[Projekt] Comenga - The grey-shaded World

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Tom
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[Projekt] Comenga - The grey-shaded World

Beitrag von Tom » Sa 8. Feb 2014, 19:37

  • Eine kurze Vorschau!
    Achaz Brand hatte sich in seinem Leben noch nie etwas zu Schulden kommen lassen oder Feinde gemacht. Während eines Picknicks mit seiner Frau - die ihm eröffnete, dass sie schwanger sei -, kam eine Horde Jugendlicher, die ihren Übermut in einer Gewaltorgie auslebten. Das Ergebnis war, dass Achaz nun Witwer ist. Während die Polizei vergeblich nach den Tätern sucht, verkriecht sich Achaz immer mehr in seiner Wohnung lebt in der Vergangenheit. Als er eines Tages auf dem Dachboden alte Comics findet, meint er seine Frau zu fühlen, die ihm einen Wink sendet. Heimlich beginnt Achaz damit sich eine Maskerade zu fabrizieren und jagt auf die Mörder seiner Frau zu machen.
  • Die Hauptpersonen!
    • Achaz Brand ist ein ganz normaler Ehemann, der sich zu seinem Beruf berufen fühlt. Jedoch geht für ihn nichts über seine Frau und Familie. Arzt wollte er schon seit seiner Kindheit werden, was wohl dadurch bedingt wurde, weil jeder in seiner Familie und Umgebung etwas mit diesem Beruf zu tun hatte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er seine Frau Julia - von Beruf Krankenschwester - in diesem Metier kennengelernt hat.
    • Die Cadeyr Zwillinge, Martin und Martina, sind beides Polizisten, die ihren Beruf sehr ernst nehmen. Jedoch unterscheiden sie sich stark in ihrer Einstellung und Methodik. Während Martina sich strikt an Anweisungen hält, übergeht Martin diese meistens. Obwohl beide oft deswegen streiten, halten sie sich gegenseitig die Stange.
    • Thomas Gemma ist ein durchschnittlicher Mann, der durch eine Wirtschaftskrise arbeitslos wurde. Mehr durch einen Gag, als ernst gemeint, wurde er in die Bahnen der Politik gedrängt. Dort bringt er durch seine offene Art schnell Kritik auf seine Person. Hingegen finden viele Wähler diese Art erfrischend und wählen ihn.
  • Eine Leseprobe ...
    ... wird dann kommen, wenn alles soweit unter Dach und Fach ist. ;)
  • Sachen, die ich bereits veröffentlicht habe:
    • X - Der Lauf des Lebens (In der Collectors Edition von X, einem Spiel der Schmiede EGOSOFT, zu finden)
    • Auf Messe(r)s Schneide (im Wunderwaldverlag erschienen)
  • Welche Motivation steckt hinter diesem Text? Wen will ich damit ansprechen?
    Ansprechen will ich mit diesem Projekt alle, die Helden und Schurken - ohne Kräfte - mögen. Aber es eher nicht so mit Comics haben.
    Zwar haben Marvel, DC und co. schon tolle Charaktere und gute Geschichten erschaffen, aber zum größten Teil läuft es darauf hinaus, dass man sich gegenseitig zusammen schlägt und die Charaktere zu kurz kommen. Ich wollte einfach mehr haben, als nur bisschen Charakter und viel Action. Deshalb hab ich CTG geschaffen, wo man auch in das Leben von solchen faszinierenden - und manchmal auch schrägen - Personen eintauchen kann.
    Der Gedanke hinter CTG ist recht simpel: Comics und Mangas beeinflussen bzw. inspirieren die Menschen mehr, als in unserer Welt. Also verkleiden sie sich und gehen auf Verbrecherjagd - mehr oder weniger. So simpel ist es jedoch nicht. Hinter jedem Charakter verbirgt sich eine solide Vorgeschichte, warum eben er oder sie zu einem Kostümierten wurde.

    Du willst mehr wissen?
    Dann sieh dir die Wiki an!

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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Re: [Projekt] Comenga - The grey-shaded World

Beitrag von Tom » Sa 19. Dez 2015, 19:26

Der Dunkle

Kapitel ? - ???
Zuerst ignorieren sie dich,
dann lachen sie über dich,
dann bekämpfen sie dich
und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi

„Dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben. Wir befinden uns gegenwärtig in Ermittlungen. Jede Information, die nach Außen dringt, könnte den oder die Täter warnen.“
Martin Cadeyr war Kommissar bei der Polizei und er hasste es, wenn die Medien jedes kleinste Detail wissen wollten. So waren ihm Pressekonferenzen von Vorne herein immer ein Graus.
Als er die Meute nach draußen gescheucht hatte, war er froh, wieder seine Ruhe zu haben. Doch diese würde nicht lange dauern, denn er sah bereits seine Vorgesetze auf ihn zueilen.
Oh, ne. Die hat mir gerade noch gefehlt.
Mit ihren hohen Stöckelschuhen, verursachte die Rothaarige einen unangenehmen Widerhall im Saal. Sie rückte sich ihre Brille auf der kurzen Nase zurecht, bevor sie ihn mit ihren braunen Augen anstarrte.
„Kommissar Cadeyr, stopp!“, begann sie mit ihrer Fistelstimme. „Sie sprechen von Ermittlungen, haben aber noch keinen Tatverdächtigen festnehmen können, obwohl sie vom Ehemann des Opfers eine genaue Beschreibung der Täter bekommen haben. Sie haben bis jetzt nicht mal eine heiße Spur.“
Der Kommissar wäre seiner Vorgesetzten am liebsten ins Gesicht gesprungen. Er und seine Leute gaben ihr bestes, um so schnell wie möglich Ergebnisse zu bringen. Jedoch wollte er nicht auf Kosten der Genauigkeit arbeiten und damit etwas übersehen.
„Hören Sie …“ Martin machte sich erst gar nicht die Mühe freundlich zu sein. „Mir ist es scheißegal was Sie von mir verlangen oder wer was wünscht. Ich mache meine Arbeit und wenn Sie mir dazwischenfunken, dann können sie den Fall an jemand anderen weiterreichen.“
Damit ließ er seine Vorgesetzte verdutzt stehen.

Die Cadeyr-Zwillinge konnten unterschiedlicher nicht sein. Während Martin ruhig und besonnen war, hatte Martina ein schnell aufbrausendes Gemüt. Wegen ihren Fähigkeiten, waren beide bei ihren Kollegen geschätzt.
„Was heißt, der Hauptzeuge ist verschwunden?“
Martina war schon wieder auf 180, als ein Wachtmeister ihr berichtete, dass der Ehemann der Ermordeten - Achaz Brand - verschwunden war. Er war der Einzige, der die Gesichter der Täter gesehen hatte. Zwar hatten sie seine Aussage aufgenommen und Skizzen angefertigt, jedoch waren Gegenüberstellungen immer noch das A und O, um sicher zu gehen, dass man auch wirklich den Richtigen gefasst hatte. Nun, da Achaz Brand verschwunden war, gab es keinen Zeugen mehr, der die Verdächtigen von Angesicht zu Angesicht hätte belasten können.
„Er ist verschwunden.“ Der Assistent trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. „Er ist weder in seiner Wohnung, noch im Krankenhaus, wo er arbeitet. Sein Handy hat er ausgeschaltet, also können wir ihn auch nicht orten.“
„Habt ihr seine Wohnung durchsucht? Spuren auf eine Entführung? Oder eines Attentats?“ Martina zerbrach den Bleistift, mit dem sie die ganze Zeit gespielt hatte und sah den Assistenten böse an.
„Weder noch.“ Es war dem Mann anzusehen, dass er zerknirscht war. „Derzeit warten wir auf den richterlichen Beschluss, um seine Wohnung auf den Kopf stellen zu dürfen, aber ehrlich gesagt erhoffen wir uns nichts dabei.“

Es war ein anonymer Tipp gewesen, der die Polizei zu diesem Lagerhaus im Hafenviertel führte. Hier sollte sich ein Mörder versteckt halten, hieß es. Es war ungewöhnlich für die Stadtpolizei ein solches Ereignis zu haben. Entsprechend nervös und vorsichtig waren sie.
Langsam und bedachtsam arbeiteten sie sich an der Außenfassade entlang, bis sie alle Türen gesichert hatten. Danach warteten sie auf das Zeichen zum Eindringen. Als es gegeben wurde, stürmten sie über die beiden Nebentüren und das große Haupttor hinein. Was sie erblickten, war grausig.

Kommissarin Martina Cadeyr hielt sich ein Taschentuch vor den Mund, um sich nicht übergeben zu müssen. Aber es half nicht viel. All ihre Willenskraft zusammennehmend verließ sie die Lagerhalle und trat auf das davorliegende Kai. Die frische Brise atmete sie tief ein, was ihr flaues Gefühl im Magen abschwächte. Dennoch hatte sie mit dem Gesehenen zu kämpfen.
Sie waren zu einem Lagerhaus am Hafen gerufen worden, wo ein Hafenarbeiter eine Leiche gefunden hatte. An sich nichts spektakuläres, doch in diesem Fall lagen die Dinge etwas anders. Die Leiche war so entstellt gewesen, dass man nicht mal das Geschlecht bestimmen konnte. Dies würde erst eine Obduktion ermitteln.
Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer rechten Schulter und drehte sich entsprechend, doch da stand niemand. Also drehte sie sich links herum und da stand ihr Zwillingsbruder.
„Du Depp!“ Martina keuchte vor Übelkeit. „Jetzt ist nicht der rechte Zeitpunkt für Scherze!“
„Schade …“ Martin spielte den Schmollenden. „Wie geht‘s dir?“
Martina war immer wieder überrascht, wie Martin solche Situationen und Anblicke wegstecken konnte. Machte es ihm wirklich nichts aus oder überspielte er seine Gefühle; zum Beispiel mit Scherzen wie diesen gerade?
„Das da drinnen …“ Sie zeigte über ihre Schulter zur Halle. „… ist etwas, was man nicht alle Tage hat.“
Martin nickte. „Die Spurensicherung beginnt gerade mit der Arbeit. Hoffen wir mal, dass sie etwas verwertbares finden.“ Er pausierte kurz und gab seine eigene Meinung preis. „Sieht nach Folter aus. Ausgerissene Fingernägel, zerquetschte Hoden, abgezogene Haut, verbrannte Augen und so weiter. Alles spricht dafür.“
„Wer tut nur so was?“ Martina war fassungslos von solch einer Tat.
„Es ist unsere Aufgabe das herauszufinden.“
Noch bevor Martina etwas sagen konnte, übergab sie sich. Im selben Moment kam ein Kollege der Spurensicherung zu ihnen und wandte sich dem Kommissar zu, als er die Kommissarin über dem Kai hängen sah.
„Wir haben eine Nachricht gefunden.“
Die Zwillinge waren überrascht und lasen sie. Sie war mit Blut geschrieben worden und bestand nur aus drei Zeilen:

