[Projekt] Founa

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[Projekt] Founa

Beitrag von Tom » Sa 8. Feb 2014, 16:57

  • Eine kurze Vorschau!
    Das Projekt läuft unter dem Titel Founa, so wie auch die Welt heißt. Es ist ein Fantasy Roman, der in einer anderen Welt, zu einer anderen Zeit spielt. Der Hauptcharakter, Akio Souzan, wird während eines wissenschaftlichen Experiments - das schief geht - nach Founa verschlagen. Die dort ansässigen Wesen halten ihn für die Reinkarnation des Feuers (das Fortschritt bringen soll). Akio selbst ist von dieser Welt so sehr fasziniert und begeistert, dass er schnell seinen Wunsch vergisst, wieder nach Hause zu wollen. Andererseits, wie sollte er das überhaupt zu Stande bekommen? Und dazu kommen noch seltsame Alpträume, von einem Wesen aus Feuer, dass ihn verzehren will ...
  • Die Hauptpersonen!
    • Akio Souzan ist ein Mensch, den nichts so schnell auf die Palme bringt. Er arbeitet genau und ist in der Arbeit, wie auch zu Hause ein ordentliches Individuum. Vielleicht hat er auch einen kleinen Aufräumtick. Er ist in keiner Beziehung und sucht auch nach keiner Partnerin. Sein Einzelgängertum ist ihm lieb und teuer.
    • Rose de Mon, gehört zur Pflanzenrasse der Ladblo. Sie ist sehr wissbegierig und geht oft unnötige Risiken ein. Neben der Tatsache, dass sie schnell lernt, ist sie auch hilfsbereit und freundlich. Allerdings sollte man sich vor ihren Wutausbrüchen in Acht nehmen, da diese nur langsam abklingen. Zudem ist sie nachtragend.
  • Eine Leseprobe ...
    ... wird dann kommen, wenn alles soweit unter Dach und Fach ist. ;)
  • Sachen, die ich bereits veröffentlicht habe:
    • X - Der Lauf des Lebens (In der Collectors Edition von X, einem Spiel der Schmiede EGOSOFT, zu finden)
    • Auf Messe(r)s Schneide (im Wunderwaldverlag erschienen)
  • Welche Motivation steckt hinter diesem Text? Wen will ich damit ansprechen?
    Auf alle Fälle will ich damit Freunde des Bereichs Fantasy ansprechen. Egal ob jung oder alt. Ich hab mich an diesem Buch versucht, weil mir einfach die ganze Breite an Vampiren, Werwölfen, Feen, Elfen, Zwergen usw. einfach zu eintönig und langweilig ist. Ich wollte einfach etwas neues und unverbrauchtes schaffen.

    Du willst mehr wissen?
    Dann sieh dir die Wiki an!

    Moment mal!
    Founa ist doch ein Forenrollenspiel?!

    Richtig. Das FRPG basiert aber nur insoweit auf dem Projekt, als das die Namen der Welt und der Orte gleich sind. Weder die Rassen, noch alles andere steht in Verbindung mit dem Buchprojekt. Ich hab mir auch schon überlegt, ob ich das FRPG nicht lieber Gaia nennen sollte. Aber das ha ich wieder verworfen.

Ich hasse Perfektion.
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[Leseprobe] Founa (Band 1)

Beitrag von Tom » Sa 28. Nov 2015, 16:11

"Die Rückkehr des Feuers" ist mein erstes Projekt, das ich begonnen habe.
Es ist eines der ältesten und ich denke mal, dass man das auch merkt.

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Re: [Leseprobe] Founa (Band 1)

Beitrag von Tom » Sa 28. Nov 2015, 16:11

Prolog

Es heißt, dass nach der Ära des Geistes die Ära der Erde begonnen hat. Das stimmt nicht. Nach der Ära des Geistes hat die erste Ära des Feuers begonnen.
Woher ich das weiß? Nun, ich muss es wissen.
Warum? Weil ich das Feuer bin.

Was denn, so erschrocken? Keine Sorge. Ich werde dich nicht verbrennen. Zu mindestens noch nicht.
Hahaha! Das war nur ein Scherz. Ich bin witzig, nicht? Nein? Vielleicht sollte ich dich doch in Asche verwandeln.
Nur ruhig Blut mein Freund, manchmal sind meine Witze wie schwarzes Feuer – nur für mich verständlich.

Wo war ich? Ach ja, bei der ersten Ära des Feuers ...
Uns fünf war langweilig. Die ganze Zeit im Nichts zu sein und nichts zu tun, ist wirklich ätzend. Okay, als ätherische Form einfach so rum zu hängen (das kannst du wörtlich nehmen), hatte auch so seine Reize. Ihr nennt das glaube ich Faulenzen.
Irgendwann hatte es aber mal den Geist gejuckt und er hat so eine schwarze Masse erschaffen. Hat das ganze ‚Universum’ genannt und wir fünf haben uns damit köstlich amüsiert die kleinen Teile zu manipulieren. Atome. Moleküle. Strahlung.

Du weißt nicht wovon ich rede? Kein Wunder, so primitiv wie ihr seid!
Was denn? Wenn ich dich noch mal beleidige willst du mir was zeigen?
Ich lach mich tot! Nein, nicht wirklich.
Aber was könntest du schon gegen mich ausrichten? Nichts?! Na siehste!

