[Projekt] Akasha

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Tom
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[Projekt] Akasha

Beitrag von Tom » So 22. Nov 2015, 19:23

  • Eine kurze Vorschau!
    Das Projekt läuft unter dem Titel Akasha, so wie auch das Universum heißt. Es ist ein Science Fiction Roman, der in einer anderen Welt, zu einer anderen Zeit spielt. Der Hauptcharakter, Alan Grau, wird während eines militärischen Einsatzes - der teilweise schief geht - schwerstens verletzt. Sein Körper wird durch den eines bionischen Klones ersetzt. Nach der Rehabilitation wird er zum Ahnen-Projekt versetzt, dass die Vergangenheit der Menschheit näher beleuchten soll. Während des 1000-jährigen Vergessens gingen viele geschichtliche Aufzeichnungen verloren. Zusammen mit seiner ungewöhnlichen Besatzung und einem Prototyp-Schiff mit Überlichtantrieb soll er andere Sonnensysteme erforschen und wiederbringen, was verloren gegangen ist.
  • Die Hauptpersonen!
    • Alan Grau wird getrieben von der Frage, was mit seinen Eltern passiert ist. Offiziell gelten sie zwar als tot, aber inoffiziell wurden sie nur als vermisst deklariert. Doch was steckt hinter ihrem Verschwinden? Bei seinen Nachforschungen stößt er immer wieder auf Schwierigkeiten. Um ihn los zu werden, haben ihn unbekannte Mächte zum Ahnen-Projekt versetzt und aus dem Sonnensystem vertrieben.
    • Melih Mavis gehört dem Geheimdienst der Menschheit an und ist in Alan verliebt. Während einer militärischen Operation war sie jedoch gezwungen auf Alan zu schießen und dadurch schwersten zu verletzen. Die Mission war zwar ein Erfolg, doch Mavis konnte sich mit ihrer Tat nicht abfinden. Bis zu ihrer Rekrutierung befand sie sich freiwillig in psychologischer Behandlung.
  • Eine Leseprobe ...
    ... wird dann kommen, wenn alles soweit unter Dach und Fach ist. ;)
  • Sachen, die ich bereits veröffentlicht habe:
    • X - Der Lauf des Lebens (In der Collectors Edition von X, einem Spiel der Schmiede EGOSOFT, zu finden)
    • Auf Messe(r)s Schneide (im Wunderwaldverlag erschienen)
  • Welche Motivation steckt hinter diesem Text? Wen will ich damit ansprechen?
    Auf alle Fälle will ich damit Freunde des Bereichs Science Fiction ansprechen. Egal ob jung oder alt. Ich hab mich an diesem Buch versucht, weil mir einfach die ganze Breite an Aliens, Robotern, usw. einfach zu eintönig und langweilig ist. Ich wollte einfach etwas neues und unverbrauchtes schaffen.

    Du willst mehr wissen?
    Dann sieh dir die Wiki an!

    Moment mal!
    Akasha ist doch ein Forenrollenspiel?!

    Richtig. Das FRPG basiert aber nur insoweit auf dem Projekt, als das die Namen der Welt und der Orte gleich sind. Weder die Rassen, noch alles andere steht in Verbindung mit dem Buchprojekt.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [Leseprobe] Akasha (Band 1)

Beitrag von Tom » So 22. Nov 2015, 19:24

Prolog <P> Einzelheiten (Januar 4416)

Alan Grau (Kommando & Sicherheit) - HELLION Installation; SolStrike Hauptquartier

Eine zerbrochene Welt. Grünblau, von rot glühenden Trümmern umgeben. Dazu kamen grauweiß leuchtende Satellitenfragmente eines zertrümmerten Mondes. Dies war seit Anbeginn der Weltenbrand-Zeitrechnung das Symbol der Menschheit. Selbst in den Jahrhunderten der Finsternis hatte es überlebt und gab Auskunft darüber, woher die Menschheit kam und was mit ihrer Heimstätte geschehen war.
Alan Grau stand an einem Panoramafenster und schaute auf die künstliche Sonne HELIOS hinab, die einst aus dem Gasriesen Jupiter hervorgegangen war. Eigentlich hätte sein Kopf voller Gedanken sein müssen, die in tausend verschiedene Richtungen gingen, doch in Wahrheit dachte er überhaupt nichts. Er stand einfach nur da, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt und der brodelnden Oberfläche der Kunstsonne zusehend. Aber er sah nicht nur HELIOS, sondern auch sich selbst – das Panoramafenster spiegelte. Das sollte es eigentlich nicht. Wahrscheinlich hatte jemand die Einstellungen der Lichtdurchlässigkeit verändert. Alan korrigierte sie nicht, sondern betrachtete sein Spiegelbild im Fenster. Nichts wies darauf hin, dass er nicht mehr in seinem echten Körper steckte, sondern in einem bionischen Klon. Diese, kurz BioK genannten Homunkuli, waren perfekte Kopien des Spenderkörpers. Durch Modifikationen am genetischen Code und der molekularen Struktur der Zellen waren BioK immun gegen Krankheiten, Gifte und andere schädliche Einflüsse. Die körperliche Widerstandsfähigkeit, Stärke und sogar die schärfe der Sinne, wie auch die Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität des Gehirns wurde um ein vielfaches gesteigert. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff Unsterblichkeit.
Es gab durchaus Wissenschaftler, die behaupten, dass der natürliche Tod eines Menschen im genetischen Programm eigentlich nicht vorgesehen und daher überflüssig sei. Vielleicht hatten sie recht, und vielleicht hat die Sehnsucht der Menschen nach dem ewigen –oder zumindest dem langen- Leben etwas damit zu tun.
Alan fühlte sich in seinem neuen Körper, der genauso wie sein Alter aussah, mehr als nur wohl. Bei einem Körpermaß von einem Meter achtzig zu siebzig Kilogramm Körpergewicht hatte er einen perfekt trainierten athletischen Körperbau. Unter den braunen Haaren befanden sich blaue Augen, die mit den kurzen Haaren und der gebräunten Haut harmonierte. Ein kurzer, ebenfalls brauner, Dämonenbart verschleierte sein Alter von zweiundfünfzig Jahren und ließ ihn wie in den Dreißigern wirken.
„Nun, Taicho Grau, haben Sie sich entschieden?“
Alan drehte sich um und sah auf den Konferenztisch hinab, an dem die wichtigsten Persönlichkeiten der solaren Flotte und der Helios Task Force saßen. Der ihn gerade angesprochen hatte, war Taisho Johnathan Mitchell, koordinierender Oberbefehlshaber aller militärischen Einheiten der Menschheit.
„Ich soll einen Politiker bei dieser Mission mitnehmen und im Gegenzug dazu wird mein angefordertes Personal nur teilweise genehmigt? Praktisch gestrichen! Für mich sieht es so aus, als stünden die Entscheidungen bereits fest.“
Alan hatte zu niemanden genau gesprochen, doch hatte er jeden Einzelnen in der Runde angesehen.
Mitchell antwortete. „Wie immer bringen Sie es genau auf den Punkt. Aber ich muss sie doch auch korrigieren: Sie werden keinen Politiker mitnehmen, sondern nur einen Attaché.“
„Welcher Fraktion gehört er oder sie an?“
Die Runde wurde etwas unruhig. Anscheinend hatte es darüber Diskussionen gegeben und nicht alle waren mit dem Entschluss zufrieden.
„Er, gehört der SHF an.“
„Stellare Heimatfront?!“
Jetzt wusste Alan, warum die anderen Taishos so unruhig geworden waren. Die Stellare Heimatfront war eine Organisation, die im Vordergrund sich für die Bedürfnisse der Menschen einsetzten. Doch man brauchte nicht allzu genau hinsehen, dann konnte man bereits deren wahre Mentalität und Ziele erkennen. Sie verbreiteten Angst vor den METAs und schürten den Hass gegen modifizierte Menschen, wie zum Beispiel den bionischen Klonen. Eigentlich hätte diese Organisation verboten werden sollen, doch durch rechtliche Schlamperei hatte das Verfahren eingestellt werden müssen. Das Schlimme daran war nicht, dass ein Verbot gescheitert war, sondern dass diese Fraktion nun im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand und sie, erschreckender Weise, erhöhten Zulauf bekamen. In früheren Zeiten war durch Aufklärung die Angst vor Andersartigkeit abgebaut worden. Doch da es in den letzten Jahren immer häufiger zu Engpässen in der Versorgung kam, -der Grund war eine enorme Bevölkerungsexplosion- griffen die Menschen nach jedem Ast. Sogar nach jenen, bei denen sie wissen mussten, dass sie faul und morsch waren.
„Scheint so, als hätte ich keine Wahl. Wohl oder übel akzeptiere ich diese Bedingungen. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich muss noch ein paar Sachen erledigen und mein Shuttle erreichen.“
Ohne darauf zu warten vom Gremium die Erlaubnis zu erhalten wegtreten zu dürfen, ging Alan einfach. Er hatte bereits seine Sachen gepackt und diese in ein Shuttle bringen lassen.

