zur Macht.


Die folgenden Tage verstrichen erholsam aber eintönig.
Obwohl die Wunde in Herings Bein recht tief und durch den Kampf mit dem Angreifer bedenklich ausgefranst war, konnte er eine Infektion durch häufigen Verbandswechsel und Desinfektion vermeiden.
Dennoch dauerte es gut einen Monat bis Hering wieder halbwegs schmerzfrei auftreten konnte.
Um sein rechtes Ohr war es hingegen weniger gut bestellt, der oberste Teil war ihm verlustig gegangen und der Rest bis kurz über dem Ohreingang zerquetscht worden.
Zwar war das ganze nicht sonderlich schön zusammengewachsen, aber immerhin konnte er auf der rechten Seite wieder Ansatzweise gut hören. Es hätte also auch schlimmer kommen können.
Zu Herings Überraschung entpuppte sich sein neuer riesenhafter Mitbewohner Karl nicht etwa als zurückgelassener Elite Soldat sondern als gewöhnlicher Koch mit Waffen und Survival Fetisch.
Das hatte durchaus seine Vorteile, denn er zauberte aus dem faden Bunkerfraß wahre Wunder.
Allgemein war Karl eher ein ruhiger Typ der, wenn er nicht gerade kochte oder seine Pistolen pflegte, die meiste Zeit des Tages damit verbrachte rauchend im Schaltraum zu sitzen und auf dem lila Laptop, den Hering wieder zum laufen gebracht hatte, schlechten Techno zu hören. Zum Glück mochte er keinen Hiphop.
Hering beschloss aufzustehen und ließ sich langsam von der Liege gleiten. Die Belastung beim gehen übte immer noch einen unangenehmen Druck auf die Wunde aus aber alles in allem konnte er sich wieder normal bewegen.
Er zog sich seine Stiefel an und tapste über den Gang hin zum Schaltraum wo bereits wieder irgendein Trance Kram dröhnte und lehnte sich in den Türrahmen.
Karl fläzte halb liegend auf dem Bürostuhl vor dem Tisch mit dem Kameramonitor und rauchte.
>>Wenn du so weiter machst sind bald keine Schachteln mehr da. Hat dir denn noch niemand erzählt das Tabak neuerdings Mangelware ist?<<
Karl drehte sich mit dem Stuhl um und grinste schelmisch so wie er es ständig tat.
>>Ach was, da sind schon noch mehr als genug da und wenn sie irgendwann alle sind besorgen wir eben neue.<<
Hering zuckte mit einer Schulter.
>>Soll mir recht sein solange du nicht auf die Idee kommst mir meinen Snus wegzufressen.<<
>>Da brauchst du dir keine Sorgen drum machen, ich verstehe sowieso nicht was du an dem ranzigen Zeug findest.<<
Karl drehte sich wieder zum Tisch und pustete mit dem Zigarettenqualm kleine Ringe in die Luft.
Hering musste husten. Man konnte die Lauft im verrauchten Raum fast schneiden, es war höchste Zeit mal wieder die Lüftung anzustellen.
Karl drückte die Kippe in einem Blechnapf aus und stand auf.
>>Lass uns essen, ich hab schon was gemacht.<<
Hering setzte sich an den Tisch im Gemeinschaftsraum während Karl im Hintergrund das Essen in die Blechteller gab. Irgendwie hatte die Situation etwas Surreales.
Seit über einem Monat waren sie nun hier und während draußen Banden von Heizungsrohr schwingenden Irren durch eine kaputte Welt streiften, spielte er hier drinnen
eine Art Bunker-WG mit einem Kerl den er kaum kannte.
Wahrscheinlich war es die Sicherheit und Ruhe dieser Einrichtung, die einen all das so schnell verdrängen ließ.
Er musste einen realistischen Blick für die Welt behalten, die Vorräte würden in absehbarer Zeit zur Neige gehen und bald müsste man wieder aktiv werden.
Karl stelle Teller und Besteck auf den Tisch.
Es gab mittels Ei und Butterpulver zubereitetes Rührei mit Schweinefleisch und Hartkeksen, dazu Wasser mit Vitamintabletten und zum Nachtisch eine Dose eingelegte Pfirsiche.
Plötzlich holte Karl mit einem breiten Grinsen eine Flasche Korn hervor.
>>Da du ja jetzt nicht mehr ständig auf Schmerzmitteln bist dachte ich wir genehmigen uns nach dem Essen mal ordentlich Einen.<<
Hering stutzte.
>>Ich hatte gedacht du hättest über den Monat schon alles aufgebraucht.<<
Karl hob die Hände.
>>Ich bin nicht der Typ der gerne alleine trinkt<<
Hering betrachtete freudestrahlend die Flasche.
>>Na dann, Guten Hunger.<<
Dafür, dass das Essen aus Pulver und Konserven entstanden war, schmeckte es erstaunlich gut.
Hering schüttete sein vitaminversetztes Wasser hinunter und füllte zu erst Karls und dann seine Blechtasse mit Korn.
>>Zum Wohl!<<
Die beiden stießen an und leerten die Tassen in einem Zug.
Während Karl nachschenkte schaute er zu Hering auf.
>>Und wie soll es jetzt weitergehen? Ich habe die Vorräte überprüft, bei unserem Verbrauch bin ich auf vier Monate gekommen und Einen davon haben wir bereits verbraucht. Ich meine, das ist noch einiges an Zeit, aber früher oder später werden die Sachen zur Neige gehen. <<
Hering nickte zustimmend und ditschte die Reste des Rühreis mit einem Hartkeks auf.
>>In Anbetracht der Tatsache das außer diesen Irren denen wir begegnet sind noch bedeutend mehr Menschen in den Bunkern darauf warten übers unverseuchte Land zu ziehen um fürs Erste alles zu fressen was von der alten Welt noch übrig ist, sollten wir versuchen so viel wie möglich davon für uns zu sichern solange wir noch die Zeit dazu haben. Am günstigsten wäre dafür Wohl ein Auto, weißt du wie man fährt?<<
Karl lachte.
>>Natürlich, du etwa nicht?<<
>>Nun ja, nicht so wirklich, aber ich kann es ja noch lernen. Gut dann sollten als erstes versuchen ein entsprechendes Fahrzeug klar zu machen und das möglichst ohne dabei diesen Bekloppten zu begegnen.<<
Hering befüllte erneut die Blechtassen. Die Kornflasche war bereits weit über die Hälfte geleert und er verspürte zum ersten Mal seit langem wieder dieses wohlig warme Gefühl der sich anbahnenden Trunkenheit.
Doch dann stutze er.
>>Eines verstehe ich noch nicht so ganz. Da die Evakuierung ja nun scheinbar noch nicht aufgehoben wurde stelle ich mir die Frage, wo unsere aggressiven Nachbarn hergekommen sind. Ich meine, wie Ex-Militärs sahen die mir nicht gerade aus, sind die also einfach übrig geblieben oder was machen die hier draußen?<<
Karl setzte die Tasse ab und ließ sie nachdenklich kreisen.
>>Nun ja einige schon, ganz so wie ich, andere hingegen kommen aus besagten Bunkern. Sie sind verstoßene.<<
Hering runzelte die Stirn.
>>Verstoßene?<<
>>Ja, Leute die man nach der Evakuierung aus den Bunkern rausgeworfen hat. Ich kenne die näheren Umstände nicht, die wenigen Begegnungen bei denen ich mit diesem Menschen ins Gespräch gekommen bin haben nichts all zu tiefgreifendes ergeben. Scheinbar sind es Mörder, Kriminelle und anderweitig Unerwünschte, die man entweder nicht ewig einsperren wollte, oder konnte.
Nun Verständlich ist es schon, in den meisten Bunkern soll bei der Evakuierung die Polizei die Leitung übernommen haben und der Rest sind Zivilisten.
Wenn man nun jemanden nicht Einsperren möchte, oder kann, dann bleiben einem nicht viele Möglichkeiten offen. Was soll man machen? Den verurteilten aufknüpfen? Ihn an eine Wand stellen und erschießen?
Auch wenn diese Leute seit drei Jahren gewissermaßen in extremen Umständen leben, waren sie dennoch vor noch nicht all zu langer Zeit normale Bürger und Beamte die in einer zivilisierten Gesellschaft lebten die keine Todesstrafe kannte.
Da ist die konstituierte Tötung eines Menschen ein weiter und unangenehmer Schritt. Deshalb hat man wohl den deutlich bequemeren Weg der Verbannung gewählt.
Dem Verbrecher wird einfach das Recht auf die sichere Zuflucht entzogen. Anschließend wird er mit nicht mehr als er am Leibe trägt in die unwirtliche, zerstörte Welt entlassen. Somit ist der Störenfried entfernt und seine Lebenserwartung beträchtlich gesenkt.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Freilich weiß man in den Bunkern wahrscheinlich nicht, dass hier auf dem Lande so viel unberührt geblieben ist, aber es hat wohl kaum einer das Glück einen Bunker voller Medikamente und Verbandszeug zu finden und Apotheken gibt es in Dörfern eher selten.
Hier draußen kann dich ein eitriger Zahn umbringen.
Aber ich Schweife ab.
In der Regel finden sie sich mit der Zeit zu kleinen Gruppen von bis zu zwanzig Personen zusammen.
Ob Grundsätzlich alle gewalttätig sind weiß ich nicht, gefährlich sind sie aber allemal.
Unsere Freunde vom letzten Mal sind im übrigen scheinbar weitergezogen. Sie waren ein paar Tage um den Bunkereingang herum geschlichen und dann mit einmal verschwunden. Versucht hereinzukommen haben sie jedenfalls nicht. Wenn man die Tatsache besieht, dass dies hier ein militärischer Bunker ist und daran denkt, mit welcher Ausrüstung du dort aufgetaucht warst, war ihnen das Risiko wohl zu groß das sich hier noch mehr Soldaten befinden. <<
Karl rieb sich den Kopf, sonderlich viel schien er nicht zu vertragen.
>>Ein Auto also mh... Das kann ja was werden.<<
Ja das konnte es, blieb zu hoffen, dass sich die Verletzung nicht all zu sehr bemerkbar machte und man am nächsten Tag einen Ausflug wagen konnte.
Karl trank den Rest aus seiner Tasse, stand auf und machte eine ausladende Handbewegung.
>>Rien ne va plus - nichts geht mehr.<<
Anschließend ging er zu einem der Doppelstockbetten und schwang sich hinein.
Hering goss sich sich nach und starrte gedankenverloren in seine Tasse. Ihm viel auf, dass er nicht im geringsten wusste woher Karl kam. Außer dass er bei der Evakuierung nicht mitgenommen wurde hatte er bisher nichts über sich erzählt. Aber zugegeben, Hering hatte ihm auch nichts von sich erzählt. So ruhig und unproblematisch dieser Mann auch zu sein schien, er musste wachsam bleiben.
Als erstes würde er sich aber darauf konzentrieren müssen Morgen mit seinem Bein aus dem Bunker zu kommen. Ein Fahrzeug wäre ohne jede Frage praktisch.
Stellte sich nur die Frage ob sie eines in Gang bekommen würden. Hering war müde, er leerte die Tasse, schlürfte die Reste aus der Flasche und ging zu Bett.