Der Geist hat mehrere dieser Teile erschaffen. Ich weiß nicht mehr genau wie viele. Irgendwas zwischen unzählbar und unendlich. Aber irgendwann war uns das auch langweilig geworden und wir haben was Größeres gebaut. Das hat natürlich vor allem den Erdheini begeistert. Ich hab mich in der Zeit damit beschäftigt diese Kugeln, Ovale und was die Teile noch so für unmögliche Formen hatten, zu verbrennen. Ist mir meistens auch gelungen. Okay, ich muss auch zugeben, dass ich einigen auch die Hitze entzogen habe und sie eiskalt implodierten, anstatt zu explodieren.
Der Erdling hat irgendwann mal so was von einem Konstrukt namens Planet erzählt und ich hatte meinen Heidenspaß daran diese Dreckskugeln wieder in die Luft zu jagen. Vor allem mit meinen eigenen Kreationen – den Kometen. Wenn ich schon von eigenen Kreationen spreche, dann möchte ich nicht unterschlagen, dass ich es war, der die Sonne erfunden hat. Ich hab große gemacht, kleine und mittlere. Die meisten waren rund, war am einfachsten so, aber einigen hatte ich auch eine andere Form verpasst. Aber am lustigsten war immer die Farbgebung. Wie ihr an eurem Nachthimmel, erkennen könnt, hatte ich damals ein Faible für rot und gold, und den habe ich immer noch. Aber ich hab auch andere Farben benutzt, um die Sonnen mannigfaltig zu gestalten.
Meinen kreativen Dämpfer bekam ich, als sich diese Luft eingemischt hatte. Hat die sich doch glatt auf diese Erdklumpen gelegt und etwas geschaffen, das sie Atmosphäre nannte. Diese dumme Atmosphäre hat im ersten Augenblick mir einen ziemlichen Schock verpasst und ich wusste gar nicht wie mir geschah. Aber mit der Zeit hab ich herausgefunden, dass diese Atmosphäre mir sogar schmeckt. Ich konnte einfach nicht an mich halten und musste mich ausbreiten.
Schließlich kam das Wasser. Was-er? Verstanden? Muahaha. Was, du bist fast taub? Stell dich nicht so an. Also, Wasser. Die hat immer so eine hemmende Wirkung auf mich. Sie verdirbt mir immer den Spaß. Irgendwer hat mal rum erzählt, dass wir ein Paar wären und ein Kind namens Rauch hätten. Davon müsst ich aber was wissen. Egal. Wo war ich? Achso, das Wasser kam. *prust* Okay, okay, ich halt in mich. *lach*
Das Wasser ist so eine Sache. Es hat mich mächtig aus gebremst und sogar zurück gedrängt. Der Erde verhalf es bei seinen Klumpen zu wahrer Blüte. Geist hatte sich seit langer Zeit schon nicht mehr eingemischt, aber just in dem Moment musste er wieder seine ätherischen Fingern mit ins Spiel bringen und hat Dinge zusammengebaut, die er Einzeller taufte.
Hmm ... wenn ich so darüber sinniere, dann fällt mir auf, dass Luft damals ziemlich geladen war, als Wasser sich an mich ran machte. Damals gab’s heftige Gewitter und Donnerwetter. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Aber lieber Einbildung, als gar keine Bildung. Nicht wahr, mein schlichter Freund?

Das waren noch Zeiten...
Nun ja, eigentlich waren die Ära der Erde und der Luft nicht so mein Fall.
Die Ära des Wassers hingegen hat mir richtig viel Freude bereitet. Aber auch einigen Stress mitgebracht.
Weißt du, eigentlich sind wir Elemente androgyn. Aber irgendwie werden wir doch geschlechtlich dargestellt. Luft und Wasser haben weibliche Züge, während Geist, Erde und meine Wenigkeit, Feuer, männlich charakterisiert werden.
Ich frag mich nur: Warum?
Mit jedem Lebenszyklus haben wir fünf uns in die dominierende Lebensform reinkarniert, um deren Existenz zu leben. Okay, als Einzeller war das Leben nicht wirklich interessant. Fressen. Reproduktion. Schlafen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge und auch nicht immer alles davon. Allerdings muss ich zugeben, dass das erst im Nachhinein beurteilt werden kann, da wir während dieser Zeit unser Gedächtnis blockieren.
Aber was rede ich hier von Einzellern? Ich war auch schon ein mehrzelliges Schwabbeldingens. Allerdings möchte ich davon nicht erzählen. Das ist eine etwas peinliche Geschichte. Du glaubst mir das nicht? Na, vielleicht werd ich dir das mal irgendwann erzählen.
Weiter im Text. Ich war auch schon eine Wolchse. Du weißt nicht was das ist? Stimmt ja, du bist ja nur ein Sterblicher mit einer kurzen Lebensspanne. Die Wolchse war eines der ersten Tiere an Land. Es ist irgendwo zwischen Echse und Säuger einzuordnen. Daraus haben sich dann im Laufe der Jahrmillionen einige andere Arten entwickelt. Zum Beispiel der Chamfuchs oder der Wolfsspinner. Hmm ... das Vieh gehört jetzt auch schon wieder in diese Zwischenkategorie; teils Säuger, teils Insekt. Manche sogar so intelligent wie du. Wobei ... Kann man eigentlich sagen, dass du intelligent bist?

Ob das ein Scherz war? Natürlich nicht.
Was? Eine Spinne ist kein Insekt?
So ein Klugscheißer wie du muss mich nicht darauf hinweisen.

In den meisten Formen bin ich als Männchen reinkarniert, weil nun mal das Männlein das dominante Geschlecht war und ist. Aber ich bin auch schon als Zwitter, Androgynes und Weibchen reinkarniert. Du glaubst gar nicht, was man so alles für Spielchen spielen kann. Vor allem mit dem Körper. Wenn du verstehst was ich meine.

Hehehe ...
*knuff*
Was schreist du so?
Ich hab dir beinahe die Rippen gebrochen?
Weichei.
*patt patt*
Hoppla, jetzt brennst du ja. ’Tschuldigung.
*lösch*

Ich gebe dir ein Rätsel auf, und wenn du es mir richtig beantwortest, dann bekommst ein besonders Geschenk.
Was ist zuerst so groß wie ein Mensch, dann drei Meter und zum Schluss zwei Zentimeter?
Keine Ahnung?
Du! Als Stichflamme. Als Asche.

FWOOSH!
Hahaha ...
Hui ... Humor!
Hahaha ...

Na komm, trags mit Fassung.
Hehehe ...

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Re: [Leseprobe] Founa (Band 1)

Beitrag von Tom » Sa 28. Nov 2015, 16:11

Kapitel 0 - Alpträume

Es ist dunkel.
Ich öffne meine Augen.
Es ist immer noch dunkel.
Ich versuche die Nachttischlampe an zuschalten.
Es bleibt dunkel.

Ich verkrieche mich unter mein Kopfkissen. Zeit verstreicht. Ich weiß nicht wie viel. Plötzlich höre ich Geräusche. Ich komme unter dem Kissen hervor und sehe ein paar riesige grüne Augen auf mich herab starren. Irgendwoher kommt schwaches illuminierendes Licht. Ich kann eine abstrakte Gestalt erkennen. Ungefähr drei Meter groß und massig. Die Gestalt hat Ähnlichkeit mit einem Menschen, doch sie ist kein Mensch. Keine Ahnung woher ich diese Gewissheit nehme. Gebückt kommt sie näher und reißt mich aus meinem Bett. Ein Brüllen gibt die Kreatur von sich, das mir eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Aber nicht nur das Gebrüll setzt mir zu. Als ich die rasiermesserscharfen Reißzähne in dessen Maul sehe, befürchte ich das Schlimmste. Zu Recht. Ich werde zerrissen.