Hinter dem kleinen KOLIBRI blieb die über fünftausend Kilometer lange und an der breitesten Stellen tausend Kilometer durch messende nadelförmige Rauminstallation namens HELLION zurück. Alan Grau überließ der künstlichen Intelligenz die Steuerung des Shuttles und verbrachte die mehrere Stunden umfassende Reisedauer damit die Vorbereitungen für die Mission zu einem Abschluss zu bringen.


Melih Mavis (Agent) – ACCOLYT Installation; SolGhost Hauptquartier

Die Erde wurde durch eine Explosion aufgerissen und Melih hechtete mit einem gewagten Sprung hinter einen massiven Felsen in Deckung. Aber bei der Bewaffnung der Terroristen, würde dieser Felsen bald zu glühender Schlacke werden. Wie hatten diese Fanatiker die ACCOLYT Station gefunden? Die Antwort auf diese und andere Fragen mussten warten. Melih registrierte, dass der Felsen, der ihr Deckung bot, wärmer wurde. Bald würde er schmelzen oder zerspringen. Melih wusste es nicht genau, denn sie war keine Geologin und kannte daher auch nicht die Eigenschaften des Felsens. Sie wollte es auch gar nicht abwarten was mit dem Felsen geschah und machte eine Ausfallrolle nach rechts. Als sie wieder auf die Beine kam, wurde sie mehrfach in die Brust getroffen und fiel nach hinten, in den vorhin entstandenen Explosionskrater.
Das war `n Bums, dachte sich Melih und stand wieder auf. Der Schild ihrer Rüstung hatte die auftreffenden Schüsse abgefangen und dabei nur wenig Energie verloren. Neben der Schildenergie wurde auch der Zustand der Panzerung und diverse Daten der Umgebung durch Nanoverbindungen direkt in ihr Bewusstsein übertragen. Da die Schilde auch die untere Fußseite abdeckte und somit auch vor Minen schützte, hatte Melih das Gefühl sich auf Eis zu bewegen. Obwohl sie in dieser Kampfmontur schon öfters trainiert hatte, stellte es für sie immer noch eine kleine Herausforderung dar einen stabilen Stand zu haben. Doch dank ihrer Ausbildung hatte sie sich schnell wieder gefangen und balancierte den Energieschild aus, der ihre Füße einige Millimeter über den Boden schweben ließ. Ein Gedanke genügte und die beiden kleinen Antigrav-Generatoren an den Füßen ließen sie in mehrere Meter Höhe aufsteigen. Melih wusste, dass dies ein gewagtes Manöver war, weil sie so ein gut anvisierbares Ziel darstellte, aber durch den Schutzschirm und die Panzerung fühlte sie sich sicher.
Ein Scan der näheren Umgebung brachte das Versteck der Eindringlinge zutage. Sie hatten sich in einer kleinen Höhle in ungefähr hundert Metern Entfernung verschanzt. Ohne lange zu zögern flog sie auf den Unterschlupf zu. Dabei richtete sie sich so aus, dass sie horizontal flog und somit den Gegnern wenig Angriffsfläche bot. Aus ihren beiden Pulsatoren, jeweils einer auf dem Handrücken, feuerte sie auf den Schlupfwinkel. Einige ungezielte Strahlschüsse waren die Antwort. Melih hatte mehr erwartet. Doch kaum als sie ihren Sinkflug begann, um die Bande auszuräuchern, wurde sie auch schon von einem mächtigen Energiegeschoss getroffen. Mehrere Meter torkelte sie unkontrolliert durch die Luft, doch anstatt ihre Lage zu stabilisieren, machte sich Melih unsichtbar. Erst als die Rüstung das Licht um sie herum geleitet hatte, stabilisierte sie Flugbahn und Lage. Geräuschlos und unsichtbar für andere, flog sie knapp über dem Boden auf ihre Gegner zu. Weder Druckwellen noch Staubwolken verrieten sie. Die Eindringlinge verließen ihre Deckung. Wohl um zu überprüfen, ob sie sie wohl erwischt hatten. Unbemerkt von den Terroristen landete sie hinter ihnen und enttarnte sich. Diese Fanatiker waren so sehr durch die Suche nach den Überresten von Melih beschäftigt, dass sie nicht bemerkten, wie hinter ihnen das Verderben die Hände nach ihnen ausstreckte.
„Buh!“ Sagte Melih.
Die drei Männer und zwei Frauen drehten sich um und rissen ihre Strahler bereits in die Höhe, doch es war bereits zu spät. Obwohl die grünsilberne Rüstung massiv wirkte, behinderte sie den Träger erstaunlicher Weise nicht im geringsten in seiner oder ihrer Bewegungsfreiheit. Feiner Nebel kam aus einer kleinen Handfeuerwaffe, die Melih bis dato an der Rüstung versteckt gehalten hatte und traf jeden der fünf Gegner in weniger als zwei Sekunden. Wie erstarrt blieben die Getroffenen stehen und blicken an ihre Brust hinab, wo sich ein roter Fleck ausbreitete. Einer der Männer fasste sich mit der Hand an die Brust, wischte etwas dieser zähflüssigen Masse in seine Hand und nahm sie dann in den Mund.
„Himbeere? Hast du das gemacht?“ Spöttelte der Mann.
„Pah!“ Machte Melih und winkte ab.
Als das Training vorbei war und Melih sich auf dem zur Rüstkammer machte, wurde sie von ihrem Vorgesetzten abgefangen.
„Agent Mavis.“
„Sir! Was kann ich für Sie tun?“
„Sie wurden angefordert.“
„Sir?“
„Eine Mission, Mavis. Sie bekommen einen Auftrag.“
„So plötzlich? Nach meinem letzten Einsatz wurde ich beurlaubt.“
„Da Sie ja wieder am Training teilnehmen, dürfte sich das wohl erledigt haben.“
„Anscheinend. Wie lautet mein Auftrag?“
„Kennen Sie das Ahnen-Projekt?“
„Natürlich. Ein Schiff, mit dem ersten einsatzfähigen interstellaren Antrieb, soll das SOL-System verlassen und sich auf die Suche nach bewohnbaren Planeten machen, die kolonisiert werden können. Nebenbei soll herausgefunden werden, ob es bereits menschliche Kolonien gibt. Wenn ja, dann soll herausgefunden werden, wie alt sie sind, ob sie uns wohl gesonnen sind und ob sie Aufzeichnungen über unsere Vergangenheit haben. Betreffs dem tausendjährigem Vergessen und dem Zeitalter vor dem heiligen Weltenbrand. Des Weiteren wird ein Kontakt mit Aliens einkalkuliert, aber nicht für sehr realistisch gehalten.“
„Sie machen ihrem Rang als Agent alle Ehre.“
„Danke, Sir! Sie wollen mir aber jetzt nicht sagen, dass ausgerechnet ich für diese Mission ausgewählt worden bin?!“
„Sie wurden vom Taicho dieses Schiffes angefordert.“
„Wenn ich fragen darf, von wem wurde ich angefordert?“
„Sie dürften denjenigen kennen, der Sie angefordert hatte.“
„Wer ist es?“
„Alan Grau.“
Melih erstarrte und der ihr gegenüberstehende Offizier konnte trotz des eingefahrenen Helmes nicht ihren Gesichtsausdruck deuten. Er lag irgendwo zwischen freudiger Erwartung und panikartiger Furcht. Ihre braunen Augen flackerten. Einige Falten bildeten sich, verschwanden aber sofort wieder aus ihrem hellbraunem Gesicht, dass von langen schwarzen Haaren umrandet wurde.