Am nächsten Tag wachte Hering mit Kopfschmerzen auf, es war einige Zeit her, dass er das letzte Mal einen Kater hatte.
Karl war scheinbar schon seit einer ganzen Weile wach, der Mann brauchte komischerweise kaum Schlaf.
Dem Lärm nach zu urteilen saß er wie immer im Schaltraum und ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach.
Ein wie Hering fand recht teures Hobby, denn mal abgesehen von der Tatsache das die Zigaretten bald absolute Mangelware sein würden zehrte das ständige Laute Musik hören an ihrer Hauptressource, dem Strom.
Hering beschloss Karl bei Zeiten einmal darauf anzusprechen und schlurfte still leidend mit kopfschmerzen ins Badezimmer.
Nach dem Frühstück machten sie sich für den Ausflug bereit. Beim entleeren seines Rucksacks entdeckte Hering ganz unten, dass beinahe vergessene Tütchen Gras. Unglaublich dass er es nicht verbraucht hatte, aber auf diese Weise hätten sie zumindest etwas zum Feiern wenn sie wiederkamen. Hering machte auf dem Weg in die Umkleide einen Abstecher zum Krankenzimmer, entnahm einer der blauen Schachteln vier Tramadol Tabletten und schluckte sie trocken.
Als er in der Umkleide ankam war Karl bereits so gut wie abmarschbereit.
Hering schulterte eine G36 und schallte sich den Halfter mit einer der Pistolen um.
Karl weigerte sich vehement eine der Maschinenpistolen mitzunehmen und bestand auf seine zwei eigenen Pistolen.
Nun waren sie also Bereit...
Als sie stillschweigend den Bunker verließen überkam Hering ein bedrückendes Gefühl und sein Bein fühlte sich plötzlich schwer an.
Er hatte den Bunker seit jenem Tag nicht verlassen und er spürte, dass ihm der Vorfall noch immer in den Knochen steckte.
Hering versuchte die Gedanken abzuschütteln und drehe sich zu Karl um, der ihn fragend ansah.
>>Na, dann suchen wir uns mal einen fahrbaren Untersatz, kennst du dich mit Autos aus?<<
Karl zündete sich eine Zigarette an und pustete genüsslich den Rauch in die Kalte Winteluft.
>>Joar ganz gut würde ich sagen, du etwa nicht?<<
>>Ich hatte weder einen Führerschein, noch ein Auto und um ganz ehrlich zu sein habe ich mich nie wirklich dafür interessiert. Bei uns fuhr die Straßenbahn.<<
Karl lachte.
Als sie vor der Umzäunung waren verschloss Hering hinter ihnen das Tor. Nun gab es kein Zurück mehr sie waren draußen und dieses mal würde er vorsichtiger sein.
Er ertappte sich bei dem Wunsch einen der Angreifer anzutreffen, er würde ihn einfach abknallen.
Hering verscheuchte diesen Gedanke und ging los.
Sie schlenderten die Straße entlang in richtung Ortschaft. Karl rauchte bereits die zweite Zigarette und schien bester Dinge zu sein und auch Herings Stimmung hellte sich deutlich auf als das Tramadol zu wirken begann.
Nach einer Weile erreichten sie die ersten Autos welche scheinbar wahllos abgestellt auf der Straße standen.
Als erstes fiel ihnen ein Mercedes Kleintransporter ins Auge.
Karl umkreiste das Gefährt und begutachtete es.
Der Tankdeckel stand offen und auf dem Boden befand sich eine kleine Benzin lache. Offensichtlich hatte hier jemand erst vor kurzen den Tank abgesaugt.
Karl kam hinter dem Transporter zum Vorschein.
>>Also abgesehen davon das die Kiste keinen Sprit hat, ist die einfach zu Schwer und un handlich, vom Spritzverbrauch mal abgesehen.<<
Hering nickte und sie gingen weiter.
Die Autos auf der Straße waren allesamt seit über drei Jahren Wind und Wetter ausgesetzt und deshalb in einem weniger guten Zustand.
Gegen Ende der Dorfstraße kamen sie zu einem kirschroten Smart der nach einer kurzem Umrundung Tatsächlich Fahrtüchtig erschien.
Hering lehnte sich gegen den Wagen und kramte in seinen Taschen, Karl tat es ihm gleich und steckte sich dabei eine Zigarette an.
>>Mh... ich denke wir sind uns einig, dass diese abartige Fehlkonstruktion nicht in Frage kommt.<<
Hering nickt, holte eine kleine Rispe hervor und nahm noch eine Tramadol Tablette.
>>Diese fahrende Geschmacklosigkeit hätte sowieso nicht ausreichend Platz um anständig was zu transportieren.
Willst du auch eine? Die machen gute Laune und helfen gegen die Kälte, musst aber sehr vorsichtig damit sein.<<
Hering hielt Karl die Rispe hin in der sich noch drei Tabletten befanden.
>>Na gut, warum nicht, wie viele kann man davon nehmen?<<
>>Eigentlich nicht mehr als vier, aber ich habe scheinbar schon etwas Toleranz entwickelt, man muss eben wie gesagt vorsichtig damit sein. Man entwickelt allzu schnell einen Hang dazu.<<
Karl nahm die drei Kapseln mit einem Schluck aus seiner Feldflasche und sie machten sich wieder auf den Weg.
Als sie auf der Straße kehrt machten kamen sie zu einem großen, hellgrün gestrichenen Haus an dessen Seite sich eine keine Garage befand.
Karl ging zum verschlossenen Tor der selbigen, stellte seinen Rucksack ab und holte eine kleines Brecheisen hervor.
>>Hier könnten wir mehr Glück haben, da drin ist die Karre immerhin geschützt.<<
Nach einigem drücken brach das Schloss mit einem metallischen knacken und die Türen öffneten sich.
Was das durch das Tor einfallende Licht enthüllte schien Karl zu erfreuen.
>>Das ist es!<<
Karl stürzte mit einem funkeln in den Augen auf das staubige Gefährt zu und strich über die Motorhaube.
Hering blieb im Türrahmen stehen.
>>Das ist es also?
Das Ding ist doch mindestens 50 Jahre alt, wenn nicht sogar mehr.<<
Karl drehte sich um und öffnete die Haube.
>>Das ist ein Volvo V90. Der ist so ziemlich unkaputtbar,
abgesehen davon hat das Teil hier eine Gas Umrüstung, soll heißen wir können den auch mit Propan laufen lassen!<<
Hering verdrehte die Augen.
>>Kann es fahren?<<
>>Das werden wir gleich wissen.<<
Karl tauchte ab und begann im Inneren des Fahrzeugs zu wühlen.
Zugegeben, dass man das Auto auch mit Propan betreiben konnte würde sich eventuell noch einmal als nützlich erweisen.
Hering lehnte sich zurück und betrachtete die Garage.
Es war kaum mehr als ein fensterloser Betonkasten.
Im Halbdunkel des einzig durch das geöffnete Tor erhellten Raumes zeichnete sich nebst dem Auto eine große Werkbank ab, welche über und über mit Staub bedeckt war und auf der sich stapelweise alte Zeitschriften türmten.
Es lag der Geruch von Altöl in der Luft und der feine Staub den sie aufgewirbelt hatten tanzte in den wenigen strahlen des einfallenden Lichtes.
Hering konnte sich nicht helfen, dieser Ort hatte etwas unbeschreiblich friedliches, fast nostalgisches an sich.
Er war fast versucht Karl um eine Zigarette zu bitten als er von diesem je seiner Ruhe entrissen wurde.
>>Also das erste Problem ist, dass die Kiste dringend neues Öl braucht sonst kommen wir nicht weit, aber ansonsten sieht der Motor ganz Ok aus, setzen wir uns mal rein.<<
Karl strahlte bis über beide Ohren als er einstieg, der Fund des antiquierten Vehikels schien ihm tatsächlich große Freude zu bereiten.
Er war ein Mann mit bemerkenswert vielen Hobbys.
Hering löste sich von der Wand an der er lehnte und stieg auf der Beifahrerseite ein.
Im Inneren des Wagens stellten sie fest, dass der Zündschlüssel fehlte.
Karl schaute suchend unter die Sitze und durchsuchte das Handschuhfach bis er schließlich die Sonnenblende herunter klappte und ihm der gesuchte Schlüssel entgegen fiel.
Hering schüttelte belustigt den Kopf.
>>Das war jetzt aber ein billiges Klischee.<<
Karl lachte, steckte den Schlüssel ins Zündschloss und drehte ihn.
Es passierte nichts.
>>War ja klar. Die Batterie ist leer, da müssen wir schieben. <<
Hering nickte und stieg ungelenk aus, das hinsetzen und aufstehen viel ihm noch immer schwer weil dabei stets einen unangenehmer Druck in seinem Bein zu spüren war. Er lehnte sich gegen die Beifahrertür und wandte sich Karl zu.
>>Aber zuerst sollten wir mal etwas Sprit für die Karre auftreiben, ich weiß ja nicht was da noch drin ist viel kann es aber nicht sein. Was das Motoröl angeht, ich habe vor einiger Zeit eine Tankstelle in der nähe entdeckt, dort sollten wir so was finden können. Aber da können wir dann ja hoffentlich hin fahren anstatt zu laufen.<<
Die Beiden verließen die Garage wieder, jeder mit mit einem Kanister in der Hand welche Karl unter der Werkbank gefunden hatte.
Je zehn Liter Benzin konnten sie damit transportieren, also insgesamt zwanzig Liter. Das war zwar nicht die Welt, dürfte aber reichen.
Es ging mittlerweile auf Mittag zu, die Sonne stand hoch am Himmel und reflektierte sich im weiß der verschneiten Dorfstraße.
Sie gingen die Straße entlang in Richtung des leeren Kleintransporters.
Die angenehme Ruhe der einsamen Winterlandschaft gab Hering ein beinahe bedrückendes Gefühl, zu frisch war noch die Erinnerung an jenen Tag.
Als sie an dem Smart vorbei kamen blieb Karl stehen.
>>Lass es uns hier mal versuchen, bei der ollen Dreckskarre hat doch bestimmt noch niemand was abgesaugt.<<
Er hockte sich hin und holte aus seinem Rucksack einen großen Schraubenzieher und das kleine Brecheisen.
Es verging eine gefühlte Ewigkeit in der Karl am verschlossenen Tankdeckel herumfuhrwerkte.
Hering umkreiste das „halbe“ Auto und warf einen Blick durch die Scheiben.
Der Zündschlüssel steckte nicht, das wäre wohl zu praktisch gewesen und auch sonst war das Auto leer.
Karl zerrte fluchend an der Brechstange und stemmte sich gegen den Wagen bis der Tankdeckel unter metallischem ächzten nachgab.
Erleichtert setzte Karl ab, richtete sich auf und legte das Eisen aufs Autodach. Breit grinsend sah er Hering an.
>>Na schon mal Sprit abgesaugt?<<
Er kramte einen zusammen gerollten Plastikschlauch aus seiner Jackentasche.
Hering lehnte sich mit den Ellenbogen aufs Autodach.
>>Naja als ich 16 war hab ich mal welchen geschnüffelt, aber ansonsten, nein.<<
>>Naja, dann kannst dus ja mal versuchen.<<
Karl lachte und zündete sich in gebührlichen Abstand zum Tankdeckel eine Zigarette an.
Hering nahm den Schlauch entgegen, versenkte ihn im Tank und saugte.
Nach einer kurzen weile begann das Benzin zu fließen, Hering spuckte das beißend scharfe Benzin aus und lenkte den Schlauch in den ersten Kanister.
Danach stand er auf, lehnte sich gegen die Wagentür und holte seinen Flachmann aus der Jacke.
Es waren die letzten Schnapsreste, danach würde er erst mal neuen auftreiben müssen.
Hering nahm einen großen Schluck und bot anschließend Karl etwas an.
Karl winkte ab.
So standen sie eine kurze Weile schweigend da während es zu schneien begann.
>>Hier, schnell, das läuft gleich über!<<
Hering nahm den zweiten Kanister entgegen und leitete den Schlauch um.
Erstaunlicher Weise schienen in der motorisierten Streichholzschachtel noch immer mehr als zwanzig Liter vorhanden zu sein, doch hatten sie leider weiter nichts zum Abfüllen dabei.
Hering entfernte den Schlauch aus dem Tank und nickte Karl zu.
Mit den beiden vollen Kanistern stapften sie durch den rieselnden Schnee zurück zur Garage.
Dort angekommen betankten sie den alten V90 mit dem mitgebrachten Benzin schließlich stützte sich Karl auf die geöffnete Fahrertür und seufzte tief.
>>Jetzt kommt der schwierige Teil.<<
>>Soll heißen?<< Hering zog fragend die brauen hoch.
Karl holte eine Zigarettenschachtel aus seiner Brusttasche und zog mit dem Mund eine Kippe heraus.
>>Soll heißen, dass wir die Kiste wegen der Batterie anschieben müssen damit wir sie ankriegen.
Und da du das Ding mit deinem Bein wohl kaum anständig anschieben kannst und ich das allein nicht packe...
Wir machen also folgendes: Wir schieben den Wagen raus setzen uns rein und lassen ihn die Straße runter rollen, da haben wir eine schöne leichte Senkung, da wird er nicht zu schnell und dann hoffen wir einfach das ich die Karre zum laufen bekomme bevor wir damit irgendwo reinkrachen. <<
Hering zog erneut die Augenbrauen hoch, zuckte dann aber lediglich mit den Schultern, leerte den letzten Rest Schnaps aus dem Flachmann und schickte sich an Karl beim herausschieben des Volvos zu helfen.