Das ist einer der Mörder von Julia Brand.
Zum Schluss bereute er.
Der Dunkle


Martin gab den Zettel wieder dem Kollegen von der Spurensicherung und dachte im Stillen nach. Ignorierte dabei auch seine Schwester, die an der Kaimauer lehnte und der Ohnmacht nahe war. Es gab nicht mal Beweise für die Existenz des Dunklen. Weder Fotos noch Videos, nur Zeugenbereichte und selbst diese waren vage. Er war ein Gerücht, das bereits seit einigen Wochen in der Stadt die Runde machte. Angeblich soll es ein maskierter Ritter sein, der Verbrecher in Straubing und Umgebung jagte und zur Strecke brachte. Bis jetzt hatte die Polizei nichts gegen den Maskierten in der Hand. Der oder die Unbekannte hielten sich an die Gesetze, sofern man das von jemanden behauptete, der Selbstjustiz ausübte. Da diese ja gesetzeswidrig war. Noch, denn ein politischer Newcomer namens Thomas Gemma war sehr aufstrebend und forderte unter anderem etwas mehr Spielraum zur Selbstverteidigung und Freiraum für polizeiliche Aktionen. Martin fand diesen Kerl sehr charismatisch und mochte ihn. Er war auch der gleichen Meinung, dass die Polizei durchaus mehr Handlungsraum brauchte. Martina teilte zu seinem Bedauern diese Einstellung nicht, was immer wieder zu teils heftigen Disputen führte.