Die ACCOLYT Rauminstallation konnte es von der Größe her mit der HELLION aufnehmen. Diese sogar noch in den Schatten stellen, da ACCOLYT immer weiter ausgebaut wurde. Doch als Melih mit einem getarnten Schiff von der geheimen Basis weggebracht wurde und aus dem Fenster schaute, konnte sie nichts davon erkennen. Das Hauptquartier des SolGhost war unsichtbar und änderte ständig seine Position im Sonnensystem.


Elsu Roha (Geistermönch) – Erd-Konstrukt; Geisterorden

Halb transparent schwebte eine Gestalt vor Elsu Roha und ein schweres Seufzen entrann ihrem Mund. Zwar befand sich dieser im Gesicht, doch das Gesicht oder besser gesagt der Kopf, wurde unter dem Arm getragen. Ein Geist.
„Was ist, DON KI SCHOTTE? Langeweile?“
Der Geist schwebte neben Elsu her und betrachtete den Mitsechziger. Kurze graue Haare standen ein wenig im Kontrast zu dem langen dem Boden entgegen strebendem Bart. Grüne Augen dominierten das helle Gesicht, das für dieses Alter noch äußerst glatt wirkte, obwohl doch schon ein paar Falten hier und da zu erkennen waren.
„Ein bisschen Krach-Bumm wären nicht schlecht, sonst werden meine Waffen noch rosten.“
Elsu sah zu, wie der Geist seinen Kopf wieder auf dessen Rumpf setzte und dann an sein Schwert fasste und es wild in der Gegend herumwirbelte. Mit dem Schwert durchdrang der Geist den Körper Rohas.
„Verzeihung.“
„Vorsicht. Sonst könnte man glatt meinen deine holographische Projektion hat es auf mich abgesehen.“
Elsu lachte und merkte dabei kaum, dass die Projektion von DON KI SCHOTTE immer mehr undurchsichtiger und farbenfroher wurde. Die künstliche Intelligenz der Verteidigungsanlage hatte einen Faible für antike Persönlichkeiten entwickelt. Normalerweise wählten künstliche Intelligenzen ihre Gestalt dauerhaft für ihre Existenz aus oder wurde vorprogrammiert. Es kam auch vor, dass mit der Erlangung des Persönlichkeitsrechts eine neue Gestalt angenommen wurde, die der Persönlichkeit der KI besser gefiel. Vielleicht war es tatsächlich nur Langeweile, die DON KI SCHOTTE dazu veranlasste immer wieder sein Äußeres zu wechseln. Aber Elsu machte sich eine geistige Notiz, dass Psychomechaniker mal die KI unter die Lupe nehmen sollten. Vielleicht hatte sich ein Fehler in der Matrix eingeschlichen, was die KI vielleicht zu einer Gefahr machen könnte. Es wäre nicht das erste mal gewesen, dass eine künstliche Intelligenz wahnsinnig wurde.
„Ich würde niemals gegen dich vorgehen, das weißt du. Außer natürlich, du würdest dich gegen das Archiv stellen.“
„Was ich natürlich nie tun werde. Das Archiv ist meine Heimat. Hier wurde ich geboren, hier wuchs ich auf und gedenke auch hier meine letzten Tage zu verbringen.“
„Mir geht es genauso. Wobei meine Heimat die Mond-Verteidigungssphäre ist. Aber du solltest dir keine Gedanken über deine letzten Tage machen. Menschen können gut hundertfünfzig Jahre alt werden. Du hast noch nicht einmal die Hälfte deiner Lebensspanne erreicht.“
Plötzlich blieb die holographische Projektion von DON KI SCHOTTE stehen und eine laue Brise schien sein langes blondes Haar zu umwehen. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die KI eine größere Datenmenge verarbeitete.
„Ich habe soeben von ADAM die Mitteilung erhalten, dass für dich eine Nachricht von einem gewissen Alan Grau eingetroffen ist. Du sollst ihn angeblich kennen. Signiert und kodiert wurde die Nachricht von SolStrike. Ich soll dir ausrichten, dass die Nachricht in deinem Quartier decodiert zum Abruf bereit steht. Zudem hat er mich zu einer Runde ‚Simulierter taktischer und strategischer Systemkampf’ eingeladen. Wenn du mich bitte entschuldigen würdest.“
Damit verschwand das Hologramm und Elsu Roha war alleine in einem leeren Gang.
„Gespenstisch.“ Meinte Roha und schmunzelte.

Alan Grau, dachte sich Elsu, als er die Nachricht gelesen hatte. Es war nur eine Textbotschaft, aber diese hatte in ihm ein widersprüchliches Echo ausgelöst. Einerseits freute er sich darauf seinen alten Weggefährten wieder zu sehen. Andererseits machte er sich Sorgen um seinen Freund. Vor allem nach den Geschehnissen der letzten Jahre. Elsu Roha machte sich auf, die Wünsche seines alten Freundes zu erfüllen und versuchte sich nebenbei auf das Kommende vorzubereiten. Doch nichts konnte einem davor wappnen, was kommen würde.


Otto Eckehard (politischer Attaché) - Mars; High Council

Der Umgang mit Andersartigen gehörte schon immer zu den Problemen, die für viele Menschen unlösbar waren. Schwerer als in anderen Bereichen können Menschen sich in dieser Beziehung von der Dominanz uralter Verhaltensmuster lösen. Bedenkt man aber, welche Schwierigkeiten viele Menschen haben, wenn sie mit Angehörigen eines anderen Kulturkreises zu tun haben, wird einem wohl bewusst, zu welchen Emotionen die Begegnung mit Außerirdischen führen würde – vor allem, wenn diese Fremden monströse Geschöpfe wären.
Einer dieser Menschen war Otto Eckehard. Er hatte Probleme mit allem und jedem, was anders war. Was nicht in sein Konzept von normal passte und damit eckte er überall an, was ihn immer wieder Schwierigkeiten einbrachte und zu Rückschlägen in seiner Karriere als Politiker führte.
In den Spiegel blickend fragte sich Otto, ob er sich richtig entschieden hatte. War es wirklich klug gewesen in die Stellare Heimatfront einzutreten? Sicher, er hatte hier viele Gleichgesinnte getroffen und war nicht auf Ablehnung gestoßen. Seine Meinung wurde gerne gehört und infolge dessen, dass er immer -beinahe- ehrlich sagte was er dachte, machte er schnell Karriere bei der politischen Fraktion SHF. Otto wusste, dass es auch eine paramilitärische Organisation gab, die sich im Untergrund aufhielt und illegaler Weise Anschläge verübte. Von offizieller Seite wurde das natürlich bestritten, aber es war so etwas wie ein offenes Geheimnis. Man musste die Menschheit schützen. Vor den Veränderungen. Vor den Klonen. Vor bionischen und cybertechnischen Implantaten. Auch davor, dass künstliche Intelligenzen den Status einer freien und eigenständigen Person erhielt. METAs waren für Otto die gefährlichste Entwicklung. Wer wusste schon, was diese Leute mit ihren Fähigkeiten alles anstellen konnten? Da war er sich sicher. Aber zu welchem Preis und mit welchen Mitteln?
Blinzelnd und den Kopf schüttelnd wusch sich Eckehard das Gesicht aus. Seine schwarze Hautfarbe und die ebenso schwarzen Haare, wurden von den braunen Augen in den Hintergrund gedrängt. Sie leuchteten wissend und mit seinen siebenundzwanzig Jahren, kam darin auch eine Abgeklärtheit zum Ausdruck, die man nicht bei einem Mann solchen Alters erwartet hätte. Otto richtete sich zu seiner vollen Größe von einem Meter neunzig auf und trocknete sich ab. Sein sportlicher Körper zeigte trainierte Muskeln und einen Waschbrettbauch, den viele andere Männer wohl beneidet hätten, wenn sie darum gewusst hätten. Und noch um einiges mehr. Aber entgegen seiner Erscheinung war Otto ein Mann, den man übersehen konnte. Er gab sich unauffällig und still. Ein guter Zuhörer war er. Das war auch der Grund, wieso er so schnell zum Attaché des Fraktionsführer aufgestiegen war. Er wusste, wer welche schmutzige Wäsche zu waschen hatte. Wer was hören wollte. Wer welche Sichtweise hatte und worin seine Zielsetzungen bestanden. Otto hatte sich als das Wissen angeeignet und aus dem Hintergrund intrigiert. Es war nicht so, als das er es hätte machen müssen, aber es war leichter und in vielen Situationen auch angenehmer so zu handeln. Die meisten wussten gar nicht, dass sie von ihm manipuliert worden waren. Und die, die es wussten, hielten ihre Klappe, da sie wiederum wussten, was Otto Eckehard alles mit seinem Wissen machen konnte.

