Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

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Rainer Prem
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Do 5. Nov 2015, 11:29

Hallo,
Staubschmied hat geschrieben: ...

 Einzug könnte man dann auch über das Symbol realisieren, das ich gerade vorangestellt habe.
Was *ist* das denn für ein Symbol?
Staubschmied hat geschrieben:
Oder Tom fügt es dem BBCode für justify hinzu, dann muss man sich nicht selbst drum kümmern. Wobei ich gerade gar nicht weiß, ob/wie das im Rahmen der Forensoftware geht, ich mache eigentlich fast nie was in Richtung Websites.
...
Kriege ich bitte noch andere Fonts? Wenigstens einen einzigen mit Serifen?

Grüße
Rainer
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Staubschmied
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Staubschmied » Do 5. Nov 2015, 12:17

Rainer Prem hat geschrieben:Hallo,
Staubschmied hat geschrieben: ...

 Einzug könnte man dann auch über das Symbol realisieren, das ich gerade vorangestellt habe.
Was *ist* das denn für ein Symbol?

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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Lilly » Mo 9. Nov 2015, 12:38

So, ich hab einfach mal alles auseinandergezogen. Hat auch sein gutes, da man alles noch mal liest und einem manche Dinge auffallen. Etwa das ich zwei Personen mal wieder doppelt benannt habe. (:
Das Leben ist komplex; es hat einen reale und eine imaginäre Komponente

Katiras und M'Tre'Tachos Lied
Na, Neugierig? ~~~

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Rainer Prem
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Mo 9. Nov 2015, 13:19

Hallo,
Lilly hat geschrieben:So, ich hab einfach mal alles auseinandergezogen. Hat auch sein gutes, da man alles noch mal liest und einem manche Dinge auffallen. Etwa das ich zwei Personen mal wieder doppelt benannt habe. (:
Wow! und jetzt bin ich natürlich in der Pflicht, es zu lesen und meinen Senf dazuzugeben.

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Di 10. Nov 2015, 22:19

Hallo,

ich habe jetzt weitergelesen, und muss leider eingestehen, dass mich die Geschichte selbst nicht wirklich interessiert. Das liegt nicht an deiner Art zu schreiben, sondern weil das einfach nicht meine Welt ist. Also werde ich weniger über den Inhalt, sondern Form und Stil schreiben.

Rechtschreibfehler. Ich habe einfach nur Word drüberlaufen lassen, und der hat schon einiges gefunden.

flore => floor
Ranchouse => Ranchhouse
Misses => Missis
Patrole => Patrol

Todschlag => Totschlag

Grammatik.

Daddy hat gekocht.“, => kein Punkt vor dem Gänsefüßchen, wenn danach ein Komma folgt
Wenn du darlegst, das hier => dass

ist einschlafen am Steuer => Einschlafen groß
ein besserer Mensch als Er. => ich nehme nicht an, dass du hier Gott meinst, also er klein
die Öffentliche Meinung => Kein Eigenname also öffentliche klein
dass du Feige bist => die Frucht? feige klein
Standartantwort => eine Standartenantwort? oder meinst du Standard
etwas ganz besonderes => Besonderes groß
Der 65 Ford Mustang => 65er
eine Wenig befahrene Landstraße => wenig klein

Stil.

Du hast eine sehr bildhafte Sprache, ich kann mir die Schauplätze gut vorstellen. Ein wenig zu ausgeschmückt (mit Adverbien und Adjektiven) vielleicht, aber besser so als anders herum. Ich tendiere in der Beziehung eher dazu, zu knapp zu schreiben.

Allerdings solltest du dich öfters fragen, *warum* du eine bestimmte Sache beschreibst. Die schon oben angesprochenen Weiden, den Sommer usw. Was würde passieren, wenn Lee in dieser Szene nur einen letzten Blick auf seinen Computer wirft, und dann direkt antwortet? Dass diese Szene in einer bestimmten Jahreszeit, und zu einer bestimmten Uhrzeit spielt, ist eigentlich nicht relevant. Auch, dass er "zu viel gespielt" hat. Eine gut begonnene Szene wird hier unnötig in die Länge gezogen.

Was du auch drauf hast, ist, sich widersprechende Sätze zu schreiben, die den Leser fragend zurücklassen. "Sein Vater musste sehr früh frei gehabt haben, aber das kam oft vor." Wenn es doch oft vorkommt, warum es dann erwähnen? "Der Richter schüttelte den Kopf, aber es war keine verneinende Geste." Sondern was?

"Willkommen in Wyoming. Lees Mutter verteilte" Das gehört definitiv nicht in denselben Abschnitt.

Der Dialog über den Curlington-Fall ist sehr informativ, aber zu detailliert. Ich nehme an, dass der später noch eine Bedeutung bekommt (das sollte er, ansonsten müssen diese Leute dringend über etwas anderes reden), aber bis dahin (mindestens 5 Kapitel später) hat der Leser alle Details vergessen. Auch sind mir die drei Personen noch nicht vertraut genug, als dass ich jetzt ihre jeweiligen Probleme nachvollziehen könnte. Also lieber hier kürzen und später - wenn relevant - bringen. Dort kannst du ja zum Beispiel Lee sich an dieses Gespräch erinnern lassen.

*

"Energische Ausrufe waren sie von ihrem Sohn nicht gewohnt."

Hier landen wir dann beim Thema Perspektive und "Show, don't tell".

Zum einen warst du bisher recht tief im Kopf von Lee, hast sogar Gedanken wörtlich gebracht. Mit diesem Satz brichst du jetzt die Perspektive und nimmst die eines allwissenden Erzählers ein, der dem Leser eine Handlung der Figuren erklärt. Sollte das nicht gewollt sein, und ich denke nicht, dann gibt es einige Möglichkeiten, diesen Ausrutscher zu umgehen, zum Beispiel:

1. Direkte Rede. "Lee", sagte der Richter strafend/überrascht. "Nicht so heftig!"
2. Weglassen. Ist der Satz wichtig?
3. Reaktion zeigen. Mums Augen weiteten sich und der Richter holte tief Luft.

*

"....", erklärte Lee seinen Standpunkt.

Zum einen ist das auch wieder eine Erklärung, falls der Leser das nicht mitbekommen hat. Zum zweiten steht dieser "dialog tag" (ich weiß nicht wie das im Deutschen heißt) viel, viel zu spät. Wenn der Leser nach 70 Worten noch nicht weiß, wer gerade spricht, brauchst du es auch nicht mehr zu sagen. Entweder vor der direkten Rede oder spätestens, wo der Redende zum erstem Mal Luft holen muss. In dem Fall hier würde ich sogar zu einem "action beat" greifen und vor der direkten Rede Lees direkte Reaktion auf das Verhalten seiner Eltern zeigen. "Lee hob entschuldigend die Hände." Auch das ", Dad," steht schon ziemlich spät.

Das Gleiche direkt im nächsten Abschnitt.

*

"Doch Lee machte nur eine wegwerfende Handbewegung. Er hatte gerade nicht die geringste Lust, über seine Zukunft zu reden. Also gab er nur seine Standardantwort:" Auch hier ist der dritte Satz überflüssig. Eigentlich schon der zweite, da er auch wieder die Handlung im ersten erklärt.