Es ist dunkel.
Ich öffne meine Augen.
Es ist immer noch dunkel.
Ich versuche die Nachttischlampe an zuschalten.
Es bleibt dunkel.

Ich verkrieche mich unter meiner Bettdecke. Zeit verstreicht. Ich weiß nicht wie viel. Plötzlich höre ich Geräusche. Ich komme unter der Bettdecke hervor und sehe an der Bettkante mehrere Paare stechend gelber Augen mich beobachten. Irgendwoher kommt illuminierendes Licht. Mehrere Wesen, kaum fünfzig Zentimeter groß, umkreisen trippelnd mein Bett. Graugelbe Haut mit vielen Falten, Schrammen und Narben lassen diese Wesen nicht gerade sehr freundlich erscheinen und das, obwohl sie lächeln. Ihren Kehlen entrinnt ein gieriges Seufzen und lüsternes Ächzen. Spitze Zähne und scharfe Krallen an zwei Händen mit je vier Fingern lassen mich schlimmes befürchten. Zu recht. Ich werde zerfetzt.


Es ist dunkel.
Ich öffne meine Augen.
Es ist immer noch dunkel.
Ich versuche die Nachttischlampe an zuschalten.
Es bleibt dunkel.

Ich steige aus meinem Bett. Plötzlich höre ich Geräusche. Durch die Finsternis tastend bewege ich mich vorsichtig durch die Wohnung. Es ist kalt. Ist ja auch klar. Ich bin nur mit einer Unterhose bekleidet, es ist Winter und die Feuer in den Kaminen und Öfen sind schon längst erloschen. Wieder höre ich Geräusche. Sie kommen von der Wohnung unter mir. Dort wohnt meine Großmutter. Was stellt sie jetzt wieder an? In das eisige Treppenhaus tastend versuche ich einen Weg nach unten zu fühlen. Aber das einzige was ich fühle ist Kälte. Der Marmor, aus dem das Treppenhaus besteht, zieht die Kälte von draußen richtiggehend an. Als ich endlich die untere Wohnung erreicht hatte und nicht über die zwei Mal acht Stufen nach unten gefallen bin, betrat ich sie. Irgendetwas war anders. Die Dunkelheit hatte sich verändert. Irgendwie fühlte ich eine Substanz, die mir die Luft abschnürte. Ich tastete mich an der Wand des Ganges entlang, zur Küche vor, und öffnete die gläserne Türe. Als ich versuchte das Licht einzuschalten flackerte es matt. Ich fühlte mich kraftlos, als ich die Szene vor mir sah. Leichenteile lagen überall herum und Eingeweide klebten an Wänden und Decken. Blut hatte sich auf dem Boden ausgebreitet und schien sich einen Weg überallhin zu suchen. Da erlosch das kraftlos flackernde Licht und die Dunkelheit um mich herum verdichtete sich plötzlich zu einer formlosen Präsenz, ohne das sich etwas an der Finsternis veränderte. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und sah, wie sich aus der Dunkelheit über mir zwei glühend rote Augen schälten. Die Finsternis schien mich mit einer riesigen Faust zu packen und hoch zu heben. Dann begann das Martyrium.
YYYYYYYYYYEEEEEEEEEEEEEAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRRRRGGGGGGGGGHHHHHHHHH!!!!!


Es ist dunkel.
Ich öffne meine Augen.
Es ist immer noch dunkel.
Ich versuche die Nachttischlampe an zuschalten.
Es wird hell.
Endlich.

An die mit hellem Holz vertäfelte Decke blickend, frage ich mich, wieso ich solche Alpträume habe. Vor allem auch, woher mein Unterbewusstsein so abstrakte Vorstellungen her hat. Ich bin kein großer Fantasy-Fan. Eigentlich mach ich sogar einen Bogen um solche Sachen. Ich bin 25 Jahre alt und habe seit meiner ersten Erinnerung immer wieder diese drei wiederkehrenden Alpträume. Vielleicht ein Kindheitstraumata? Kann schon sein. Meine Erinnerung setzt erst mit meinem dritten Lebensjahr ein. Was vorher war – keine Ahnung. Da ich adoptiert wurde, wäre es möglich, dass ich aus schlechten, sprich brutalen, Familienverhältnissen stamme. Aber was solls. Mich interessiert es eh nicht. Meine Adoptiveltern habe ich mit zweiundzwanzig, durch Krankheit, verloren. Auch das hat mich nicht wirklich bewegt. Wenn ich ehrlich bin, mich bewegt kaum etwas. Mein ganzes Leben lang war ich immer ein Opfer. Mit vier Jahren wurde ich bereits dreimal von den Nachbarstöchtern vergewaltigt. In der Schule wurde ich immer geschlagen, obwohl oder vielleicht auch deswegen, weil ich immer gute Noten hatte. Nun, mit einem Intelligenzquotienten von 159 muss man sich wohl in Acht nehmen. Wie heißt es doch so schön? Mitleid bekommt man geschenkt, aber Neid muss man sich erarbeiten. Trotzdem habe ich mich nicht sonderlich hervorgetan. Im Gegenteil, ich habe mich immer weiter zurückgezogen. Ich habe keine Klasse übersprungen, um nicht noch weiter aufzufallen. Ich persönlich nenne es Schattendasein. Nicht auffallen. Still verhalten. Unsichtbar sein. Niemanden einen Grund geben, um auf dich aufmerksam zu werden.
War Trek war und ist noch immer meine Lieblingsserien. Die menschliche Rasse, aggressiv und doch voller Hoffnung, versucht sich unter den Sternen ein Heim zu errichten, wo es nach Frieden und Freiheit in Form einer Föderation strebt. Doch ein Imperium aus verschiedenen Alienrassen verurteilt die Menschheit zum Tode, da sie anscheinend keinen Gewinn für die universale Vielfalt darstellt.
Fasziniert war ich vor allem von dem Alien namens Vulcan. Er gehörte einer langohrigen und grauhäutigen Spezies an, die nie Emotionen entwickelt hatten und sich der Logik hingaben. Ihn habe ich mir zum Vorbild genommen. Seit ich die Serie vor über siebentausend Folgen das erste Mal gesehen habe, Vulcan ist –obwohl langlebig- schon längst tot, habe ich versucht auch meine Emotionen auszuschalten. Heute kann ich sagen, dass ich damit Erfolg hatte. Nun, fast. Ganz lassen sie sich nicht ausschalten. Aber das macht nichts. Es reicht, um sich nicht durch das Leben quälen zu müssen.