Das Auto ließ sich ohne größere Komplikationen bewegen, als er dann aber eingestiegen war machte sich sein Bein wieder bemerkbar.
Hering rieb sich die Waden und schnallte sich an.
Der Wagen rollte langsam an und begann stetig schneller zu werden.
Karl legte die Hände aufs Lenkrad während er die Kippe von einem Mundwinkel zum anderen wandern ließ.
>>Na dann wollen wir mal.<<
Er legte den ersten Gang ein, ließ langsam die Kupplung kommen und betätigte die Zündung.
Der Motor stotterte, doch nichts geschah.
Sie beschleunigten immer mehr während Karl weiterhin versuchte den Motor zu starten.
Doch dann beim vierten Versuch sprang der Motor endlich an.
>>Jawohl!<<
Karl schlug vor Freude aufs Lenkrad und wollte sich gerade umdrehen als plötzlich eine mächtige Erschütterung den Wagen erfasste.
Hering wurde nach vorn geschleudert und der Gurt presste ihm die Luft aus den Lungen.
Sie hatten seitlich die Leitplanke gerammt.
Hering Atmete schwer und riss sich zu Karl herum, welcher bloß da saß und ihn Angrinste während ihm ein kleines Rinnsal aus Blut die Stirn hinab floss
>> Wirklich ne tolle Leistung, habe ich dir schon mal gesagt wie sehr mir dein ständiges Gegrinse auf den Sack geht?<<
Doch Karl tippte lediglich mit dem Zeigefinger an sein Ohr.
Hering hielt inne und stutzte.
Da bemerkte er es auf einmal: Der Motor, der verdammte Motor lief noch immer.
Die beiden sahen einander an und begannen unwillkürlich zu lachen.
Zumindest war schon mal klar, dass die Airbacks offensichtlich nicht funktionierten.
Glücklicherweise hatte das Vehikel erstaunlich wenig Schaden genommen.
Die Linke Frontseite war etwas lädiert und der Scheinwerfer war im Eimer, aber ansonsten schien alles andere noch zu funktionieren.
Sie ließen keine Zeit verstreichen und wendeten den Wagen bevor dieser am Ende doch noch Gefahr lief wieder auszugehen und machten sich auf den Weg zur Tankstelle.
Mit dem Auto ließ sich der Weg in einem Bruchteil der Zeit zurücklegen und bereits nach wenigen Minuten kam die Tanke in Sicht.
Hering war trotz der Erleichterung noch immer ein wenig geschockt und seine Brust schmerzte nach der Konfrontation mit dem Gurt nicht unerheblich.
Als sie angekommen waren stiegen sie aus und betraten den Verkaufsraum welcher noch wüster aussah als beim letzten Mal.
Das benötigte Öl war schnell gefunden und schien in Ordnung zu sein.
Karl lehnte sich gegen einen Aufsteller und begutachtete den Raum.
>>Wir scheinen hier nicht die Ersten zu sein.<<
Hering schüttelte belustigt den Kopf.
>>Und auch mit Sicherheit nicht die Letzten.
Mach du mal die Sache mit dem Öl ich schau mal schnell ob ich was zu Essen, oder Tabak auftreiben kann.<<
Während Karl begann verschiedene Ölbehälter zu betrachten ging Hering zur Kasse hinüber.
Von den einst zahlreichen, bunten Zigarettenschachteln war nichts mehr zu sehen, einzig einige Tüten Drehtabak und ein paar Schachteln Billg-Ziggarellos hatte man verschmäht.
Hering packte die Tabakwaren samt Dreh-Zubehör vorsorglich ein und schaute sich weiter um.
Etwas essbares suchte man hier vergebens, allgemein war nicht mehr viel zu holen.
Hering steckte sich ein paar übrig gebliebene Kanisterchen Feuerzeugbenzin ein und betrachtete belustigt das Kühlregal vor dem sich die übelriechende Gammelbierlache bedeutend vergrößert hatte.
Scheinbar musste Jeder der hier vorbei kam einmal die drei Jahre alte Brühe probieren.
Wieder am Ausgang angekommen wartete Karl bereits mit zwei Ölflaschen.
>>Ich würde sagen den Ölwechsel machen wir morgen früh bei uns jetzt fahren wir erst mal zurück.<<
Hering nickte und setzte sich ins Auto.
Die Rückfahrt verlief ohne weitere Probleme. Hering überkam eine drückende Müdigkeit, er lehnte den Kopf gegen die Scheibe und beobachtete die leicht verschneiten Felder welche an ihnen vorbei zogen und so fuhren sie schweigend die Straße entlang bis der Bunker in Sicht kam. Sie parkten den Wagen in der Abgeschlossenen Umzäunung und gingen hinein.
Hering atmete sichtlich auf, als sich die Stahltür hinter ihm schloss.
Alles in allem war es ein äußerst erfolgreicher, aber anstrengender Tag.
Hering ging zur Umkleide während Karl das Abendessen zubereitete.
Nun wo sie den Volvo hatten, wollte er gleich am nächsten Tag dem Verseuchten Stadtgebiet einen Besuch abzustatten.
In Gedanken versunken breitet er zwei der drei Schutzanzüge auf der Bank aus.
Karl hatte sich als ausgesprochen nützlich erwiesen, von der Rettungsaktion ganz abgesehen. Dennoch wusste er noch immer kaum etwas über diesen merkwürdigen Menschen, aber vielleicht war das auch besser so.
Er entnahm zwei frische Gasmasken aus den Spinden und überprüfte die Filter.
Bis dahin hatte ihre Partnerschaft nur Vorteile gehabt, die Zeit würde zeigen wo das alles hinführt.
Hering legte die Gasmasken zu den Anzügen und ging zum Wohnraum.
Er schüttete seinen Rucksackinhalt erneut auf das Bett um Platz für den morgigen Tag zu schaffen.
Karl stand mit einer Kippe im Mund an der Mini-Küche und drehte sich zu ihm um.
>>So ich bin fertig, lass uns erstmal was essen.<<
Hering nickte und sie setzten sich an den Tisch.
Es gab wieder einmal gebratenes Dosenfleisch mit Rührei und Hartkeksen.
Trotz der häufigen Wiederholung dieses Gerichts schlang Hering es gierig hinunter, er hatte seit Stunden nichts mehr gegessen.
Als sie fertig waren zündete Karl sich eine neue Zigarette an und blickte zu Hering auf.
>>Du willst also schon Morgen da raus, ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll, ich meine in der Stadt ist alles voll mit diesem Dreckszeug. Ich habe keinen Bock da draußen elendig zu verrecken.<<
Hering winkte beruhigend ab und schob sich etwas Snus in den Mund.
>>Da mach dir mal keine Sorgen wir haben prima
ABC-Schutzanzüge hier, mal ganz davon abgesehen, dass
ich bis vor kurzen mit einer Isolierband-Improvisation da durchmarschiert bin und ich lebe ja auch noch.
Wenn man weiß was man beachten muss ist das ganze eigentlich nicht übermäßig gefährlich.<<
Karl stützte sich Nachdenklich auf den Tisch.
>>Sag mal was ist dieses verdammte Zeug eigentlich? Also dieser klebrige Giftfilm, ich meine du warst doch beim Militär.<<
Hering zog die Brauen hoch und seufzte.
>>Ich habe leider keine Ahnung, da müsstest du die Franzosen fragen, die haben den Mist hier abgeworfen.
Das einzige was ich weiß ist, dass der klebrige Film bei Wärme giftige Gase bildet. scheinbar eine Art Nervengift.
Das Zeug ist nun schon seit über drei Jahren da und hat sich bis Heute kaum verflüchtigt, ich kann mir das auch nicht so recht erklären.
Aber mit anständiger Schutzkleidung und im Winter kann uns eigentlich nichts passieren.“
Er stützte sich energisch auf den Tisch.
„Wie gesagt wir werden hier bald nicht mehr so allein sein wie im Moment, es werden immer mehr kommen .
Die Evakuierung hält nunmehr seit drei Jahren an.
Eine Aufhebung wird es zwar nicht geben, da das zuständige Ministerium und die dazugehörige Regierung nicht mehr existent sind, aber die großen Schutzbunker für die Zivilbevölkerung dürften ihren Zenit bereits lange überschritten haben.
Die waren für kaum mehr als zwei Jahre ausgelegt und selbst wenn sie streng rationiert haben werden sie nun am Ende sein. Ich würde mich nicht wundern wenn sich die Ersten bereits geöffnet hätten.
Ich weiß zwar nicht wie viele es davon noch gibt und wie viele Leute überlebt haben, aber es werden mit Sicherheit genug sein um in kürzester Zeit die ländlichen Gebiete zu überrennen wie Heuschrecken und wie lange werden die Städte dann noch unberührt bleiben? Ich meine, anständige Gasmasken sind sehr selten, aber nicht das Bernsteinzimmer , irgendwann ist alles weg.
Und wenn's losgeht will ich verdammt noch mal versorgt sein! Wir nehmen einfach alles mit was wir kriegen können Essen, Medikamente, Sprit, Schnaps und Zigaretten, denk nur an den scheiß Tabak, deine wievielte Kippe ist das Heute? Davon wird so schnell keiner mehr neue herstellen.
Also machen wir uns Morgen los, oder machen wir los?“
Als Hering seinen Monolog beendet hatte ließ er sich in den Stuhl sinken und sah Karl fragend an.
Dieser hatte schweigend zugehört und rollte die halb aufgerauchte Kippe nachdenklich von einem Mundwinkel in den Anderen, dann stand er auf.
„Gut einverstanden, also gehen wir es Morgen an.“
Am nächsten Morgen ging Hering die Ausrüstung noch einmal durch während Karl den Ölwechsel vornahm.
Nebst den Schutzanzügen und Wechselkartuschen für die Gasmasken legte er noch Patronen und ein paar Ersatzmagzine bereit. Karl würde wohl wieder auf seinen Revolver bestehen. Hering packte aber dennoch ein zweites Gewehr ein und lud die Sachen anschließend zu den Vorräten in den Volvo.
Karl lehnt sich auf das Autodach.
„Und, haben wir alles?“
„Ja, es sollte alles da sein.“
Hering reicht Karl einen der Schutzanzüge.
„Wir sollten nur ein paar Stunden unterwegs sein, aber zur Sicherheit habe ich Trinkwasser und Dosenfleisch für zwei Tage eingepackt.
Ansonsten haben wir ausreichend Munition und Kartuschen für die Masken.
Ach und auch noch ein Gewehr für dich.“
Karl stiegt mit einem Bein in den Anzug und zog die Augenbrauen nach oben.
„Es ist ja nur für den Notfall.“
Hering zog den Reißverschluss an seinem Schutzanzug hoch und nahm seine Gasmaske.
„Also, wir müssen eigentlich nur auf eines achten:
Den Anzug.
Der Schutz muss die ganze Zeit geschlossen bleiben und auch im Wagen sollten wir die Gasmasken aufbehalten.
Es ist Winter und in der Stadt liegt Schnee. Der Kampfstoff dürfte Momentan wie Plastik sein. Er haftet in der Regel nicht und sollte des Nachts auch kaum Gase bilden.
Dennoch sollten wir gerade am Tag wenn die Sonne scheint höllisch aufpassen. Man geht an dem Zeug binnen kürzester Zeit zu Grunde und auch wenn es Nacht ist und du nur ein wenig abbekommst, willst du das lieber nicht erleben.“
„Ok.“
Karl drückte seine letzte Zigarette auf dem Autodach aus, zog seine Kapuze über den Kopf und setzte die Gasmaske auf.
Sie stiegen ein und fuhren los.
Hering schaute aus dem Fenster während sie durch die Ortschaft fuhren.
Das geschmacklos gestrichene Haus auf dessen Terrasse er fast verreckt war zog an ihnen vorbei.
Das atmen in der Gasmaske war wie gewohnt unangenehm, der stechende Gummi Geruch der Frischen Maske hingegen vermittelte ihm ein Gefühl von Sicherheit.
Karl drehte sich zu ihm.
„Was passiert eigentlich wenn man nur ein bisschen von dem Zeug abbekommt, stirbt man dann auch?“
Seine Stimme klang Merkwürdig dumpf durch die Maske.
„Naja nicht direkt, man bekommt brutale Kopfschmerzen, Nasenbluten und wird wirr. Ich würde sagen…“
Hering stockte plötzlich. „Halt an!“
Sie hatten die Häuser hinter sich gelassen und waren nunmehr am Ortsausang angekommen.
Auf Höhe des Ortsschildes hielten sie an.
Hering starrte aus dem Fenster.
Neben der Straße lag noch immer die Leiche des Mannes von dem er die Pistole hatte, doch war sie nun entkleidet und schrecklich entstellt.
Jemand hatte ihn ausgezogen und ihm mit einer Schrotflinte ins Gesicht geschossen.
„Scheiße…“
Karl lehnte sich vom Lenkrad zum Fenster hinüber.
„Wer macht denn sowas… Kanntest du den?“
„Also… nein, nein als ich den das letzte mal gesehen habe lag der schon hier und war auch schon Tod, nur eben nicht so.“
Auf und um die Straße waren frische Reifenspuren, wahrscheinlich von einem größerem Transporter welcher scheinbar nur bis hier her gefahren war und anschließend wieder gewendet hatte.
Karl und Hering schauten sich einen Moment lang fragend an, dann fuhren sie schweigend weiter.
Es war eben wie es war. So beunruhigend es auch aussah, das Einzige was sie tun konnten, war sich wieder einmal ins Bewusstsein zu rufen, dass sie vorsichtig sein mussten.
Sie fuhren an einem kleinen Waldstück entlang in richtung Stadt.