*

"Sein Vater wusste, dass er ihm nur auswich, aber er hatte nach diesem anstrengenden Tag nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Der zweite Perspektivbruch. Komplett allwissender Erzähler. Bleib bei Lee. "Sein Vater sah aus, als ob er noch etwas sagen wollte, doch dann seufzte er müde auf und wandte sich wieder dem Essen zu. Lee fühlte sich fast schuldig. Der Arbeitstag des Richters war sicher anstrengend gewesen, und jetzt hatte er bestimmt nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Die markierten Wörtchen bringen die Perspektive wieder zurück.

*

„Ich geh noch eine Runde raus.“, als ob das nicht offensichtlich war.
Aber er musste raus,

Auch ein Indiz für "Tell" ist es, ein Wort oder einen Satzteil zu wiederholen.

Das "Aber er musste raus" kommt für mich überraschend. Sein Vater hat ihn zuletzt gelobt (wie realistisch das auch immer sein mag) und die wenigen Worte über das College schienen mir nicht so gewichtig um ihn aus dem Haus zu treiben.

rief halb im Gehen: „Ich geh noch eine Runde raus.“, ... Nur mit Gehen hatte seine Beschäftigung nicht viel zu tun, wenn man von dem Gang zu Garage absah.

*

Als er schließlich 15 war, => a) Keine Zahlen im Text b) warum so exakt? Was spricht gegen "alt genug"

*

"Allerdings war das Fahrzeug damals in einem katastrophalen Zustand gewesen. Es konnte fahren, allerdings sah es fürchterlich aus. Zwei Wochen verbrachte Lee damals nur damit, es zu säubern. Das Ergebnis war ernüchternd.
Der Vorbesitzer hatte das Fahrzeug viel genutzt, daher waren stets die nötigen Reparaturen durchgeführt worden, so dass die Technik in einem brauchbaren Zustand war. Der Rest sah allerdings aus, als hätte man ihn zur Feldarbeit missbraucht. usw. usw."

Hier schaffst du es, Wiederholung und Widerspruch zu vereinen. Was denn jetzt?

Und eine Plattitüde wie "Das Ergebnis war ernüchternd." solltest du auf jeden Fall vermeiden. Ein so nichtssagender Satz ist Telling in Reinkultur.

Im Prinzip beschreibst in der ganzen Szene wie das Auto ausgesehen hat, aber nicht mehr aussieht. Was ist es, dass du dem Leser damit sagen willst? Dass Lee das Auto liebt? Kommt nicht direkt raus.

Wenn dieser Hintergrund wichtig ist, dann verbinde ihn mit Lees Handlung. Lass ihn einmal um das Auto herumgehen, das Öl prüfen, die Motorhaube streicheln, einen Fleck wegpolieren, irgendetwas, das die Vergangenheit mit der Gegenwart der Geschichte verbindet.

"das melodische Brüllen des alten Reihen-Sechszylinders an." Ein sehr schönes Bild. Ein kurzer Blick in die Wikipedia sagt mir allerdings, dass die es 65er Mustangs zwar auch mit I6-Motor gab, die aber mit 122 PS wohl etwas schwach auf de Brust waren. Der 4,7l-Windsor V8 mit über 200PS dürfte eher "Brüllen" :-)

"Die vielen Straßen zwischen den unzähligen Kleinstraßen" Ich habe nicht die geringste Ahnung, was du hier meinst... Übrigens gibt es im Westen von Amerika viel weniger Städte und Straßen als bei uns.

"Allerdings sollte man" => Das Wort "man" ist schon ein Indikator, dass hier wieder der Erzähler referiert, statt dass die Figur handelt.

"Aber über all diese Dinge machte sich Lee an jenem Tag sowieso keine Gedanken." => sagt der Allwissende dem Leser ...

"Audis gehören zu den selteneren Gefährten auf Amerikas Straßen," => Niemals das Präsens benutzen, wenn die Geschichte im Präteritum erzählt wird. Und der ganze Abschnitt ist wieder Information für den Leser, die der nicht will und nicht braucht.

*****

So, ich hoffe das kam nicht zu hart rüber. Ich will auf jeden Fall nicht den Eindruck erwecken, dass ich die Geschichte schlecht finde. Die meisten Fehler sind typisch für die erste Million Worte die angeblich jeder angehende Schriftsteller für sich schreibt, bevor er die nächste Million für seine Leser schreiben kann.

Du könntest allerdings dieses erste Kapitel locker um die Hälfte kürzen, ohne Relevantes zu verlieren. Mach dir vor allem Gedanken darüber, wie sehr die Szene am Abendbrottisch geeignet ist, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen.

Versuch doch einmal damit anzufangen, dass Lee wutentbrannt in sein Auto springt und Gas gibt. Während er über die abendliche Landstraße braust, kannst du sowohl die Gegend einführen als auch einen Grund, warum er wütend ist...

****

Tschüss
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Lilly » Mi 11. Nov 2015, 08:04

So, ich nehme das jetzt mal Punkt für Punkt auseinander. Deine Kritik ist sehr umfangreich, aber mach dir keine Sorgen, dass ich dir was krumm werde. Von bösen Worten lernt man schließlich mehr als von Lobhudelei.
Also erst mal danke, dass du dich so tief damit auseinandergesetzt hast.
Rainer Prem hat geschrieben:Hallo,

ich habe jetzt weitergelesen, und muss leider eingestehen, dass mich die Geschichte selbst nicht wirklich interessiert. Das liegt nicht an deiner Art zu schreiben, sondern weil das einfach nicht meine Welt ist. Also werde ich weniger über den Inhalt, sondern Form und Stil schreiben.

Rechtschreibfehler. Ich habe einfach nur Word drüberlaufen lassen, und der hat schon einiges gefunden.

flore => floor
Ranchouse => Ranchhouse
Misses => Missis
Patrole => Patrol

Todschlag => Totschlag

Grammatik.

Daddy hat gekocht.“, => kein Punkt vor dem Gänsefüßchen, wenn danach ein Komma folgt
Wenn du darlegst, das hier => dass

Das hab ich irgendwann mal falsch gelernt und es hat sich dermaßen in meinem Kopf festgesetzt, dass ich das immer so mache. :argh2:

ist einschlafen am Steuer => Einschlafen groß
ein besserer Mensch als Er. => ich nehme nicht an, dass du hier Gott meinst, also er klein
die Öffentliche Meinung => Kein Eigenname also öffentliche klein
dass du Feige bist => die Frucht? feige klein
Standartantwort => eine Standartenantwort? oder meinst du Standard
etwas ganz besonderes => Besonderes groß
Der 65 Ford Mustang => 65er
eine Wenig befahrene Landstraße => wenig klein

Warum liegen mir falsche Zeichensetzungsregeln besser als richtige REchtschreibung. Gott allein weiß das.

Stil.

Du hast eine sehr bildhafte Sprache, ich kann mir die Schauplätze gut vorstellen. Ein wenig zu ausgeschmückt (mit Adverbien und Adjektiven) vielleicht, aber besser so als anders herum. Ich tendiere in der Beziehung eher dazu, zu knapp zu schreiben.