Gähnend stehe ich auf und schaue auf die Uhr. Vier Uhr dreißig morgens. Zu früh. Viel zu früh. Der Wecker läutet aber bereits seit einer halben Stunde. Also schlürfe ich noch etwas benommen in die Küche und heize erst einmal kräftig ein. Ich hasse Kälte. Ich konnte Kälte noch nie ausstehen. Wenn es kalt wird, dann bekomme ich immer Bauchschmerzen und mein Blinddarm beginnt zu stechen. Äußerst lästig. Da lobe ich es mir, wenn es schön warm ist. Wenn es richtig heiß ist. Schade, dass die Sommer der letzten Zeit immer verregneter sind und kälter werden. Ich vermisse die alten Sommer mit ihren über dreißig Grad Hitze im Schatten. Ich weiß nicht warum, aber je wärmer es wird, desto mehr Kraft bekomme ich. Vielleicht ist das auch nur eine psychosomatische Einbildung.
Als es anfängt schön warm zu werden, sitze ich bereits am Esstisch und lausche. Außer dem Prasseln des Feuers ist nichts zu hören. Das Haus ist tot. Kein Wunder, es lebt hier ja auch niemand mehr außer mir. Die verrückte Oma wurde in eine Anstalt eingewiesen, als sie beinahe das ganze Haus abgefackelt hätte. Mein Hund, Napoleon, starb vor ein paar Wochen an Altersschwäche. Zwanzig Jahre, was wohl ungefähr 146 Hundejahren entspricht, sind mehr als genug. Auch mein schwarzer Kampfkater, Conan, hat mich auf natürliche Weise verlassen. Mit siebzehn Jahren, bei uns mit 83 Jahren ein Greis, hatte er keine Lust mehr. Ich kann beide verstehen.
Obwohl meine Lebensspanne noch nicht abgelaufen ist, habe ich auch keine Lust mehr aufs Leben. Mein täglicher Ablauf beschränkt sich nur noch mehr aufs Aufstehen, in die Arbeit gehen, den Tag rum bringen und dann zu schlafen. Was sonst? Ich mag keine Partys oder Feiern. Mir ist es zuwider den anderen dabei zuzusehen, wie sie sich besaufen oder mit Drogen zu dröhnen. Zudem finde ich so was als Zeitverschwendung. Da kann ich Zuhause doch noch sinnvolleres anstellen.
Es ist klar, dass ich so wohl auch nie eine Frau fürs Leben finden werde. Aber, nachdem was ich so alles durchlebt habe, will ich nicht wirklich eine Bindung eingehen. Viel zu lästig und vor allem sind mir die Verpflichtungen ein Graus. Ich hätte zwar schon gern eine Frau, mit der ich eine Familie gründen würde, aber meine Vorstellungen gehen wohl ins Träumerische über. Treue, Ehrlichkeit und Vertrauen, sind in dieser heutigen unserer Zeit kaum mehr zu finden. Was ich bei einer Frau überhaupt nicht leiden kann, dass ist das Rauchen. Widerwärtig, vor allem beim Küssen. Ich lehne auch eine Frau ab, die Alkohol trinkt, Drogen nimmt oder ein Partygirl ist. Ich bin ein Kuschelbär, der gerne zu Hause vorm Kamin sitzt und etwas Romantisches anstellt.
Ich schlage die Zeitung auf, während ich eine Tasse Sauerkirschtee trinke und dazu ein selbst gemachtes Sandwich esse. Zwei Scheiben Weißbrot, zwei Blätter Salat, vier Scheiben Schinken, vier Scheiben Hartwurst, je zwei Gurkenhälften, Salz, Pfeffer und scharfer Senf lassen meinen Hunger verfliegen.
Kauend lese ich die Schlagzeile auf Seite Eins: Jepenaschir Ministerpräsident Takahashi Fanxipo hält betrunken Ansprache. Nun ja, wenn er meint. Frenkraich geht in Schnee unter, heißt die zweite große Schlagzeile und interessiert mich genauso wenig wie der betrunkene Asiat. Die Seite drei bringt örtlichere Neuigkeiten: Dautschlend in wirtschaftlicher Krise und Nachbarland Estirröch erklärt Regierung für gescheitert, entlocken mir auch keine Reaktionen. Mit der Welt geht’s bergab, das ist mein einziger Gedanke, als ich weiterblättere und keine positiveren Meldungen raus lesen kann. Neofaschis jagen Ausländerheim in die Luft – mehrere dutzend Tote, religiöse Oberhäupter sind gegen sexuelle Aufklärung und Terrorist Bio Laden droht mit weltweiten biochemischen Anschlägen, sind noch die harmlosesten.
Ich lege die Zeitung weg, schaue auf die Uhr und muss feststellen, dass bereits zwanzig Minuten vergangen sind. Ich habe bloß noch mehr zehn Minuten Zeit um mich fertig zu machen. Was juckts mich? Komm ich halt zu spät in die Arbeit. So sehr brenne ich auch nicht drauf dorthin zu kommen. Am liebsten würde ich wieder ins Bett gehen und weiter schlafen. Aber da ich nun mal das Geld fürs Leben brauche, und ich zu anständig für Selbstmord bin, gehe ich nun ins Bad.
Lauwarmes Wasser löst mir meine verklebten Augen und ich kann besser sehen. Nicht mehr so verschwommen. Fünf Minuten später und mit frisch gewaschenen Haaren sitze ich im Schneidersitz vor dem Elektroofen im Bad und putze meine Zähne. Seit kleines Kind hocke ich schon hier und noch immer habe ich es mir nicht abgewöhnt. Bin ich normal? Nein, denke ich nicht. Aber immerhin finde ich mich normaler als andere. Aus dem Schlafzimmer höre ich gerade so, wie die Nachrichtensprecherin sagt, dass es bereits fünf Uhr morgens ist. Langsam erhebe ich mich und meine Gelenke knacken vernehmlich, nicht nur die meiner Beine, sondern auch die meiner Arme. Also bewege ich meinen Kopf nach rechts und links und lasse es weiter knacken.
Gott ... ich bin so was von kaputt.
Gott? An so was glaube ich nicht. Ich bin Wissenschaftler. Egal. Ich putze mir noch die Ohren und anschließend kämme ich mir noch die Haare. Dann schaue ich in den Spiegel und finde, dass ich einigermaßen aussehe. Mit einem Meter achtzig und sechzig Kilo bin ich nicht gerade das, was man einen durch trainierten Mann nennen kann. Doch da ich heimlich die waffenlosen Kampfküste erlerne und mehr oder weniger hart trainiere, finde ich es gut, dass man mich so durch mein Äußeres unterschätzt.
Meine dunkelbraunen Haare waren vor ein paar Jahren noch so lang, dass ich sie zu einem Pferdeschwanz binden konnte und sie mir bis an die Hüfte reichten. Doch als ich arbeitslos wurde und nach einem neuen Job suchte, musste ich –gezwungener maßen- meine Haare kürzen. Jetzt waren sie nur noch mehr wenige Zentimeter lang, aber ich finde, dass mir das auch steht. Genauso wie mein glattes und jugendlich wirkendes Gesicht. Zu mindestens wird mir das gesagt. Keine Ahnung ob es stimmt. Wie dem auch sei, ich fand mich mit einem langen asiatisch wirkenden Ziegenbart auch ganz hübsch. Vielleicht sogar etwas würdevoller und weiser. Nun ja, ich kann mir ja wieder einen wachsen lassen.
Tief in den Spiegel blickend, frage ich mich, was diese gelben und roten Farbtupfer in meiner grauen Iris zu suchen haben. Wahrscheinlich deuten sie darauf hin, dass meine Augen kaputt gehen. Wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir ein, dass ich seit einiger Zeit schon keine Buchstaben und Ziffern mehr aus einiger Entfernung lesen kann. Ich muss immer meine Augen zusammen kneifen, damit ich etwas erkennen kann. Mit Texten in meiner Nähe habe ich aber keine Probleme. Seltsam ist nur, dass sich diese Unschärfe nicht auf weit entfernte Objekte auswirkt. Brauche ich etwa eine Brille als Sehhilfe? Nein.
Fünf nach fünf und ich bin immer noch nicht angezogen. Also gehe ich wieder zurück ins Schlafzimmer, schalte das Radio aus, das bereits seit einer Stunde läuft, und krame aus dem Schrank eine lange Unterhose, sowie einen Nierenschutz. Zu kalt. Viel zu kalt. Eine warme schwarze Jeans und ein dunkelroter Pullover mit einer goldenen Flamme auf der Rückseite später, bin ich fertig für die Abfahrt. Hausschlüssel, Handy, Geldbeutel und Autoschlüssel - hab ich. Also, Licht aus und ab.