Weiße Schuhe, weiße Hose, weißes Jackett und ein schwarzes Hemd mit einer weißen Krawatte, zudem eine silbern verspiegelte Sonnenbrille, das war Ottos tägliche Ausgehuniform. Doch diesmal würde er nicht mit seinem Datenkästchen in das politische Forum des solaren Hohen Rates spazieren und an den endlos erscheinenden Monologen und Dialogen aller Fraktionen und Politikern teilnehmen, sondern zum Raumhafen spazieren und dort ein Transfershuttle zu den Werften im Orbit des Saturns nehmen. Otto hätte sich auch ein Gleitertaxi nehmen können, dann wäre er in ein paar Minuten an seinem Ziel gewesen, doch er nahm die längere Zeit in kauf, um sein Ziel zu erreichen, schließlich musste er noch über einige Dinge nachdenken. So zum Beispiel darüber, wieso ausgerechnet er dazu auserkoren wurde am Ahnen-Projekt teilzunehmen. Sicher, es musste einen politischen Teilnehmer auf dieser Mission geben, der befugt war mit potentiellen menschlichen Kolonien Verhandlungen zu führen. Sogar im unglaublichen Fall eines Erstkontakts mit einer Alienrasse. Doch es gab tausende anderer Politiker und Attachés, die weit mehr Kompetenz und Ansehen genossen als er. Irgendwas steckte dahinter, doch Otto wusste nicht was. Und das machte ihn nervös. Die Nervosität wurde ein wenig gelindert, als er zum Himmel sah und die angenehme Röte des Himmels sah und einige wenige vereinzelte silberne Wolken ihrer Wege zogen.


Ai Yuna (Medizin & Psychologie) – Asteroidengürtel; Medizinischer Kreuzer STELLA 55

„Diese verrückten Kids!“ Schimpfte Ai.
Als sie auf die im Raum schwebende Projektion sah, sah sie zwei brennende Raumschiffwracks, die sich nur wenige Kilometer entfernt von der STELLA 55 im Raum ineinander verkeilt hatten. Es waren bereits Bergungsschiffe vor Ort und hatten damit begonnen das Schlimmste zu verhindern. In diesem Fall war es das Entweichen der Luft aus den beiden kleinen Privatlinern, sowie das Eindämmen des Brandes. Grund dafür war, dass die Piloten der beiden Schiffe noch nicht geborgen werden konnte. Was auch immer der Grund dafür sein mochte. Ai war keine Technikerin oder ein Ingenieur, also konnte sie auch nicht sagen vor welchen Problemen diese standen. Sie wartete nur darauf, dass endlich die beiden in die Krankenstation gebeamt wurden, damit sie mit ihrer Untersuchung beginnen konnte. Notfalls mit einer Behandlung.
Den genauen Unfallhergang kannte sie nicht, aber es gab einen groben Bericht. Zwei Jugendliche -einer neunzehn, der andere zwanzig und damit beide noch minderjährig, da die Volljährigkeit erst ab dem vollendetem einundzwanzigsten Lebensjahr nach einem Test vergeben wurde- hatten die Privatliner ihrer Eltern entwendet und damit ein Rennen untereinander ausgetragen, was schließlich in einer Kollision endete. Ai hatte sich bereits Notizen gemacht. Eine dieser Bemerkungen würde an das zuständige Amt für soziale Eingliederung gehen, die auch die Tests für die Volljährigkeit durchführten, und darauf bestehen, dass die beiden Jugendlichen verschärfte Auflagen bekamen. Ai wusste bereits jetzt, dass die beiden Jugendlichen durchfallen würden, aber das kümmerte sie wenig. Wenn sie so verantwortungslos waren und andere Menschen durch ihr unüberlegtes Handeln in Gefahr brachten, dann war es sogar zwingend diese beiden aus den Verkehr zu ziehen.
Ein dumpfer Bass, sowie ein hohes Summen erfüllten gleichzeitig den Raum. Doktor Yuna wusste, dass dies Luftmoleküle waren, die zur Seite geschoben wurden, um der neu entstehenden Masse Platz zu machen. Einem jeden Kind wurde bereits mit vier Jahren im ersten Schuljahr beigebracht, was diese Töne zu bedeuten hatten und das man sich dann schleunigst zurückziehen sollte. Wenn nicht, endete das übel. Während ihres medizinischen Studiums hatte Ai mit Teleportationsunfällen zu tun gehabt. Kein schöner Anblick, wenn zwei Körper (und damit waren nicht nur zwei Organismen gemeint) miteinander verschmolzen. Im Raum vor ihr wirbelten viele bunte Kügelchen durcheinander, die sich bereits nach wenigen Sekunden zu Körpern verfestigten. Das faszinierende Schauspiel spiegelte sich in den gepanzerten und abgeschirmten Fenstern wieder. Kurz fokussierte Ai nicht die sich verdichtenden Moleküle und Atome, sondern ihr eigenes Spiegelbild. Es zeigte eine Frau von zweiundvierzig Jahren, mit langen kastanienbraunem Haar, blauen Augen und hellem Teint. Stöhnen und Husten drang an ihre Ohren und sie betrat den Behandlungsraum, wo die beiden Jugendlichen auf den Behandlungstischen lagen. Ai trat ein.
„Was ist passiert?“ Fragte die Ärztin.
„Mein Freund ... ist zu dämlich zum Fliegen!“ Antwortete der eine Junge.
„Selber ... unfähig! Lahme Mühlen!“ Erwiderte der andere.
Ai merkte sofort, dass diese beiden nichts aus diesem Unfall gelernt hatten und sah sich in ihrem Entschluss gefestigt, die beiden zu melden.

Ai Yuna war froh, als ihr Dienst an diesem Tag zu Ende ging. Es war ihr letzter Tag auf diesem Schiff. Sie würde den Trubel, den Stress, aber auch die Herzlichkeit vermissen. Aber so stark dieses Gefühl auch war, ein anderes war stärker: Freude. Freude darüber, dass sie an der Ahnen-Mission teilnehmen durfte. Diese Mission, ob erfolgreich oder nicht, würde sich gut in ihrer Laufbahn machen, um die Karriereleiter hochzuklettern. Aber das war nicht ihr einziger Gedanke dabei. Sie hatte auch Lust auf ein Abenteuer. Ai wusste jetzt noch nicht, was für Abenteuer auf sie zukommen würden. Wenn sie es gewusste hätte, sie wäre wohl vor Begeisterung gestorben.