Allerdings solltest du dich öfters fragen, *warum* du eine bestimmte Sache beschreibst. Die schon oben angesprochenen Weiden, den Sommer usw. Was würde passieren, wenn Lee in dieser Szene nur einen letzten Blick auf seinen Computer wirft, und dann direkt antwortet? Dass diese Szene in einer bestimmten Jahreszeit, und zu einer bestimmten Uhrzeit spielt, ist eigentlich nicht relevant. Auch, dass er "zu viel gespielt" hat. Eine gut begonnene Szene wird hier unnötig in die Länge gezogen.

Was du auch drauf hast, ist, sich widersprechende Sätze zu schreiben, die den Leser fragend zurücklassen. "Sein Vater musste sehr früh frei gehabt haben, aber das kam oft vor." Wenn es doch oft vorkommt, warum es dann erwähnen? "Der Richter schüttelte den Kopf, aber es war keine verneinende Geste." Sondern was?

"Der Richter schüttelte den Kopf, aber es war eher eine Geste der Resignation." <- Besser so?

"Willkommen in Wyoming. Lees Mutter verteilte" Das gehört definitiv nicht in denselben Abschnitt.
Du hast recht, das gehört in den Abschnitt darüber, ist ein Kommentar zu dem Vorangegangenen Satz. Das passiert, wenn man die Absätze nachträglich einfügt.

Der Dialog über den Curlington-Fall ist sehr informativ, aber zu detailliert. Ich nehme an, dass der später noch eine Bedeutung bekommt (das sollte er, ansonsten müssen diese Leute dringend über etwas anderes reden), aber bis dahin (mindestens 5 Kapitel später) hat der Leser alle Details vergessen. Auch sind mir die drei Personen noch nicht vertraut genug, als dass ich jetzt ihre jeweiligen Probleme nachvollziehen könnte. Also lieber hier kürzen und später - wenn relevant - bringen. Dort kannst du ja zum Beispiel Lee sich an dieses Gespräch erinnern lassen.

Das ist etwas, was mit meinem ganz persönlichen Geschmack zusammenhängt. Ich wollte am Anfang erst mal eine Szene haben, die irgendwo zufällig aus Lees Leben gegriffen ist. Wie weit der Fall von Bedeutung sein wird, muss ich mir noch überlegen, er wird aber auf jeden Fall wieder vorkommen.

*

"Energische Ausrufe waren sie von ihrem Sohn nicht gewohnt."

Hier landen wir dann beim Thema Perspektive und "Show, don't tell".

Zum einen warst du bisher recht tief im Kopf von Lee, hast sogar Gedanken wörtlich gebracht. Mit diesem Satz brichst du jetzt die Perspektive und nimmst die eines allwissenden Erzählers ein, der dem Leser eine Handlung der Figuren erklärt. Sollte das nicht gewollt sein, und ich denke nicht, dann gibt es einige Möglichkeiten, diesen Ausrutscher zu umgehen, zum Beispiel:

1. Direkte Rede. "Lee", sagte der Richter strafend/überrascht. "Nicht so heftig!"
2. Weglassen. Ist der Satz wichtig?
3. Reaktion zeigen. Mums Augen weiteten sich und der Richter holte tief Luft.

Ok, hier sieht man, wie wertvoll Testleser sind, denn diese Ganze Szene misinterpretierst du ein wenig. Aus dem Satz "Energische Ausrufe..." leitest du ab, das Lees Mutter das als Fehlverhalten interpretiert. Das mit der Perspektive nehme ich sehr ernst, denn ich hab mir vorgenommen die Geschichte ausschließlich aus Lees Sicht zu erzählen. Ich würde dann irgendwie in Richtung des dritten Vorschlags gehen, irgendwie "Mum sah erstaunt auf un auch Dad hielt inne // Sie waren von Lees Situation sichtlich überrascht." Beides auf einmal klingt schon wieder ein wenig doppelt gemoppelt.

*

"....", erklärte Lee seinen Standpunkt.

Zum einen ist das auch wieder eine Erklärung, falls der Leser das nicht mitbekommen hat. Zum zweiten steht dieser "dialog tag" (ich weiß nicht wie das im Deutschen heißt) viel, viel zu spät. Wenn der Leser nach 70 Worten noch nicht weiß, wer gerade spricht, brauchst du es auch nicht mehr zu sagen. Entweder vor der direkten Rede oder spätestens, wo der Redende zum erstem Mal Luft holen muss. In dem Fall hier würde ich sogar zu einem "action beat" greifen und vor der direkten Rede Lees direkte Reaktion auf das Verhalten seiner Eltern zeigen. "Lee hob entschuldigend die Hände." Auch das ", Dad," steht schon ziemlich spät.

Das Gleiche direkt im nächsten Abschnitt.

*

"Doch Lee machte nur eine wegwerfende Handbewegung. Er hatte gerade nicht die geringste Lust, über seine Zukunft zu reden. Also gab er nur seine Standardantwort:" Auch hier ist der dritte Satz überflüssig. Eigentlich schon der zweite, da er auch wieder die Handlung im ersten erklärt.
Hmm. Das finde ich jetzt gar nicht so sehr. Den dritten kann man bestimmt weglassen, der klingt sowieso doof.

*

"Sein Vater wusste, dass er ihm nur auswich, aber er hatte nach diesem anstrengenden Tag nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Der zweite Perspektivbruch. Komplett allwissender Erzähler. Bleib bei Lee. "Sein Vater sah aus, als ob er noch etwas sagen wollte, doch dann seufzte er müde auf und wandte sich wieder dem Essen zu. Lee fühlte sich fast schuldig. Der Arbeitstag des Richters war sicher anstrengend gewesen, und jetzt hatte er bestimmt nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Die markierten Wörtchen bringen die Perspektive wieder zurück.
Hmm, ja. Wie gesagt, Perspektive ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht etwas kürzer. "Sein Vater versuchte nach diesem scheinbar anstrengen Tag offensichtlich gar nicht erst, mit ihm zu diskutieren."

*

„Ich geh noch eine Runde raus.“, als ob das nicht offensichtlich war.
Aber er musste raus,

Auch ein Indiz für "Tell" ist es, ein Wort oder einen Satzteil zu wiederholen.

Das "Aber er musste raus" kommt für mich überraschend. Sein Vater hat ihn zuletzt gelobt (wie realistisch das auch immer sein mag) und die wenigen Worte über das College schienen mir nicht so gewichtig um ihn aus dem Haus zu treiben.

Ich tu mich immer schwer damit, Emotionen zu beschreiben. Da ich genau weis, wie sich Lee in dem Moment fühlen sollte, ist es mir zu offensichtlich. Aber wenn man das jetzt so liest, hab ich irgendwie gar nichts dazu gesagt, was in Lees Kopf vorgeht. :lol:
Lees Vater spricht einen höllisch wunden Punkt an. Nach außen hin wahrt er eine unbeteiligte Fassade, aber in Wirklichkeit nimmt ihn die Tatsache, auf etwas angesprochen zu werden, dass ihn mit unheimlicher Unsicherheit erfüllt, sehr mit. Ihm ist klar, das sein Vater das nicht böse meint bzw. ihm nicht bewusst ist, was er damit anrichtet. Lee beschließt also einen taktischen Rückzug, bevor er etwas sagt was er bereut und weil er wieder gezwungen ist, über gewisse Dinge nachzudenken.
Ich muss nur mal schauen, wie ich das in die Geschichte einbringe.


rief halb im Gehen: „Ich geh noch eine Runde raus.“, ... Nur mit Gehen hatte seine Beschäftigung nicht viel zu tun, wenn man von dem Gang zu Garage absah.