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So das ist das neuste Kapitel und im Nächsten wirds wider etwas Spannender seit also Gespannt.
Über Kritik würde ich mich wie immer freuen ^^

KGraurabe
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Re: [RC18] Die Straße des Händlers

Beitrag von KGraurabe » Sa 29. Mär 2014, 21:39

Kurze Info: wegen eines Überleitungs-Problems habe ich Hering in Henning umbenannt. Das werde ich bald auch im Rest umändern.

Kapitel III - Das Rad dreht sich Weiter.

Nach einiger Zeit hatten sie die Felder und Bäume hinter sich gelassen und die ersten Häuser des Wohngebietes taten sich vor ihnen auf.
Es war ein klarer Wintertag und das Licht spiegelte sich auf den schneebedeckten Gehwegen.
Sie fuhren nun eine Anhöhe hinab links und rechts von ihnen erstreckten sich die Häuserschluchten.
Nach einer Weile hielten sie an.
Auf der einen Seite der Straße befanden sich zwei nebeneinander gelegene Supermärkte und auf der Anderen eine Apotheke.
Henning stieg ungelenk aus dem Fahrzeug. Er fühlte sich in dem Anzug wie eine Presswurst.
Karl hatte scheinbar weniger Probleme, er lehnte an der Fahrertür und streckte sich.
>>Und was nun?< <
>>Ich würde sagen wir nehmen zuerst die Apotheke.<<
Henning zeigte mit dem Finger auf grauen Betonklotz hinter der Straßenbahnhaltestelle an dem ein entsprechendes Schild angebracht war.
>>Was zu fressen können wir auch Später noch holen.<<
Karl nickte und sie machten sich auf den Weg.
Die Apotheke befand sich im unteren Stockwerk des Hauses, darüber waren scheinbar Arztpraxen gewesen.
Henning zog das Gewehr vom Rücken und drosch mit dem Kolben die gläsernen Schiebetüren ein.
Der Innenraum sah wüst aus, auf dem Boden lagen umgestoßene Aufsteller und verschiedene bunte Einkaufstüten.
Henning stieg über ein Weißblechregal voller Gummibärchen und Hustenpastillen.
>>Perfekt!<<
Hinter der Theke verliefen mehrere lange olivgrüne Regale voller Schubladen, einige von ihnen waren halb offen. An einer von ihnen hing ein Schlüsselbund.
Henning ging rasch die Beschriftungen an den Schubladen ab und öffnete eine von ihnen.
Dumpfes Lachen drang aus seiner Gasmaske.
Er setzte den Rucksack ab und öffnete ihn.
Karl trat hinter Henning der dabei war mehrere blaue Schachteln einzupacken.
>>Und?<<
>>Tramadol Hydrochlorid, wir brauchen auch sonst alle Schmerzmittel, dann die Antibiotika, Asthmamedikamente und Blutdruckmittel. <<
Karl nickte beflissen, überließ Henning seiner Sammelleidenschaft und begann sich in den Räumlichkeiten umzusehen.
Hinter der Reihe von Regalen war ein T-Gang. Zur einen Seite befand sich eine weiße Kühltür, zur Anderen ein offenstehendes Büro.
Dort gab es nichts Interessantes, der verwaiste Schreibtisch sah aus als wäre sein Besitzer erst vor wenigen Minuten von der Arbeit aufgestanden und würde jeden Moment zurück kommen. Auf der Tischplatte stand noch immer eine Kaffetasse, bloß das ihr Inhalt schon lange eingetrocknet war.
Karl drehte sich um und ging zu der großen Tür.
Er zog den Kunststoffhebel zur Seite, öffnete den Kühlraum und blieb auf der Schwelle stehen.
Henning der inzwischen die meisten der Schubladen von sinnvollem Inhalt befreit hatte, sah zu Karl auf welcher wie angewurzelt in dem kurzen Flur stand.
Henning stützte sich auf und begab sich zu ihm nach hinten.
>>He was gibt’s denn da zu sehen? Weißt du, du könntest mir ruhig mal helf…<<
Hennings Blick verfinsterte sich.
Vor ihm Lag ein Kühlraum, links und rechts an den Wänden befanden sich leere, grau gestrichene Blechregale und zwischen ihnen saß ein Mann in einem weißen Kittel.
Sein Gesicht war eingefallen und hatte eine gelbliche Farbe angenommen. Dennoch zeigte die auf einem Hocker gegen die Wand gelehnte Leiche kaum Spuren von Verwesung.
Daneben lag zwischen Müsliriegelverpackungen und leeren Rotbäckchensaft Flaschen ein Notizblock auf dem sich eine Tablettenschachtel befand.
Karl stützte sich mit dem Arm gegen den Türrahmen.
>>Beängstigend er sieht aus wie eine Mumie, in dieser Umgebung kann scheinbar nicht einmal Ungeziefer überleben. <<
Henning Atmete Schwer durch seine Gasmaske, betrat den Raum und hockte sich vor den Toten.
Seine Hand war ausgestreckt, darunter die Schachtel welche auf den Block gefallen war.
Er hob sie auf.
Tilidin.
Henning brummte.
>>Da hättest du aber auch leichter gehen können.<<
Er warf die leere Packung bei Seite und hob den Block auf.
„Sie haben mich nicht mitgenommen, es ist überall.
Es macht sie Wahnsinnig, nur hier nicht.
Doch jetzt kommt es durch die Lüftung.
Ich will nicht warten, ich machs selbst.
Ich will nicht.
Bitte beerdigt mich.“
Damit endete die Notiz.
Henning schüttelte den Kopf und warf den Block ebenfalls zur Seite und erhob sich.
Karl sah ihn fragend an.
Henning schritt an ihm vorbei.
>>Es ist wie es ist. Ist nicht der Erste und auch nicht der Letzte.<<
Karl hob die Schultern und ging ihm nach.
Sie packten die restlichen Medikamente ein und verließen die Apotheke wieder.
Kurz nachdem sie die Straße wieder überquert hatten stiegen sie zu den Supermärkten hinauf.
Karl hustete durch seine Maske.
>> Wo sind wir eigentlich?<<
Henning drehte sich herum.
>> Irgendwo im Süden Geras, wir können ja bei Zeiten mal auf die Karte schauen.<<
Henning steuerte als erstes den Netto an, auch hier waren die Schiebetüren verschlossen und das Problem musste wieder einmal mit dem Gewehrkolben gelöst werden.
Nach dem Anblick in der Apotheke war die Stimmung etwas bedrückt obwohl er sich mehr Sogen wegen des zerschossenen Mannes am Ortseingangsschild machte.
Am Eingang des Marktes trennten sich die Beiden.
Während sich Karl an der Kasse am Rollgitter vor den Zigarettenschachteln zu schaffen machte, nahm sich Henning einen herrenlos im Gang stehenden Einkaufswagen und durchschritt die Gänge.
Die im Kühlregal befindlichen Produkte waren alle samt zu nichts mehr gut.
Er schichtete mehrere lagen Konservendosen in den Einkaufswagen, als ihm plötzlich das Schnapsregal ins Auge viel.
Henning schritt in aller Ruhe voran und stapelte die Flaschen nach und nach in den Korb.