Scott McDonald (Technik & Ingenieur) - Kuipergürtel; KUIPER-VERTEIDIGUNGS-SPHÄRE

Scott McDonald schimpfte und fluchte herzlich und ausgelassen. Die Schimpfwörter und Flüche, die er benutzte hätten jeden Kobold und Klabautermann in die Flucht geschlagen, so denn es welche gab. Scott glaubte daran. Es musste sie einfach geben, denn wenn es sie nicht gab, dann hätte diese verfluchte Maschine funktioniert. Eigentlich hätte sie funktionieren müssen. Aber warum zur Hölle funktionierte sie dann nicht? Es war zum Verzweifeln. Seit geschlagenen zweiundzwanzig Stunden war Scott auf der Suche nach dem Fehler. Zuerst sah es so aus, als wäre es ein Fehler in der Programmierung. Also hatte sich Scott daran gemacht den ganzen Code –wirklich den ganzen- zu durchforsten und stieß hier und da auf einige falsch gesetzte Zeichen. Doch dies wäre der kontrollierenden KI aufgefallen, wenn man diese Maschine bereits ihr übergeben hätte. Die KI hätte diese kleinen Fehler sofort ausgemerzt. Doch leider gab es hier keine KI, also musste alles von Hand überprüft werden. Dreizehn Stunden hatte es gedauert, bis alles durchgesehen worden war, aber die kleinen Fehler waren nicht dafür verantwortlich, dass die Maschine nicht lief. Also musste der Fehler augenscheinlich in der Mechanik liegen. Seit neun Stunden kroch Scott McDonald nun schon an, in und über der Maschine. Doch bis jetzt hatte er den Fehler noch nicht gefunden. Wo hatte dieser kleine vermaledeite Kobold seine kleinen Fingerchen mit im Spiel?
„Isotronischer Schaftwandler!“ Schrie er aus dem Inneren des Kabelgewirrs heraus.
Ein Assistent reichte ihm das angeforderte Werkzeug durch das Gewirr hindurch in die Maschine hinein. Scott wusste, dass er gefährlich lebte. Vor allem jetzt, da er in den Eingeweiden einer Waffe herum kroch. Um genau zu sein: Er kroch neben der Fusionskammer eines Strahlenemitters in den koordinierenden Schaltungen herum. Natürlich hatte McDonald zuvor dafür gesorgt, dass die Verbindungen mit dem Atomreaktor getrennt waren und so kein absichtlicher Lade- und Abschussvorgang initialisiert wurde. Scott war sich aber vollkommen darüber im Klaren, dass er es eh nicht mitbekommen hätte, wenn die Waffe in Aktion getreten wäre. Innerhalb eines Wimpernschlags hätte sich sein Körper durch die gewaltigen Energien in seine elementaren Bestandteile aufgelöst. In den letzten Stunden hatte sich Scott des Öfteren gefragt, was er hier eigentlich noch tat. Natürlich arbeiten. Er wollte seinem Nachfolger keine unerledigten Arbeiten übrig lassen. Es knisterte und Scott bekam einen elektrischen Schlag. Sofort begann er wieder von ganzem Herzen zu fluchen.
„Was für ein Idiot hat die zweite G-Parallelschaltung auf blau gestellt?“
Natürlich meldete sich niemand. Sauer und angefressen kroch Scott aus der Maschine heraus und gab ihr einen heftigen Tritt an die Wandung. Dann schmiss er den isotronischen Schaftwandler in eine Ecke und verließ den Asteroiden M24-X13.

Scott McDonald hatte nicht mal mehr Zeit um sich zu waschen oder umzuziehen. Er war spät dran. Wenn er nicht pünktlich war, würde das Ahnen-Projekt wohl ohne ihn starten. McDonald war sich im klaren drüber, dass man auf ihn warten würde, doch es machte keinen guten Eindruck, wenn man zu spät kam. Eigentlich hatte er es nur einem Zufall zu verdanken, dass er an dieser Mission teilnehmen konnte. Während seiner freien Zeiten, und wenn er nicht gerade mit ein paar Kumpels einen hob, dann war er meistens in Virtual City One zu finden, wo er sich über neueste Technologien informierte. Nebenbei gab er einige Kommentare von sich, die meistens keine Beachtung fanden. Doch einer dieser Kommentare führte dazu, dass der Spin-Antrieb funktionsfähig gemacht werden konnte und das den Menschen erlaubte endlich andere Sonnensysteme zu erreichen. Scott freute sich wie ein kleines Kind.


Jane O’Neal (Wissenschaft & Kommunikation) – GIGA-Habitat; Venus-Orbit

Auf dem Rücken im Gras liegend sah Jane hoch zum Himmel. Natürlich wusste sie, dass dieser Himmel künstlichen Ursprungs war. Entsprechend waren auch ihre Gedankengänge. Hatte jemand in der Umweltkontrolle Langeweile? Jane fragte sich dies, weil der Himmel den ganzen Tag über bereits einen Stich ins Grüne aufwies und nicht blau war. Oder war etwas in die Umweltanlagen gelangt, was diesen Effekt hervorgerufen hatte? Vielleicht war aber auch ihr erster Gedanke richtig und jemand fand es witzig dem Himmel einen neuen Anstrich zu verpassen.
Jane wälzte sich herum und beobachtete eine Familie von Chamillas. Diese unnatürlichen Wesen waren von der Bernal Corporation zwischen den Jahren 1146 und 1578 nHWB genetisch gezüchtet worden. Das Ziel dieser Experimente bestand darin Tiere zu erschaffen, die mehr Ertrag an Nahrungsmitteln erbringen konnten. Doch diese Experimente liefen aus dem Ruder. Allen voran hat die Jupiter Allianz diese Experimente finanziert, um militärische Vorteile daraus zu ziehen. In den letzten zweitausendfünfhundert Jahren war man damit beschäftigt gewesen diese Experimente ausfindig zu machen und zu eliminieren, damit sie nicht die anderen Habitate kontaminierten und somit das ganze ökologische Gleichgewicht aus dem Konzept bringen konnten. Natürlich ging ein Aufschrei der Tierschützer durch das Sonnensystem. Die Kunstwesen konnten schließlich ja nichts für ihre Existenz. Doch der Schutz der Ökologie und Ökonomie hatte Vorrang. Es war ein grausiges Spiel, dass die Politiker spielten, doch die Tierschützer fanden einen Weg ihren Willen durchzusetzen. Sie sammelten Spenden und ließen einige alte Raumstationen von Typ Bernal und O’Neill restaurieren, die sich im Orbit um Venus befanden und auf ihre endgültige Wiederverwertung warteten. Doch anstatt recycelt zu werden, wurden sie die neue Heimat der Kunstwesen. In den Jahrhunderten wurden die Stationen miteinander verbunden. Dadurch entstand eine gigantische Habitatstation, die die Venus als Ring umgab und in denen es alle möglichen Klimazonen gab. Zivile Schiffe hatten und haben immer noch keine Berechtigung diese Habitate mit ihren ökologischen Besonderheiten an zu fliegen. Doch es gab immer wieder Führungen, die von der damals gegründeten Tierschutz Organisation SIGMA LIFE, durchgeführt wurden. Eine Art stellarer Zoo für kuriose Wesen.
Jane verhielt sich still, um die Chamillas und ihre beiden Jungen nicht zu erschrecken. Doch irgendwie wussten sie, dass sie beobachtet wurden. Die gorillaähnlichen Wesen mit ihrer schuppigen Panzerung sahen nach allen Seiten. Jane wusste, dass diese Kreuzung aus Gorilla und Chamäleon durch ihre besondere Fähigkeit sich an Struktur und Farbe anpassen konnten. Da die Familie sich gerade an einer Baumhöhle befand, veränderte sich deren Schuppenkleid so, dass sie die Farbe und das Muster von Holz imitierte. Hätte man nicht gewusst wonach man suchte, so wäre man einfach an dem Baum vorbeigegangen ohne die einen Meter lang werdenden Säuger zu sehen.