*

Als er schließlich 15 war, => a) Keine Zahlen im Text b) warum so exakt? Was spricht gegen "alt genug"

*

"Allerdings war das Fahrzeug damals in einem katastrophalen Zustand gewesen. Es konnte fahren, allerdings sah es fürchterlich aus. Zwei Wochen verbrachte Lee damals nur damit, es zu säubern. Das Ergebnis war ernüchternd.
Der Vorbesitzer hatte das Fahrzeug viel genutzt, daher waren stets die nötigen Reparaturen durchgeführt worden, so dass die Technik in einem brauchbaren Zustand war. Der Rest sah allerdings aus, als hätte man ihn zur Feldarbeit missbraucht. usw. usw."

Hier schaffst du es, Wiederholung und Widerspruch zu vereinen. Was denn jetzt?

Der Abschnitt klingt so betrachtet einfach ein wenig chaotisch. Das gehört umsortiert und geordnet, dass es Sinn macht. Im Grunde wollte ich aussagen, das das Fahrzeug fahren kann, aber aussieht als gehöre es auf den Schrottplatz

Und eine Plattitüde wie "Das Ergebnis war ernüchternd." solltest du auf jeden Fall vermeiden. Ein so nichtssagender Satz ist Telling in Reinkultur.

Im Prinzip beschreibst in der ganzen Szene wie das Auto ausgesehen hat, aber nicht mehr aussieht. Was ist es, dass du dem Leser damit sagen willst? Dass Lee das Auto liebt? Kommt nicht direkt raus.

Wenn dieser Hintergrund wichtig ist, dann verbinde ihn mit Lees Handlung. Lass ihn einmal um das Auto herumgehen, das Öl prüfen, die Motorhaube streicheln, einen Fleck wegpolieren, irgendetwas, das die Vergangenheit mit der Gegenwart der Geschichte verbindet.

"das melodische Brüllen des alten Reihen-Sechszylinders an." Ein sehr schönes Bild. Ein kurzer Blick in die Wikipedia sagt mir allerdings, dass die es 65er Mustangs zwar auch mit I6-Motor gab, die aber mit 122 PS wohl etwas schwach auf de Brust waren. Der 4,7l-Windsor V8 mit über 200PS dürfte eher "Brüllen" :-)

"Die vielen Straßen zwischen den unzähligen Kleinstraßen" Ich habe nicht die geringste Ahnung, was du hier meinst... Übrigens gibt es im Westen von Amerika viel weniger Städte und Straßen als bei uns.

Hmm, das ist ein sonderbarer Satz. Kann mich nicht daran erinnern, ihn geschrieben zu haben. Da sollte so etwas stehen wie: "Die kleinen Straßen, die die abgelegen Höfe / Ansiedlungen / Dörfer verbanden. Andererseits sind das mehr Pisten als Straßen. Da muss ich noch mal drüber nachdenken.

"Allerdings sollte man" => Das Wort "man" ist schon ein Indikator, dass hier wieder der Erzähler referiert, statt dass die Figur handelt.

"Aber über all diese Dinge machte sich Lee an jenem Tag sowieso keine Gedanken." => sagt der Allwissende dem Leser ...

"Audis gehören zu den selteneren Gefährten auf Amerikas Straßen," => Niemals das Präsens benutzen, wenn die Geschichte im Präteritum erzählt wird. Und der ganze Abschnitt ist wieder Information für den Leser, die der nicht will und nicht braucht.

*****

So, ich hoffe das kam nicht zu hart rüber. Ich will auf jeden Fall nicht den Eindruck erwecken, dass ich die Geschichte schlecht finde. Die meisten Fehler sind typisch für die erste Million Worte die angeblich jeder angehende Schriftsteller für sich schreibt, bevor er die nächste Million für seine Leser schreiben kann.

Du könntest allerdings dieses erste Kapitel locker um die Hälfte kürzen, ohne Relevantes zu verlieren. Mach dir vor allem Gedanken darüber, wie sehr die Szene am Abendbrottisch geeignet ist, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen.

So, ich weiß, das diese Geschichte mit Information überladen ist. Dahinter liegt auch eine ganz bestimmte Intention. Wenn ich normalerweise etwas schreibe, hat die Handlung eine horrende Geschwindigkeit. Für mich als Leser ein absolutes No-Go, denn Geschichten mit viel Potential, die zu schnell erzählt werden, sind auch langweilig, weil ganze Szenen in einem Satz abgehandelt werden und man sich als Leser gar kein Bild machen kann, weil schon das nächste passiert. Finde ich schlimmer als Langatmigkeit. Also habe ich beschlossen, mal das krasse Gegenteil zu tun. Alle Informationen hinzuschreiben und alles, was die Charaktere so erleben, um es hinterher auf ein sinnvolles Maß zusammenzukürzen. Vor allem, weil ja nicht alles relevant ist, was erlebt wird.

Versuch doch einmal damit anzufangen, dass Lee wutentbrannt in sein Auto springt und Gas gibt. Während er über die abendliche Landstraße braust, kannst du sowohl die Gegend einführen als auch einen Grund, warum er wütend ist...

****

Tschüss
Rainer
Eine kleine Anmerkung. Ihr sprecht alle von Kapiteln. In dieser Geschichte gibt es keine Kapitel, also versucht nicht die einzelnen Posts als Sinngemäße Abschnitte zu sehen. Die Geschichte wird in etwas vier bis fünf Große Teile unterteilt sein, genaue Anzahl ergibt sich noch. Im Nachfolgenden möchte ich noch den Augenmerk auf ein Paar Aspekte richten, zu denen ich gerne eine Meinung hätte. Ruhig einzeln und nach und nach, da dass ja alles sehr viel immer ist bei meinem Stil.

1. Angelszene. Das war der Versuch, etwas in gewisser Hinsicht romantisches zu schreiben, ohne das es in einer zwangsläufigen Liebesszene endet. Ist die Szene einigermaßen interessant zu lesen? Ist das gelungen?

2. Die Sully Szene bwz. das Kälbchen. Wichtig an dieser Szene ist die Tatsache das Lee ihn abholt und die Story über Lisa Brown, womit wir wieder bei Chekov wären. Letzteres lässt sich eventuell nach hinten in die Partyszene verschieben, ein Gespräch darüber kann ja schließlich auch zu einem beliebigen anderen Zeitpunkt geführt werden, kann auch mit jemand anderem geführt werden. Die irgendwie alberne und unrealistische Szene ist nicht relevant, war quasi als kleine Pause gedacht. Ist das lustig und interessant an der Stelle, schließlich ist die Handlung insgesamt ja noch sehr, sehr ruhig.