Dann unterbrach ihn ein dumpfes lachen.
Karl lehnte neben der Kasse und kratzte sich mit einer Stange Marlboro an der Haube des Schutzanzuges.
>>Ein Bild für die Götter, ein Mann in Gasmaske der einen Einkaufswagen voller Schnapsflaschen vor sich her schiebt. Vor Zehn Jahren hätte man ein solches Foto als eine Art tiefgründige Kunst verstanden.<<
Henning musste unwillkürlich Schmunzeln.
>>Das mag sein, aber von einem solchen Einkaufsbummel habe ich schon immer geträumt.<<
Die Stimmung hatte sich auf einen Schlag wieder zum Guten gewanndt und sie befüllten gut gelaunt einen zweiten Einkaufswagen mit Konservendosen und Zigarettenstangen.
Als beide Wagen voll waren verließen sie das Gebäude und rollten gemächlich hinab in Richtung Auto.
Als sie die Sachen im Wagen verstaut hatten stiegen sie ein, Karl ließ den Motor an und sah fragend zu Henning herüber
>> Und nun?<<
Henning lehnte sich in den Sitz zurück und schnallte sich an.
>>Wir fahren zurück. Wir haben eine prima Ladung und ich schwitze wie Sau in dem scheiß Anzug. Davon mal abgesehen ist bis jetzt alles glatt gelaufen, jetzt müssen wir nur noch gut zurück kommen. Wir können ja Morgen noch eine Tour fahren.<<
Karl zucke mit den Achseln und fuhr los.
>>Gut dann also wieder zurück. Ehrlich gesagt bin ich auch heil froh wenn wir hier raus sind.<<
Sie fuhren die Straße hinauf so wie sie gekommen waren.
Henning lehnte den Kopf gegen das Fenster und die warme Luft welche aus der Lüftung des Autos strömte beschlug die Scheibe seiner Gasmaske.
Trotz des unbequemen Anzugs und der stickigen Maske verspürte er ein Gefühl träger Zufriedenheit wie er es seit Jahren nicht mehr gespürt hatte.
Die Landschaft zog an ihm vorbei und langsam machten Häuser wieder Feldern Platz.
Doch langsam meldete sich seine übervolle Blase.
Er wartete noch einige Zeit, dann gab er Karl ein ein Zeichen zum Anhalten.
Vor dem Auto holte er zur Sicherheit den Gasdetektor hervor.
Nachdem kein Warnton zu vernehmen war schälte er sich zur Hälfte aus dem Anzug und pisste erleichtert gegen einen Strauch am Feldrand.
Die Beifahrertür stand offen und im Inneren lehnte Karl, der die Gasmaske unters Kinn gezogen und sich eine Kippe angezündet hatte, aufs Lenkrad.
>> Du wirkst ein bisschen lächerlich in deinem halben Gummianzug, sag hätte das nicht warten können?<<
Henning drehte sich aufgebracht um.
>>Sag kannst du nicht einfach deine blöde...<
Sein blick blieb an etwas hängen und vor Schreck pisste er sich auf die Stiefel.
Westlich von ihnen auf einer Querstraße sie sich durch das Feld zog stiegen Rauchschwaden von einem brennenden Transistorhäuschen auf und daneben stand ein Bus.
Henning drehte sich steif zu Karl um, es kam ihm vor als würde er sich in Zeitlupe bewegen, doch in diesem Moment hörte er bereits stimmen, jemand schrie am anderen Ende des Feldes und Menschen kamen hinter dem Bus und dem Häuschen zum Vorschein.
Henning brüllte.
>> Setz den Wagen quer und beweg deinen Arsch hier raus. <<
Schlagartig bemerkte Karl die fremden gab kurz Gas, riss das Auto seitlich über die Straße und begab sich mit seinem Revolver zu Henning hinter das Fahrzeug.
Henning zog das G36 aus der noch immer offenstehenden Beifahrertür, lehnte sich auf die Motorhaube, stellte das Gewehr auf Einzelfeuer und zielte.
Die Fremden die mittlerweile etwas nähergekommen waren verlangsamten sich.
Er überlegte, es waren gut 100 bis 120 Meter zwischen ihnen und den Anderen. Er war nie ein besonders guter Distanzschütze gewesen aber das Gewehr gab das alle mal her.
Als die Fremden auf ca. 90, oder 80 Meter heran gekommen waren blieben sie stehen.
Ein Mann der vorangegangen und scheinbar mit einer Doppelläufigen Jagdschrotflinte bewaffnet war legte diese in die Ellenbeuge und formte mit seinen Händen einen Trichter.
>>Keine Bewegung, wenn ihr bewaffnet seit werft die Waffen weg, dann tun wir euch nichts. Wir helfen euch.<<
Karl hockte neben der Beifahrertür, scheinbar Seelenruhig und sah Henning fragend an.
>>Was machen wir?<<
Henning hingegen schwitzte und in seinen Händen verspürte er eine gewisse Taubheit.
>>Was sollen wir schon tun? Denkst du das sind herzensgute Menschen die rein zufällig mit Schusswaffen ausgerüstet am Wegesrand Hütten anzünden?<<
In diesem Moment gab der Sprecher der Anderen mit seiner Flinte einen Schuss in die Luft ab.
>>Ich sags euch nicht Nochmal.<<
Henning riss den Kopf herum, legte wieder an und sagte >>Brauchst du auch nicht!<<
Er drückte ab, doch verfehlte er die anvisierte Mitte des Mannes und traf ihn scheinbar nur in den Arm.
Zumindest warf er sich zu Boden hielt sich den Selbigen und begann zu schreien. Plötzlich begann eine ebenfalls mit einer Schrotflinte bewaffnete Frau die neben ihm stand auf die beiden zu schießen, dumpf schlugen die Kugeln im Feld vor dem Wagen ein.
Henning drückte erneut ab und dieses Mal traf er besser.
Nun begannen alle zu schießen, mehrere der Leute auf der anderen Seite des Feldes und auch Karl, wobei dieser, obwohl er nur mit einem Revolver bewaffnet war scheinbar treffsicherer schoss als er selbst.
Das was in Hennings Gedanken eben noch eine schwerliche Entscheidung zu seien schien wurde auf einmal durch einen simplen handwerklichen Vorgang ersetzt, zielen und schießen.
Doch von einem Moment auf den Anderen war das ganze plötzlich schon wieder vorbei.
Als er gerade nachladen wollte jaulte der Motor des Busses auf, die übriggebliebenen Gestalten hechteten in Selbigen hinein und alle samt waren auf und davon, nur die Körper der Toten blieben auf der Erde des zugefrorenen Feldes zurück.
Henning lud das Gewehr durch und machte sich auf den Weg zur anderen Seite des Feldes, Karl folgte ihm schweigend.
Henning ging an den drei Leichen vorbei zur halb offen stehenden Metalltür des Transistorhäuschen und fand im Inneren eine Weitere.
Ein vollständig entkleideter Mann welcher mit dem Torso voran auf einem Alten Holztisch neben dem Eingang des schwelenden Häuschens lehnte.
Seine Hände waren hinter dem Rücken mit Draht zusammengebunden und in seinem Hinterkopf klaffte eine Einschlusswunde.
Kopfschüttelnd drehte er sich um und lief zurück aufs Feld wo Karl wie angewurzelt vor einer der Leichen stand.
Es war die junge Frau die neben dem Sprecher gestanden hatte. Letzterer war allerdings verschwunden, scheinbar hatte er in den Bus flüchten können.
Die abgemagerte Frau lag rücklings auf dem Feld, die Augen weit aufgerissen.
Auf ihrem schmutzigen Tanktop zeichneten sich mehrere Rote punkte ab, aus denen Blut zu sickern schien.
Von hinten erhob sich Karls zitternde Stimme.
>>Warum?... Warum hast du geschossen? Wir hätten mit ihnen reden können, wir hätten sie bedrohen können, wir hätten irgendwas...<<
Karl packte Henning, schüttelte ihn und schrie.
>> Die kleine war vielleicht gerade mal 16!<<
Henning sah Karl an und verzog das Gesicht.
>> Jedenfalls war sie alt genug um mit ihren Freunden gefesselte nackte Männer hinzurichten. Wenn dus dir unbedingt anschauen willst geh nur rüber zum Haus. Aber was hat das schon für eine Bedeutung?<<
Henning riss sich los und entfernte sich ein paar Schritte von der Leiche.
>> So ist nun einmal das Leben. Der alte Krieg ist vorbei und hat dem nächsten Platz gemacht. Ich war beim vorhergegangenen dabei und zugleich auch nicht. Sie sagten es sei ein Humaner Konflikt und dass wir auch ohne Kernwaffen auskommen würden und sie hatten Recht, wir haben keine gebraucht...
Und während die Menschheit die vergangenen Jahre damit verbracht hat ganze Landstriche zu zerbomben, Jahrzehnte lang geschaffene Infrastruktur zu vernichten und die Städte bis zur Unkenntlichkeit zu verseuchen habe ich in einem Loch im Boden gesessen und mich übers essen beschwert. <<
Er blickte auf das Gewehr in seiner Hand und stellte fest das seine Hände Zitterten.
>> Aber das hier ist etwas ganz Anderes und zugleich auch wieder nicht. Der Dunst des letzten Wahnsinns hat sich kaum gelegt, da ziehen Menschen voller Angst und Gier jeder Kontrolle beraubt durch die Lande und Exekutieren einander nur um am Ende selbst tot auf einem Feld zu liegen, erschossen von Anderen ängstlichen und gierigen Menschen.
Es ist eine neue Zeit, aber keine neue Welt.
Das Einzige was wir tun können ist zu versuchen nicht zu vergessen wer wir sein wollen und zu schauen wie wir einen erträglichen Platz in diesen Verhältnissen ergattern können.<<
Als Henning geendet hatte atmete er tief durch und sah fragend zu Karl hinüber.
Dieser nickte vielsagend, beugte sich zu der Frau hinunter und hob ihre Flinte auf.
>> Was auch immer, lass uns einfach nach Hause gehen.<<
Sie hoben die restlichen Waffen auf und gingen zurück zum Auto.
Auf der weiteren Rückfahrt sprachen beide wieder kein Wort, es war eine bleierne, schwere Stille die sich auch als die Umzäunung des Bunkers in Sicht kam nicht legen wollte.
Die Stimmung klarte erst auf als sie das Auto entladen und alles verstaut hatten.
Es begann langsam dunkel zu werden und Karl zündete sich eine Zigarette an.
Henning trat zu ihm heraus.
>> Und, besser? <<

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Wie immer würde ich mich über Feedback sehr freuen ^^

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Registriert: Mi 29. Jan 2014, 20:33

Re: [RC18] Die Straße des Händlers

Beitrag von KGraurabe » So 21. Sep 2014, 17:06

Doch Karl antwortete nicht, er starrte bloß die Straße entlang und ließ seine Kippe fallen.
>>Ihr wollt mich wohl verarschen...<<
In diesem Moment sah auch Henning die Lichter welche allmählich die Straße entlang kamen.
Kurz darauf hörten sie Motorengeräusche, mehrere.
Henning rannte los, schloss zuerst das Tor, dann den Wagen ab und zog Karl anschließend in den Bunker.
Wiedereinmal schloss sich quietschend die schwere Stahltür hinter ihnen.
Henning hastete zum Kontrollraum schob den Bürostuhl bei Seite, stützte sich auf den Tisch und betrachtete den Monitor der Überwachungskamera.
Er konnte keines der Fahrzeuge entdecken, doch dann sah er das Licht von zwei Scheinwerfern welches kurz vor der Kamera stoppte.
Wenige Augenblicke später lief im Halbdunkel einen Gestalt vor die Umzäunung, Henning konnte nicht erkennen ob es ein Mann, oder eine Frau war doch die Person verharrte nicht lange und verschwand wider.
Das Scheinwerferlicht erlosch, Stille.
Vor dem Bunker war nichts mehr zu sehen.