Eine Stunde später und mehreren Unfällen knapp entgangen, stehe ich vor verschlossenen Toren.
Da bin ich wohl nicht der Einzige, der bei diesen Verhältnissen zu spät gekommen ist.
Mit mir stehen noch mehrere Dutzend anderer Mitarbeiter des Institutes für allgemeine Forschung in Menchün vor selbigem. Ich tu mich da sowieso nicht ab, ob ich zu spät komme oder nicht. Ich fahre ruhig und gelassen, denn ich komme schon dorthin, wo ich hin will. Mit sechzig, maximal achtzig Stundenkilometern, bin ich über die zu geschneiten und spiegelglatten Straßen gefahren. Dabei haben mich immer wieder Wahnsinnige überholt, die dann meistens ein paar Minuten später im Graben gelandet waren. Versteh einer, warum man so rasen muss. Vor allem bei solchen eisigen Verhältnissen.

„Kalt.“

Natürlich ist es kalt, aber ich bin warm angezogen und meine dicken Socken bewahren meine Füße davor ebenfalls kalt zu werden. Ich hasse kalte Zehen. Auch meine Thermohandschuhe halten meine Finger warm. Das einzige was ich nicht schützen kann ist mein Gesicht. Das wird für die Erkennung gebraucht. Irgendwie fand ich die Situation doch schon etwas witzig. Wir Menschen haben uns technisch so weit entwickelt und nun, ein etwas festerer Winter, und schon versagen einige elektrische wie auch elektronische Systeme. Wie jetzt die Retinasensoren am Haupteingang. Jetzt mussten die Angestellten und Mitarbeiter auf einen Wächter warten, der uns mit einem Schlüssel reinlassen konnte.
Erst jetzt reagiere ich auf den an mich gerichteten Kommentar. Eine junge Frau, ich wusste, dass sie einundzwanzig Jahre jung und noch unberührt war, mit blondem langen Haaren, die ihr ins schmale Gesicht vielen und strahlend blauen Augen, aus denen der Schalk, aber auch eine ungewöhnliche Weisheit sprachen, hatte sich zu mir gesellt. Wenn ich noch normale Emotionen gehabt hätte, was würde ich für sie empfinden?

„Ja.“ Ein schlichtes Entgegenkommen.

Sie klammerte sich an meinen Arm und ich spürte, wie sie vor Kälte schlotterte. Ich zog meine linke Augenbraue hoch, aber weiter reagierte ich nicht. Der Wächter kam und sperrte das Haupttor auf. Schnell huschten alle hinein und auch meine Begleiterin war heilfroh, als wir die warme Aula erreicht hatten. Diskussionen über dieses unmögliche Wetter herrschten vor, manchmal unterbrochen über Fragen wies denn dem einen oder der anderen ginge. Wenige Minuten später, und in die Forschungskleidung geschlüpft, zerstreute sich die Ansammlung in alle Bereiche.
So ging ich mit meiner Begleiterin, die eine mir untergebene Kollegin war, zu unserem Forschungsbereich. Ich war stellvertretender Abteilungsleiter für Metaphysik und multidimensionale Forschung, sie meine Assistentin. Bevor wir das Laboratorium betraten, schickte ich sie los, um mir einen Tee zu holen und ich gab ihr genügend Geld mit, damit sie sich auch selber etwas kaufen konnte, obwohl sie das gar nicht wollte. Ich wartete erst gar nicht, bis sie zurück war und öffnete die Türe.
Als ich den Knauf berührt hatte und die Türe öffnen wollte, wurde ich von einer Druckwelle an die gegenüberliegende Wand geschleudert. Ich schüttelte den Kopf, um die erste Benommenheit von mir abzustreifen, und schaute dann überrascht in das Laboratorium. Hatte es eine Explosion gegeben? Es sah so aus. Ein Ring aus Feuer schwebte mitten im Raum und kam jetzt langsam auf mich zu. Meine Glieder schmerzten und ich versuchte aufzustehen, doch irgendwie wollte das nicht klappen. Das Feuerkonstrukt kam immer näher, bis es mich schließlich berührte und einhüllte. Feuer erfüllte meine Wahrnehmung. Schmerzen durchströmten meine Sinne.

Ich schloss meine Augen, gab mich der Müdigkeit hin und zog ein Fazit:
Mein Leben war ein Alptraum.