3. Partyszene. Das Gespräch um Harry, ist na ja. Einerseits soll er vorgestellt werden, andererseits ist das Ende, nun ja. "Aber offensichtlich hielten die anderen ihn nicht für zu unvernünftig.", ist noch nicht wirklich was ich sagen will. Und davor hämmere ich dem Leser ein, das etwas eine Pointe ist, was er vielleicht für gar keine hält. Da hab ich schon drüber gebrütet als ich die Absätze nachgetragen und davon noch mal gelesen habe, das klingt alles irgendwie ... dämlich bis Platt.
Das Leben ist komplex; es hat einen reale und eine imaginäre Komponente

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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Mi 11. Nov 2015, 10:44

Hallo,

ich lösche mal die Punkte ohne Kennzeichnung raus, über die wir nicht diskutieren brauchen ...

Mein neuer Text in blau.

Lilly hat geschrieben:So, ich nehme das jetzt mal Punkt für Punkt auseinander. Deine Kritik ist sehr umfangreich, aber mach dir keine Sorgen, dass ich dir was krumm werde. Von bösen Worten lernt man schließlich mehr als von Lobhudelei.

Danke. Du ahnst ja nicht, was ich vor allem in amerikanischen Foren erlebt habe. Wenn man da nicht mit "You might consider to" anfängt, liest der andere das gar nicht.


Was du auch drauf hast, ist, sich widersprechende Sätze zu schreiben, die den Leser fragend zurücklassen. "Sein Vater musste sehr früh frei gehabt haben, aber das kam oft vor." Wenn es doch oft vorkommt, warum es dann erwähnen? "Der Richter schüttelte den Kopf, aber es war keine verneinende Geste." Sondern was?

"Der Richter schüttelte den Kopf, aber es war eher eine Geste der Resignation." <- Besser so?

Ja. Oder bei mehr persönlichem POV: "Lee meinte in dieser Geste Resignation zu spüren."

Der Dialog über den Curlington-Fall ist sehr informativ, aber zu detailliert. Ich nehme an, dass der später noch eine Bedeutung bekommt (das sollte er, ansonsten müssen diese Leute dringend über etwas anderes reden), aber bis dahin (mindestens 5 Kapitel später) hat der Leser alle Details vergessen. Auch sind mir die drei Personen noch nicht vertraut genug, als dass ich jetzt ihre jeweiligen Probleme nachvollziehen könnte. Also lieber hier kürzen und später - wenn relevant - bringen. Dort kannst du ja zum Beispiel Lee sich an dieses Gespräch erinnern lassen.

Das ist etwas, was mit meinem ganz persönlichen Geschmack zusammenhängt. Ich wollte am Anfang erst mal eine Szene haben, die irgendwo zufällig aus Lees Leben gegriffen ist. Wie weit der Fall von Bedeutung sein wird, muss ich mir noch überlegen, er wird aber auf jeden Fall wieder vorkommen.

O weia. "Zufällig aus dem Leben gegriffen" gibt es bei Geschichten nicht. Weder im Fernsehen, Film, Theater noch in der Literatur. Chekhovs Regel: Wenn du dem Leser im Kapitel 1 ein geladenes Gewehr zeigst, muss es irgendwann abgefeuert werden. Wenn das nicht passiert, ist der Leser enttäuscht. Außerdem spielt diese Szene ja direkt bevor er rausläuft, mit dem Auto fährt und dann auf den Audi TT stößt.


*

"Energische Ausrufe waren sie von ihrem Sohn nicht gewohnt."

Hier landen wir dann beim Thema Perspektive und "Show, don't tell".
...
3. Reaktion zeigen. Mums Augen weiteten sich und der Richter holte tief Luft.

Ok, hier sieht man, wie wertvoll Testleser sind, denn diese Ganze Szene misinterpretierst du ein wenig. Aus dem Satz "Energische Ausrufe..." leitest du ab, das Lees Mutter das als Fehlverhalten interpretiert. Das mit der Perspektive nehme ich sehr ernst, denn ich hab mir vorgenommen die Geschichte ausschließlich aus Lees Sicht zu erzählen. Ich würde dann irgendwie in Richtung des dritten Vorschlags gehen, irgendwie "Mum sah erstaunt auf un auch Dad hielt inne // Sie waren von Lees Situation sichtlich überrascht." Beides auf einmal klingt schon wieder ein wenig doppelt gemoppelt.

Einfach ausprobieren (Papier - äh, Der Bildschirm - ist geduldig), vielleicht auch mal laut vorlesen


"Sein Vater wusste, dass er ihm nur auswich, aber er hatte nach diesem anstrengenden Tag nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Der zweite Perspektivbruch. Komplett allwissender Erzähler. Bleib bei Lee. "Sein Vater sah aus, als ob er noch etwas sagen wollte, doch dann seufzte er müde auf und wandte sich wieder dem Essen zu. Lee fühlte sich fast schuldig. Der Arbeitstag des Richters war sicher anstrengend gewesen, und jetzt hatte er bestimmt nicht die geringste Lust, mit seinem Sohn zu diskutieren." Die markierten Wörtchen bringen die Perspektive wieder zurück.
Hmm, ja. Wie gesagt, Perspektive ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht etwas kürzer. "Sein Vater versuchte nach diesem scheinbar anstrengen Tag offensichtlich gar nicht erst, mit ihm zu diskutieren."

Ja. Ein einzelnes Wort mehr, und die Sache funktioniert. Aber nicht zu sehr strapazieren. Besser ist es immer, wenn die andere Person selbst eine entsprechende Aussage trifft.

*

„Ich geh noch eine Runde raus.“, als ob das nicht offensichtlich war.
Aber er musste raus,

Auch ein Indiz für "Tell" ist es, ein Wort oder einen Satzteil zu wiederholen.

Das "Aber er musste raus" kommt für mich überraschend. Sein Vater hat ihn zuletzt gelobt (wie realistisch das auch immer sein mag) und die wenigen Worte über das College schienen mir nicht so gewichtig um ihn aus dem Haus zu treiben.

...
Lees Vater spricht einen höllisch wunden Punkt an.
...


Dachte ich mir fast, deswegen auch mein Vorschlag ganz unten. Aber in der Szene kommt das nicht heraus. "Aber er musste raus" ist viel schwächer als ein direktes "Ich muss raus!" Beschreibe Lees körperliche Reaktionen und direkte Gedanken auf die Worte seines Vaters, z.B.

Lees Atem stockte. Musste das schon wieder sein? Seine Hand, die die Gabel hielt, verkrampfte sich. Konnte sein Vater nicht einmal einen Abend auslassen? Langsam holte er Luft, und ließ sein Besteck auf den Tisch klappern. Wieder ein missbilligender Blick seiner Mutter. "Ich muss raus", keuchte er und sprang auf.


So, ich weiß, dass diese Geschichte mit Information überladen ist. Dahinter liegt auch eine ganz bestimmte Intention. Wenn ich normalerweise etwas schreibe, hat die Handlung eine horrende Geschwindigkeit. Für mich als Leser ein absolutes No-Go, denn Geschichten mit viel Potential, die zu schnell erzählt werden, sind auch langweilig, weil ganze Szenen in einem Satz abgehandelt werden und man sich als Leser gar kein Bild machen kann, weil schon das nächste passiert. Finde ich schlimmer als Langatmigkeit. Also habe ich beschlossen, mal das krasse Gegenteil zu tun. Alle Informationen hinzuschreiben und alles, was die Charaktere so erleben, um es hinterher auf ein sinnvolles Maß zusammenzukürzen. Vor allem, weil ja nicht alles relevant ist, was erlebt wird.