Henning drehte sich zu Karl um der hinter ihm in der Tür stand.
>> Und nun? Ich meine wir können da jetzt Unmöglich raus gehen...<<
Karl zuckte mit den Achseln und meinte.
>>Ich würde sagen ich mach erst mal was zu essen. Hier herein zukommen dürfte für sie schwierig werden, aber wenn wir großes Pech haben klauen sie uns das Auto, aber dran können wir jetzt im Moment auch nichts ändern.<<
Karl dreht sich auf dem Absatz um und ging in Richtung Gemeinschaftsraum.
Henning seufzte...
Wenigstens hatte Karl seine Leichtigkeit wider gefunden.
Aber es stimmte was sollten sie schon machen, zu mindestens waren sie im Bunker fürs erste Sicher.
Er machte sich zur Umkleide auf um den Unbequemen Anzug los zu werden. Auf dem weg dort hin ging er an den Sachen aus dem Wagen vorbei welche noch immer im Hauptgang standen und nahm die erbeuteten Waffen mit welche sie in eine Tragetasche aus einem der Supermärkte gesteckt hatten.
Ihre eigenen Gewehre hingegen würde er fürs erste draußen lassen, es war sicher Klüger immer eine Waffe griff bereit zu haben.
Henning sich endlich aus dem verschwitzten Schutzanzug gepellt und wider umgezogen hatte hievte er die Tasche auf die Bank vor dem Waffenschrank.
Er freute sich bereits darauf sich gleich Waschen zu können und anschließend etwas anständiges in den Magen zu bekommen, doch zuerst galt es die neuen Waffen genauer in Augenschein zu nehmen.
Vorhin auf dem Feld war keine Zeit gewesen sich näher damit zu beschäftigen, vielleicht lag das auch an der gedrückten Stimmung.
Er entleerte die Tasche auf der Bank.
Zwei Heruntergekommene Jagdflinten, ein Alter Kaliber 357 Fangschussrevolver, eine Modisch geschwungene kleinkalibrige Sport Pistole und zu guter Letzt eine mehr schlecht als recht abgesägte doppelläufige Bockflinte.
Da hatte wohl jemand des Jägers Waffentruhe geknackt...
Henning rieb sich die Augen.
Kein Wunder das ihnen diese Leute damit als Laien auf diese Entfernung kaum etwas entgegen setzten konnten.
Aber eigentlich hatten auch dieses mal einfach nur eine menge Schwein gehabt.
Dabei viel ihm ein das sie die Leichen gar nicht nach Munition durchsucht hatten und so mit den Flinten wenig anfangen konnten.
In diesem Moment musste er an die Junge Frau auf dem Feld denken und seine Hände begannen zu Zittern.
Hastig verstaute er die Waffen und schlug schnäppernd die Schranktür zu.
So ist nun einmal das Leben sagte er sich und ging ins Badezimmer.
Nachdem Henning sich Frisch gemacht hatte fühlte er sich gleich viel besser, im Bunker roch es bereits angenehm nach essen, er holte zwei Flaschen Likör und gesellte sich zu Karl in den Gemeinschaftsraum.
Karl wendete gerade zum letzten mal etwas Büchsenfleisch mit Dosengemüse in der Pfanne und stellte diese dann auf den Tisch.
Henning nahm einen beherzten Schluck aus einer der Flasche, die andere stellte er auf den Tisch und holte zwei Blechtassen.
Sie aßen mit großem Aßen mit großem Appetit und auch wenn Karl dem Kräuter beinahe Tassen weise in sich hinein schlang waren sie erstaunlich Guter Stimmung.
Eigentlich hätte man glauben müssen das ihnen der Schreck noch in den gliedern saß, zumal draußen gerade Ominöse Menschen umherliefen die ihnen wahrscheinlich in diesem Moment das Auto stahlen.
Aber stattdessen herrschte eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre.
Wahrscheinlich lag das an der nahezu Magischen Wirkung des Bunkers. Nach einem solchen Tag gab es einfach nichts besseres als mehrere Meter Stahlbeton zwischen sich und der aus den Fugen geratenen Welt zu haben.
Als sie mit essen Fertig waren schenkte Henning mit dem Rest aus der Flasche beiden nach und fuhr sich Nachdenklich mit dem Tassenrand über den Mund.
>> Morgen werden wir uns wohl etwas wegen der Leute draußen überlegen müssen.<<
Karl der bereits reichlich angetrunken war nickte und Stand auf.
>> Ja müssen wir... Morgen... Für Heute habe ich genug.<<
Karl trank die Tasse in einem Zug leer, schnaufte und schleppte sich zu Bett.
Henning stand ebenfalls auf und nahm die Zweite Flasche mit.
Es stimmte es war ein langer, ein zu langer Tag gewesen.
Er versicherte sich noch einmal das auf dem Monitor nichts zu sehen war, nahm noch einige Schlücke aus der Flasche trinkend zurück und schaltete das Licht aus.
Doch als Henning am nächsten Tag den Kontrollraum betrat hatte sich etwas verändert.
Vor dem Bunker stand eine Gruppe von Vier mit Armbrüsten bewaffneten Personen, die Zwei Männer und zwei Frauen waren alle in Blaue Wattejacken und Jeans gekleidet.
Scheinbar beobachteten sie den Bunker.
Karl trat hinter ihn und zündete sich eine Kippe an.
>>Was machen die da?<<
Henning trank etwas Korn aus einer der Blechtassen.
>>Ich hab keine Ahnung, wahrscheinlich beobachten sie uns<<
Karl stutzte und lehnte sich an Henning vorbei auf den Tisch.
>>Alter läuft da ein kleines Kind durchs Bild?<<
In der Tat war nun ein kleiner Junge in einer abgewetzten Lederjacke hinzugekommen.
Dem Jungen folgte ein Großgewachsener blonder Mann der ebenso gekleidet war wie die anderen Erwachsenen.
Der Mann holte das Kind ein zog es recht grob am Arm und schickte es zurück.
Danach Positionierte er sich vor den anderen und zog ein Pappschild hervor.
Dann hielt er das Schild hoch.
Auf dem Karton stand in großen Filzstift Lettern „Wir brauchen dringend Hilfe, bitte lasst einen von uns Rein. Bitte!“
Henning stöhnte und rieb sich die Augen.
>>Das ist ein Problem.<<
Karl ließ die Zigarette zischend in eine zur Hälfte mit Wasser gefüllte Tasse fallen und zündete sich eine neue an.
>>Ja das ist es auf jeden Fall, aber die Leute sehen nicht aus als ob sie wider gehen wollen und das Auto haben sie bis dato auch noch nicht geklaut. <<
Henning seufzte und leerte die Tasse.
>>Also machen wir es wie folgt.
Wir öffnen die Tür einen Spalt und fragen was sie wollen.
Wenn es annehmbar klingt werfen wir den Schlüssel für die Umzäunung raus und du lässt einen rein, während ich auf dem Monitor schaue ob alles mit rechten dingen zu geht. Wenn irgendetwas schief geht drückst du die Tür einfach wider zu.<<
Karl stellte seinen improvisierten Aschenbecher auf den Tisch und sah Henning ernüchtert an.
>>War ja klar das ich der an der Tür sein darf, naja immerhin wissen wir dann was sie wollen und wenn einer drin ist haben wir wenigstens was in der Hand.<<
Die beiden holten ihre Waffen und gingen den Gang entlang zum Eingang.
Sie positionierten sich hinter der Tür und Karl griff nach der Hebel.
>>Bereit?<<
Henning versuchte seine Nervosität zu verscheuchen, entsicherte das Gewehr und nickte.
Karl öffnete die Tür einen wenige Zentimeter großen Spalt.
Draußen erhoben sich Stimmen, scheinbar hatte man die sich öffnende Tür vernommen.
Henning rief Laut durch den Spalt.
>>Was wollt ihr?<<
Hastig ertönte von draußen eine Stimme.
>>Wir kommen aus einem Bunker bei Triptis, sind sie vom Militär? Wir haben Kranke und brauchen dringend Medizinische Hilfe, ich bitte sie inständig, wir geben ihnen auch irgendetwas dafür.<<
Nachdem der Fremde geendet hatte dachte Henning kurz nach, legte verschwörerisches Grinsen auf und wandte sich an Karl.
>>Warum eigentlich nicht?
Ich glaube du musst dich nachher mal umziehen, dein Schuhwerk sieht furchtbar aus und wir haben auch noch hübsche Tarnanzüge hinten. <<
Karl schaute ihn verdutzt an, dann verstand er.
>>Meinst du die Kaufen uns das ab?<<
Henning zucke mit dem Achseln.
>>Warum denn nicht ? Die kommen noch früh genug auf den Trichter das wir nicht hier sind um ihnen zu helfen, aber fürs erste kann es ja nicht schaden den anschien zu erwecken irgendeiner Autorität anzugehören und zumindest was mich angeht ist es ja nur zur Hälfte gelogen. <<
Er drehte sich zum Türspalt.
>>Ich werfe euch den Schlüssel für den Zaun raus, danach kommt einer von euch rein, hört ihr einer und das Unbewaffnet, sonst eröffnen wir das Feuer.<<
Henning warf den Schlüssel durch den Spalt an die Umzäunung, nickte Karl zu und begab sich rasch zum Schaltraum.
Dort sah er das die Fremden bereits den Schlüssel durch den Zaun gefischt hatten und das Tor aufschlossen, er umklammerte gespannt sein Gewehr.
Tatsächlich trat nur einer von ihnen ein, anfangs schien es zwar so als wolle ihn eine der Armbrustfrauen begleiten, doch dann wies er diese zurück und ging langsam zur Stahltür.
Die anderen rührten sich nicht.
Wenige Sekunden später hörte Henning wie die schwere Tür im gang zu knallte, er nahm das Gewehr in anschlag, trat auf den Flur hinaus und atmete erleichtert auf.
Neben der Tür stand der Sprecher mit dem Pappschild mit dem Gesicht zur Wand während Karl ihm den Lauf seines Revolvers in den Nacken presste.
Er senkte das Gewehr, schritt hinter dem Mann und zielte aus der Hüfte auf seinen Rücken.
Karl löste sich von ihm und verschwand in Richtung Umkleide.
Der Unbekannte verlor kein Wort, stand lediglich die Stirn gegen die Wand gepresst da und zitterte.
Henning stieß ihn mit der Mündung leicht an.
>>Machen sie sich keine Sorgen und nun gehen sie schön langsam den Gang entlang, sie wollten sich doch mit uns unterhalten?<<
Im Aufenthaltsraum angekommen wurde der Mann auf einen Stuhl am Tisch gesetzt.

Henning holte eine angefangene Flasche Korn hervor, kramte zwei der Blechtassen aus dem Schrank und stellte alles auf den Tisch.
Der Fremde hatte mittlerweile den Mut gefunden den Kopf zu heben und sich verunsichert umzusehen.
Er sah mitgenommen aus, abgemagert und Schmutzig.
Henning schenkte die Tassen halb voll und reichte dem Mann eine davon.
>>Nun Akklimatisieren sie sich erst einmal wir werden ihnen nichts tun. Nehmen wir erst mal einen Schluck dann sagen sie mir was sie von uns wollen.<<
Er prostete seinem Gegenüber zu und die beiden nahmen einen kräftigen Schluck.
Daraufhin stellte der Fremde seine Tasse ab und begann zu Sprechen.
>>Mein Name ist Max... Max Naumann. Wir... Also ich und meine Leute sind vor etwas mehr als vier Wochen vom Evakuierungszentrum in Triptis aufgebrochen und hatten nicht all zu viel Glück.
Anfangs sah es noch gut aus wir hatten uns bis nach Weida durchgeschlagen, die Stadt war nicht verseucht und wir haben reichlich Proviant gefunden. Allerdings hatten wir uns gerade erst ein paar Tage dort niedergelassen als wir Plötzlich einer Bande von Abgewetzten Gestalten begegneten die in die Stadt strömte. Sie gingen mit unglaublicher Brutalität gegen uns vor und einige von ihnen hatten sogar Schusswaffen.
Wir haben neun Leute verloren und uns blieb nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen, wir sind einen teil des Weges zurück und dann auf die B2 abgebogen.