Für Jane O’Neal war die Zeit des Abschieds gekommen. Sie strich sich ihre blonden Haare hinter ihre Ohren und betätigte einen Kommunikator, mit dem sie Kontakt zu einem Transfershuttle aufnahm und sich an Bord beamen ließ. Ihre blauen Augen sahen aus dem Panoramafenster hinaus und blickte zum GIGA-Habitat, dass schnell kleiner wurde und dann mit der Schwärze des Universums verschmolz.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [Leseprobe] Akasha (Band 1)

Beitrag von Tom » So 22. Nov 2015, 19:24

Eins <1> Briefing

Friedlich zogen rote Wolken über den gelben Himmel von Titan. Die Sonne Helios lugte hinter dem Gasriesen Saturn hervor, der drohend am Himmel hing. Man konnte meinen, dass er einem bald auf den Kopf fallen würde. Nicht nur von der planetaren Überwachungsstation aus konnte man das feine Geäst sehen, dass sich über Saturn spannte, sondern überall auf Titan und den über sechzig Nachbarmonden war diese Konstruktion zu erkennen. Dies war die Planetenwerft EVA. Sie umspannte ganz Saturn in einem Abstand von vierhundertvierundsechzig Kilometern von seiner Atmosphäre entfernt und hatte damit einen Durchmesser von einhunderteinundzwanzigtausend Kilometern. Dennoch konnte die Planetenwerft keinen einzelnen der weit über einhunderttausend einzelnen Saturnringe berühren, da diese erst über siebentausend Kilometer von der Saturnoberfläche entfernt begannen.

Langsam hob und senkte sich der Brustkorb von Alan Grau. Wie eine Statue mit verschränkten Armen stand er im Korridor und starrte mit finsterer Miene vor dem Meta namens Elsu Roha. Als Melih Mavis in eben diesen Korridor einbog und dies sah, erschrak sie und zog sich hastig wieder in den Nebengang zurück, aus dem sie gerade gekommen war. Hoffentlich hat er mich nicht gesehen, dachte sie sich.
„Sie ist hier.“ Sagte Elsu.
„Ich weiß. Ich hab’ sie bemerkt.“ Antwortete Alan.
Melihs Herz raste. Zwei Jahre war es her, seit es passiert war. Bis heute hatte sie sich gefragt, wie sie sich fühlen würde, wenn es zu einer Begegnung mit ihm kommen würde. Alan Grau. Melih fühlte Angst. Ihr wurde heiß und ihre Instinkte rieten ihr zur Flucht. Renn, flüsterten sie, renn so schnell und so weit weg, wie du nur kannst. Um die Ecke spähend sah Melih, dass sich Alan nicht um einen Millimeter gerührt hatte. Erst jetzt bemerkte sie die zweite Person, die bei Alan stand. Wer war der Andere? Melih kannte ihn nicht.
„Sie hat Angst.“
Alan war überrascht. „Vor mir?“
„Auch. Sie gibt sich die Schuld für die Sache von damals.“
„So ein Unsinn. Sie hat nur ihre Arbeit gemacht und das habe ich auch damals gesagt.“
„Das ändert nichts daran, dass sie leidet.“ Elsu hob die Hand, um Alan Einhalt zu gebieten, der etwas sagen wollte. „Sie fürchtet sich davor dir unter die Augen zu kommen. In ihrem Inneren ist sie wie ein kleines Kind. Sie hat Angst davor, dass du auf sie wütend wirst, dass du sie ablehnst und wegschickst.
Nein.
Dass du sie angefordert hast ändert nichts an der Tatsache. Zumindest für sie. Ich kenne deine Gedanken. Die Melih, die sich jetzt im Seitengang dort drüben versteckt, ist nicht mehr die gleiche Melih, die du von früher kanntest. Ich weiß, dass du sie angefordert hast, weil sie damals vollkommen korrekt gehandelt hat und du jemanden willst, der wieder korrekt handeln kann. Dazu brauche ich meine telepathischen Fähigkeiten nicht bei dir einsetzen. Aber ich habe Melihs Geist erkundet und bin der Meinung, dass du sie durch jemanden anderen ersetzen lassen solltest.“
Alan blickte zum Seitengang. „Mavis, komm raus.“ Seine Stimme klang hart.
Melihs Herz machte einen Sprung und sie meinte, dass es ihr aus dem Körper springen würde. Sie ging einen Schritt und merkte, dass sie am ganzen Körper zitterte.
Und ich soll ein Agent von SolGhost sein? Eine schöne Agentin bin ich.
Melih atmete tief durch und trat dann in den Korridor. Sie schritt auf Alan und seinen Gesprächspartner zu. Je näher sie sich Alan näherte, desto mehr Panik stieg in Melih auf. Dennoch riss sie sich zusammen und blieb zwei Meter vor dem Mann stehen, den sie einst ins Unglück gestürzt hatte.
„Agent Mavis meldet sich zum Dienst, Sir.“ Ihre Stimme hatte einen leisen Unterton. Irgendwie flehend. Mach es schnell, betete sie bei sich.
„Wie geht es dir?“
Alans Stimme war nicht feindselig, doch hielt Melih diese Frage für ein schlechtes Omen.
„Gut.“ Melih fragte sich, ob sie die Frage erwidern sollte. Schon aus reiner Höflichkeit musste sie es tun. „Und wie geht es Ihnen?“
Alan zog eine Augenbraue hoch und sah Melih schief an. Ich wusste es, dachte diese, er wird mich gleich in der Luft zerreißen.
„Ich wusste gar nicht, dass wir wieder zum Sie zurückgekehrt sind. Im übrigen geht es mir ausgezeichnet. Ich hoffe, dass du deine Arbeit immer noch so korrekt verrichtest wie eh und je. Das von damals war gute Arbeit von dir und ich hoffe, du würdest wieder so reagieren.“
Damit schlug Alan Melih auf die Schulter und betrat den Konferenzraum, vor dem sie die ganze Zeit gestanden waren.

