Wo ist das Leben hin?

Gibt es Probleme mit dem Board oder möchtest du einen Vorschlag bringen? Nur her damit! Es können aber auch andere Probleme behandelt werden.
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Glumski
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Re: Wo ist das Leben hin?

Beitrag von Glumski » Di 13. Jan 2015, 18:21

Hausaufgaben erscheinen mir übrigens als ein relativ nützliches Mittel um sicherzustellen, dass Schüler sich mit bestimmten Thematiken auseinandersetzen.
Theoretisch ja, praktisch nein. Ich hab' in der Schule immer fleißig meine Aufgaben gemacht und hatte auch 'nen super Schnitt am Ende. Jetzt auf der Uni muss man gezwungenermaßen seine Aufgaben machen und muss dafür seine soziales Leben und einen signifikanten Anteil seiner Schlafzeit opfern... Ich hab' den Eindruck, dass besonders im G8 Hausaufgaben eher zur Beschäftigungstherapie werden.
Die Varianten in nördlicheren Ländern, wo es keine Haus-, sondern Schulaufgaben gibt - also länger in der Schule verweilt wird, man sich dort mit den Inhalten auseinandersetzt, die hier in die Sparte Hausaufgaben fallen - erscheint mir als noch sinnhafter, aber bei dem geringen Investment in die Schulen ist das hier ja nicht möglich.
:1tu:

Uuund... jetzt muss ich weg. So 'was Blödes. Hmm.
I'll be back!

Grüße
Glumski

Edit: Und jetzt bin ich wieder da.
Ich weiß nicht, wie man darauf kommt, dass Hausaufgaben überflüssig sein könnten.
Naja, bei einigen ist es ziemlich offensichtlich. Übungsaufgaben an sich sind eine feine Sache, aber zumindest an unserer Schule haben die Lehrer den Glauben entwickelt, dass am Ende der Stunde Aufgaben gegeben werden müssen. Das ist für Mathe noch ganz lustig, für Deutsch teilweise ärgerlich, für Religion völliger Unsinn (zumindest bei dem Unterrichtsstil, den unser Lehrer genutzt hat), und in Sport einfach nur noch lächerlich.
Benötigt man allen gelernten Stoff? Natürlich nicht. Aber die Schule soll auch auf ein breites Spektrum an späteren möglichen Tätigkeiten vorbereiten, oder sogar für ein Studium vorbereiten.
Ich finde, dass dieser Auftrag völlig untergegangen ist. Als Physikstudent finde ich die Dinge, die mir in Mathe und Physik beigebracht wurden, natürlich sehr sinnvoll. Ich bin mir auch sicher, dass es eine gute Idee ist, sich in Deutsch mit der Analyse von (politischen) Reden auseinanderzusetzen. Die Analyse von Gedichten hingegen - und das war jeder Jahr eines der zentralen Themen - ist wohl eher fraglicher Wichtigkeit. Die Reihenfolge der Bücher in der Bibel auswendig zu lernen... naja. Ich weise dem Religionsunterricht ohnehin einen abysmal niedrigen Stellenwert zu, schon alleine, weil ich Fächer wie Ethik viel sinnvoller fände, oder zumindest Religion im Sinne von "Hey, schaut nur, was es für eine Vielfalt gibt! Reinkarnation finde ich viel besser als Himmel und Hölle!" als "In des Bundes alten Schriften merke an der ersten Stell: Mose, Josua und Richter, Ruth und zwei von Samuel" (Ja, es gibt ein Gedicht zur Reihenfolge der Bücher in der Bibel. Es war einer der wenigen Lernerfolge in dem Fach, die ich verzeichnen kann). Auf der anderen Seite sollte ich vielleicht froh sein, dass wir die Säkularisierung wenigstens weit genug voran getrieben haben, dass im Biounterricht nicht Kreationismus anstelle der Evolutionstheorie angeboten werden muss wie in gewissen westlichen Supermächten.