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Re: [Leseprobe] Founa (Band 1)

Beitrag von Tom » Sa 28. Nov 2015, 16:11

Kapitel 1 – Der Kuss der Rose

„Aufwachen!
Hey! Komm endlich zu dir!“
Eine Stimme, sie hört sich so vertraut an.
„Natürlich, schließlich gehört sie ja auch dir!“
Ich habe gedacht, nicht gesprochen, da bin ich mir sicher.
„Ohje ...
Natürlich hast du gedacht, aber hier ist das so gut wie gesprochen.“
Hier? Wo bin ich?
Ich öffne meine Augen und sehe Feuer. Um mich herum steht alles in Flammen. Ich versuche zu flüchten, doch wohin ich mich auch wende, wohin ich auch eile, überall lodert das Feuer. Nicht nur neben mir, sondern auch unter und über mir. Wo bin ich?
„In deinem eigenen Geist.“
Wer bist du? Wo bist du?
„Ich bin überall und ich befürchte deine erste Frage sollte eher lauten: Wer bist DU?“
Um mich herum verändert sich alles. Das Feuer streckt sich. Es nimmt bizarre Formen an. Überall erblicke ich in sich verdrehende Säulen, die miteinander verschmelzen und ein absurdes Konstrukt bilden. Was geschieht hier?
„Dies ist dein Inneres. Dein Körper. Deine Seele. Dein Geist. Dein Gehirn.“
Wieso spreche ich mit mir selber?


Ich erwache.
Seltsame Gefühle durchströmten meinen Körper in den ersten Augenblicken. Was war das für ein seltsamer Traum aus Feuer? Was war geschehen? Ich konnte mich nur noch mehr daran erinnern, dass ich in mein Forschungslabor gehen wollte.
Wo bin ich? Mein Blick streifte umher und ich fand mich an einem Ort wieder, der mir fremd war. Überall um mich herum befand sich Holz. Decke, Wände und sogar der Boden waren aus Holz. Aber es war kein furniertes Holz. Es sah so aus, als würde ich in einem riesigen Baumstumpf liegen. Aber es war bequem. Unter mir fühlte ich etwas Warmes und weiches. Als ich mich versuchte um zu drehen, fing meine Brust an zu schmerzen. Hatte ich mich verletzt und befand ich mich nun in einer Art Halluzination? Aber dann dürfte ich den Schmerz nicht spüren. Seltsam. Nun auf der Seite liegend, erkannte ich, dass ich auf eine Art Gras lag. Mit einer Substanz die Moos ähnelt war ich zugedeckt worden. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nackt war. Wo waren meine Sachen? Ich kniff meine Augen fest zu und öffnete sie langsam wieder. Ein leichter Schwindel erfasste mich, aber geändert hatte sich nichts. Ich war immer noch hier. Wo war hier? Das alles war so verwirrend.
Ich schlug die Moosdecke zurück und stand auf. Etwas wackelig auf den Beinen wankte ich auf ein Fenster zu, das meinem seltsamen Bett gegenüber lag. Als ich am Fenster angekommen war, stützte ich mich am Rahmen ab. Holz, eindeutig Holz. Aber das Fenster war nicht verglast. Ich betastete vorsichtig das Material und wunderte mich. Es war warm und elastisch. Dennoch zerriss es nicht, als ich behutsam dagegen drückte. Ein Duft von Äpfeln und Kirschen stieg mir im selben Moment in die Nase. Ich sah nach draußen und ein Knoten bildete sich in meiner Brust. Ich konnte nicht weit sehen, denn rundum standen Bäume. Mit Fenstern. Mächtige braune Stämme, mit mindestens zwanzig Metern Durchmesser, ragten weit auf in die Höhe, sodass ihre Kronen, mit grünen und blauen Ahorn ähnelnden Blättern, viel Licht schluckten. Ich sah nach unten, war mehr oder weniger beruhigt, dass ich mich nur so um die zehn Meter über dem Waldboden befand. Zu mindestens vermutete ich, dass ich mich in einem Wald befand.
Auf dem Boden konnte ich keine Bewegung ausmachen. Ich traute der ganzen Sache immer noch nicht. Ich fühlte und nahm alles so wahr, als wäre ich wach. War ich wirklich in der Realität? Mir kam ein Verdacht. Wäre es möglich, dass ich einem Unfall zum Opfer gefallen war und auf einen anderen Planenten transferiert wurde? Es wäre natürlich auch möglich, dass ich durch die Zeit gereist war und dies eine entfernte Vergangenheit oder Zukunft meiner Heimatwelt darstellte. Andererseits war es auch möglich, dass ich in eine parallele Zeitlinie gelangte oder in ein paralleles Universum. Es nützte nichts darüber nach zu grübeln, ich musste diese neue Umgebung erkunden, um einen entsprechenden Schluss ziehen zu können. Ich drehte mich um und versuchte etwas in diesem kargen Raum zu finden, was einer Bekleidung am nächsten kam oder sich dazu machen ließ. Fehlanzeige. Bis auf das Mooslaken war dieser ausgehöhlte Baum leer. Also nahm ich das Laken und wickelte es mehrmals um meine Hüfte. Eine Ecke steckte ich in eine Falte, da ich nichts hatte, um den Pseudorock fest zu machen. So, Kleidungsproblem gelöst.
Als nächstes: Wie komme ich hier raus? Ich ging den Raum ab und entdeckte in einer Ecke so etwas wie eine Treppe. Als ich mit meinem Fuß die erste Stufe betrat, verlor ich auch schon den Halt auf der glitschigen Oberfläche. Mit einem Schreckensschrei polterte ich durch eine Art Tunnel hinab und landete unsanft auf meinem Gesicht. Das schmerzte.
Als ich mich aufrichtete, verlor ich mein behelfsmäßiges Kleidungsstück und hörte gleichzeitig Geraschel in meiner Nähe. Als ich mich um blickte, sah ich vier riesige Pflanzen auf mich zukommen. Ihr Äußeres erinnerte mich sehr stark an eine Rose. Vor allem ihr Kopf. Eine farbenfrohe Blüte. Ihr Gesicht und auch ihr Körper hatten eine gewisse Ähnlichkeit mit Humanoiden. Sie hatten einen Hals, der auf einem zierlichen Torso ruhte und sich in zwei Arme und zwei Beine gliederte. Die Arme gingen in viergliedrige Finger über und die Beine liefen in einem Wurzelwerk aus, mit dem sie sich anscheinend fortbewegten. Gelenke konnte ich nicht erkennen. Es war mir ein Rätsel, wie sich eine Pflanze soweit hatte entwickeln können. Zwar sah ich an ihren Körpern, wie sie so etwas wie Adern und Venen hatten, durch die wohl Blut pulsieren mochte, doch ein Heben und Senken ihrer Brust –wie bei der Atmung- konnte ich nicht erkennen. Moment ... sie waren nackt?! Erst jetzt wurde mir klar, dass ich die ganze Zeit ebenfalls nackt vor diesen Wesen gestanden hatte und schaute mich nach dieser Moosdecke um. Erschrocken stellte ich fest, dass diese sich selbstständig gemacht hatte und durch den Tunnel zurück nach oben robbte, wie eine Raupe.
„Hölle, was ist das?“
Eine Pflanze, die ungefähr einen Meter siebzig groß war, kam auf mich zu, umarmte und küsste mich intensiv. Ein säuerlicher Geschmack, wie der einer Zitrone, machte sich in meinem Mund breit und ich spürte, wie etwas in meinen Rachen gelangte. Keime? Sporen? Wollten mich diese Wesen als Brutkasten für ihren Nachwuchs hernehmen? Wieder dieses Rascheln. Ihre Sprache? Was auch immer mir dieses Wesen in den Rachen geschoben hatte, es holte es zurück und löste sich von mir. An die Wand zurück stolpernd hustete ich und spuckte aus. Dann sah ich auf und mustere die Wesen, die sich nun in ihrer seltsamen Sprache zu unterhielten schienen. Eines dieser Wesen wirkte auf mich krank. Seine grünbraune Haut war mit grauschwarzen Flecken bedeckt und matt. Konnte man von Haut reden? Sollte ich lieber Fasern sagen? Das alles war so überwältigend! Die zweite Pflanze machte zwar nicht den Eindruck von Krankheit, aber dennoch wirkte sie mit ihren dunkelgrünen Fasern auf mich alt. Eine kleine kaum einen Meter große Pflanze war giftgrün und dessen Blüte verfärbte sich immer wieder von hellrot, über violett, hin zu gelb. Zum Schluss sah ich mir die Pflanze genauer an, die mich geküsst hat. Sie hatte die Farbe eines zarten Waldgrüns und wirkte auf mich vital. Die drei Pflanzen berührten die Waldgrüne und bei allen vieren tauchten für wenige Augenblicke gelbgrüne Sprenkel dort auf, wo sie einander berührten. Diese Sprenkel wanderten hinauf zu den Blüten, wo sie dann verschwanden. Was auch immer das gerade war, synchron drehten sie sich um und kamen langsam auf mich zu.