Seit wir vor einer Woche aus Weida raus sind haben wir auch nichts an Essen mehr auftreiben können und mussten die Vorräte stark rationieren. <<
Er hielt kurz inne, nahm noch einen Schluck Korn und setzte dann wider an.
>>Wir haben Verletzte, gestern hatten zwei von uns bei einem Vorfall mit einem der beiden Fahrzeuge einen Unfall, außerdem haben wir noch Vier Leute die in Weida Schussverletzungen erlitten hatten, zwei von ihnen haben mittlerweile Starkes Fieber.
Wir brauchen unbedingt Medikamente. Ich bitte sie wir können ihnen auch im Gegenzug irgendetwas überlassen das sie benötigen.<<
Mittlerweile war Karl im Türrahmen erschienen nun in frischer Montur.
Henning wiegte Nachdenklich den Kopf.
>>Nun gut da werden wir uns zu erst einmal beraten müssen. Vielleicht können wir ihnen ja etwas zu essen anbieten. Karl wir haben doch noch nicht gefrühstückt mach uns eine Kleinigkeit.<<
Karl zuckte mit den Achseln ging zur Küchenzeile und kramte zwei Konservendosen hervor. Henning lies den Fremden sitzen der in seine neu befüllte Tasse starrte und gesellte sich dazu.
>>Was meinst du?<<
Karl der den Inhalt einer der Dosen in einen Topf gab griff nach einem blechernen Pfannenwender und sprach mit gedämpfter Stimme.
>>Nun ja an sich nicht viel, wir haben das Zeug gerade erst gefunden und besitzen im Moment eigentlich alles

was wir brauchen. Aber vielleicht wäre es besser sich mit ihnen über irgendetwas einig zu werden. Ich denke nicht das die vorhaben mit leeren Händen von dannen zu ziehen und ich habe absolut keinen Bock auf sone Scheiße wie da auf dem Feld gelaufen ist.<<
Karl verzog angeekelt das Gesicht.
Henning klopfte Karl auf die Schulter.
>> Das sehe ich ähnlich und ich habe auch schon eine Idee was wir brauchen könnten.<<
Er ging zurück zum Tisch und goss sich nach.
>>Also Herr Naumann ich denke wir können uns einig werden können. Wie sie sich sicherlich vorstellen können haben wir selbst nur noch sehr wenige Medikamente die uns zur Verfügung stehen, aber wir erkennen ihre Notlage und würden darauf eingehen da auch wir etwas haben das wir dringend benötigen.
Wie sie sich sicherlich vorstellen können funktioniert diese Einrichtung nicht von allein, wir haben einen Generator und für diesen brauchen wir Diesel.
Für eine entsprechende menge des selbigen sind wir bereit ihre verletzten zu behandeln und ihnen sogar einen kleinen Vorrat für den Notfall zu entbehren.
Aber verschenken können wir so Leid es uns tut nichts.<<
Max Naumann stellte seine Tasse ab und blickte mit ehrlicher Erleichterung auf.
>>Natürlich das verstehe ich, aber ein all zu großes Problem wird das nicht werden. Wir haben Momentan mehr Diesel als wir benötigen. Wir haben überall auf unserem Weg hier her verlassene Autos abgezapft und haben bis dato selbst nur zwei Wagen.

Allerdings wollen wir uns als bald weitere anschaffen denn bislang taugen die beiden lediglich zum Transport von Vorräten und Ausrüstung. Und der Rest muss laufen.
Wir können ihnen da also gerne etwas von überlassen.<<
Henning trank einen Schluck und stutzte.
>>Mit wie vielen Leuten seid ihr eigentlich unterwegs?<<
>>Nun mittlerweile sind wir leider nur noch 42 Leute.<<
Henning Seufzte während Karl im Hintergrund Lautstark gegen einen Topf stieß.
Nach dem Max ihnen die nötigsten Medikamente aufgeschrieben hatte und sie ihn ziehen lassen haben standen Karl und Henning vorm Medizinschrank der seit der letzten Ausfahrt vor schachteln überquoll und einige Packungen auf dem unterhalb gelegenen Tischchen gestapelt werden mussten.
Henning Musterte den Zettel.
„Er will gar nicht all zu viel, aber halt Wertvollem Kram.“
Er entnahm dem Schränkchen zwei Packungen Vancomycin Antibiotika, eine Schachtel Morphin 60mg Retardtabletten und noch eine Packung Ibuprofen 400mg.
Karl zog die brauen zusammen als er die Morphium Tabletten sah.
Henning machte eine Wegwerfende Handbewegung und ging in Richtung Lager.
„Mach dir keine Sorgen wir haben noch reichlich davon und davon abgesehen werden sie uns dafür einiges berappen müssen auch wenn sie erst später bemerken werden wie viel.“
Die Beiden bewaffneten sich ausreichend und gingen zum Ausgang.
Karl zündete sich eine Zigarette an.
„Was haben wir eigentlich von der Militär Geschichte? Die merken doch sofort das wir hier keinen Dienst verrichten.“
Henning legte die Hand an die schwere Stahltür und hielt inne.
„Das ist ganz einfach, wir haben nun einen Natürlichen Besitzanspruch auf diesen Bunker. Ob wir im Dienst sind, oder einfach auf Endsatz warten ist egal.“

Sie öffneten die Tür und schoben behutsam die Gewehrläufe voran.
Max stand vor der Umzäunung neben ihm die beidem Armbrustfrauen und winkte mit einer 2 Liter PET-Flasche die scheinbar mit Diesel gefüllt war.
Karl und Henning traten zum Tor an dem in einem Achteck 25 Flaschen standen.
Max machte eine ausladende Geste
„25 prall gefüllte Flaschen insgesamt 50 Liter also eine Tankladung. Das bekommen wir mit etwas Glück aus zwei ,oder drei Autos. Wenn es doch nur alles so viel gäbe wie verwaiste Autos. Habt ihr die Medikamente?“
Henning war es zu erst Mulmig zu mute aber die Besucher schienen keinerlei Feindseligkeit an den Tag zu legen. Ein Stück die Straße herunter sah er ein Improvisiertes Lager dessen Zentrum ein herunter gekommener Grüner VW-Bus der scheinbar als fahrendes Lager diente.
Um vier kleine Feuerstellen saßen Erschöpft und ausgezehrt aussehende Menschen die etwas aus Blechschüsseln schlürften.
„Ja haben wir.“
Henning reichte Max eine alte Einkaufstüte welche die Medikamente enthielten.
Selbiger kramte die Schachteln hervor, nickte zufrieden und sah mit einem lächeln auf.
„Wunderbar, bis wir irgendwo die richtigen Antibiotika aufgetrieben hätten wären unsere Leute wohl schon lange hin gewesen. Was meint ihr wollen etwas essen, oder Trinken? Wir könnten ja auch mit euch...“

Henning unterbrach Max mit einer einhaltenden Handbewegung.
„Bitte frag nicht danach, aber wir können uns bestimmt noch das ein oder andere mal gegenseitig Helfen.“
Max nickte ernüchtert.
Karl sah noch immer angespannt zu den Menschen an den Feuerstellen. Essen mussten sie hier wirklich nichts, im Gegenteil Henning spürte die Blicke der abgewetzten Gestalten auf sich.
Er war Wohlgenährt, gesund und sein Gesicht noch immer vom Alkohol gerötet. Es war als wenn hier zwei Grund verschiedene Welten auf einander treffen würden.
Er zog eine volle Flasche Korn aus seiner ausgebeulten Jackenasche und reichte sie mit einem lächeln Max.
„Hier noch ein kleines Gastgeschenk“
Das gegenüber nahm die Flasche sichtlich erfreut entgegen und sie verabschiedeten sich und verräumten abwechselnd den Diesel.
Als sich die Stahltür wider hinter ihnen schloss prustete Henning geräuschvoll die Luft aus.
Karl lehnte sich sich gehen die Tür und suchte in seinen Taschen nach einer Zigaretten Schachtel.
„Mir gefallen diese Leute ganz und gar nicht die werden früher, oder Später immer mehr haben wollen.“
Henning nickte .
„Natürlich werden sie das und das ist schlecht, oder aber auch nicht. Wer sagt denn das wir ihnen nichts geben können.
Aber nun lass uns erst mal den Sprit verstauen, dann habe ich eine Idee.“ Er grinste verschwörerisch.

KGraurabe
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Re: [RC18] Die Straße des Händlers

Beitrag von KGraurabe » So 26. Okt 2014, 16:58

Am nächsten Morgen stand Henning in aller Frühe gegen vier Uhr am Tor, als Karl gerade los fuhr.
Sie konnten den Bunker nicht mehr unbesetzt lassen und dies würde hoffentlich für einige Zeit die letzte Ausfahrt gewesen sein. Er fühlte sich unsicher ohne den schweigsamen Kettenraucher der ihm eine Art Freund geworden war.
Und doch wusste er noch immer so gut wie nichts von Karl, er hatte sich einfach damit abgefunden.
Das was sie verband war wohl wohl der kleine Wohlstand in dem sie lebten und dass sie dies taten war ihm am Vortag mehr als klar geworden.
Früher hätte man diesen doch vergleichsweise kleinen Bunker mit einer mittleren Summe an Euro bemessen, heute hingegen könnte man ihn höchstens in Menschenleben aufrechnen, denn der Schutz und Komfort den diese Anlage bot, sowie all das was sich in ihr befand, ermöglichte ihnen ein Leben wie es dem der zerlumpten Gestalten vor dem Bunker nicht weiter entfernt hätte sein können.
Henning setzte sich an den Schreibtisch im Schaltraum, nippte an einer Tasse Gebirgskräuter und beobachtete den Bildschirm.
Draußen kamen nun in regelmäßigen Abständen kleinere Gruppen von Fremden vorbei gezogen, einige von ihnen blieben kurz vor dem Bunker stehen, zogen dann aber rasch weiter.
Die Gruppe um Max hatte sich scheinbar in den Häusern