Was mir ebenfalls sehr gefehlt hat, war eine tatsächliche Vorbereitung auf das Leben. Keine Ahnung, ob meine Eltern mir das alles hätten beibringen sollen, aber ich stehe in der Reinigungsabteilung des Supermarktes meines Vertrauens völlig überfragt vor den Regalen. Ich kann mit Mühe und Not Toilette und Dusche reinigen, ohne dass etwas explodiert, und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich meinen Mietvertrag vollständig verstanden habe. Das Dinge der 1970er++ zu modern sind, okay, das Internet ist ja zum Glück friedlich und freundlich genug, sodass Kinder auch überhaupt gar kein bisschen auf falsche Gedanken kommen können, aber das einzig wirklich Alltagstaugliche war wahrscheinlich "Benutz immer ein Kondom, sonst kriegst du Kinder und AIDS" (was für mich doch nicht sonderlich alltagstauglich ist. Ich studiere Physik).
Ingenieure aller Arten werden in Deutschland zuhauf gebraucht.
Und zumindest auf unserem Gymnasium waren Versuchsaufbauten in Physik das praktischste, was wir je gemacht haben. Ich kenne mich mit dem Ingenieurswesen nicht aus, aber für mich sind das die Menschen, die die von den Physikern gefundenen Konzepte im realen Leben anwenden können und uns Dinge wie elektrisches Licht, Computer und bemannte Raketen bringen. Nur durch Schulbildung könnte man nicht einmal eine Glühbirne wechseln.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde unser Schulsystem besser als das vieler anderer "westlicher" Länder und war im Großen und Ganzen gerne Schüler. Allerdings bin ich auch ein Mensch, der Wissen um des Wissens Willen lernt. Einen Menschen überlebensfähig macht die Schule überhaupt nicht und das wäre etwas, dass ich definitiv gerne sehen würde.
Die Perspektive Betriebe als "die großen bösen Monster" darzustellen finde ich kontraproduktiv.
Da würde ich zustimmen. Betriebe sind nicht böse, schließlich wären wir ohne Betriebe arbeitslos. Sicher gibt es den einen oder anderen, der seine Arbeitnehmer ausbeutet (was dann aber eher gewissen Menschen in der Führungsetage zuzuschreiben ist als der inherenten Boshaftigkeit des Betriebs), aber grundsätzlich sind Betriebe 'ne feine Sache.
Google macht mir ein wenig Angst. Die sind so groß und im Gegensatz zu unserer Regierung kann ich da nicht unsere Elite als Führungspersonen wählen (okay, lassen wir das). Vielleicht ist das aber auch nur der Teil von mir, der doch noch ein wenig von der Angst vor der großen bösen Stasi mitbekommen hat. Oder vor der Umbrella Corporation. Ähem.
Noch ist es so, dass dann wer anders bereitwillig in die Bresche springt, aber ohne entsprechendes Personal kommt das Wasser dann halt irgendwann braun aus der Leitung. Deutschland muss ja jetzt schon Fachkräfte importieren ...
... Darf ich das auf unsere Bildung schieben? Bitte bitte? :mrgreen:
Nachtrag: Dass da "Leugner der Wahrheit" bei meinem Namen steht, schwächt meine Argumentation ab. :D
Ehh, fang einfach jeden Post mit "Papier ist immer flüssig" an und du hast die Weissagung des Forums erfüllt. Ohh, oder mit "Printmedien sind besser als Foren". Dann bist du aus Sicht unserer omnipotenten KI ganz bestimmt Leugner der Wahrheit. :mrgreen:

Grüße
Glumski

PS: Jaaa! Diskussionen! :crazy:

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Re: Wo ist das Leben hin?

Beitrag von Staubschmied » Mi 14. Jan 2015, 10:40

Ingenieure - machen vieles. Oh. Na jedenfalls braucht es dazu auch eine Ladung voll Mathematik, was mein eigentlicher Punkt gewesen sein sollte. Und so ganz ohne mathematische Vorbildung wird das halt nichts.

Deine Hausaufgaben klingen für mich übrigens zum Teil auch ganz schön furchtbar; sieht so aus, als hätte ich da eine günstigere Situation gehabt. Klar, Gedichte musste ich auch mal interpretieren - was auch nicht schlecht ist, um ein Mindestmaß an Sprachfertigkeit zu entwickeln - aber Bibelreime? Alter Falter. Ich hatte den Religionsunterricht, den du dir gewünscht hast.

Was heißt denn "Papier ist immer flüssig"? Kann ich gerade nicht verarbeiten, vermutlich zu wenige Gedichte interpretiert ...

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Re: Wo ist das Leben hin?

Beitrag von Glumski » Mi 14. Jan 2015, 22:08

Ingenieure - machen vieles. Oh. Na jedenfalls braucht es dazu auch eine Ladung voll Mathematik, was mein eigentlicher Punkt gewesen sein sollte. Und so ganz ohne mathematische Vorbildung wird das halt nichts.
Oh. Jep. Wobei traurigerweise selbst die mathematische Vorbildung im Mathe-LK nicht für den Physik-LK ausgereicht hat... aber naja, es wäre definitiv unsinnig, in der kurzen Zeit noch mehr vollzustopfen, was nur ein oder zwei Prozent des Jahrgangs jemals wieder sehen werden...
Steuererklärungen! Oh ja, über die hätte man uns was beibringen sollen. Ich hab' ganz überraschend festgestellt, dass ich als Student ordentlich Rückzahlungen bekomme, weil auf meinen Namen Aktien angelegt sind. Das sollte definitiv in der Schule beigebracht werden, schließlich muss die widerlichen Dinger früher oder später schreiben...
Deine Hausaufgaben klingen für mich übrigens zum Teil auch ganz schön furchtbar; sieht so aus, als hätte ich da eine günstigere Situation gehabt. Klar, Gedichte musste ich auch mal interpretieren - was auch nicht schlecht ist, um ein Mindestmaß an Sprachfertigkeit zu entwickeln - aber Bibelreime? Alter Falter. Ich hatte den Religionsunterricht, den du dir gewünscht hast.
Es ist wahrscheinlich nicht so schlimm wie es klingt. In Mathe und Physik erschien es mir immer okay, aber das waren auch meine LKs und von daher so ziemlich die einzigen Fächer, die ich wirklich gerne gemacht habe. Und Englisch. Wo ich aber sehr gerne darauf verzichtet hätte, Shakespear zu lesen. Oder 'Falling Man'. Was für ein grauenhaftes Buch.
Reli... ja, das war einfach unnötig. Demotivierter Lehrer, der schon selber seit langem nicht mehr an irgendeine Religion glaubt (aber anscheinend kann man als Relilehrer seinen Job deshalb verlieren, also hat er so getan als ob) und entsprechend gab es immer nur Bibeltexte zu bearbeiten. Oder den tollen Reim. Das Alte Testament kriege ich damit sogar noch zusammen. Im Neuen sind diese ganzen blöden Briefe...
Was heißt denn "Papier ist immer flüssig"? Kann ich gerade nicht verarbeiten, vermutlich zu wenige Gedichte interpretiert ...
Eine Lüge, damit du 'Leugner der Wahrheit' abdeckst. Weil... äh... Papier nicht flüssig ist... und so... ähm.

Grüße
Glumski

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Re: Wo ist das Leben hin?

Beitrag von Staubschmied » Do 15. Jan 2015, 15:20

Ach so, ich hielt das für irgendeine mir unbekannte Redewendung. :D Weniger Sinnbildlichkeit als vermutet.

Ich hatte in Religion immer auch Religionskritik und bedeutende Religionskritiker als Thema, ebenso wurde viel Buddhismus behandelt. Also interessanter als die Bibel zu lesen allemal. Habe aber auf Philosophie gewechselt, als das ging, und mich dort herrlich amüsiert.

Wollen wir eigentlich noch irgendwie versuchen, einen Turn zum Ursprungsthema hinzukriegen? Nicht, dass ich viel Konstruktives beizutragen hätte ...

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Re: Wo ist das Leben hin?

Beitrag von Glumski » Do 15. Jan 2015, 18:28

Ich hatte in Religion immer auch Religionskritik und bedeutende Religionskritiker als Thema, ebenso wurde viel Buddhismus behandelt. Also interessanter als die Bibel zu lesen allemal. Habe aber auf Philosophie gewechselt, als das ging, und mich dort herrlich amüsiert.
Ja, das klingt ziemlich interessant. Philosophie wurde bei uns ab der 12 angeboten (vorher gab es keinen entsprechenden Lehrer). Ich bin dennoch bei Reli geblieben, da es garantierte 15 Punkte waren. Der Vorteil bei völlig berechenbaren Unterrichtssystemen ist, dass man ziemlich schnell mit minimalem Einsatz maximale Ergebnisse erzielen kann. Wobei ich anders entschieden hätte, wenn ich gewusst hätte, dass ich denselben Lehrer wieder bekommen würde, den ich bereits ab dem zweiten Halbjahr der 7 hatte. Ich meine... was ist die Wahrscheinlichkeit?
Wollen wir eigentlich noch irgendwie versuchen, einen Turn zum Ursprungsthema hinzukriegen? Nicht, dass ich viel Konstruktives beizutragen hätte ...
Oh... äh... als Inhaber eines hohen Amtes in diesem Forum stehle ich offiziell diese Idee von dir. Ähh, was ich sagen wollte: Ich gratuliere mir dazu, diese grandiose Idee auf subtile Weise in dein Unterbewusstsein eingepflanzt zu haben. Genau.

Ehrlich gesagt fällt mir auch nichts zum Thema ein. Auf zu anderen Diskussionen!

Grüße
Glumski

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