Martina hatte nun den Durchsuchungsbefehl erhalten. Langsam und vorsichtig bewegte sich die Gruppe um sie vor. Bedächtig, um nicht in eine Falle zu laufen. Zuerst wurde der Flur ins Auge gefasst und gesichert. Es war nicht anzunehmen, dass sich noch jemand hier aufhielt, doch konnte man sich nie sicher sein.
„Flur gesichert.“ Einer der Beamten gab das OK-Zeichen und die Kommissarin zeigte auf die nächstgelegene Türe.
Mit einem leisen Knarren glitt die Türe auf und Martina lugte kurz rein, um gleich darauf den Raum zu betreten. Rückendeckung erhielt sie von zwei ihrer Kollegen. Als sie jede Versteckmöglichkeit ausgespäht hatte, erklärte sie den Raum für sicher. Während sie blieb, gab die Kommissarin ihren Kollegen zu verstehen, dass sie sich die anderen Räume vornehmen sollten.
Martina blieb in dem Raum, den sie als Wohnzimmer klassifizierte und sah sich um. Er war rustikal eingerichtet. Ein bequemes Sofa zog sich über zwei Seiten des Raumes. Dem Eck gegenüber befand sich ein großer Flachbildfernseher. Die dritte Wand nahm ein Schrank fast komplett ein. Durch die durchsichtigen Fenster konnte sie Gläser aller Art sehen. Für Wein, Bier und andere Getränke. Den kleinen Rest der Wand beanspruchte ein Holzkamin für sich. Die der Tür gegenüberliegende war mit zwei großen Doppelfenster versehen, pflanzenübersät und zeigte auf den Hof.
Die Kommissarin hatte bereits Handschuhe an, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Die Spurensicherung würde hier noch alles genauer unter die Lupe nehmen. Jedoch hatte sie etwas entdeckt, dessen Reiz sie nicht widerstehen konnte. An dem Eck zum Kamin lag auf einem Schrankvorsprung ein Buch. Dessen Titel und Coverbild hatte sie sofort aufmerksam werden lassen. ‘Sieh das Dunkle‘, von Aaron Tamino. Irgendwoher kam ihr der Name bekannt vor.
War da nicht gestern ein Interview im Fernsehen? Da ging‘s doch darum, wie er aktuelle Ereignisse in einer parallelen Handlung neu wiedergab.
Martina las den Text auf dem Buchrücken und blätterte etwas herum. Hier und da las sie etwas und war von der psychologischen Komponente beeindruckt. Als sie genug hatte, legte sie das Buch wieder an seinen ursprünglichen Ort zurück. Ihr Fazit bestand darin, dass in diesem Buch Selbstjustiz als legitimes Mittel angepriesen wurde. Das passte ihr als Vertreterin von Recht und Ordnung natürlich überhaupt nicht. Da das Buch jedoch nur fiktionale Handlungsstränge aufwies, gab es aber nichts rechtliches zu beanstanden.
Martina hörte, wie ihre Kollegen tiefer in das Haus vordrangen und dabei Raum um Raum sicherten. Dass sie sie überhaupt hörte, würde die Kommissarin in der Einsatznachbesprechung ansprechen. Jetzt allerdings wollte sie sich weiter umschauen. Doch bevor sie noch etwas untersuchen konnte, wurde sie von einem ihrer Kollegen unterbrochen.
„Wir haben nichts verdächtiges gefunden.“ Martina war enttäuscht, ließ den Beamten aber weiterreden. „Es gibt keine Hinweise auf ein Verbrechen irgendwelcher Art und Weise.“
„Also keine Hinweise auf eine Entführung?“
„Nichts.“ Der Beamte zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, warum er entführt worden wäre. Es gibt keine Angehörigen mehr, die ein Lösegeld zahlen könnten. Brand selbst hat auch kaum etwas auf dem Konto. Soweit unsere Ermittlungen führen, hat er sein ganzes Geld in dieses Bauernhaus investiert.“
„Man könnte ihn entführt haben, um ihn zu beseitigen.“
„Aber wieso? Zur Verschleierung? Das bringt nichts, denn wir haben ja ein Haarbüschel eines der Täter und können ihn somit über einen DNA-Abgleich identifizieren.“
„Was aber die Täter nicht wissen. Wir haben solche detaillierten Informationen zurückgehalten.“
„Also denken Sie, dass er vielleicht ermordet wurde, um sie nicht identifizieren zu können? Die Täter könnten also der Meinung sein, dass nur Brand in der Lage wäre sie eindeutig zu identifizieren …“
Martina sah den Mann an, als er nicht fortfuhr. „Weiter, ich folge Ihren Gedankengängen.“
„Wir haben zwar einige DNA-Spuren gefunden, jedoch sind diese nicht verwertbar oder geben große Aufschlüsse. Von daher gehe ich davon aus, dass die Täter Profis waren.“
„Ich nicht.“ Martina kniete vor dem großen Wandschrank und sah ein paar alte Videokassetten an. „Ich glaube, es waren Amateure, die sich gut vorbereitet haben.“
„Wie kommen Sie darauf, Kommissarin?“
„Die Haustüre war aufgebrochen. Für einen Laien, wie etwa die Brands, unersichtlich. Aber für uns oder einen Profieinbrecher ist das mittelmäßige Arbeit. Deshalb denke ich, dass einer der Täter sich in seiner Freizeit als Schlossknacker betätigt oder ein Schlosserlehrling ist.“
„Ich werde mich sofort darum kümmern, dass die Leute in der Umgebung auf entsprechende Hobbys und Berufe überprüft werden. Sollte das nichts bringen, werden wir den Bereich ausdehnen.“

„Und?“
Martin sah seine Zwillingsschwester erwartungsvoll an, während er einen kräftigen Schluck von seinem Feierabendbier nahm. Martina hingegen brach aus Frust eine Salzstange nach der anderen entzwei und aß sie dann.
„Nichts!“
Die Kommissarin schlug mit der Hand auf den Tisch und die Gäste des Wirtshaus‘ sahen kurz zu ihnen herüber. Als sich nichts abzuzeichnen schien, widmeten sie sich wieder ihrem Essen, Trinken oder Gesprächen.
„Was soll das heißen?“
Der Kommissar wusste natürlich genau, was das bedeutete, wollte seine Zwillingsschwester aber reizen. Das war das obligatorische Nachfeierabendgehabe.
„Das, dass unsere Ermittlungen nichts ergeben haben. Es gibt weder im Dorf und in den Nachbardörfern Personen die auf die Beschreibung passen, noch welche, die die entsprechenden Kenntnisse haben. Auch kennen die Leute dort niemanden, auf den die Beschreibungen passen würden.“
„Also kann man davon ausgehen, dass die Gruppe der jugendlichen Täter nicht aus der Umgebung stammen.“
„Richtig. Es gibt mehrere Möglichkeiten und jede davon zu bedenken macht den Fall nur noch verzwickter.“
„Ich höre?“
Martina wusste, dass ihr Zwillingsbruder die ganzen Theorien kannte, doch er mochte es sie dazu zu zwingen diese immer wieder durchzukauen.
„Zum einen wäre da die Möglichkeit, dass die ganzen Leute Lügen und sie die Täter schützen. Vielleicht wegen ihrer Jugend.“
„Unwahrscheinlich.“
„Sehe ich auch so.
Die Gruppe könnte aus dem Ausland stammen. Europäer, da ihr Aussehen sich nicht groß vom deutschen Stammbaum unterscheidet. Schade, dass sie nicht gesprochen haben und der Arzt uns so etwas weiterhelfen hätte können.“
„Möglich.
Aber wieso sollten Ausländer oder Immigrierte über hundert Kilometer von der Grenze entfernt aktiv werden? Zumal es auch nicht nach Profis aussieht.“
„Anstatt meine Theorien zu kommentieren, könntest du selber welche aufstellen!“
Martina hatte sich einen bayrischen Wurstsalat bestellt, an dem sie sich nun vergriff. Ihr Bruder hatte sich mehrer Weißwürste bringen lassen.
„Ich bin der Meinung, dass wir an die Öffentlichkeit gehen sollten. Wir haben gute Phantombilder, weswegen ich mir sehr schnell Erfolge erhoffe.“
Martin winkte ab, als Martina aufbegehren wollte.
„Ich kenne deine Argumente, aber sie bringen nichts. Zudem haben wir da noch einen anderen Fall, um den wir uns kümmern müssen und wir können nicht ewig Zeit mit dem Brand-Fall verschwenden.“
Martina wusste, über was für einen Fall ihr Bruder redete.
„Der Dunkle.“
„Ja. Ein interessanter Typ.“
Martina wäre beinahe aufgesprungen, aber sie beherrschte sich und fischte ein paar Zwiebeln aus ihrem Wurstsalat.
„Wie kannst du das nur sagen? Der Typ jagt Verbrecher an unserer Stelle! Das ist Selbstjustiz! So was kann ich unter keinen Umständen gutheißen.“
„Aber er übertritt kaum das Gesetz. Selbstjustiz? Ja. Gewaltanwendung? Ja, aber der Situation angebracht. Er hat bisher auch niemanden umgebracht.“
„Du vergisst den zu Tode gefolterten Jungen im Hafenlager.“
Als Martina daran dachte, wurde ihr wieder übel und musste willensstark sein, um den Wurstsalat in sich zu behalten.
„Ja. Aber das passt nicht in sein Handlungsschema.“
„Du glaubst doch wohl nicht etwa an einen Trittbrettfahrer?“
„Warum nicht?“
„So kommen wir einfach nicht schnell genug voran. Bis wir alle Theorien ausgeschlossen haben, sind die Täter wahrscheinlich schon über alle Berge. Zumal wir noch keine heiße Spur haben.“
„Dann sollte ich mich wohl diverser Quellen bedienen.“
Damit ließ Martin seine Schwester verwirrt zurück.