„Keine Angst.“ Sagte der Kranke mit seltsamer Stimme.
„Wir wollen dir nichts tun.“ Fügte die Alte hinzu und auch ihre Stimme wirkte seltsam.
„Du bist unter Freunden.“ Auch die Stimme des Giftgrünen klang seltsam in meinen Ohren.
„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.“ Seltsamerweise klang die Stimme der Waldgrünen melodischer als die der anderen.
„Mein weiblicher Ableger kann Sprachen durch Berührung lernen. Sie hat es in deinem Fall wohl etwas übertrieben.“ Wieder der Kranke.
„Du bist ein Mensch, nicht wahr?“ Die Alte.
Jetzt musste ich mich erstmal setzen. An der Wand glitt ich nach unten und nahm am Boden platz. Sprechende, laufende Pflanzen, die intelligent sind! Wo hat man das schon mal gesehen? Ich schüttelte meinen Kopf und sah in die Gesichter der Wesen. Sie wirkten fast menschlich.
„Ja, ich bin ein Mensch. Aber ich komme nicht von hier. Ich glaube ... das alles zu erklären würde lange dauern und ich bezweifle, dass ihr auch nur einen Hauch davon verstehen würdet.“
„Erkläre es uns und wir werden sehen.“ Der Giftgrüne.

Ich hatte etwas zu Essen bekommen. Es war eine Art Brei, der aus den Früchten der Bäume zubereitet wurde. Er schmeckte köstlich, irgendwie nach Birne und Banane. Vor allem machte er satt. Auch eine Art Kleidung hatte ich geschenkt bekommen. So etwas wie ein Anzug, der aus verschieden großen Blättern zu bestehen schien, aber äußerst angenehm zu tragen war. Angeblich wasserabweisend und atmungsaktiv. Stunden waren vergangen und ich erzählte ihnen von dem Unfall, der mir langsam wieder in Erinnerung kam. Sie verstanden wirklich nichts von dem was ich sagte. Technologie schien sich hier nicht viel entwickelt zu haben. Dafür aber eine große natürliche und bionische Entwicklung, wie an meinem Anzug zu erkennen war. Als ich geendet hatte, schienen sie sehr aufgeregt zu sein. Ihre Blüten hatten alle eine Farbe von intensivem Rot und Gelb bekommen. Ich konnte ihre Aufregung nicht verstehen und fragte deshalb nach.

Der Kranke antwortete mir. „Wir sahen eine Sphäre aus Feuer hoch über uns. Sie kam zu uns herab und wandelte sich zu einem Ring, aus dem du entstiegen bist. Ohne Bewusstsein und schwach an Leben haben wir dich über viele Tage und Nächte gepflegt, bis du heute Morgen erwacht bist.“
Ich war sprachlos. Viele Tage und Nächte? Bewusstlos und schwach an Leben? Ein eiskalter Hauch fuhr durch mich hindurch. Das war etwas, was ich nicht hören wollte. Auch wollte ich nicht hören, dass man so etwas noch nie zuvor erlebt hatte. Erst jetzt kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht nie wieder zurück in meine Welt kommen könnte. Seltsam daran war, dass mir das nichts auszumachen schien. Vielleicht war ich so geschockt, dass mich diese Erkenntnis erst später aus der Bahn werfen würde.
Mir wurde die Geschichte um die vier sich wiederholenden Ären erzählt. Dann wurde mir berichtet, dass man schon sehr lange Zeit auf das Feuer wartete. Auf eine ätherische Gestalt, die rasanten Fortschritt bringen sollte. Doch sie kam nicht. Der Fortschritt ging nur langsam voran und Neid und Missgunst breiteten sich unter den Völkern dieser Welt aus, die den klangvollen Namen Founa trug. Kriege traten auf und brachten Leid, Krankheit und Tod, wie auch Zerstörung mit sich. Die anderen Elemente versuchten die Wogen zu glätten und die Völker Founas beruhigten sich wieder. Doch ab jenem Zeitpunkt konnte man sagen, vegetierte das Leben nur noch mehr dahin. Die Offenbarung, dass man durch mein Erscheinen ein Zeichen darin sah, dass das Feuer zurückkehren würde, ließ bei mir einige Alarmglocken läuten.