Aufschreiben ist gut; innerhalb der Geschichte weniger; es zu posten ganz schlecht :-) Damit könntest du potentielle Leser vergraulen. Grundregel ist: In wirklich wichtigen Szenen auf wirklich relevante Dinge beschränken.

Eine kleine Anmerkung. Ihr sprecht alle von Kapiteln. In dieser Geschichte gibt es keine Kapitel, also versucht nicht die einzelnen Posts als Sinngemäße Abschnitte zu sehen.

Auch hier wieder der Unterschied zwischen Geschichte und Realität. Kapitel geben dem Leser eine Atempause. Er weiß, dass er jetzt auf Klo kann, ohne ein paar Seiten wiederholen zu müssen. Du als Schreiber bist in der Pflicht, dies möglich zu machen. Du kannst gerade heutzutage nicht erwarten, dass dein Leser sein Smartphone länger als fünf Minuten aus den Augen lässt. Die zweitausend Worte deines ersten Posts sind doch eine vernünftige Länge, und der Moment, bevor jemand aus dem Audi steigt, durchaus eine gut Zäsur. Bisher war es Lees Geschichte (deswegen auch mein Vorschlag, mit einer Szene anzufangen, wo nur er drin ist), und jetzt kommt seine große Liebe, oder der Killer oder das Monster aus dem Audi.
Ich habe noch nicht weitergelesen, deswegen vorerst kein Kommentar zu den anderen Szenen.

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Lilly » Mo 7. Dez 2015, 15:14

Seit ein paar wenigen Wochen tue ich etwas eigentlich unmögliches - ich schreibe an zwei Texten gleichzeitig. Neben meinem eigentlichen Hauptprojekt, "Drive Like That", ist mir etwas in die Hand gefallen, dass ich vor etwa zwei Jahren geschrieben habe. Nachdem ich einen guten Teil von Harrington gelesen hatte, musste ich mich an dem, was ich für mich selbst militaristisches Science Fiction getauft hatte - ich glaube der richtige Begriff ist Space Opera - auch einmal versuchen. Ich hab mir meine damaligen Ergüsse noch einmal durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich sehr gute Ideen hatte, die Ausführung aber sehr zu wünschen übrig lässt. Das Fieber mit diesem Genre hatte mich wiedern gepackt, und ich musste es einfach noch einmal anfangen zu schreiben und weiterschreiben.
Ich hab länger darüber nachgedacht, ob ich den Text posten soll, denn er enthält und wird etwas enthalten, was eine von mir entwickelte Idee eines Fiktiven Militärischen Systems ist, während mein Wissen Dazu vor allem aus Werken anderer Autoren stammt. Ich bin mir nicht sicher, ob man überhaupt einen Sinvollen Text schreiben kann, der in einem Militärischen Umfeld spielt, wenn man selbst keinerlei Erfahrung damit hat. Als wollte ich ein Buch über Italienisch lernen schreiben, obwohl ich die Sprache nicht kann. Es wird warscheinlich ziemlich realitätsfern.
Das fängt schon am Anfang an, denn ich bin mir Sicher, dass so etwas wie ganz am Anfang mit der Hauptperson passiert, in der Realität niemals geschehen würde. Ich wollte aber den Charakter in einer ganz bestimmten Situation haben, also musste das passieren.
Trotzdem hoffe ich, dass sich der ein oder andere an diese Geschichte wagt, und mir vielleicht auch den ein oder anderen Tipp zu dessen ausgestaltung gibt. Das ganze war irgendwann mal ganz kühn als Serie angedacht. :lol:
Viel Spaß mit "Banning Station" - Einem Vorher/Nacher-Weiterschreib-das-Projekt
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Mo 7. Dez 2015, 16:52

Hallo,

Ein Kommentar auf mehreren Ebenen.

1) Thema.

Ich sehe kein Problem wenn du hier weiterschreibst. Ich denke, man kann schon militärische SF schreiben, ohne gedient zu haben, auch wenn der Stall der Schreiber bei Baen fast nur aus Ex-Militärs besteht. Du brauchst halt eine stabile Grundlage, also normalerweise eine existierende Organisation (typischerweise Marine), wo du die Ränge herleiten kannst. Die englische Navy aus den Büchern von C. S. Forester ist ja Webers Grundlage, aber es spricht nichts dagegen, z.B. die deutsche Kriegsmarine als Vorbild zu nehmen. Dann könntest du auch weibliche Formen der Ränge benutzen und hättest nicht das Problem mit "dem Captain", der eine Frau ist. (Edit:) Oder schau dir "Das Boot" an.

Wenn du eine Alternative zu Weber haben willst, schau doch mal bei John Ringo rein. Da gibt es ein paar kostenlose Bücher auf Englisch bei Baen, und Übersetzungen bei Amazon.

Mich würde schon sehr interessieren zu lesen, wie eine Frau so etwas schreibt... :-)

2) Rechtschreibung und Grammatik.

Seit der alten Version deutlich verbessert, aber noch ein paar Fehler. Ich schicke dir das per PN, weil wir das ja nicht diskutieren müssen.

3) Wortwahl.

Ich kann mit deiner Definition von "Furcht" vs. "Angst" nicht wirklich zustimmen. Für mich ist "Angst" etwas unbestimmtes, nicht sooo Schlimmes, vergleiche "ängstlich" mit "fürchterlich".

Dein Vergleich mit "Vorstandsvorsitzender" und "Filialleiter" passt grundsätzlich, führt aber zu dem Zeitpunkt, wo wir von Katira nichts außer ihrem Namen wissen, auf eine falsche Fährte. Eigentlich brauchst du diesen Vergleich gar nicht. Wer sich mit MilSF befasst, kann sich die Situation auch so gut vorstellen.

4) Infodumping.

Nimm dir ja kein Beispiel an David Weber. Der hat das inzwischen auch schon mehr als überreizt. Dass Katira in diesem Moment über "Papst" nachdenkt, ist realistisch. Aber alles ab "In der Verfassung" ist zu viel.

5) POV

Das habe ich ja am Anfang von "Drive..." schon angesprochen. Ich denke das ist etwas, was du wirklich üben solltest. Hier in dieser Szene ist Katira's persönlicher POV angemessen. Der erste Satz ist in der Beziehung ein guter Einstieg. Aber dann driftest du ab, zeigst sie viel zu viel von außen statt von innen.

Wenn du beschreibst, was sie fühlt, versuche dich auf die Fakten zu konzentrieren und nicht dem Leser zu erklären, was er aus den Fakten lernen soll. Fang vielleicht damit an, dass sie selbstbewusst in das Zimmer marschiert, ihre Mütze abzieht, Haltung annimmt und salutieren will, und dann merkt, dass ihr oberster Boss noch gar nicht da ist, was ihrer Planung einen gewaltigen Schlag verpasst.