Die Abenddämmerung setzte bereits ein und ein laues Lüftchen kühlte die Luft auf ein erträgliches Maß herab. Martin Cadeyr saß auf einer Parkbank und sah auf den Fluss hinab, der neben der Stadt verlief. Die Donau war ein wichtiger Transportweg für etwaige Güter, die per Schiff transportiert wurden. Derzeit jedoch war es ruhig und nur einige wenige Enten, Tauben und Schwäne gaben Laute von sich. Er warf einige Brotstücke in den Fluss und schaute zu, wie Fische diese fraßen.
Er hing unwichtigen Gedanken nach, als sich mehrere Enten und ein Schwan um übriggebliebene Brotreste stritten. Diese Szene ließ ihn wieder zu seinem derzeitigen Fall zurückkehren, der ihn schon die letzten Tage und Wochen beschäftigt hatte: Eine Frau war ermordet worden. Sie war in der sechsten Woche schwanger und hatte dies ihrem Mann mitgeteilt. Der war Zeuge des Mordes und konnte die Täter zwar nicht identifizieren, aber gut beschreiben. Jedoch hatten die Phantombilder bis jetzt keine heißen Hinweise geliefert. Die Täter waren fünf jugendliche Männer zwischen schätzungsweise siebzehn und neunzehn Jahre. Vermutungen über das Motiv brauchte man erst gar nicht zu stellen. Die Gründe für die Tat konnten mannigfaltig sein. Von einem Racheakt einer Familie, die einen Angehörigen verloren hatten, bis hin zur niedrigen Blutlust war alles denkbar. Als Krankenschwester war das Opfer vielen Leuten begegnet und konnte sich unwissentlich in Gefahr gebracht haben. Feinde hatte sie nach Aussagen von Freunden und Kollegen keine. Auch ihr Mann konnte keine Aussagen zu möglichen Gründen für den Angriff machen. Er war im gleichen Krankenhaus als Arzt tätig, wie seine Frau. Dort hatten sie sich auch kennengelernt. Wie seine Frau hatte auch der Arzt keine Feinde. Möglich war es natürlich schon, dass eine Familie durch ihren Glauben zu einer solchen Tat gezwungen war, aber Martin schloss es als sehr unwahrscheinlich aus. Zumal es keine entsprechenden Patienten gab.
Nun war der Ehemann verschwunden und Suchaktionen blieben ohne Erfolg. Wo war er hin? Hatte er Selbstmord begangen? Wurde er entführt? Ermordet, weil er die Gesichter der Täter gesehen hatte und sie damit identifizieren konnte? Es gab einige Möglichkeiten, die mit dem Verschwinden des Mannes zu tun hatten, doch jede schien genauso gut oder schlecht zu sein, wie jede andere auch.
Martin beobachtete eine Obdachlose, die ihre Habseligkeiten in Tüten verstaut hatte. In einem alten, verbeulten und angerostetem Einkaufswagen schob sie diese vor sich her. Immer wieder blieb sie stehen, um etwas aufzuheben. Steine, Zigarettenstummel, Müll. Martin konnte nicht sagen, was diese ungepflegte Frau für wertvoll erachtete und was als nutzlos. Als sie immer näher kam, vielen ihm Details auf, die nicht zu ihr passten. Sie roch nicht streng, sondern nach Lilien und auch so schien sie nicht dreckig zu sein, auch wenn ihr Gesicht schmutzig war. Ihre Schuhe waren abgetragen, aber in einem Maße, als seien sie in kurzer Zeit überbeansprucht worden. Auch ihre Kleidung war nicht so zerfleddert, wie man es oft sah. Vielleicht ein barmherziges Geschenk oder gestohlen. Auf alle Fälle zu neu.
Sie blieb kurz vor Martin stehen und musterte ihn, dann setzte sich die Obdachlose neben den Kommissar. Zwar hatte sie eine Flasche Schnaps in ihrer Rechten, jedoch trank sie nichts davon.
„Ich finde die Dämmerung ist die interessanteste Tageszeit.“ Sie roch nicht nach Alkohol.
„Im Zwielicht tummeln sich die meisten zwielichtigen Gestalten.“ Martin antwortete so, wie seine Informantin es wollte. Er mochte diese Geheimagentennummer. Es war mal eine kleine Abwechslung zum Polizistenalltag.
Als sich die Obdachlose hingesessen hatte, roch er doch etwas Herbes und verbannte seine Fantasien in die hintersten Winkel seiner Gedanken. Sie war eine einfache Informantin, mehr nicht. Vielleicht etwas ungewöhnlich, aber man musste auf alle Quellen zurückgreifen, derer man sich bedienen konnte.
„Was hast du für mich?“ Die Frage stellte Martin immer. Er spezifizierte nicht genau, was er wissen wollte. So hatte er schon oft von Dingen erfahren, die ihm eventuell entgangen wären.
„Zwei eurer Fälle hängen zusammen.“ Die Obdachlose wartete auf eine Reaktion, doch der Kommissar blieb ruhig und wartete auf mehr. „Ihr habt da einen Arzt … Jemand, der seine Frau und sein ungeborenes Kind verloren hat.“ Das waren Informationen, die in jeder Zeitung standen. Nichts wofür er bezahlen würde. „Und ihr habt einen maskierten Rächer, der allgemein als ‚Der Dunkle‘ als Gerücht seine Runden dreht.“ Martin fragte sich, woher die Frau das wusste. Diese Details waren nie an die Öffentlichkeit geraten.
„Ich höre.“ Mehr sagte Martin nicht und versuchte seine Überraschung so gut wie möglich zu verbergen. Doch die Obdachlose wedelte mit den Händen. Sie wollte Geld haben. Martin gab ihr den kleinstmöglichen Schein und deutete mehr an, wenn sich die Informationen als interessant erwiesen.
„Es liegt so Nahe. Warum seid ihr noch nicht darauf gekommen? Der Dunkle und Achaz Brand sind ein und die selbe Person.“
Martin zuckte leicht zusammen. Es war tatsächlich naheliegend. Mehrere lose Enden fügten sich nun passgenau zusammen. Das Verschwinden von Achaz Brand. Das Auftauchen des Dunklen. Das rigorose Vorgehen gegen Kriminalität. Und nun, die brachiale Anwendung von Gewalt gegen jemanden, der gemordet hatte.
Martin glaubte nun zu wissen, dass der Arzt sich eine zweite Identität geschaffen hatte, um selbst nach den Mördern seiner Frau zu suchen. Das er dabei andere Kriminelle stellte und Bürgern in brenzligen Situationen half, war nur ein Nebenprodukt gewesen. In Wahrheit wollte er einfach nur die fünf Jugendlichen finden, oder jemanden, der sie kannte. Dabei heiligte für ihn der Zweck jedes Mittel. Zumindest zum Schluss hin. Es schien, als hätte jede Tat seine Hemmschwelle ein wenig herunter gesetzt, bis er dazu fähig war, einen Mord zu begehen. Oder bis zum Tod zu foltern.
„Aber warum macht er das?“ Der Kommissar gab seiner Informantin geistesabwesend ihre Entlohnung. „Er ist Arzt, hat den hippokratischen Eid geschworen und wir tun unser Bestes.“
„Was wohl nicht genug ist, denn bis jetzt habt ihr keine heiße Spur, obwohl ihr haargenaue Beschreibungen erhalten habt.“
Als die Obdachlose verschwunden war, fragte sich Martin doch, ob sie nicht zum Bundesnachrichtendienst gehörte. Doch, was sollte der BND schon für ein Interesse an ihm oder einem einfachen Arzt haben, der zum potentiellen Selbstjustizler wurde?