der nahen Ortschaft niedergelassen.
Es war Merkwürdig die Straße belebt zu sehen, Menschen mit Schubkarren voller Gerümpel und zerschlissenen Rucksäcken zogen monotonen Schrittes vorüber. Lediglich Autos hatte er bis dato keine mehr gesehen.
Lange würden sie ihren Wohlstand nicht mehr verstecken können, sie mussten sich öffnen.
Doch wenn Karls Ausfahrt von Erfolg gekrönt wäre und alles weitere klappte würden sie aus der Situation den größt möglichen Nutzen ziehen können.
Henning leerte die Tasse und goss sich nach. Vor dem Krieg hätte man ihn wohl als Alkoholiker bezeichnet doch jetzt in dieser neuen Zeit tat er wohl nichts anderes als die meisten getan hätten, wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten.
Er betrachtete noch lange, gedankenversunken die Blechtasse bis er schließlich halbtrunken eindöste .
Er erwachte schweißgebadet als er das Öffnen der Stahltür im Flur vernahm, Karl war also zurückgekehrt.
Henning schnappte sich sein Gewehr und eilte zur Tür.
Karl hatte das Auto in der Umzäunung geparkt und das Tor abgeschlossen.
Es musste wohl bereits später Nachmittag sein, nun durften sie keine Zeit verlieren und das Auto entladen ohne das all zu viele der Fremden Wind davon bekamen.
All zu gut klappte das nicht. Als bald bildete sich eine Menschentraube am Zaun. Als Henning jedoch mit mit der Maschinenpistole auf den Zaun zielte zerstreuten sich die Leute schnell wieder und die beiden zogen sich eilig in den Bunker zurück.
Nach dem sich Karl seines Anzuges entledigt hatte stellten sie sicher das sich an diesem keine Rückstände des Kampfstoffes befanden. In seinem gasförmigen Zustand setzte er sich scheinbar nicht ab.
Sie ließen die neuen Schätze vorerst im Gang stehen und gingen zum Wohnraum.
Karl nahm die Flasche mit dem Gebirgskräuter vom Tisch und wollte sich eine erst eine Tasse holen, entschied sich dann aber doch dazu einen großen Zug direkt aus der Flasche zu nehmen.
Erschöpft sank er auf einen der Stühle am Tisch.
„Was fürn Scheiß. Und das in dem elenden Anzug, aber immerhin hat es sich gelohnt. Ich habe alles bekommen.
Geschlagene drei Einkaufswagen voll Konserven, überwiegend irgendwas mit Fleisch. Ansonsten nochmal reichlich Schnaps und für alle Fälle noch etwas Trinkwasser.
Was die Kippen angeht können wir uns auch nicht beschweren.“
Karl Grinste und zündete sich eine an.
„Ich weiß aber immer noch nicht ob das wirklich eine so gute Idee ist. Wir sind hier drinnen doch sicher.“
Henning betrachtete seine blecherne Tasse an deren Boden sich aus dem Kräuter vom Vormittag eine klebrige, braune Masse gebildet hatte, nahm Karl die Flasche aus der Hand und goss sich ein.
„Ja, aber wir können uns hier nicht ewig einigeln. Die Evaluierungs-Bunker wurden offensichtlich geöffnet und die Menschen strömen vorbei an den Städten durch die ländlichen Gebiete.
Die Straße wird zunehmend belebter und unser Objekt zieht Aufmerksamkeit auf sich. Bald mehr als uns lieb ist.
Aber dieser Umstand ist auch eine großartige Gelegenheit.
Warum denn den Leuten alles vorenthalten? Wir haben die Möglichkeit auf Dinge Zugriff zu nehmen die sie nicht haben also Verkaufen wir sie ihnen gegen Sprit.
Nicht nur das wir den Sprit für den Bunker brauchen, Diesel und Benzin sind Goldstaub und schon bald ein Vermögen wert, doch das wissen die meisten jetzt noch nicht, beziehungsweise sie haben keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen.
Die Menschen haben Hunger und Autos mit beinahe halbvollen Tanks liegen an jeder Ecke auf der Straße Konserven mit Essen hingegen nicht.
Ich habe diese Leute gestern gesehen. Viele von ihnen sind mehr als Bereit für einen Teller warmen Erbseneintopf uns irgendwo eine 2l Flasche Benzin abzuzapfen. Jetzt fangen wir an uns eine Zukunft aufzubauen!“
Karl drückte die Kippe aus und nahm die Flasche wieder zur Hand und trank den Rest des Inhaltes auf einen Zug.
„Na gut, wir gründen also eine Suppenküche, mal sehen was dabei raus kommt. Aber für Heute ist erst mal Feierabend, ich glaube ich werde mir noch einen genehmigen.“
Sie brachen eine neue Flasche Korn an, so saßen sie noch bis zum Abend da, tranken und aßen etwas Büchsenfleisch bis sie schließlich volltrunken ins Bett fielen.
Am nächsten Morgen erwachte Henning mit einem schweren Kopf und entschied sich dafür fürs Erste die Finger vom Fusel zu lassen. Es würde ohnehin ein langer Tag werden.
Karl blieb im Bunker und sortierte die neuen Vorräte in das Lager.
Henning verließ mit einem Gewehr und einer Pistole ausgerüstet die Umzäunung und ging in Richtung Ortschaft.
Maxs Leute hatten sich mittlerweile scheinbar eingelebt.
Vor einigen der geschmacklos gestrichenen Häuser standen mehrere kleine Gruppen von ihnen auf dem Bürgersteig.
Mitten auf der Straße stand ein Metallfass auf einer kleinen Feuerstelle in dem scheinbar jemand Wäsche abkochte. Abgerissene Gestalten drängten sich immer wieder um das dampfende Fass das wohl nebenher zum Aufwärmen diente.
Die Leute an denen er vorbei schritt starrten ihn Merkwürdig an. Es war dieser Blick, der gleiche wie am ersten Abend. Es war dieser offensichtliche Unterschied ihrer Lebensumstände der ihn nervös machte.
Sein Bein begann wieder einmal zu schmerzen und er Bog neben einem großen blauen Haus vom Bürgersteig in einen Hintergarten ab.
Er griff über das Gartentor und betätigte von der Rückseite die Klinke.
Langsam schob er sich, das Gewehr voraus, durch den Eingang und betrat die Rasenfläche.
Am Ende des Gartens stand ein kleiner

Werkzeugschuppen und den hatte er gesucht.
Er hatte sich erinnert, dass er dort auf einem seiner Streifzüge Werkzeug und Draht gesehen, sich aber nichts dabei gedacht hatte.
Er öffnete die Blechschiebetür die, so wie scheinbar alle Blechschiebetüren, leicht klemmte.
Zwischen Gerümpel und Gartengeräten stand eine Hölzerne Werkbank auf deren Tischplatte neben einem alten Werkzeugkasten drei Rollen Draht gestapelt waren.
Er setzte den Rucksack ab und verstaute die Rollen, das Werkzeug hingegen ließ er da, sie hatten besseres im Bunker.
Als er sich den Rucksack gerade wieder aufgesetzt hatte wurde er plötzlich von hinten angesprochen.
„Hey was treibst du da?“
Henning drehte sich zügig um und legte die Finger auf den Abzug.
Vor ihm auf dem Rasen stand ein breitschultriger Mann mittleren Alters in einer orangefarbenen Winterjacke. Er machte einen rüden Eindruck und hatte einen Metallknochen in der Hand.
Henning zuckte mit den Schultern.
„Ich habe etwas Draht aus dem Schuppen geholt.“
Der Mann wurde rot im Gesicht.
„Alter sag mal spinnst du? Du kannst doch nicht einfach in meinen Garten kommen und meinen Kram wegtragen!“
Henning schaute ihn verdutzt an.
„Dein Kram? Hast du da noch den Kassenzettel zu?“
Jetzt wurde Fremde lebhaft und machte einige Schritte

vorwärts, stoppte dann aber abrupt als Henning die Waffe auf ihn richtete.
„Junge pass auf mit wem du dich hier anlegst, ich habe das Haus beansprucht und alles was dazu gehört .
Das Zeug kommt zurück in den Schuppen und dann verpisst du dich!“
Henning schüttelte mit dem Kopf.
„Sei nicht Dumm, wo soll das denn hinführen?
Ich brauch das Zeug und geb dir mit Sicherheit einen Scheiß wieder. Du bist hier vor zwei Tagen mit deinen Freunden angekommen und jetzt ist das dein Haus, dein Schuppen und dein Draht? Mach dich nicht lächerlich das alles gehört niemanden. Einfach weil die Leute die das hier gebaut, oder gekauft haben jetzt wahrscheinlich Tod, verschwunden, oder gerade dabei sind irgendwo das Haus von irgendwem anderen zu besetzen.
Versteh mich nicht falsch, was schert es mich in welchem dieser hässlichen Häuser du haust, aber leb dich doch erst mal etwas ein, damit auch irgendwer weiß das es deins ist.“
Henning schritt das Gewehr in Hüfthöhe Rückwerts aus dem Garten hinaus auf die Straße, der Mann kam ihm laut fluchend hinterher.
Vor dem Haus saßen drei abgerissene Kerle die auf den Lärm hin sofort aufstanden.
„Der Wichser beklaut mich, macht gefälligst was.“
Doch keiner der drei rührte sich.
Langsam entfernte sich Henning in Richtung Bunker.
Der aufgebrachte Fremde sah im noch lange Böse nach.
Als sie schließlich außer Sicht waren atmete er auf.

Was für ein Aufstand wegen dem Scheiß, Sammeltouren in die Ortschaft würde er wohl künftig vergessen können, das eben war viel zu gefährlich gewesen.
Auf dem Weg zurück knirschte der Schnee unter seinen Stiefeln, es würde wohl bald wieder anfangen zu Schneien.
Als er nur noch wenige Meter von der Umzäunung entfernt war blieb er stehen.
Rechts von der Straße am Rand des Feldes lagen unzählige alte eingeschneite Europaletten im Graben.
Er dachte nach, das war eigentlich besser als Bretter.
Zwei Paletten schleifend kam er am Bunker an und schloss das Tor auf.
Karl stand bereits in der Tür, er hatte ihn wohl über den Monitor gesehen.
„Was wird das denn wenns fertig ist?“
Henning legte die Paletten in der Umzäunung ab und schnaufte.
„Zeig ich dir gleich, schnapp dir erst mal deine Knarre und Hilf mir, wir brauchen noch Acht Stück.“
Als sie schließlich die anderen Paletten geholt hatten, was schnell ging, da der deutlich kräftigere Karl vier Paletten mit einmal schleifen konnte schaute Henning gen Himmel, er hoffte der Schnee würde nicht all zu bald einsetzen.
Nachdem er das Tor wieder verriegelt hatte drehte er sich auf dem Absatz um und betrachtete die Umzäunung.
Das kleine, abgegrenzte Gelände hatte eine Länge von ca. 15 Metern und endete am Bunkereingang. In der Breite waren es hingegen gut 20 Meter, links war das Tor und

davor stand das Auto.
Wenn man also einen annehmbaren Durchgang abzog, blieben auf der rechten Seite etwas weniger als 10 Meter.
Henning packte den Draht aus und ging zum äußersten rechten Rand der Umzäunung. Karl hatte ihm den Werkzeugkasten aus dem Bunker gebracht und hielt nun im Kontrollraum Wache am Monitor.
Henning knapste mit Hilfe eines Seitenschneiders mehrere gleichlange Stücken von der Rolle ab und begann die erste Palette an den Zaun zu binden, die Zweite brachte er daneben an, die dritte und Vierte kamen direkt darüber. Die Fünfte und und Sechste kamen neben einander an die Frontseite zur Straße hin. Die restlichen Paletten wurden genau wie die ersten ihnen gegenüber angebracht.
Nun hatte Henning eine Art kleine Hütte.
Trotz der Kälte war er gehörig ins Schwitzen gekommen, es war lange her das das letzte mal körperlich gearbeitet hatte.
Er dachte kurz nach und begann dann zwischen den beiden Platten-Wänden mit Draht ein Dach zu flechten, dies stabilisierte zum einen die linke Wand und ermöglichte zum einen einen Schutz vor Schnee und Regen anzubringen.
Selbigen fertigte er aus zwei Schwerlast-Müllbeuteln die er mit Strukturband zusammenklebte und auf das Drahtgeflecht band.
Abschließend betrat er die kleine Hütte, die beiden Paletten an der Frontseite reichten ihm bis zur Hüfte.
Er nahm den Seitenschneider aus der Tasche und schnitt in die Mitte der oberen Freiliegenden Hälfte eine öffnung von 30x50 Cm in den Zaun.
Der kleine Marktstand war Fertig.

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