Lass ihren Blick umherirren, nicht vorhandene Staubflusen von ihrer Uniform entfernen, nach der Rückenlehne des Stuhls greifen, als sie merkt, dass sie zu schwanken anfängt, an ihren Nägeln kauen, alles was auch immer nötig ist, um dem Leser klar zu machen, wie unsicher sie wird, ohne es explizit hinzuschreiben.

Weiß sie denn, warum sie hierherbefohlen wurde? Hat sie etwas falsch gemacht? Hat sie Grund zur Annahme, dass es so schlimm ist, dass der "Papst" eingreifen muss? Hat sie etwas so gut gemacht, dass sie eine Belobigung erhalten kann?

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Di 8. Dez 2015, 21:49

Hallo,

der zweite Abschnitt gefällt mir, auch wenn ich eine ähnliche Situation schon mal irgendwo ... Egal. Die Navy ist extrem leger geschildert, was Hardcore-Anhänger von MilSF natürlich rotieren lassen würde, mir aber durchaus gefällt. Zumindest sollte sie Haltung annehmen, wenn ihr oberster Boss hereinkommt, dann hat er auch die Möglichkeit, explizit zu sagen, dass er das Gespräch informell gestalten wird.

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Lilly » Mi 9. Dez 2015, 08:50

Rainer Prem hat geschrieben:Hallo,

Ein Kommentar auf mehreren Ebenen.

1) Thema.

Ich sehe kein Problem wenn du hier weiterschreibst. Ich denke, man kann schon militärische SF schreiben, ohne gedient zu haben, auch wenn der Stall der Schreiber bei Baen fast nur aus Ex-Militärs besteht. Du brauchst halt eine stabile Grundlage, also normalerweise eine existierende Organisation (typischerweise Marine), wo du die Ränge herleiten kannst. Die englische Navy aus den Büchern von C. S. Forester ist ja Webers Grundlage, aber es spricht nichts dagegen, z.B. die deutsche Kriegsmarine als Vorbild zu nehmen. Dann könntest du auch weibliche Formen der Ränge benutzen und hättest nicht das Problem mit "dem Captain", der eine Frau ist. (Edit:) Oder schau dir "Das Boot" an.

Darüber wie ich mein Rangsystem gestalte habe ich erstaulicherweise sogar wirklich nachgedacht. Ich habe schon Texte geschrieben, in denen Staaten Deutsch sprechen und sich vieles daran orientiert. Ich finde das aber bei Militärischen Rängen ein wenig unglücklich, weil gerade bei den unteren Offiziersrängen die Worte so ähnlich klingen. Es wird mir hier auf jeden Fall etwas englischsprachiges, vielleicht aber vereinfachtes bleiben. Ich will schließlich keinen üblen Harrington-Abklatsch verfassen.

Wenn du eine Alternative zu Weber haben willst, schau doch mal bei John Ringo rein. Da gibt es ein paar kostenlose Bücher auf Englisch bei Baen, und Übersetzungen bei Amazon.
Mich würde schon sehr interessieren zu lesen, wie eine Frau so etwas schreibt... :-)

Das werde ich auf jeden fall mal machen, sobald mein Tablet wieder heile ist. Am Laptop lesen finde ich tierisch anstrengend.

2) Rechtschreibung und Grammatik.

Seit der alten Version deutlich verbessert, aber noch ein paar Fehler. Ich schicke dir das per PN, weil wir das ja nicht diskutieren müssen.

3) Wortwahl.

Ich kann mit deiner Definition von "Furcht" vs. "Angst" nicht wirklich zustimmen. Für mich ist "Angst" etwas unbestimmtes, nicht sooo Schlimmes, vergleiche "ängstlich" mit "fürchterlich".

Hmm, da stimme ich dir nicht so zu. Vor allem, weil man die Wörter fürchterlich und ängstlich - awful German language - ja in dem Sinnne nicht vergleichen kann. Ich fand die Stelle ehrlich gesagt recht gelungen, und an dieser Formulierung gesessen. Wenn man überall das Wort Angst verwendet, klingt der Satz so ungelenk, weil zu oft da Wort Angst vorkommt.

Dein Vergleich mit "Vorstandsvorsitzender" und "Filialleiter" passt grundsätzlich, führt aber zu dem Zeitpunkt, wo wir von Katira nichts außer ihrem Namen wissen, auf eine falsche Fährte. Eigentlich brauchst du diesen Vergleich gar nicht. Wer sich mit MilSF befasst, kann sich die Situation auch so gut vorstellen.

4) Infodumping.

Nimm dir ja kein Beispiel an David Weber. Der hat das inzwischen auch schon mehr als überreizt. Dass Katira in diesem Moment über "Papst" nachdenkt, ist realistisch. Aber alles ab "In der Verfassung" ist zu viel.

Hmm, das ist Geschackssache. Mich hat an Webber immer sehr gereizt, dass er immer ein bisschen Tiefer in die Mechanismen seiner Welt eingeht, wie realistisch das Ganze auch immer sein mag. Sicherlich übertreibt er es auch von Zeit zu Zeit. Der Teil mit der Verfassung kommt im Ersten Text ein Stück weiter hinten, ich habe das hier vorgezogen, um es von Anfang an etwas klarer zu gestalten. Vielleicht war das aber gar nicht so klug. Es ist auf jeden Fall mehr eine Information für den Leser, nichts, über das Katira nachdenkt.

5) POV

Das habe ich ja am Anfang von "Drive..." schon angesprochen. Ich denke das ist etwas, was du wirklich üben solltest. Hier in dieser Szene ist Katira's persönlicher POV angemessen. Der erste Satz ist in der Beziehung ein guter Einstieg. Aber dann driftest du ab, zeigst sie viel zu viel von außen statt von innen.

Wenn du beschreibst, was sie fühlt, versuche dich auf die Fakten zu konzentrieren und nicht dem Leser zu erklären, was er aus den Fakten lernen soll. Fang vielleicht damit an, dass sie selbstbewusst in das Zimmer marschiert, ihre Mütze abzieht, Haltung annimmt und salutieren will, und dann merkt, dass ihr oberster Boss noch gar nicht da ist, was ihrer Planung einen gewaltigen Schlag verpasst.

Lass ihren Blick umherirren, nicht vorhandene Staubflusen von ihrer Uniform entfernen, nach der Rückenlehne des Stuhls greifen, als sie merkt, dass sie zu schwanken anfängt, an ihren Nägeln kauen, alles was auch immer nötig ist, um dem Leser klar zu machen, wie unsicher sie wird, ohne es explizit hinzuschreiben.

Ich weiß nicht, ob das ganze klar rüber kommt, aber Katira wartet am Anfang schon eine ganze Weile in dem Raum. Sie ist sich nicht sicher, was das soll. Aber das scheint mir eine gute Anmerkung zu sein. Ich wollte sie erst nervös umherlaufen lassen, fand dass das aber lächerlich wirkte.

Weiß sie denn, warum sie hierherbefohlen wurde? Hat sie etwas falsch gemacht? Hat sie Grund zur Annahme, dass es so schlimm ist, dass der "Papst" eingreifen muss? Hat sie etwas so gut gemacht, dass sie eine Belobigung erhalten kann?