Nach der Veröffentlichung der Phantombilder kamen mehrere heiße Tipps herein, die die Polizei zu den Tätern im Brand-Mord führte. Es waren Jugendliche zwischen sechzehn und einundzwanzig Jahren aus dem Großraum gewesen. Jedoch konnte man nicht mehr herausfinden, warum sie das taten und worin ihre Verbindung zueinander bestand. Deshalb war der letzte Überlebende der Gruppe auch so wichtig für die Aufklärung des Falles. Denn bisher blieb die Gruppe bei den Ermittlungen informationstechnisch unbeleuchtet.
Doch leider musste die Polizei feststellen, dass ihnen jedes Mal jemand zuvor gekommen war und kurzen Prozess gemacht hatte. Die Cadeyr Kommissare waren sich einig darüber, dass es sich um den Dunklen handelte, der höchstwahrscheinlich Achaz Brand war. Einen der ersten maskierten Verbrechensjäger nach mehreren Jahrzehnten in dieser Region. Vier der Täter waren bereits tot. Jedes Mal war es eindeutig, woran sie starben: Folter. Einer der Täter war noch übrig, er lebte und wurde rund um die Uhr beschattet. Man wollte Brand auf frischer Tat ertappen und dann festnehmen.
Während die Zwillinge nun in einem Zivilauto warteten und die Umgebung beobachteten, machte sich Martin so seine Gedanken.
Wir hätten gleich an die Öffentlichkeit gehen sollen. Dann wäre es nie soweit gekommen. Die vier Jungen wären noch am Leben und Brand wäre nie zum Dunklen geworden. Ich frage mich sowieso, wieso er nicht die anderen Verbrecher auch einfach getötet hat. Hat er vielleicht noch so was wie Gewissen oder einen Kodex? Ich kann Mord zwar nicht gutheißen, aber bei manchen Fällen wünschte ich mir wirklich die Todesstrafe oder ein Urteil nach dem Motto: ‚Auge um Auge. Zahn um Zahn.‘
Wäre es wirklich so falsch einen Sexualstraftäter zu kastrieren oder einen Mörder zu exekutieren? Ich finde, das hätte eine größere Abschreckungswirkung als das jetzige geltende Recht. Man sieht ja schon praktisch, was der Dunkle mit sich bringt: Weniger Verbrechen. In den letzten Wochen und Monaten ist die Verbrechensrate drastisch zurückgegangen - ja, fast gar nicht mehr vorhanden -, weil jeder Angst hat, bestraft zu werden.
So jemand wie der Dunkle hat auch noch den einen oder anderen Vorteil gegenüber den Offiziellen: Er kann sich maskieren und wird nicht erkannt. Er muss keine Rechenschaft ablegen. Und vor allem: Er hat größeren Handlungsspielraum, als die Behörden.