Ich musste erst einmal über dieses neu hinzugewonnene Wissen nachdenken. Ich zog mich in mein Zimmer nach oben zurück und legte mich auf mein Lager. Sofort kam diese moosartige Decke auf mich zu und legte sich über mich. Wie ich erfahren hatte, war diese eine Art symbiotisches Haustier. Es sollte während des Schlafes den Körper reinigen. Was man unter reinigen verstand, wusste ich nicht, doch als ich am nächsten Morgen aufwachte, fühlte ich mich wie neu geboren.
Rose de Mon, so hieß der übersetzte Name des waldgrünen Pflanzenwesen, das man als Tochter des Kranken bezeichnen konnte. Es fiel mir relativ leicht eine Verbindung von einzelnen Wörtern herzustellen. Vielleicht weil ich Wissenschaftler war? Ich wusste es nicht. Es war auch nicht von großer Bedeutung. Ich hatte mich kurz nach dem Aufstehen gefragt, ob der Kranke wirklich krank war oder ob dies nur meiner Einbildung entsprungen war, weil ich nichts über diese Welt wusste. Als ich mich auf dem Weg nach unten machte, diesmal rutschte ich nicht aus, und ich zusammen mit meinen Gastgebern und Pflegern an einem Tisch saß, sprach ich das Thema an. Sofort fiel mir auf, dass die Stimmung düsterer wurde. Anscheinend hatte ich ein Tabu angesprochen und wollte schon zurückziehen, als man mir meine Unwissenheit nicht vorwarf.

„Ich leide an einer Infektion.“ Sagte der Kranke. „Sie zerfrisst mich. Normalerweise würde man jemanden wie mich sofort verbrennen, um eine Ansteckung zu verhindern. Doch unser Heiler stellte fest, dass meine Krankheit nicht ansteckend ist. Ich bin froh darüber, dass ich meine verbleibende Zeit noch mit meinem Stammbaum verbringen darf und, dass ich keine Gefahr für die anderen bin.“

Ich erfuhr, dass sich Kranke meistens selbst verbrannten, wenn sie feststellten, dass mit ihnen etwas nicht stimmte. Die Kultur dieser Rosenwesen gab der Gemeinschaft immer den Vorrang, wenn es sich um Dinge handelte, die alle betrafen. Zurückhaltend fragte ich nach, ob ich mir diese Erkrankung mal ansehen dürfte. Vielleicht konnte ich etwas tun, um zu helfen. Das war meiner Ansicht nach das Mindeste, was ich tun konnte, um diesen Wesen für ihre Gastfreundschaft und Hilfe zu danken. Verhaltene Begeisterung brach aus. Da ich früher einmal selber Rosen gezüchtet hatte, dachte ich mir, dass dies unter Umständen sogar von Vorteil sein konnte. Nach einer kurzen Begutachtung vom Körper des Kranken, hatte ich die Vermutung, dass er von einer Art Rostpilz befallen war. Meine Vermutung kundgetan, fragte ich sogleich nach bestimmten Wirkstoffen nach. Aber diese gab es hier nicht. Man musste sie sich aus der Wildnis holen. Der Kranke gab mir seine Tochter Rose de Mon mit und riet mir, mich nicht allzu weit vom Dorf der Ladblo zu entfernen. Ladblo, so hießen diese Wesen also. Der Ratschlag, mich nicht allzu weit vom Dorf zu entfernen, löste Unbehagen in mir aus. Gab es hier wilde Tiere oder feindliche Kreaturen? Nachdem was ich gestern und heute bereits erlebt hatte, war ich auf einiges gefasst.

Ich hatte mich auf eine seltsam anmutende Welt eingestellt, mit den merkwürdigsten Wesen und Pflanzen, doch stattdessen traf ich auf die mir bekannte Flora und Fauna. Größtenteils. Ab und an tauchten dann doch noch Gewächse und Tiere auf, die ich nicht kannte. Auf eine Frage hin, hatte mir Rose erlaubt sie mit ihrem kurzen Namen anzureden, worauf sie mich natürlich nach meinem fragte. Ich nannte ihn ihr. Ihr folgend nannte ich einige Pflanzennamen, die ich für das Gegenmittel zum Rostpilz brauchte. Einige fanden wir sofort. Andere waren Rose nicht bekannt. So beschrieb ich ihr das Aussehen der Pflanzen, die uns noch abgingen. Einige fanden wir. Ein paar gingen uns noch ab. Also mussten wir nach Pflanzen suchen, die so ähnlich aussahen, wie die, die ich suchte. Ein heikles Thema, denn eine ähnliche Pflanze mochte nicht die gleiche Wirkung haben, wie die Gesuchte. Da fiel mir erschreckender Weise ein, dass ich mich nach den Pflanzen meiner Welt gerichtet hatte. Dies laut aussprechend und mich entschuldigend, wollte ich die nun erfolgreiche Suche beenden und ins Dorf zurückkehren. Doch auf dem Weg zurück erklärte mir Rose, dass sie es ehrenhaft von mir fand, dass ich den Versuch unternehmen wollte ihren Vater zu heilen, auch wenn ich nichts über dessen viel komplexeren Organismus wusste.

„Darf ich euch Akio Souzan vorstellen.“ Sagte Rose, als wir wieder bei ihr Zuhause angekommen waren.
Richtig, ich hatte mich noch gar nicht vorgestellt gehabt. Dies holte ich nach und auch der Rest der De Mons stellte sich vor. Ich machte mich daran die geernteten Blumen und Sträucher zu vermengen und daraus eine Art Medizin zu erstellen. Dabei gab ich der versammelten Familie kund, was ich schon vorher Rose gesagt hatte. Doch auch diese ehrten mich für meinen Versuch und der Kranke stellte sich tapfer für einen Versuch zur Verfügung. Die gemischte Paste trug ich achtsam auf die fasrige Haut auf, wo sich die verfärbten Stellen zeigten, und beobachtete fasziniert, wie die aufgetragene Substanz langsam einzog. Zuerst tat sich nichts, doch nach wenigen Minuten begannen die ersten Flecken bereits zu schrumpfen und zu verblassen. Froh darüber, dass nun Vater Oren endlich wieder mit Mutter Jasmin ihre gemeinsamen Sprösslinge Sohn Flavian und Tochter Rose eine Familie sein konnten, verbrachte ich den Rest des Tages damit den anderen Dorfbewohnern vorgestellt zu werden. Zudem wurde mir der Titel Ehrenheiler verliehen, den ich dankend ablehnen wollte, aber erst gar nicht dazu kam, weil man dies sonst als Verletzung ihrer Ehre angesehen hätte. Ich wollte erst gar nicht wissen, was dies für Konsequenzen für mich gehabt hätte. Wahrscheinlich so was wie der Tod oder Entmannung.

Ich hasse Perfektion.
Sie bietet keinen Platz für Kreation.

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