Grüße
Rainer
Rainer Prem hat geschrieben: der zweite Abschnitt gefällt mir, auch wenn ich eine ähnliche Situation schon mal irgendwo ... Egal.

Falls das eine Anspielung auf Basilisk seien soll, sei beruhigt, ich verpsreche dir, Banning ist nichts derlgeichen. Der Ort hat eine zentrale Bedeutung für die Avgarier und Katiras versetzung ist devinitv keine Strafe. Oder falls du auf etwas anderes anspielen wolltest, dann sag mir was, klingt interessant.

Die Navy ist extrem leger geschildert, was Hardcore-Anhänger von MilSF natürlich rotieren lassen würde, mir aber durchaus gefällt. Zumindest sollte sie Haltung annehmen, wenn ihr oberster Boss hereinkommt, dann hat er auch die Möglichkeit, explizit zu sagen, dass er das Gespräch informell gestalten

Da hätten wir den Salat. Ich habe devinitiv nicht beabsichtigt, die Navy irgendwie lax rüberkommen zu lassen. Da muss ich auf jeden Fall was dran ändern. Nähere Definitionen zu irgendwelchen Protokollen und so wird es noch geben, würden diese Szene aber unnötig in die Länge ziehen.
Was Katira angeht, sie sieht das eine oder andere Protokoll nicht so eng, vor allem wenn sie mit Leuten zu tun hat, die sie gut kennt. Allerdings sollte sie M'Bati wohl insgesamt etwas militärischer begegnen.
M'Bati, nun ja, der ist sowieso ein wenig sonderbar und kauzig, aber auch der wird noch seinen einen oder anderen Auftritt bekommen.

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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Mi 9. Dez 2015, 12:49

Hallo,

zum zweiten Abschnitt: Ja mir ist bei Frau Captain + neuer Posten direkt Basilisk eingefallen, aber das war ja eher eine Randbemerkung.

Fakt ist, dass Armeen nur funktionieren können, wenn das Befehl-Gehorsam-Prinzip im Notfall funktioniert. Und das funktioniert am besten, wenn der Untergebene dem Übergeordneten klar signalisiert, dass er/sie bereit ist, auf Befehle zu hören. Haltung anzunehmen, bis der Chef sagt "Rühren" ist einfach und nicht wirklich erniedrigend.

Versteh mich nicht falsch: Ich bin beileibe kein Militarist. Befehle zu diskutieren, bis sie verstanden sind, ist sinnvoll, und ein Chef, der sich Einwände von seinen Leuten anhört und berücksichtigt, wird im Fall des Falles auch mit "Jetzt keine Fragen" durchkommen.

Dass die Namen von Offiziersrängen verwirrend sind - im Englischen noch mehr als im Deutschen - ist historisch begründet. Es gab einmal nur drei Ränge: Hauptmann, Oberst und General. Jeder von denen hatte einen Stellvertreter, den "Lieutenant" (französisch ausgesprochen) und Oberste und Generäle zusätzlich einen "Vorsteher", den "Major" (wie der Majordomus)

Später wurden aus diesen Stellenbezeichnungen Ränge, also gibt es
Leutnant, Hauptmann
Oberst-Leutnant (Oberst-)Major Oberst
General-Leutnant General-Major General

So gesehen, eigentlich ganz logisch.

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Do 10. Dez 2015, 16:17

Hallo,

zu Teil 3: Was hier geschieht, ist nicht nur extrem unwahrscheinlich (in jeglicher hierarchischen Organisation des Universums), es bringt sie auch auf einen bereits vorgespannten Schleudersitz. Niemand würde sich so etwas freiwillig antun. Das ist ja nur noch Nepotismus. Außerdem hat sie als bisheriger Captain eines Schiffes auch nicht die geringste Erfahrung, so etwas zu tun.

Es kann natürlich sein, dass sie sich in der Vergangenheit solche exorbitanten Meriten erworben hat, dass nicht ihr ganzer neuer Stab komplett neidisch wird, aber dann wäre das die entschieden bessere Geschichte.

Außerdem passt jetzt auch der gesamte Anfang nicht mehr. Wenn sie in der Vergangenheit so extrem erfolgreich war, um so einen Sprung zu rechtfertigen, dann ist ihr unsicheres Verhalten absolut nicht mehr verständlich.

Stell dir mal vor du bist in deinem Job erfolgreich, und plötzlich wird dir ein zehnjähriges Kind vor die Nase gesetzt, weil sein Onkel meint, das wäre richtig.

Grüße
Rainer
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Lilly » Do 10. Dez 2015, 17:30

Hallo
Ich akzeptiere, ich habe da ein ziemliches Chaos verzapft.
Ich will mal kurz erklähren, woher das ganze kommt.
Wie erwähnt, ist das Grundgerüst zu dieser Story etwa zweieinhalb Jahre alt. Als ich mich damals an das Thema gewagt habe - mit noch wesentlich weniger Wissen als jetzt - wollte ich MilSF schreiben, aber alles anders machen. Mit anderen Worten: Das Rad neu erfinden. Aber das Ergebniss wäre wohl sicher kein Rad mehr geworden.
Beabsichtigt war eine Junge Heldin, die nicht zu heldenhaft ist. Frei nach dem Motto gib ihm bin ich auf mehr als das Ganze gegangen.
Das Ergebnis ist von Leser Sicht her wohl eher eine viel zu junge Shizophrene.
Wie auch immer, ich habe das ganze erst mal so gelassen, weil das zu den eher unwichtigen Teilen der Einleitung zu gehören schien.
Kathasthrophal falsch gelegen.
Wie auch immer, es wird darauf hinauslaufen, das die Einleitung eine komplettüberholung, oder besser Abriss und Neubau braucht.
Katira darf ja ruhig Jung und Querdenker sein, nur vielleicht in einem realistischen Ramen.
Wie auch immer, ich hoffe ich habe dich nicht verschreckt, es geht nicht so schlimm weiter. Die Erklährung davon was Banning ist, ist noch mal ein bisschen ungewöhlich, beruht aber aur SF Autoren Freiheit.
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Re: Kommentare und Kritiken zu Lillys Geschichten

Beitrag von Rainer Prem » Do 10. Dez 2015, 17:44

Hallo,

Nur so ein paar spontane Ideen:

Kennst du die Geschichten, wo Honor als Untergebene in Situationen kommt, in denen sie sich beweisen kann? Diese Katastrophe mit der Seilbahn im Skigebiet oder wo sie plötzlich auf dem Kommandantenstuhl sitzen muss. So etwas passt als Einstieg sehr viel besser als ein unmotivierter raketenhafter Aufstieg.

Was auch interessant sein kann, wäre jemand, der auf einem Handelsschiff aufgewachsen ist, sich also technisch bis zur letzten Schraube auskennt, und jetzt mit einer militärischen Hierarchie fertig werden muss. Es gab so einen Charakter damals bei Star Trek: Enterprise.

Oder die Tochter eines Admirals, die bewusst nicht zur Navy will, sondern als Junior-Offizier auf einem Handelsschiff anheuert. Interessant vor allem dann, wenn Konflikte nicht mit "missile spam" gelöst werden können.

Grüße
Rainer
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