„Da!“
Martina flüsterte und gab allen Einsatzkräften bescheid, dass das Ziel anwesend war und wo es sich befand.
Der Dunkle kletterte so behände an der Wand entlang, wie es einem Tier gut stehen würde. Martin vermutete, dass er seine Maskierung um technische Spielereien erweitert hatte. Doch würde das nicht bedeuten, dass er mindestens einen Helfer hatte? Martin wollte gar nicht daran denken und konzentrierte seine Aufmerksamkeit völlig auf den Dunklen. Dieser brach durch ein Fenster im zweiten Stock in das Haus ein und war verschwunden. Martina gab daraufhin das Zeichen zum Zugriff. Doch bevor auch nur jemand vom Sondereinsatzkommando das haus betreten konnte, flüchtete der Jugendliche wie vom Tod gejagt aus dem Haus. Martin musste wegen dieser recht passenden Assoziation leise lachen und erntete von seiner Schwester einen fragenden, aber dennoch bösen Blick.
Kaum war der Jugendliche in die Arme der SEK Beamten gelaufen, wurde er auch schon verhaftet und mit einer Schutzweste ausgestattet. In dem Moment kam auch schon der Dunkle aus dem Haus gerannt und hielt inne. Es war an seiner Körperhaltung zu erkennen, dass er mit dieser Situation nicht gerechnet hatte. Der Dunkle sah sich um, schien die Situation und seine Chancen zu bewerten. Dann hechtete er nach Vorne und versuchte den Jugendlichen zu erreichen. Die Beamten benutzen Schockwaffen, doch sie zeigten keine Wirkung. Er ist also wirklich gepanzert, dachte sich Martin. Kein einziger des SEKs wurde schwer verletzt oder gar getötet. Der Dunkle ignorierte sie soweit sie ihn nicht von seiner Beute abhielten. Wer sich ihm aber in den Weg stellte, wurde ausgeschaltet. Schnell und effizient. Die Beamten wussten zwar, dass Brand bereits seit Kindertagen Kampfsport ausübte, doch auch sie waren über seine Agilität und Fähigkeiten überrascht. Das ganze Szenario dauerte nur wenige Sekunden, da war der Spuk auch schon vorbei. Der fünfte Jugendliche war tot. Genickbruch. Der Einsatz von scharfer Munition war genehmigt worden. Etwas zu spät. Als die Beamten auf den Dunklen zielten, streckte er seine Arme von sich. So, als wollte er getötet werden. Martin begriff schnell und schrie laut: „Nicht schießen!“
Doch es war bereits zu spät. Der Dunkle ließ zwei Klingen aus den Unterarmen hervorschnellen und machte einen Ausfallschritt. Einer der Beamten verlor die Nerven und schoss. Der Gruppendynamik folgend eröffneten auch die anderen Beamten das Feuer. In einem Kugelhagel starb der Dunkle.