Ein ein Meter fünfzig großer Zwerg von dunkelbrauner Hautfarbe stand vor den versammelten Leuten, als Alan Grau und Elsu Roha eintraten. Seine Rangabzeichen wiesen ihn als Taisa aus. Zischend glitten die Türen wieder zusammen und Melih Mavis stand alleine draußen im Korridor.
Was war das? Dachte sie sich. Sie hatte sich auf eine bestimmte Situation eingestellt und nun war es vollkommen anders gekommen. Dies hatte sie jetzt voll aus der Bahn geworfen. Sekunden verstrichen, in denen sie einfach nur verwirrt und reglos wie eine Statue im Gang stand. Dann trat sie ebenfalls in das Konferenzzimmer ein und setzte sich in eine dunkle Ecke.
„Ah, nun sind wir komplett.“ Sagte der kleinwüchsige Taisa. „Wenn ich mich nun vorstellen darf, mein Name ist Chega Tajamali. Sie alle sind hier, weil Sie am Ahnen-Projekt teilnehmen. Über das Projekt brauche ich Ihnen wohl nichts mehr erzählen. Ich bin hier, um Ihnen das Schiff vorzustellen, mit dem sie die Mission starten werden. Ich werde als Erstes auf das Schiff im Allgemeinen eingehen und dann einige spezifische Dinge ansprechen. Im Detail werde ich alle Systeme nicht erläutern, das wären zu viele Informationen und zudem werden die Meisten von Ihnen nur in Ihren Bereichen arbeiten. Scheuen Sie sich dennoch nicht Fragen zu stellen.“
Der Raum verdunkelte sich automatisch, nachdem diese Ansprache beendet war und im Zentrum der kreisförmigen Sitzanordnung entstand eine quasireale Darstellung des Schiffes, dass zu neuen Sternensystemen aufbrechen sollte. Das Schiff sah aus wie ein Manta.
„Die DRAKON.“ Begann Chega Tajamali. „Das Schiff basiert auf zweitausend Jahre alten Entwürfen, die wir im Erdarchiv gefunden haben. Natürlich ist das Schiff nicht zweitausend Jahre alt, sondern hochmodern. Sie werden sich jetzt bestimmt fragen, wieso wir uns gerade für dieses alte Modell entschieden haben.
Aufgebaut ist der Drakon-Typ in Form einer Wabenstruktur. Dies gibt dem Schiff ein äußerst stabiles Gerüst und sorgt dafür, dass es selbst nach einem vollen Treffer und großen Zerstörungen noch einsatzfähig ist. Das Kontrollzentrum liegt tief im Bauch des Schiffes, was es Gegnern schwer macht die Führungsriege eines Schiffes durch einen direkten Treffer auszuschalten oder durch ein Kapermanöver gefangen zu nehmen, da sie sich erst einmal durchs Schiff kämpfen müssen. Die Wabenstruktur erlaubt es, dass man das Schiff sehr gut abschotten kann. Zudem haben wir darauf aufbauend eine Modulbauweise eingefügt. Diese Module können schnell und leicht ausgetauscht oder, im Notfall, auch abgesprengt werden. Die Energieversorgung des Drakon-Typs ist dezentral. In den Flügeln des Schiffes befinden sich zehn Kernspaltungs-Reaktoren, die für die Versorgung der Waffensysteme zuständig sind. Für den Sphären- und Hexen-Schild, die ich später erläutern werde, sind im Hauptleib vier Fusions-Reaktoren verteilt. Für den Quantengravitations-Antrieb stehen zwei Ionen-Protonen-Reaktoren zur Verfügung. Für den Spin-Antrieb steht ein Materie/Anti-Materie Annihilator-Reaktor zur Verfügung. Die Grundversorgung an Energie, wie zum Beispiel Licht oder Lebenserhaltung, wird von allen Reaktoren in Kombination abgezapft.“ Der Taisa sah kurz in die Runde und als er merkte, dass noch jeder aufmerksam zuhörte, fuhr er fort. „Als erstes möchte ich auf die Modulbauweise eingehen. In den äußeren Bereichen des Schiffes lassen sich Zellen finden, die für verschiedene Tätigkeiten ausgelegt werden können. Sie können als Gefängnis hergenommen werden, als Isolationsraum oder als Rettungskapseln.“
Scott McDonald hob seinen Arm und Taisa Chega Tajamali reagierte darauf, indem er ihm das Wort erteilte.
„Ich denke, dass detailreiche Ausführungen nicht vonnöten sind. Soweit mir bekannt ist, kann jeder die Informationen auch an Bord einsehen und sich informieren. Mich persönlich würde es mehr interessieren, mit welchen neuartigen Technologien das Schiff ausgestattet worden ist. Zum Beispiel habe ich noch nie vom Hexenschild gehört, auch der Quantengravitationsantrieb ist für mich neu. Den Spinantrieb kenne ich bereits, aber die anderen Anwesenden hier dürften nicht so viel darüber erfahren haben wie ich.“
Zustimmendes Gemurmel setzte ein. Chega Tajamali konnte man nicht ansehen, ob ihm diese Unterbrechung, und Beschleunigung der Einführung durch einen Rangniederen, etwas ausmachte.
„Wie Sie wünschen. Ich möchte den Sphärenschild erklären, damit darauf aufgebaut werden kann. Der Sphärenschild wird seit mehreren Jahrhunderten hergenommen, damit es zu keinen Zeitdilatationserscheinungen kommt, die während den Reisen nahe der Lichtgeschwindigkeit auftreten. Die DRAKON ist ebenfalls mit einem solchen Schild ausgerüstet. Allerdings nur als Notfallmaßnahme, denn schließlich haben wir nun den Quantengravitationsantrieb.
Der QuaGra Antrieb basiert auf der universellen Einheitstheorie, die besagt, dass die Lichtgeschwindigkeit -dreihunderttausend Sekundenkilometer- keine Konstante ist, sondern sich von ihrer Wellenform her mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegt. Sie werden sich nun sicherlich Fragen, wie bei solchen Geschwindigkeiten das Schiff vor Mikrometeoriten oder anderen Objekten geschützt werden kann.
Nun, die Panzerung der DRAKON besteht aus einem Adamantium-Promethium Verbundstoff. Die beiden Teile des Verbundstoffes sind äußerst selten und auch sehr schwer zu raffinieren. Wir nennen den Verbundstoff Adamethium. Er hat die besondere Eigenschaft Energien und Strahlungen sehr hohen Niveaus abzuhalten. Der Schmelzpunkt dieses Verbundstoffes liegt bei über dreißigtausend Grad Celsius. Damit kann ein Schiff mit einem solchen Schutz bis zu fünfzig Minuten in der Nähe der Sonnenoberfläche operieren, bis die Schutzeigenschaften nachlassen. Ohne Zuhilfenahme eines Schildsystems wohl gemerkt.
Neben der Adamethiumpanzerung haben wir auch den Hexenschild als Schutzmaßnahme für die DRAKON. Diese Neuentwicklung ist etwas ganz besonderes. Der Hexenschild besteht aus Hexagonen. Diese Hexagone können in ihrer Größe verändert werden und somit an die Belastung oder den zu schützenden Bereich optimal angepasst werden. Es ist auch möglich nur Teile des Hexenschildes zu aktivieren und sogar dessen Form zu bestimmen. Wenn man den Sphärenschild zum Vergleich heranzieht, dann erkennt man deutlich die Unterschiede. Der Sphärenschild ist eine einzige große Energieblase, die das gesamte Schiff umgibt. Weder kann der Sphärenschild verformt noch teilweise deaktiviert werden. Der Hexenschild hat im Gegensatz dazu die vollkommene Freiheit so konfiguriert zu werden, wie er gebraucht wird. Während bei Beanspruchung des Sphärenschildes die gesamte Blase geschwächt wird, können beim Hexenschild die Hexagone so in Größe und Form verändert werden, dass sie die Belastung ablenken oder absorbieren. So kann zum Beispiel bei einem Raumgefecht die vordere Hexagonmatrix deaktiviert werden und die zur Verfügung stehende Energie in einen anderen Schildbereich geleitet werden, der unter Beschuss steht.“
Die quasireale Darstellung zeigte entsprechende Darstellungen zu den Ausführungen des Taisas. Nachdem einige kleine Diskussionen zu diesen Systemen wieder abebbten, fuhr Chega Tajamali fort.
„Ich denke mal, dass das nun vorerst als Einführung in die Schiffssysteme reicht. Ich werde Ihnen nun ihre erste Mission erläutern und die Technologie, die Sie befähigen wird zu Ihrem Einsatzort zu gelangen.“
Die quasireale Darstellung verwischte die DRAKON und stellte ein Sonnensystem mit drei Sonnen dar. Jeder wusste was das für ein System war.
„Dies ist Alpha Centauri.“ Chega Tajamali sprach das Offensichtliche aus. „Dies wird das erste Ziel sein, dass Sie alle mit der DRAKON anfliegen werden. Nach fragmentierten Daten aus dem Erdarchiv brachen angeblich während des dunklen Vergessens mehrere Schläfer- und Generationenraumschiffe zu verschiedenen Sternen auf, um ein besseres Leben zu beginnen. Da Alpha Centauri schon immer von den Astronomen beliebäugelt wurde, haben wir uns dazu entschlossen dieser Pseudo-Tradition zu folgen und unsere Suche dort zu starten. Ihr Auftrag ist eigentlich ganz simpel: Suchen und finden Sie Menschen in anderen Sonnensystemen. Versuchen Sie Kontakt mit ihnen aufzunehmen und finden Sie heraus, ob sie uns wohl gesonnen sind oder nicht. Ihre wichtigste Aufgabe jedoch besteht darin das verloren gegangene Wissen der Menschheit wieder zu gewinnen. Dazu haben Sie alle erforderlichen Befugnisse und Rechte.“
Der letzte Satz hallte nach. Alle erforderlichen Befugnisse und Rechte. Dies schloss auch illegale Mittel ein, die durch das solarische Gesetz untersagt waren. Alan Grau warf einen kurzen Seitenblick auf Otto Eckehard und hatte eine Vermutung, wieso ein politischer Attaché der Stellaren Heimatfront an dieser Mission teilnehmen sollte. Man traute dem SHF Mann zu streitbare Mittel zu billigen oder gar vorzubringen.
„Nun kommen wir zu der Sache, die sie wohl am meisten interessieren wird. Der interstellare Antrieb, mit dem es möglich ist andere Sterne zu erreichen. Der Spin-Antrieb.
Unsere Wissenschaftler haben im Jahr 3968 die Theorie bewiesen, dass es das Spin-Netzwerk gibt. Was ist das Spin-Netzwerk? Nun, es ist eine multidimensionale Verbindung aller Objekte im Universum. Es ist genau so, wie es sich anhört: gewaltig! Im kleinen Rahmen verbindet es in einem Sonnensystem die Planeten untereinander und schlussendlich mit der Sonne. Im galaktischen Ausmaß verbindet es die Sonnen untereinander und, theoretisch, diese mit dem galaktischen Kern. Die Theorie besagt, dass diese Verbindung weitergeht. Alle Galaxien sollen untereinander verbunden sein. Vielleicht geht es sogar noch darüber hinaus, aber die Wissenschaftler bezweifeln es.“
Die Besprechung dauerte bereits Stunden, doch Alan hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass er beobachtet wurde. Aus den Augenwinkeln sah er sich um, konnte aber niemanden entdecken, der ihn beobachtete. Wie durch Zufall drehte er sich um und sah direkt in die braunen Augen von Melih. Sie hat mir also die ganze Zeit über ein Loch in den Rücken gebohrt.
Verdammt, er hat mich bemerkt. Melih senkte ihren Blick und sah auf eine Datenfolie hinab, die einige Informationen über ausgewählte Mannschaftsmitglieder anzeigte.
„Der Taicho dieser Mission wird Alan Grau sein. Er ist die oberste Instanz und Anlaufstelle für alle Fragen, die sich Ihnen stellen werden. Otto Eckehard wird als politischer Attaché den Spezialrang Heisocho einnehmen und damit außerhalb der Befehlsgewalt stehen. Er kann keinem Besatzungsmitglied einen Befehl geben, muss sich aber den Anweisungen des Taicho und dessen Vertreter, dem Chusa, beugen. Besser gesagt, der Chusa. Melih Mavis, Agentin des SolGhosts, wird die Stellvertreterin von Alan Grau sein. Ebenfalls den Spezialrang des Heisocho wird der Geistermönch Elsu Roha einnehmen. Er ist ein Meta und gehört zu den Psionikern. Seine Fähigkeit ist die Telepathie. Mit seiner Unterstützung hoffen wir auf friedliche Weise an Informationen zu kommen. Elsu Roha ist allerdings befugt den Taii und niederen Rängen Befehle zu geben.“
Es war Otto Eckehard anzumerken, dass ihm dies überhaupt nicht schmeckte. Doch noch bevor er etwas sagen konnte, zerbarst eines der abgedunkelten Fenster.

Der Alarm begann bereits zu heulen, als die letzten Scherben noch im Begriff waren auf den Boden zu fallen. Ein kleines Wesen, vielleicht so groß wie eine menschliche Faust, stand vor den Anwesenden.
Taisa Chega Tajamali reagierte sofort. „Bitte bleiben Sie ruhig! Das ist nur ein Silipion. Vollkommen harmlos.“
„Ich bin ruhig.“ Sagte Alan Grau, der mit verschränkten Armen und übereinander geschlagenen Beinen noch immer auf seinem Konferenzstuhl saß.
Otto Eckehard hingegen war alles andere als ruhig. „Das Fenster war gepanzert! Es hätte einer ganze Salve Repulsatoren standhalten müssen! Und das nennen Sie harmlos?!“
Vor ihnen stand ein Lebewesen, das wie ein aus Kristall bestehendes Kunstwerk glitzerte, acht Beine und einen mit Stacheln bewährten Schwanz besaß. Augen, Ohren oder sonst irgendwelche Sinnesorgane waren nicht auszumachen.
„Der Silipion ist ein sehr interessantes Lebewesen. Ich möchte nicht Tier sagen, da die Vermutung besteht, dass es sich um ein intelligentes Wesen handelt beziehungsweise, dass es sich zu einem intelligentem Wesen entwickeln kann.“ Chega ging auf den Silipion zu, nachdem er den Alarm deaktiviert hatte, und streckte die Hand nach dem Wesen aus. „Na komm. Tuktuktuk. Chii-Tuktuk.“
Elsu Roha legte seinen Kopf etwas schief und musterte den Silipion. „Ich kann in der Tat etwas bei diesem Wesen spüren. Es ist mehr als nur eine rudimentäre Empfindung, wie sie bei Tieren vorhanden ist, aber nicht so ausgeprägt wie die eines Menschen.“
„Interessant, dass sie unsere Vermutungen bestätigen.“ Chega streichelte das Wesen, es wechselte dabei die Farben und gab Töne von sich. Dann verschwamm das Wesen leicht. „Das kitzelt.“
Das Interesse von Ai Yuna war geweckt. „Was können Sie uns zu diesem Wesen erzählen?“
„Als das Terraforming vor mehreren Jahrhunderten hier auf Titan einsetzte, gab es bereits einige Lebewesen, die aus Silizium bestanden. Unter ihnen der Silipion. Es ist ein Wesen, dass wir zu den Spinnenartigen zählen. Damals wurde bereits ein fünfhundert Kilometer durchmessendes Bioreservat eingerichtet, dass den ursprünglichen Titanzustand aufrecht erhielt. Der Silipion ist das einzige Wesen, dass sich in Rekordzeit anpassen konnte, während alle anderen Wesen außerhalb des Reservats starben. Wir haben bis heute herausgefunden, dass die Silipione eine Art Gemeinschaft bilden und sich gegenseitig beschützen. Kämpfe untereinander haben wir beobachten können, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass diese nur zur Wahrung der sozialen Struktur stattfinden.
Ein Silipion kann die Farbe ändern, allerdings wissen wir nicht, zu was dies dienen soll. Durch Experimente haben wir allerdings herausgefunden, dass die Silipione eine Art kollektives Wissen besitzen. Sie scheinen bereits einige Erkenntnisse bei ihrer Geburt zu besitzen. Erfahrungen scheinen durch eine Art von Telepathie oder nonverbaler Kommunikation weitergegeben zu werden. Wir nehmen an, dass sich Wissen exponentiell vermehrt und nach gewisser Zeit der ganzen Rasse zur Verfügung steht. Wie Sie sehen, verschwimmt das Wesen ein wenig. Da wir keine Sinnesorgane im herkömmlichen Sinne finden konnten, nehmen wir an, dass der ganze Körper ein einziges Sinnesorgan ist. Dieses Verschwimmen wird dadurch erzeugt, dass sich der Körper des Silipions in Schwingung versetzt. Es scheint eine Art Kommunikation darzustellen. Es kann ebenso das Äquivalent eines Sonars oder Radars sein.“

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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