Die Cadeyr-Zwillinge knieten über der Leiche des Dunklen und nahmen seine Maske ab. Es war tatsächlich Achaz Brand gewesen.
„Er lächelt.“


Rückblick
Die Geschichte lehrt die Menschen,
dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.
Mahatma Gandhi


Die Sonne strahlte und das Lachen schallte über die Wiesen, brach sich erst an den rundum liegenden Bäumen. Gemeinsam lagen Achaz und Julia auf einer Decke und ließen sich die Sonne auf ihre halbnackten Körper scheinen. Das Picknick war eine Überraschung von Julia gewesen, die Achaz eine Überraschung preisgab. Die Familie bekam Zuwachs.
Langsam rollte sich Achaz auf seinen Rücken und legte seinen Kopf vorsichtig auf den Bauch Julias. Beide sahen sich in die Augen, während Julia ihrem Mann durch die Haare streichelte. Strahlend lächelnd wussten beide, was der andere dachte. Es war eine Beziehung, so intim und unglaublich, dass man sie für einen Traum halten mochte. Doch beide hatten das Glück einander gefunden zu haben. Nicht nur die Liebe, sondern auch eine Seelenverwandtschaft.
„Wir werden Eltern.“ Julias graue Augen verloren sich in Achaz‘ grünen Augen.
Noch nie hatte sie einen Mann gesehen, der grüne Augen hatte. Schon im ersten Augenblick hatten diese beiden Smaragde sie in ihren Bann gezogen.

Hand in Hand und lachend waren Achaz und Julia nach Hause gegangen. Ihre gute Laune steckte jeden an, auf den sie trafen und so verbreitete sich die frohe Kunde recht schnell in der Nachbarschaft.
An der Haustüre angekommen, wunderte sich Achaz, warum sie offen war. Hatte er sie nicht zugesperrt? Julia zuckte mit den Achseln, da sie sich nicht erinnern konnte. Aber wozu zusperren? Die Nachbarn würden nichts klauen und es hat bisher nie Diebstähle in dem kleinen abgelegenen Dorf gegeben.
Als sie die Picknickutensilien verstaut hatten, gingen beide die Treppe zur Wohnung hoch und erschraken, als sie auf einen fremden Mann trafen, der gerade den Flur inspizierte.
„Wer sind Sie? Was tun Sie hier?“
Julia stellte überrascht diese Frage, während Achaz sie verfluchte. Damit war der Überraschungsmoment fast vorüber. Achaz sprang den jungen Mann an, um ihn mit einem Kinnhaken niederzustrecken. Von dem Lärm aufgeschreckt, kamen vier weitere Jugendliche aus verschiedenen Zimmern in den Flur. Einer von ihnen trug eine Pistole und Achaz warf sich sofort auf ihn. Seiner Frau schrie er zu, dass sie verschwinden solle, doch in dem Moment, wo sie aus der Türe war, löste sich ein Schuss aus der Pistole. Als Querschläger traf die Kugel Julia. Schreiend brach sie zusammen.

Achaz kniete neben seiner Frau Julia und versuchte die blutende Wunde zu stoppen. Als Arzt stand ihm umfangreiches Wissen zur Verfügung, doch unterbewusst war ihm bereits klar, dass es zu spät war. Dennoch hielt ihn das nicht davon ab, alles zu versuchen, was ihm einfiel.
Die Gruppe der fünf jungen Männer hatte sich aus dem Staub gemacht, als sie das Blut spritzen sahen. Achaz hatte einem noch einige Haare ausreißen können, bevor er von einem anderen niedergeschlagen worden war.

Julias Beerdigung war ergreifend. Alle Freunde und Bekannte waren gekommen, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Achaz war während der Beisetzung zusammengebrochen, als auch noch Sanitäter und Rettungsassistenten - die mit ihnen befreundet waren - in Uniform und Krankenwagen eintrafen.

Es war so still in der Wohnung, wie es Achaz noch nie zuvor erlebt hatte. Nicht mal das Tropfen eines Wasserhahns oder das Zwitschern von Vögeln war zu hören. Nur der Holzboden des Dachbodens knarrte unter seinen Schritten. Das Geräusch fügte ihm beinahe schon physische Schmerzen zu. Langsam näherte sich Achaz einem Schrank mit alten Comics und blätterte sie durch. Es war sein gemeinsames Hobby mit Julia gewesen, Comics und Mangas zu sammeln. Er spürte eine seltsame Verbundenheit mit ihr, wenn er hier oben war und die unzähligen gezeichneten Hefte und Bücher durchblätterte.
Plötzlich entdeckte er einen Comic, den er schon seit vielen Jahren nicht mehr gelesen und fast vergessen hatte. In ihm ging es um einen Mann, der seine Familie durch einen Mörder verloren hatte. In diesem Augenblick breitete sich auf seinem ganzen Körper ein wohlig kalter Schauer aus und er war sicher, dass Julia bei ihm war. Er starrte auf die Comicreihe, nahm einen nach dem anderen heraus und begann auf dem Boden zu lesen. Da wusste er auf einmal, was er tun musste.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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